Milch: Erster Handelstag - Herantasten an die "richtigen Kurse"
Milch: Grillitsch fordert höheren Produzenten-Milchpreis - Milchpaket wirkt - Bauern müssen gerechten Anteil bekommen
ots.at, Wien (31.05.10) - Nach der außerordentlichen Krise im EU-Milchsektor hat sich der Markt für Butter und Magermilchpulver stabilisiert. Die niedrigen Milchpreise, die 2009 in Österreich einen Durchschnitt von 29,1 Cent netto je kg (bei 4,2% Fett und 3,4% Eiweiß) erreicht hatten, ziehen als Reaktion auf die EU-weit beschlossenen Notmaßnahmen wieder an. "Die Preise für Molkereiprodukte steigen in Europa, der internationale Milchmarkt ist für diese Jahreszeit erfreulich stabil. Dank der Intervention durch die EU konnte die Spekulation am Milchpulvermarkt gebremst werden. Wir setzen uns jetzt dafür ein, dass die Bauern einen gerechten Anteil an den Preissteigerungen bekommen", erklärt Bauernbund-Präsident Fritz Grillitsch anlässlich des morgigen Weltmilchtages. "Aufgrund dieses positiven Markttrends sollen die österreichischen Handelsketten den Molkereien und Bauern einen entsprechend höheren Preis bezahlen", verlangt Grillitsch.
"Das Jahr 2009 war für die Landwirtschaft das schwierigste der Nachkriegszeit. Österreichs Bauern leben teilweise von der Substanz. Angesichts der wichtigen Aufgaben, die die Betriebe zu leisten haben, ist das eine Schande", kritisiert der Bauernbund-Präsident.
"Landwirtschaft lässt sich nicht beliebig starten und abstellen wie ein Traktor. Einmal aufgegeben, ist die Produktion verloren. Wenn wir den nationalen Versorgungsauftrag ernst nehmen, dann können wir uns nicht leisten, dass unsere bäuerlichen Betriebe an den Rand der Existenz getrieben werden", so Grillitsch. Es sei gefährlich, die Erzeugung zurückzufahren. "Jede Angebotsschwankung bringt neue Preissprünge mit sich, die weder den Bauern noch den Konsumenten nützen. Von einem stabilen Markt profitieren Verbraucher wie Bauern gleichermaßen", gibt der Präsident zu bedenken.
Terminmarkt: Herantasten an die richtigen Kurse
Der erste Tag des Terminhandels von Butter und Milchpulver blieb umsatzlos. Aus Händlerkreisen war zu erfahren dass die interessierten Firmen teilweise noch nicht in der Lage waren, entsprechende Aufträge zu erteilen. Auch die Clearing Mitglieder konnten zum Teil Aufträge nur per 'Noteingabe', einem komplizierten Verfahren außerhalb der elektronischen Wege, entgegen nehmen.
Am Nachmittag ab 14:24 Uhr wurden die ersten Orders auf den Handelsbildschirmen sichtbar. Die Spanne zwischen Geld- und Briefkursen betrug gegen Börsenschluss um 18:30 Uhr 41 % (1.700 zu 2.400 Euro) bei Milchpulver und 14 % (3.300 bis 3.750 Euro) bei Butter, für den ersten Handelstag eher ein Zeichen des 'Herantastens' an den 'richtigen Kurs'.
Die Eurex setzte die Schlusspreise für alle Handelsmonate einheitlich auf 2.473 Euro für Milchpulver und 3.577 für Butter fest.
Um dem Handel weitere Anhaltspunkte zu geben, haben wir anhand saisonaler Tendenzen der letzten Jahre für Milchpulver folgende 'faire' Kurse ermittelt (keine Handelsempfehlung):
Juli 2010 = 2.600 Euro, Oktober 2.500, Januar 2011 = 2.200, April 2.300, Juli 2.600 und Oktober 2.011 = 2.500 Euro.
Für Butter ergeben sich die folgenden Daten, die allerdings noch einer letzten Überprüfung standhalten müssen:
Juli 2010 = 3.600, Oktober 3.900, Januar 2011 = 3.400, April 3.500, Juli 3.600 und Oktober 2011 = 3.900 Euro.
Entsprechende Grafiken werden wir morgen im Forum und auf den Seiten mit Realtimekursen zur Verfügung stellen.