Milch: Molkereien fehlt die Erfahrung am Terminmarkt
Molkereien fehlt Erfahrung mit Terminkontrakten
AgE (25.03.11) - Die zögerliche Annahme der 2010 eingeführten Eurex-Terminkontrakte auf Butter und Magermilchpulver sind für den Vorsitzenden vom Milchindustrie-Verband (MIV), Dr. Karl-Heinz Engel, Resultat der im Milchmarkt über viele Jahre stabilen Marktverhältnisse. Bis 2007 habe für Unternehmen der Milchwirtschaft keinerlei Notwendigkeit zur Absicherung von Preisrisiken bestanden.
Inzwischen sei der Weltmarkt auch bei der Milch angekommen und die im MIV organisierten Unternehmen hätten lernen müssen, dass die Preisschwankungen immer stärker würden. Das Instrument der Preisabsicherung über eine Terminbörse wie die Frankfurter Eurex sei für viele Milchverarbeiter neu, weshalb in vielen Unternehmen zunächst Aufklärungsarbeit geleistet werden müsse.
Bei Verantwortlichen im Verkauf sei vielfach noch nicht der notwendige Erfahrungshorizont da. Bei Weizen und Raps, wo die Preisabsicherung für die gesamte Wertschöpfungskette inzwischen Standard sei, habe man seit der Agrarreform 1993 Zeit gehabt, Erfahrungen mit Termingeschäften zu sammeln.
Für viele Molkereien sei es zudem schwierig, ihre eigene Produktpalette über Butter- und Pulverkontrakte abzusichern. Sein Unternehmen - Engel ist Hauptgeschäftsführer der Hochwald Nahrungsmittel-Werke GmbH - erzeuge schwerpunktmäßig Produkte der weißen Linie. Dieser Verwertungsmix lasse sich kaum über Butter- und Pulverkontrakte absichern, da die Preisentwicklung nicht synchron verlaufe. Zudem verhandle Hochwald Halbjahreskontrakte mit dem Handel und biete seinen Milchlieferanten dadurch schon heute eine Absicherung gegen schwankende Marktpreise.
Die Eurex in Frankfurt hat den Terminhandel auf Butter und Magermilchpulver im Mai 2010 aufgenommen. In die Entwicklung der Kontraktspezifikationen war auch die deutsche Milchindustrie eingebunden. Trotzdem haben die Milch-Futures einen Fehlstart hingelegt. Bis Ende 2010 wurden gerade einmal zwei Dutzend Kontrakte auf Butter und Pulver gehandelt.
Auch deshalb wird aus der Landwirtschaft der Ruf nach einem Rohmilchkontrakt immer lauter, wie er an der Terminbörse von Chicago gehandelt werden kann. Ein deutscher Rohmilchkontrakt würde nach Überzeugung von Börsenexperten die Milcherzeuger selbst in die Lage versetzen, einen Preis für ihre Milch an der Terminbörse abzusichern.
(Quelle: http://www.raiffeisen-uckermark.de/)
Zuletzt wurden in Chicago monatlich rund 40.000 Milch Futures Class III gehandelt. Auch die Zahl der offenen Kontrakte erreichte die 40.000.