Richard Ebert
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Milch erlebt Preisrutsch - Bauern protestieren und drohen

Milch erlebt Preisrutsch

Handelsblatt, Düsseldorf/Berlin (21.04.08) - Mit Zeitungsanzeigen haben die führenden Discounter Aldi und Lidl sowie der Supermarktriese Rewe auf Preissenkungen bei Milch und mehreren Milchprodukten wie Kondensmilch, Schlagsahne und Quark aufmerksam gemacht – die Bauern protestieren und drohen.

Die Preissenkungen bei Milch fielen mit 12 Cent je Liter noch stärker aus, als im Vorfeld in Branchenkreisen erwartet wurde. Bei frischer fettarmer Milch entsprechen die 12 Cent einem Rückgang um 18 Prozent. Der führende deutsche Lebensmittelhändler Edeka kündigte für die kommenden Tagen Milchpreissenkungen an.

(Quelle und ausführlich weiter lesen: http://www.handelsblatt.com/News/Politik/Deutschland/_pv/_p/200050/_t/ft/_b/1420111/default.aspx/milch-erlebt-preisrutsch.html)

Geschrieben von Richard Ebert am
Spekulatius_Maximus
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@ Landjus [#28]

Der Artikel ist für mich eine sehr gute Diskussionsgrundlage! Ich frage mich, warum so viele Unternehmer Angst vor dem Markt haben? Liegt es am mangelnden Selbstvertrauen? Wird uns Landwirten zu häufig eingetrichtert, dass wir ja alle aussterben werden?
Wir sind stärker, als viele glauben!

Ich kann diese Pro-BDM-Stimmung nicht verstehen. Das ist Bauernfängerei, die den Bauern sehr schadet und auch schaden wird, nur will das niemand den Anhängern des BDM so deutlich sagen: kein Wochenblatt, kein Landwirtschaftspolitiker, auch sonstige Politiker halten sich aus Angst zurück, der Bauernverband auch nicht, nur vereinzelte "Querdenker", die dann als Bauernhasser diffamiert werden wagen es, die Wahrheit zu sagen.

Die Fakten ändern sich auch nicht durchs Wegschauen!!!

MfG S_M

wollewatz
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Der BDM ist ausschließlich daran interessiert die alten Besitzstände zu halten und den staatlichen Einfluss auf die Steuerung der Milchmenge noch auszudehnen. Man verspricht sich davon, dass auch kleine Milchviehbetriebe weiter existieren können. Ich halte es für unverantwortlich den Bauern so was vorzugaukeln. Das Ende der Milchquote ist bereits beschlossen und es werden auch dann noch erfolgreiche Betriebe existieren, die mit der Milch ihr Einkommen erzielen werden und es wird auch eine Reihe von Betrieben geben, die ihre Produktion einstellen werden.

Landwirte, die mehr Erfahrung haben mit freien Märkten wie mit Schweinen oder Kartoffeln, haben normalerweise kein Interesse daran, dass diese Märkte unter staatliche Obhut fallen, weil sie gelernt haben mit Preisschwankungen umzugehen.

Die Milcherzeuger haben viel Milch und damit viel Geld vernichtet. Damit hätte man sicherlich auch sinnvollere Aktionen finanzieren können, die beispielsweise zu einer Imageaufwertung einheimischer Milch geführt hätten.

Gruß,
wollewatz.

Landjus
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@ Spekulatius Maximus u. Wollewatz

Gegen Ihre Thesen wäre an sich nichts einzuwenden.
Der klitzekleine Haken an der Sache ist nur, daß es einen deregulierten, von sämtlichen staatlichen Eingriffen freien Markt eben nicht gibt.
Das gilt auch für den Schweinemarkt. Auch ohne " Schweinequote". Sie sind doch Praktiker und wissen doch wohl selbst, wie der Staat auf allen Ebenen in den Produktionsprozeß eingreift.
Dazu zählen nun mal neben der Agrarinvestitionsförderung auch Düngeverordnung, Nutztierhaltungsverordnung, Vorschriften zum Tiertransport, Arnzeimittelgesetz, Mineralölsteuer, usw. usf.
Die Milchviehhalter haben viel Geld vernichtet ? Ja und ? Die Schweinehalter etwa nicht ?
Der BDM ist daran interessiert, "Besitzstände zu wahren " ? Ja und ?
Gibt irgendjemand freiwillig einen Besitzstand auf ?
Warum sollten das die Milchviehhalter tun ?

Und was den Fortschritt durch Wachstun angeht, das ja offenbar allein seligmachend ist :
In der Nachbarschaft gibt es es jemanden, der unterdessen fünf früher selbständige Betriebe übernommen hat, von denen auch fünf Familien gelebt haben. Toll.
Weniger toll ist, daß er leider nicht über das Einkommen dieser fünf verfügt, sondern offensichtlich nur so gerade eben über die Runden kommt.
Selbst wenn er ein Einzelfall sein sollte, hat ihm sein Wachstum nichts gebracht. Wäre es nicht besser gewesen, die Besitzstände der fünf wären gewahrt geblieben ? Hätten fünf nicht mehr Gewicht als einer, wenn es gilt, Interessen durchzusetzen ?
Die Politik hat Angst vor den Bauern ? War das als Witz gemeint ?
Ein "Querdenker" wird als Bauernhasser diffamiert ?
Was mich angeht, ich akzeptiere es schlichtweg nicht, wenn die Landwirte als solche immer wieder als dumpfe Subventionsdeppen dargestellt werden, und trete dem an jeder Stelle entgegen.
Einen Schreiberling als "Querdenker" zu adeln, der nur ein paar Halbwahrheiten und abgedroschenes Geschwätz zu einem belanglosen Artikel zusammengeschustert hat, halte ich, um es höflich auszudrücken, für kriecherische Katzbuckelei, die, wenn sie auch noch unaufgefordert und ohne Belohnung erfolgt, nur von einem Bauern stammen kann.

Ich bin übrigens kein Mitglied im BDM. Aber der Überlebenskampf, den er als erste bäuerliche Organisation seit langen Zeiten endlich führt, hat meinen Respekt und meine Anteilnahme.

Spekulatius_Maximus
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Hallo Landjus,

der Milchmarkt wird sicher nicht in einem völlig ungeregelten Markt hineinlaufen. Da müssen wir alle und unsere Vertreter deutlich drauf drängen, dass es intelligente Lösungen eingebaut werden, die es möglich machen, weiter flächendeckend Milch in D produzieren zu können.
Was aber niemals kommen darf, ist die Weiterführung der Quote und erst Recht nicht in Bauernhand! Die Milchquote ist für die verheerende Situation heute verantwortlich. Zukunftsfähige Betriebe müssen jährlich viele tausend Euro in Quote "buttern", damit sich der Einsatz fortschrittlicher Technik sich lohnt. Welch ein Hohn!!!
Die Quote wird sogar als Alterseinkommenssicherung angesehen. Den "Strukturwandel konnte die Quote nicht aufhalten, nur abbremsen- also bürdet man der aktiven Generation immer höhere Kosten auf, die mit der eigentlichen Produktion nun wirklich nichts zu tun haben sollten.

Sehr viele Milchviehhalter haben Angst vor der Zukunft, weil sie nicht genau wissen, wie sie aussehen wird. Deshalb müssen Perspektiven beschrieben und Modelle erarbeitet werden, die diese Angst in Zuversicht umkehren.

Eines ist sicher: Die Milchquote ist kein Rettungsanker für die Milchwirtschaft!

kurze Anmerkung noch zum Geldvernichten: Die streikenden Milchbauern in Niedersachsen haben ca. 1/3 des Gewinnes aus dem letzten WJ (das sicher kein schlechtes war) in die Gülle laufen lassen und haben nun weniger Atem das Tal zu durchschreiten, bis im Herbst die Preise wieder steigen werden.

für ein sachliches Miteinander ;)

S_M

Lukas
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@ Spekulatius_Maximus [#35]

Was aber niemals kommen darf, ist die Weiterführung der Quote und erst Recht nicht in Bauernhand!

Genau, wenn das so wäre, dann brauche ich sofort 30 mm Regen und morgen 3 Tage Sonne. Wind brauche ich dann an dem Tag nicht da ich mein Getreide noch spritzen muß.

Gruß
Lukas

wollewatz
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@ Landjus [#34]

Man sollte schon einen Unterschied zwischen Verordnungen wie Düngeverordnung, Nutztierhaltungsverordnung, Vorschriften zum Tiertransport oder Arnzeimittelgesetz und tatsächlichen staatlichen Eingriffen des Staates wie Investitionsförderung, Mengenquotierung, Interventionspreise, Exportbeihilfen und ähnliches machen. Erstere sind gesetzliche Regelungen so wie eine STVZO, die besagt, dass ein Auto auch Bremsen haben muss. So etwas gibt es in jeder Branche und hat mal einen preistreibenden und manchmal einen preisdämpfenden Charakter und jedesmal kann man darüber streiten, ob das jetzt absichtlich gewünscht war oder nicht.

Das Zweite sind marktpolitische Instrumente, die aktiv in einen Markt eingreifen und damit ganz anders zu bewerten sind. Von diesen Instrumenten halte ich nicht sehr viel, denn die Vergagenheit hat gezeigt, dass ein Markt dadurch mehr Schaden als Nutzen erfährt. Was hilft eine Investitionsbeihilfe für Schweineställe, wenn nachher zu viele Schweine auf dem Markt sind und die Preise fallen? Nichts!

Gruß,
wollewatz.

Landjus
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@ Wollewatz

"Was hilft eine Investitionsbeihilfe für Schweineställe, wenn nachher zu viele Schweine auf dem Markt sind und die Preise fallen? Nichts!"

Und ob sie hilft. Den Preis unten zu halten nämlich.
Oder halten Sie die Verantwortlichen in den Ministerien für Idioten, die nicht wissen, welche Wirkung ihre Steuerungsmaßnahmen haben ? Die Ausweitung der Schweineproduktion in Deutschland trotz des Strukturwandels in den letzten Jahren war staatlich gewollt und ist entsprechend herbeigeführt worden. Warum ?
Warum hat es der Staat den Schlachtunternehmen ermöglicht, Polen und Rumänen, die Zitat " Die Fleischmafia" im Schlachthof " hinter die Kisten scheissen" , zu Hungerlönen zu beschäftigen ? Wegen des Vorparadieses, das die Freizügigkeit von Waren und Dienstleistungen in der EU über uns gebracht hat ?

Düngeverordnung etc sind keine Eingriffe des Staates ? Warum gibt es sie dann, wo wir doch früher bestens ohne sie ausgekommen sind ? Nur, damit die grünwählende Lehrerin oder Zahnarztgattin nicht das feine Näschen rümpfen müssen, wenn sie auf der Autobahn von Münster aus nach Norden fahren ?
Natürlich dienen sie der Regulierung. Und natürlich findet die Regulierung auf dem ordentlichen Rechtsweg statt. Deshalb wird sie aber noch lange nicht sakrosankt.

wollewatz
Mitglied seit
12 Jahre 10 Monate

Solche Sachen wie Düngeverordnung gibt es in allen möglichen Branchen.

Wenn eine Wärmeschutzverordnung novelliert wird, dann hat man damit auch nebenbei im Auge, die Bauwirtschaft zu fördern. Umgekehrt hat z.B. die deutsche Chemiewirtschaft ganz andere Auflagen bzgl. Umweltauswirkungen einzuhalten als die Konkurrenz im Ausland. Das sind aber eben nur indirekte Eingriffe auf einen Markt im Gegensatz zu marktpolitischen Massnahmen.

Aber Du hast absolut Recht damit, dass im Agrarsektor gerne Subventionen gezahlt werden, wenn man dadurch sicherstellen kann, dass die Preise nicht auf die Füße kommen.

Gruß,
wollewatz.

Richard Ebert
Mitglied seit
12 Jahre 10 Monate

Da mir meine Frage vom 08.06. nicht beantwortet wurde, möchte ich erneut nachfragen:

Wer kann helfen ?

Ich suche monatliche oder besser noch wöchentliche Notierungen für Milch zwecks Veröffentlichung als Grafik hier im Forum. Die Notierungen sollten aktuell zu erhalten sein und einigermassen repräsentativ.

Bitte melden Sie sich hier im Forum oder per e-Mail an Ebert@TerminmarktWelt.de.

Gerne willkommen sind auch die Landwirtschaftskammern, die hier mitlesen, die ZMP oder eine Organisation der Milcherzeuger oder Milchindustrie.

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