Milch: Schweizer Butterexporte sorgen in Deutschland für rote Köpfe
EU-Milchbauern protestieren gegen Schweizer Butterexporte
Landwirtschaft.ch (29.11.11) - Schweizer Butterexporte sorgen bei deutschen Landwirten für rote Köpfe. Diese würden zu Druck auf die Erzeugerpreise führen. Gemeinsam mit Schweizer Landwirten machten sie ihrem Unmut auf der Strasse Luft. Gefordert werden ein Ende der Überschuss-Produktion und eine Mengensteuerung in Produzentenhand.
„In der EU und Deutschland wird der Schweizer-Butter nicht gebraucht“, steht auf einem Plakat geschrieben. Und auf einem anderen Transparent heisst es: „Kein Butterexport-Dumping“. Bauern schieben Schubkarren voller Butter über die Grenze zwischen Deutschland und der Schweiz. Organisiert hatte die Protestkundgebung, die an der Zollstation Riehen-Lörrach stattfand, der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter und European Milkboard in Zusammenarbeit mit den Schweizer Organisationen Uniterre und Big-M. Hintergrund der Aktion: Die Schweizer Milchbranche exportiert derzeit tausende Tonnen überschüssiger Butter, um die vollen Lager abzubauen. Aufgrund des hohen Schweizer Preisniveaus ist eine Ausfuhr indes nur möglich, wenn die Butter künstlich verbilligt wird. Dies geschieht mit Hilfe eines Fonds, der mit Abgaben der Bauern gespiesen wird, die sie auf jeden Liter Milch zahlen müssen. An der Schweizer Exportpraxis haben die deutschen Bauern wenig Freude. Sie befürchten Verzerrungen auf den Märkten und weiteren Druck auf die Erzeugerpreise.
Ulrike Minkner, Vizepräsidentin von Uniterre, betonte, dass unter den Butterbergen auch die Schweizer Bauern zu leiden haben. So würden diese zu tieferen Milchpreisen führen, wovon einzig die Verarbeiter profitieren würden.
Die Bauern fordern deshalb ein Ende der Überschuss-Produktion, die gegenwärtig über 200 Mio. Liter Milch betrage. Die Milchmenge müsse künftig der Nachfrage angepasst werden. Erreichen will man dies mit einem Mengenregulierungssystem in Erzeugerhand. Die Segmentierung in A-, B- und C-Milch soll aufgegeben werden. Diese sei ein Mittel der Verarbeiter, um die Preise zu drücken.
Der Protest der EU-Bauern hat noch einen weiteren Grund: 2015 will die EU die Milch-Kontingente abschaffen. Besorgt schauen die Bauern deshalb auf die Schweiz, wo die Milchquoten bereits im 2009 aufgegeben wurden. Für Franz Schweizer vom Bundesverband Deutscher Milchviehhalter ist klar: Das Beispiel Schweiz zeige, dass eine Liberalisierung des Milchmarktes nicht funktioniere.
Ende Januar 2012 müssen sich die Kurven für Januar Butter an der Eurex mit der für Butter Kassakurse treffen. Der Eurex Butter Index wurde am Mittwoch mit einem Rückgang von 108 auf 3.612 Euro sehr schwach notiert. Januar Butter schloss bei 3.413 Euro.