Richard Ebert
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<b>Milch: Eurex handelt ab 28.09.12 Molkenpulver Futures</b>

Eurex legt neuen Future auf Molkenpulver auf

Agrarzeitung.de (04.09.12) - Die Terminbörse will der europäischen Ernährungsindustrie ein Instrument zur Preisabsicherung bieten. Bei den übrigen Milchprodukte-Futures stehen Änderungen bevor.

Am 28. September werde der neue Future auf Molkenpulver an den Start gehen, teilt die Eurex am heutigen Dienstag in Frankfurt mit. Der dem Kontrakt zugrunde liegende Basiswert sei der „European Whey Powder Index“ der Agrarmarkt Informationsgesellschaft mbH (AMI) in Bonn.

Wie bei den bereits seit Mai 2010 Futures auf Magermilchpulver und Butter an der internationalen Terminbörse umfasst ein Kontrakt 5 Tonnen und wird in Euro abgerechnet. Der neue Kontrakt wird zudem ebenfalls in bar abgewickelt, der physische Austausch von Ware ist folglich nicht vorgesehen.

Der neue Kontrakt sei „auf Wunsch und in enger Abstimmung mit bedeutenden Marktteilnehmern entwickelt worden“, sagt Sascha Siegel, verantwortlicher Produktentwickler bei der Eurex.

Molkenpulver habe in den vergangenen Jahren für die Lebensmittelindustrie deutlich an Bedeutung gewonnen, zitiert die Eurex Ulrich Lammel, der bei Kraft Foods Europe für den strategischen Einkauf von Molkereiprodukten verantwortlich ist. Die Preise seien „sehr volatil“; an einem börslichen Preisabsicherungsinstrument in Europa habe es „bislang gefehlt“.

Bislang läuft der Handel mit Milchprodukte-Futures an der Eurex allerdings auf einem recht niedrigen Niveau. Im Jahr 2011 wurden insgesamt 500 Kontrakte auf Butter umgeschlagen. Bei europäischen Veredlungskartoffeln, dem umsatzstärksten Produkt der Frankfurter Terminbörse, waren es immerhin 53.000 Kontrakte. Grundsätzlich sei man "perspektivisch" davon überzeugt, dass die Milchprodukte-Futures wachsende Akzeptanz am Markt erfahren werden, teilte ein Eurex-Sprecher auf Anfrage von agrarzeitung.de dazu mit.

Im Zuge der Produkteinführung verändert die Eurex die Fälligkeiten der bestehenden Milch-Kontrakte und die Handelszeiten, wie die Börse weiter mitteilt. Ab Ende dieser Woche stehen für die Futures auf Magermilchpulver und Butter Fälligkeiten auch für die jeweils kommenden sechs Kalendermonate (Januar bis Dezember) zur Verfügung. Bisher laufen die Termine zu den vier Quartalsmonaten Januar, April, Juli und Oktober. Handelbar seien alle drei Milch-Futures künftig von 8.45 Uhr bis 18.30 Uhr mitteleuropäischer Zeit, aktuell beginnt der Handel um 9.50 Uhr.

(Quelle: http://www.agrarzeitung.de)

Bild entfernt.

An der Chicago Mercantile Exchange werden bereits Molkenpulver Kontrakte gehandelte

Bild entfernt.

Die Kurse für die Dezember Lieferungen seit Handelsbeginn in 2007

Geschrieben von Richard Ebert am
MissPiggy
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@ Richard Ebert [#1]

Die Kontrakte auf Milcherzeugnisse laufen seit Einführung überhaupt nicht. Daran wird auch der Molkenpulver Future nichts ändern. Schade, aber die global Players der Branche handeln an der Global Dairy Trade und nicht an der Eurex.

Grüße

MissPiggy

Richard Ebert
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@ MissPiggy [#2]

Die Frage ist nicht, OB sie nicht laufen sondern WARUM sie nicht laufen.

Haben Sie Erklärungen ? Liegt es an der Eurex und wenn dem so ist welche Fehler hat die Börse gemacht ? Will die Branche keine Futures und warum will sie keine ?

Oder ist es so wie bei Rohöl in den USA, dass Jahre brauchte um auch nur 100 Kontrakte pro Tag zu handeln.

An der fehlenden Volatilität kann es nicht liegen. Die Preisschwankungen sind höher als bei den meisten Agrarfutures.

Schöne Grüsse, Richard Ebert

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SSiegel
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@ MissPiggy

Zwei Anmerkungen der guten Ordnung halber:

a) "Global Dairy Trade" ist meines Wissens kein börslicher Terminmarkt, sondern eine Auktionsplattform auf der in der Mehrheit Ware der Firma Fonterra aus NZ verauktioniert wird.
Eine Vergleichbarkeit zu den gelaunchten Terminkontrakten dürfte somit nur bedingt gegeben sein.

b) Von den Termin Börsen, die 2010 Futures auf Europäische "Milchprodukte" aufgelegt haben (CME Group (International SMP Kontrakt), NYSE Euronext (SMP Kontrakt) und Eurex (SMP- und Butter Kontrakt)) sind die Kontrakte an der Eurex mit weitem Abstand bisher die am meistgehandelten.

Geno-Bauer
Mitglied seit
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Hinsichtlich der Pulverkontrakte habe ich neulich zum ersten Mal gehört, dass man bei Milchaustauscher für Kälber Kontrakte machen kann (als Forwards). Als ich meinen Händler fragte, ob man die auch als EFP-Kontrakt machen kann, das sagte er mir darüber müsste man mal reden. Es war wie gesagt ein kurzes Gespräch, und wurde bisher auch nicht vertieft, aber überrascht war ich doch.

Man muss nämlich als Milcherzeuger nicht nur unbedingt den Absatz der Milch, sondern man kann auch den Bezug von MA für die Kälber absichern. Natürlich ist hier wieder die Größe das Maßgebliche.

MfG
Geno-Bauer

Daten50
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Darf man denn mal fragen, womit der Händler konkret handelt und wie er am Markt auftritt? Wie will er die Mengenanforderungen erfüllen?

MfG
Daten50

Geno-Bauer
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@ Daten50 [#6]

Wie gesagt, die Information bekam ich eher beiläufig. Er bot mir nämlich an nochmal Pulver zu ordern, weil der Hersteller wieder eine Preiserhöhung wegen der Börsenentwicklung angekündigt hatte. In diesem Zusammenhang kamen wir auf Kontrakte zu sprechen. Insgesamt hat das Gespräch vielleicht nur 2 oder 3 Min. gedauert. Für mich war das neu, was ja nicht heißen muß, das es das nicht schon länger gibt. Ich war aber bisher anderweitig zu stark beschäftigt, um das Thema nochmal aufzugreifen. aber Ende September kommt er ja noch mal zu uns, da werde ich ihn nochmal drauf ansprechen.

@ SSiegel [#4]

Grundsätzlich finde ich es gut, wenn die Anzahl der handelbaren Monate erweitert wurden. Es kommt der Lebenswirklichkeit bei der Milcherzeugung doch deutlich näher. Bei meiner schon an anderer Stelle geäußerten Kritik zu einem fehlenden Rohmilchkontrakt bleibe ich. Ich gehe mal davon aus, dass nicht beabsichtigt ist, die Erzeuger (sofern ausreichend groß) von der Börse fern zu halten.

MfG
Geno-Bauer

MissPiggy
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@ SSiegel [#4]
@ Herr Ebert

Warum (leider) so wenige Kontrakte im Milchbereich gehandelt werden, weiß ich letztlich auch nicht. Vielleicht wirkt noch die jahrzehntelange Preisabstützung eines reglementierten Marktes nach? Noch heute bezahlt ja der Steuerzahler Subventionen für eine private Lagerhaltung der Molkereikonzerne. Sicher fehlt auch eine gewachsene "Börsenkultur" und auch die mangelnde Liquidität des Futurehandels mag abschrecken.

Beim Global Dairy Trade werden tatsächlich Kontrakte mit physischer Lieferung versteigert. Dominierend ist Fonterra aber auch Arla und eine Molkerei aus den USA machen mit. Vielleicht hätte man es, trotz der damit verbundenen Schwierigkeiten, mal mit einem physisch zu erfüllenden Kontrakt probieren können. Das schreckt zwar Spekulanten ab aber die tatsächlich im Markt agierenden Unternehmen und Händler könnten Interesse haben. Der Erfolg dieser "Börse" spricht zumindest dafür.

Ich habe, ähnlich wie GenoBauer, das Gefühl, das ein Rohmilchkontrakt für Landwirte Interessant sein könnte. Aber ist er das auch für Molkereiunternehmen, die letztlich in Eigenregie ihre Milchpreise Wochen nach dem Wareneingang den Milchbauern mitteilen? Wenn ich den Preis bestimme, brauche ich ihn nicht abzusichern. Das scheint mir ähnlich, wie bei den großen Schlachtunternehmen und den Schweinekontrakten zu sein.

Gruß
MissPiggy

Daten50
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@ MissPiggy [#8]

Hinsichtlich Ihrer Einschätzung gebe ich Ihnen völlig Recht. Sowohl die Molkereien, als auch die Schlachtereien "sichern" sich über ihre Bauern ab. Die Argumentation der Molkereien sich nicht über die Börsen abzusichern liege u.a. an den zu niedrigen Preisen an den Börsen. Man brauche Spitzenpreise, sonst laufen die Erzeuger weg und man bekäme Schwierigkeiten mit den Bänkern. Das ist m.E. Unsinn. Wenn die Molkereien aktiver wären, hätten wir auch kein Liquiditätsproblem. Es geht ja auch um Stabilisierungseffekte an den Märkten und um ihre Genossenschaftsbauern. Die Wahrscheinlichkeit ist also gering, dass wir die Molkereien an den Börsen sehen werden.

An der NYSE/MATIF kann Vollmilchpulver mit physischer Lieferung abgesichert werden. Zusammen mit einem entsprechenden Äquivalent des europäischen Rohstoffwertes (Kiel) wären Kontrakte mit physischer Erfüllung also machbar. Die Einheiten sind allerdings sehr groß, weswegen Sie für Erzeuger kaum erreicht werden können. Ich glaube wir sollten über außerbörsliche Instrumente nachdenken.

MfG
Daten50

Geno-Bauer
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ Daten50 [#9]
@ MissPiggy [#8]

Jetzt mal konkret. Ich denke bei Kontraktgrößen von 50 bis 100 t könnte man schon was bewegen.

Das großte Problem aber ist, ähnlich wie bei den Schweinen, dass die Milch durch den Flaschenhals Molkerei durch muß. Der Landwirt kann also nicht lagern. Also wird es beim Landwirt immer auf EFP-Verträge mit einer Molkerei hinauslaufen. Er kann es sich nicht erlauben auf einmal ohne Abnehmer dazustehen. und die Gefahr ist groß, dass die Molkerein mauern, wenn man ständig den Abnehmer wechseln will. Da geht es sehr schnell an die Existenz.

Vielleicht sollte man ja mal so einen Muster-Efp-Vertrag für Rohmilch konstruieren. Ein Fortschritt gegenüber dem jetzigen Zustand, wo die Molkerei den Preis nach billigem Ermessen festlegen kann, wäre das allemal.

MfG
Geno-Bauer

SSiegel
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ Daten50

Bitte erlauben Sie mir folgende Anmerkungen:

a) An der NYSE Euronext in Paris wird kein Vollmilchpulver, sondern Magermilchpulver (SMP) gehandelt - allerdings offenbar mit deutlich geringerer Liquidität als an der Eurex.

b) Mit dem Kieler Rohstoffwert und einem Skimmed Milk Powder Future alleine lässt sich nach meinem Verständnis (und nach Rücksprache mit Herrn Prof. Dr. Thiele von IFE e.V.) Milch nicht abbilden - dazu braucht man noch zusätzlich den Butter Kontrakt.

Applepie
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

Hallo,

Frage zum Milchterminmarkt:
top agrar gibt neuerdings täglich einen Milchwert bekannt, der sich von den Eurexkursen für Butter und Pulver ableitet.
Was haltet Ihr davon?

http://www.topagrar.com/markt/top-agrar-Milchwert-1281813.html

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