Milch: Schweizer Milchbörse startet
Milchbörse startet nächste Woche - Preise von 20 bis 45 Rp erwartet
Von Samuel Krähenbühl
SchweizerBauer.ch (07.08.09) - Die PO Miba war die letzte Organisation, die keine Mehrmengen ausschrieb. Nun können auch die Miba-Lieferanten Mehrmengen zu Börsenpreisen zwischen 20 und 45 Rp. liefern.
(Quelle und ausführlich weiter lesen: http://www.schweizerbauer.ch/htmls/artikel_19615.html)
Milchmarkt Schweiz: Transparenz ist entscheidend
Von Christian Weber
Thurgauer Zeitung (29.08.09) - Mit der Aufhebung der Kontingentierung spielt der Milchmarkt nicht mehr. Hansjörg Walter ist Präsident einer Branchenorganisation, die neue Regeln für den Milchmarkt erarbeitet. Diese wartet mit Erfolgen auf.
Hansjörg Walter, am 29. Juni ist die Branchenorganisation Milch gegründet worden, die Sie präsidieren. Wie ist die Stimmung im Vorstand?
Hansjörg Walter: Im Vorstand sind je zehn Vertreter der Landwirtschaft sowie von Verarbeitern und Handel vertreten. Grundsätzlich ist die Bereitschaft da, den Konsens zu suchen. Allerdings sind die Vorstellungen teilweise unterschiedlich. Bis jetzt konnten wir aber an drei Sitzungen wichtige Traktanden durchberaten. Wir fassten auch Beschlüsse. Es gelang uns nicht in jedem Fall eine Punktlandung. Aber wir fanden einen Konsens. Die Branchenorganisation hat für die Monate Juli bis September einen Richtpreis von 61,6 Rappen pro Liter ausgehandelt.
Ist das bei einem liberalisierten Markt zulässig?
Gemäss Landwirtschaftsgesetz haben wir die Möglichkeit, Branchenorganisationen zu bilden. Solche Organisationen gibt es seit einiger Zeit, etwa beim Fleisch, bei Kartoffeln oder Getreide – und jetzt auch bei der Milch. Einen Richtpreis können wir allerdings nur als Anhaltspunkt festlegen. Der definitive Preis muss zwischen den Produzentenorganisationen und den Verarbeitern ausgehandelt werden. Die Wettbewerbskommission hat uns schriftlich zugesichert, dass wir uns auf dem rechten Weg befinden. Aber die Weko wird unsere Tätigkeit mit Argusaugen verfolgen.
Der Richtpreis ist etwa 5 Rappen höher als zu Zeiten, in denen die Milch zu den tiefsten Preisen gehandelt wurde.
Der Richtpreis hat nicht zu einer Milchpreiserhöhung geführt und liegt nicht über dem Preisniveau der Vergangenheit. Es gilt zu berücksichtigen, dass der Richtpreis die ganzen Abzüge und allfällige Zuschläge nicht beinhaltet. Bei Preisvergleichen ist grosse Vorsicht angezeigt, sonst kommt man zu falschen Schlüssen.
Das Hauptproblem scheint die Menge an Milch zu sein, die produziert wird.
Wir sind intensiv daran, festzulegen, wie hoch die ideale Milchmenge ist. Im Moment haben wir vor allem zu viel Butter. Dies, weil wir den Fettgehalt von Konsummilch – wie dies in Europa der Fall ist – von 3,8 auf 3,5 Prozent reduziert haben. Und das führte zu mehr Butter, die wir im Inland nicht brauchen und auf dem europäischen Markt nicht absetzen können.
Wichtig ist auch zu wissen, wie viel Milch überhaupt auf dem Markt ist.
Ja, Transparenz ist entscheidend und fehlte bisher. Nur wenn wir die Milchproduktion kennen, sind wir in der Lage, den Markt einzuschätzen. Ich bin optimistisch, dass wir dieses Ziel erreichen. Wir möchten mit anonymisierten Produktionszahlen in der Obhut der Treuhandstelle Milch arbeiten.
Und wie soll der Markt funktionieren?
90 Prozent der Milchmenge soll so genannte Vertragsmilch sein, bei der der Richtpreis zum Einsatz kommt. Für die übrige Milch haben wir am 10. August eine Milchbörse in Betrieb genommen. Es handelt sich um eine elektronische Plattform, auf der Milch angeboten und gekauft werden kann.
Was ist die Rolle dieser Börse?
Sämtliche vertraglich nicht geregelte Milch muss über die Börse laufen, nur so können wir die gewünschte Transparenz der Milchmenge sicherstellen. Es können auch mehr als 10 Prozent der Milchmenge über diese Plattform gehandelt werden, wenn Bauern zu den entsprechenden Preisen liefern wollen.
Und das funktioniert?
Das System funktioniert, muss aber weiter optimiert werden. Die Einigungen betreffend Verbindlichkeit der Plattform stehen noch aus.
Viele befürchten, in einem freien Markt könne die Milchwirtschaft in der Schweiz nicht überleben.
Das hängt vom Konsens in der Branche ab. Ich bin überzeugt, dass der Bundesrat uns bei Anträgen zur Allgemeinverbindlichkeit unterstützt, wenn wir in der Branchenorganisation einen Konsens zustande bringen.
Dieser ist im Moment an einem kleinen Ort. Die Bauernorganisation Big M hat Protestaktionen gegen den tiefen Milchpreis angekündigt. Wie werden Sie sich in Ihrer Doppelrolle als Präsident des Bauernverbandes und der Branchenorganisation Milch verhalten?
Als Branchenorganisation Milch müssen wir eine neutrale Position einnehmen. Sonst zerbricht dieses Gebilde. Für uns steht eine Stabilisierung des Milchpreises im Vordergrund. Langfristig brauchen wir einen Milchpreis, der allen Stufen der Wertschöpfung eine Existenzgrundlage gibt, auch den Milchproduzenten.
Die Geschäftsführung der Branchenorganisation liegt beim Bauernverband, das Präsidium bei Ihnen. Wie lange ziehen Sie diese Doppelrolle durch?
Bis die Organisation operativ funktioniert. Bis Ende Jahr soll eine Geschäftsstelle ausserhalb des Bauernverbands gegründet werden. Bis dann möchten wir auch einen neuen Präsidenten finden. Dieser muss unabhängig sein, also weder von Seiten der Verwerter noch der Bauern kommen.
(Quelle: http://www.thurgauerzeitung.ch/thurgau/kanton/Transparenz-ist-entscheidend/story/22109923)