Richard Ebert
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Milch: Düstere Prognose - es droht der Crash

Die Prognose ist äußerst düster: „Am Milchmarkt droht der Crash"

Rhein-Neckar-Zeitung, Fahrenbach (24.11.08) - Richard Riester von der Landesstelle für landwirtschaftliche Marktkunde (LEL) in Schwäbisch Gmünd referierte über weltweite Entwicklungen, die sich auch auf jeden einzelnen Landwirt im Odenwald und Bauland auswirken. Zahlreiche Landwirte konnte Jürgen Fahrbach zu der Veranstaltung begrüßen, zu der alle landwirtschaftlichen Vereine des Kreises eingeladen hatten.

Dass Ölpreise und US-Dollar im vergangenen Jahr eine gewaltige Achterbahn gefahren waren, war wohl niemand entgangen. Globale "Mega-Trends" sieht Riester als die Bestimmungsfaktoren für die langfristige Preisentwicklungen bei Lebensmitteln. Dazu zählte er: global steigende Nachfrage nach Lebensmittel aufgrund der zunehmenden Weltbevölkerung; "Verwestlichung" der Nahrungsgewohnheiten (mehr Fleisch, Milchprodukte und Getreide); Verstädterung (2050 werden 70 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben); zunehmende Nutzung von Bioenergie.

Es gibt Schätzungen, die von einer Verdoppelung des Bedarfes an Nahrungsmitteln in 30 Jahren ausgehen. "Langfristig ergeben sich bessere Perspektiven für die Landwirtschaft" prognostizierte der Referent als Schlussfolgerung aus den globalen "Mega-Trends".

Am Beispiel Weizen beleuchtete er anschließend den Getreidemarkt. In den vergangenen zehn Jahren ist der Verbrauch ständig angestiegen. Bei guten Ernten gab es Überschüsse; häufiger aber blieb weltweit die Ernte hinter den Erträgen zurück und die Weltvorräte nahmen ab.

Während vor zehn Jahren über 30 Prozent der Jahresernte bevorratet wurden, waren es 2007 nur noch ca. 16 Prozent. In dieser Situation reichte es, dass 2007 die Ernte wiederum geringer ausfiel als der Verbrauch, um die Preise auf ein Rekordhoch zu treiben. Angeheizt wurde diese Entwicklung von Spekulationsgeschäften. Es gibt mittlerweile einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen den Börsenkursen und den Rohstoffpreisen – dies schließt auch die Agrarrohstoffe mit ein.

Augenblicklich erleben die Landwirte den umgekehrten Prozess: Eine überdurchschnittliche Ernte 2008 sowie sinkende Börsenkurse haben die Getreidepreise weltweit nach unten gezogen. Während Landwirte in der Spitze 250 Euro je Tonne erlösen konnten, sind derzeit nur noch ca. 100 bis 130 Euro pro Tonne am Markt zu erzielen. Für 2009 rechnet Riester nicht mit einem wesentlichen Preisanstieg, "da gute Ernten immer eine gewisse Zeit nachwirken".

Bei den weiterhin stark schwankenden Märkten ist eine betriebliche Risikostrategie, ein Risikomanagement unverzichtbar. Ein Ratgeber bei der Preisentwicklung sind die Warenterminbörsen. Hier sollten sich die Landwirte informieren.Ein weiteres deutliches Absinken der Getreidepreise ist nicht wahrscheinlich, da die Option zur energetischen Verwertung von Biomasse den Abwärtstrend bremst.

Der Milchmarkt war ein weiterer Schwerpunkt des Abends: Nach deutlichen Preissteigerungen und bald anschließenden Preissenkungen, nach Produktionskostenanstieg und Milchstreik, sind die Milcherzeugerpreise seit Juni im kontinuierlichen Sinkflug. "Am Milchmarkt droht der Crash" überschrieb Riester seine Beobachtungen. Die Preise für Butter und Magermilchpulver sind mittlerweile unter das Niveau der Interventionspreise gefallen. Alle Preise sinken im Milchsektor. Es kann sein, dass bei der ungünstigen Entwicklung der Erzeugerpreis in den nächsten Monaten jeweils um zwei Cent je Liter Milch sinkt. Die Produktion innerhalb der EU ist um 0,9 Prozent gestiegen; der Verbrauch war bis zu drei Prozent rückläufig. Die Exporterstattungen wurden eingestellt und der Milchexport ging um die Hälfte zurück.

Aktuelle EU-Beschlüsse zur Anhebung der Milchquoten um jährlich ein Prozent und die geplante Abschaffung der Milchquotenregelung führen zwangsläufig zu einem weiteren Preisdruck in den nächsten Jahren. Langfristig jedoch hält Rister einen Milcherzeugerpreis von 30 Cent je Liter für realistisch.

Das vergangene Jahr bescherte den süddeutschen Milcherzeugern eine schmerzliche Niederlage. Nur mit dem Milchstreik konnten die Landwirte kurzfristig punkten, langfristig wirken jedoch Marktverluste und Belastungen bei den Molkereien negativ. Zufriedene Milchbauern, die optimistisch in die Zukunft blicken gab es bei diesen Ausblicken nicht.

Sichtlich enttäuscht zeigten sich insbesondere die Landwirte, die sich 2008 beim Milchstreik und anderen Aktivitäten enorm engagiert hatten. Eine Mengensteuerung im Sinne eines Milchfonds hält Riester nur dann für machbar, wenn es eine "Mauer" gibt, die den Markt abschirmt und eine staatliche Legitimierung zur Mengenbegrenzung: "Das wird nicht funktionieren".

(Quelle: http://www.rnz-online.de/zusammen13/00_20081124101800_Die_Prognose_ist_aeusserst_duester_Am_Milchmar.html)

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Geschrieben von Richard Ebert am
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