Milch: Merkel hat das Problem erkannt - aber es gibt keine Hilfen
Milchgipfel ohne Erfolg - Außer Spesen nichts gewesen
n-tv.de (02.10.09) - Die Regierungschefin habe bei dem Gespräch zwar "wirklich das Problem erkannt", sagte der Vorsitzende des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM), Romuald Schaber, nach dem Treffen im Kanzleramt. Es seien aber keine konkreten Hilfen vereinbart worden.
Zugleich sagte Schaber, es habe Einigkeit bestanden, dass die Aufstockung der Milchquote gestoppt werden müsse.
(Quelle und ausführlich weiter lesen: http://www.n-tv.de/wirtschaft/Milchgipfel-ohne-Erfolg-article531427.html)
@ Richard Ebert [#1]
Der Bauernverband fordert, die zuviel produzierte Milch mit Steuergeldern aufzukaufen. Der BDM kämpft dafür nur soviel Milch zu produzieren wie auch nachgefragt wird.
In diesem Satz liegt das Kernproblem der ganzen Milchmisere. Zwei Verbände die sich nicht einigen können und die Politik sagt "Wie sollen wir Euch helfen, wenn Ihr Euch selbst nicht im Klaren seid welchen Weg Ihr gehen wollt."
Anfang der 80 er Jahre kostete der damals nicht kontingentierte freie Milchmarkt der damaligen EG jährlich ca 5 Mrd DM an Steuergeldern. Dann wurde die Quote eingeführt, mit den ganzen Problemen (Härtefallregelungen, Herauskaufaktionen, Handelbarkeit, Börse, zig Änderungen am Quotenrecht usw. usw.) Nach ca 10 Jahren lief der Laden einigermassen von selbst und kostete den Steuerzahler kein Geld mehr.
Jetzt soll dieses Instrument wieder abgeschafft werden mit der Begründung man müsse Wertschöpfung beim Export holen können und Weltmarktanteile erobern. Dies funktioniere nur bei einem liberalen freien Markt.
Spricht man Verfechter dieses Systems an und verweist darauf, dass z.B. die kleinstrukturierte Milchbetriebe wie z. B. im Allgäu dies nicht überleben, bekommt man plötzlich zur Antwort man solle die Regionalität und die bessere Qualität in höheren Preisen durchsetzen, wie dies die regionalen Brauereien und Winzerbetriebe auch machen.
Die Erfahrung zeigt aber, dass Milch ein austauschbares Produkt ist und der Käufer nach Preis kauft (preissensibles Produkt).
Am wenigsten Probleme machen und am wenigsten Steuergelder kosten wird auch in Zukunft ein mengengesteuerter Milchmarkt .
Dies behaupte ich als Schweinehalter umgeben von Milchviehbetrieben.
Ich könnte mich wie ein bekannter Ackerbauer von mir zurücklehnen und mich heimlich freuen, wenn die Mitbewerber um Fläche finanziell ausbluten.
Dies wäre aber zu kurz gedacht. Der ländliche Raum wird nur dann lebenswert und stark sein, wenn auch die Milchviehbetriebe einen akzeptablen Preis für Ihr Produkt bekommen.
Freies Spiel der Kräfte, analog zum Schweinemakt ist nicht 1 zu 1 auf den Milchmarkt übertragbar. Einen Schweinemaststall kann ich leerstehen lassen einen Kuhstall nicht.
Mfg
BB
Ich als Schweinemäster kann aber nicht so ohne weiteres einen Kuhstall bauen und melken; ich bräuchte dazu Produktionsrechte.
Genauso wie bei den Zuckerrüben.
All das würde entweder garnicht gehen; oder eine Menge Geld kosten; und genau da ist das Problem; welches wir heute haben.
Da gibt es viele Betriebe; die vom Betriebswirtschaftlichen Sinn her als beste Alternative nur die Milch haben; weil viele Grünlandflächen; Hofnachfolger u.a.
Dieser muss um Wachsen zu können viel Geld investieren; was natürlich die Gesamtbelastung steigen läst.
Auch sind die Güllerechte/Schweinerechte in NL genauso ein Beispiel dafür; dass unsere Kollegen verstärkt ins Emsland /NBL abwandern.
Produktionsrechte verhindern immer Wachstum.
Damit meine ich nicht immer das Wachstum auf den Gesamtmarkt gesehen; sondern auf die Kosten zur Erzeugung eines ltr. Milch.
Die Quote hat den Verfall der Preise auh nicht verhindern können; und das zeichnete sich schon vor der Erhöhung ab; die Milchpreise haben nur kurzfristig vom allgemeinen Marktumfeld profitieren können.
Auch wenn morgen es eine Einführung von Schweinequoten geben wird; der Preis wird trotz dessen nicht steigen.
Weil wir alles Weltweit sehen müssen; alles sind austauschbare Waren.
Hinter den Kulissen hat die Quote genau dasselbe Problem; der Verkauf.
da haben sich einige Grossmolkereien gebildet mit dem Ziel des besseren Verkaufs; und haben den Bauern trotz dessen keinen Erfolg gebracht.
Genau wie bei den Schweinen.
In dem Sinne
MFG
Mühlenbach
@ Bauer Bernie [#2]
Guter Beitrag. Aber:
Am wenigsten Probleme machen und am wenigsten Steuergelder kosten wird auch in Zukunft ein mengengesteuerter Milchmarkt.
Den haben wir doch schon. Die geplante/vorgegebene Menge wird noch nicht mal produziert. Dennoch sind die Probleme am Milchmarkt riesig. Und die Subventionen zu Lasten aller Steuerzahlen ebenso.
Das Problem scheint mir nicht die Menge zu sein, sondern der Preis. Der steigt nicht automatisch, wenn nach Plan die Menge verringert wird. Dies umso mehr, als wir einen europäischen und Weltmarkt haben und alles in EU Gesetzte und Verordnungen eingebunden ist.
Planwirtschaft ist für mich jedenfalls keine Lösung. Ein Milch-Terminhandel mit Kontrakten die der Leistungsdauer von Milchkühen entsprechen (wie viele Jahre sind das ?) könnte dem Verkäufer und Käufer einen festen Preis und eine bessere Kalkulationsbasis bieten.
@ Bauer Bernie [#2]
"Einen Schweinestall kann ich leerstehen lassen" ?
Wie bitte soll ich dann Zins und Tligung erwirschaften ? Was mach ich mit meinen Lehrling und Praktikanten ?
Dann verlier ich meine Metzger Kundschaft! Ich kann nicht "Zocken" auf fallende Ferkelpreise.
MfG Saubauer
Endlich ein paar Tropfen Regen
@ Saubauer2 [#5]
Ja Saubauer, einen Schweinemaststall kann ich leerverkaufen und leerstehen lassen das Geld parken und wieder anfangen.
Habe ich auch schon wegen einer Operation machen müssen. Der Stall war 3 Jahre alt und nicht bar aus der Tasche bezahlt.
Einen Zuchtsauenstall oder einen Milchviehstall kann ich nicht so einfach blank fahren.
Wenn das Zuchtmaterial weg ist ist es weg. Bis eine Hochleistungsherde herangezüchtet ist dauert es Jahre wenn nicht Jahrzehnte.
Mfg
BB