Milch Jahresbericht: Vorerst schwächere Preise
ZMP-Jahresbericht: Bei Milch vorerst schwächere Preise
ZMP (28.11.08) - Die Entwicklungen am Milchmarkt waren 2008 geprägt von Reaktionen auf den deutlichen Preisanstieg im Jahr 2007. Die Milcherzeugung wuchs weltweit wieder stärker, die Verbraucher kauften spürbar weniger Milchprodukte und die Nachfrage vom Weltmarkt ging zurück. Dies hat zu einer erhöhten Verfügbarkeit von Milchprodukten geführt und einen Rückgang der Preise ausgelöst. So lautet in aller Kürze das Fazit der Wertung des Milchmarktes 2008 durch die Leiterin der ZMP-Abteilung Milch und Milchprodukte, Monika Wohlfarth. Ausführlich ist die Einschätzung der ZMP zu den Milchmärkten 2008 und ein Ausblick auf 2009 im jetzt vorgestellten ZMP-Jahresbericht 2008/2009 nachzulesen.
Die Auszahlungspreise der deutschen Molkereien an die Milchbauern waren 2008 zum Jahresbeginn noch auf ähnlichem Niveau wie in den letzten Monaten des Jahres 2007; dann sind sie von Monat zu Monat gesunken. Im Herbst 2008 zeichnete sich ab, dass die saisonübliche Erholung der Milchpreise ausbleiben und eine weitere Abschwächung eintreten wird. Die Ursache waren die nachgebenden Erlöse für Milchprodukte. Im Durchschnitt des Jahres 2008 dürften die Milcherzeugerpreise im Bundesmittel aber dennoch etwa 33,5 Cent für das Kilogramm Milch mit 3,7 % Fett und 3,4 % Eiweiß betragen und damit das Niveau von 2007 erreichen.
2008 ist die Milchanlieferung an die deutschen Molkereien leicht gestiegen und dürfte den Rekordwert des Jahres 2005 wieder erreicht haben. Aufgrund des Milchlieferstreiks und -boykotts ist rund ein Prozent eines Jahresaufkommens in Deutschland nicht an Molkereien angedient worden.
Die Verbraucher verhielten sich beim Kauf von Milchprodukten sehr preissensibel. Unmittelbar nach Inkrafttreten der Preiserhöhungen im Laufe des Jahres 2007 haben sie weniger Milchprodukte eingekauft. Bei kurzfristigen Preissenkungen - beispielsweise für Konsummilch - haben sie sofort mit größeren Einkäufen reagiert. Die Verbrauchszurückhaltung hielt auch 2008 an. Stark auf die Preiserhöhungen reagiert haben außerdem Großverbraucher und Lebensmittelindustrie.
Im nächsten Jahr könnten die Preise für Milch und Milchprodukte wieder stärker von der Interventionsverwertung beeinflusst werden. Falls die Märkte in den ersten Monaten 2009 nicht wieder ins Gleichgewicht kommen sollten, könnte es erstmals seit 2006 in Deutschland wieder zu Verkäufen an die Interventionsstellen kommen, wobei die Interventionspreise seit damals deutlich gesenkt worden sind.
Die deutsche und die europäische Milchwirtschaft bleiben auf Exporte an den Weltmarkt angewiesen. Die aktuelle Finanzkrise birgt möglicherweise zusätzliche Risiken für die globale Nachfrage nach Milchprodukten. Die Konkurrenzfähigkeit der EU-Anbieter am Weltmarkt wird nicht zuletzt durch die Währungsentwicklung beeinflusst.
Die sinkenden Erlöse für Milchprodukte gegen Ende 2008 werden sich Anfang 2009 voraussichtlich auf die Milcherzeugerpreise auswirken. Im Laufe des Jahres könnte wieder eine Stabilisierung einsetzen, in Abhängigkeit davon, wie stark Angebot und Nachfrage auf die schwächeren Preise reagieren. Unter diesen Voraussetzungen sind im Durchschnitt von 2009 niedrigere Milchpreise zu erwarten als 2008. Längerfristig ist generell mit stärkeren Preisschwankungen zu rechnen.
(Quelle: http://www.zmp.de/presse/pressemitteilungen/2008/2008_11_28_jb-milch.asp)