Milch: Unverantwortliche Panikmache - nur leichte Preisdelle
Grunddaten des Milchmarktes unverändert gut / DBV: Unverantwortliche Panikmache
Bauernverband.de (25.04.12) - Die Milchbauern schätzen nach dem aktuellen Konjunkturbarometer Agrar, für das die Daten bei Produkt und Markt im März 2012 erfragt wurden, ihre augenblickliche und zukünftige (2-3 Jahre) wirtschaftliche Lage ebenso positiv ein wie Ackerbauern und Veredler. Doch die Verhandlungen und die aktuellen Abschlüsse zu Trinkmilchpreisen zwischen Molkereien und Lebensmittelhandel sorgten für Verstimmung, erklärte der Deutsche Bauernverband (DBV). Auch wenn es sich dabei nur um kurzfristige Abschlüsse handele (2 – 6 Monate), so seien doch Preissenkungen angesichts der weltweiten stabilen Nachfrage auf dem Milchmarkt nicht gerechtfertigt, betonte der DBV.
Mehrfach hatten in den letzten Tagen Kritiker einer marktorientierten Milchpolitik der EU die augenblicklich gute Grundstimmung des Milchmarktes in Frage gestellt. Insbesondere der grüne Bundestagsabgeordnete Friedrich Ostendorff wetterte erneut gegen den Berufsstand und die nationale Agrarpolitik und malte völlig ungerechtfertigt ein Absturzszenario für die Erzeugerpreise an die Wand, heißt es beim DBV.
Solche Meldungen, wie sie mitten in die laufende Verhandlungsrunde der Molkereien hinein abgesetzt werden, spielen niemand anderem als Lidl, Aldi und Co. in die Hände, erklärte der DBV. Der Bauernverband habe deshalb rechtzeitig die verbrauchertäuschenden Schleuderpreise der Discounter, wie sie in diesen Tagen wiederbelebt wurden, attackiert und nicht am falschen Ende kritisiert. Bereits in einem Sondierungsgespräch während der Grünen Woche mit der Molkereiwirtschaft wurde klar festgehalten, dass es im Frühjahr dieses Jahres eine leichte Delle in den Milcherzeugerpreisen geben würde. Danach sei aber zu erwarten, dass die weltweit stabile Nachfrage nach Milch und Milchprodukten die Preise wieder stabilisiere. So gebe es gegenwärtig auf dem für die deutschen Milcherzeuger wichtigsten Absatzsegment, dem Käsemarkt, eine sehr stabile Situation. Auch könne man nicht von einer “exzessiven Mengenausweitung in der Milchproduktion“ reden – weder in Deutschland noch auf europäischer Ebene. Die zwischen ein bis zwei Prozent liegenden Mengensteigerungen würden europäisch wie weltweit dringend benötigt, um den langfristig stabilen Aufwärtstrend in der Nachfrage nach Milch nicht in andere Regionen abwandern zu lassen, betonte der DBV.
(Quelle: http://www.bauernverband.de/index.php?redid=152813&mid=509642 )
Der Bauernverband schreibt von einer "leichten Delle" in den Erzeugerpreisen, während auf den internationalen Märkten die Preise seit einem Jahr massiv fallen; hier die Butter-Kassapreise um bisher mehr als 40 Prozent.
Ist die Stimmung in der Milchwirtschaft wirklich so gut wie hier beschrieben ?
Die Milchbauern im Forum und die Beobachter der Milchmärkte dürfen sich gerne äußern.
Schöne Grüsse, Richard Ebert
Hallo!
Bei uns wurden schon 1 cent weniger Grundpreis für April angekündigt. Ich rechne schon dass der Preis noch einiges runter geht. Dank Bre sind wir hier doch besser informiert. Manche andere wird das ganze doch überraschen.
Obwohl ich dabei bin, wirtschaftliche Reserven, die noch deutlich vorhanden sind, zu aktivieren, kann es durchaus sein, dass noch die Reißleine gezogen werden muss. Und dann ist es anders als bei den Schweinen: aufgehört ist aufgehört. DA geht es nicht mehr nur um belegen oder nicht belegen. Zumindest von der Zukauffutterseite sind wir bis April auf der sicheren Seite, das beruhigt doch etwas.
Ich denke auch, dass viele andere Betriebe, auch angesichts der Auswinterungsschäden, nicht mehr in der Lage sind im bisherigen Umfang Quersubventionierung zu betreiben. Das wird noch hart werden. Wenn es wirklich nur eine Delle wird, mags noch gehen (relativ = nicht nach reiner Lehre), aber ein halbes Jahr oder länger wie in 2009/10, da wird es Einschnitte geben.
MfG
Geno-Bauer
@ Geno-Bauer [#2]
Ich verstehe nicht, wie ein rasant fallender Milchpreis als "leichte Delle" verharmlost werden kann. Stellen Sie sich mal vor, der Schweinepreis fällt um 30 bis 40 Cent und wird dann vom Bauernverband als "leichte Delle" bezeichnet. Irgendwie fällt mir das Wort Demagogie ein.
Produkte werden deutlich billiger - Milch- und Butterpreis auf Talfahrt
Rheinische Post (03.05.12) - Milch und Butter werden erheblich billiger. Der Discounter Aldi Süd läutete bei einer Reihe von Milchprodukten eine Preissenkungsrunde mit Abschlägen von mehr als zehn Prozent ein.
So reduzierte das Handelsunternehmen am Mittwoch den Preis für Trinkmilch um sechs Cent je Liter und den von Butter um 14 Cent je Stück.
(Quelle und ausführlich weiter lesen: http://www.rp-online.de/wirtschaft/finanzen/milch-und-butterpreis-auf-talfahrt-1.2815268 )
Ich versteh nicht was der Verkaufspreis von ALDi und Co. in deren Läden mit dem Abgabepreis der Bauern zu tun hat. Ist es nicht umgekehrt: die Erzeuger verringern, aus welchen Gründen auch immer ihre Preise und die Händler geben das dann an die Endverbraucher weiter.
Der Abgabepreis für der Bauern kommt doch nur dann unter Druck wenn zu viel Molkereiprodukte seitens der Erzeuger angeboten werden, oder übersehe ich was?
@ rodeonrwdeo [#4]
Senkt Mercedes auch seine Preise wenn beim Händler 100 Wagen stehen ?
@ Richard Ebert [#3]
Irgend wie reden wir immer aneinander vorbei. Ich bin schon der Meinung, dass es nicht nur eine Delle sein wird, sondern doch stärkere preisliche Einschnitte stattfinden werden. Es ist anzunehmen, und Bre mag mich korrigieren, dass die Preiselasizität des Angebots bei der Milch niedriger ist als bei Schweinen. Dies hängt einfach mit den längeren Produktionszyklen zusammen bei der Milch zusammen.
Es kann aber auch sein dass Sie von mir wütendes Verhalten gegenüber dem DBV erwarten. In dem Fall interessiert mich aber nicht, was der sagt. Es interessiert mich nur, wie ich rein praktisch meinen Milchpreis absichern kann, wenn wenig bis gar keine Nachfrage bei der EUREX nach den Butter und Pulverkontrakten besteht, ich also gar nicht inder Lage bin eine Absicherungsstrategie zu fahren. Von dem generellen Problem eines fehlenden Rohmilchkrontraktes mal ganz abgesehen.
Als ordentliche Kaufmann muss ich versuchen im Mittel der Jahre nachhaltig Gewinne zu erzielen. Ich muss mich fragen, habe ich schon alle Produktionsreserven ausgeschöpft habe oder nicht. Je stärker der Preis fallen wird, desdo weniger hat man Zeit, diese zu heben. Wenn man den Gesamtbetrieb nicht gefährden will, wird man immer stärker gezwungen werden auf zu hören. Ich habe mir für uns das Ziel gesetzt bis 2015 den Betrieb auf Vordermann zu bringen. (Ziel: >9000 kg abgeliefert Milch pro Kuh und Jahr, Zwischenkalbezeit ca 390 Tage, Reprorate 25% (Besser 20%) , Zusatzerlöse aus Färsenverkauf)
Da viele mit Fördermitteln und Kredit gebaut haben, die beide zurückzuzahlen sind, wird im Zweifel das Sichtum noch verlängert.
Es wird Zeit, dass diese unsägliche Agrarsubventionitis aufhört. Der Bürokratismus nimmt immer mehr zu, die Fehlallokationen auch. Deshalb finde ich auch die Diskussion über eine Verlängerung des Quotensystems völlig falsch. Dieses ewige hin und her nervt nur noch.
Jedenfalls ist man gut beraten ein Ausstiegsszenario in der Tasche zu haben.
@ rodeonrwdeo [#4]
Im Moment ist es so, dass die Molkerei nach billigem Ermessen den Auszahlungspreis für die Bauern festlegt. Theoretisch könnte man natürlich die Richtigkeit der Preisfindung überprüfen, praktisch macht dass aber keiner.
MfG
Geno-Bauer
@ Geno-Bauer [#6]
Nach 2 Jahren weltweit hoher Milchpreise 2010 und 2011 auf einem Niveau jenseits der 30 cent/kg Marke mit zeitweiligen vollkostendeckenden Preisphasen ist nach den üblichen Marktregeln mit einer entsprechenden Marktreaktion zu rechnen. Auf der Angebotsseite ermuntert ein solch hohes Preisniveau dazu, die Produktion auszudehnen und auf der Nachfrageseite führen höhere Preise zu einer Verbrauchsdämpfung.
Dieser Zusammenhang wird durch die jüngste FAO-Untersuchung zum Milchmarkt untermauert. Die weltweite Milcherzeugung soll im Jahre 2012 um 2,7 % (Vorjahr +2,3 %), bzw. +19 Mio. t zunehmen. Der größte Anteil davon 13 Mio. t findet in den Entwicklungsländern statt; ein Plus von 6 Mio. t Mehrerzeugung wird für die Industrieländer geschätzt. Auf der Nachfrageseite wird jedoch nur eine Zunahme von 1,6 % erwartet. Es gibt unmißverständliche Hinweise darauf, daß die Milchvorräte auf Weltebene wieder steigen - mit einem besonderen Schwerpunkt in Ozeanien und Südamerika. Dabei nimmt der Milchproduktehandel zwischen Über- und Zuschußgebieten immerhin um schwunghafte 4 % zu.
Der durchschnittliche globale Preisrückgang bei den Milchprodukten hat nach den Beobachtungen der FAO bereits Mitte 2011 eingesetzt und bis in die jüngste Zeit angehalten. Die Entwicklung folgt grundsätzlich einem 3-jährigen Preiszyklus, der bei weitgehend freier Preisbildung und eines dominierenden Einflusses der Milchpreise auf die Wirtschaftlichkeit die Milcherzeugung steuert. Der dreijährige Zyklus entspricht der durchschnittlichen Zeitspanne für die Aufstockung einer Milchviehherde durch Färsenaufzucht einschließlich eines entsprechenden Zeitverzuges. Das trifft gleichermaßen für eine Milchwirtschaft zu, bei der im Falle Neuseelands mit einer Durchschnittsleistung um 4.000 kg kaum Kraftfutter eingesetzt wird und im Falle der USA mit einer Durchschnittsleistung von 9.500 kg überwiegend an der Grenze der Kraftfutteraufnahme gewirtschaftet wird. In der EU-27 besteht noch eine große Spanne der Milchleistungen je Kuh von unter 4.000 bis über 9.000 kg, so daß sowohl über vermehrten und gezielten Kraftfuttereinsatz als auch über die Kuhzahl die Milchmenge gesteigert werden kann. Im übrigen deckelt die EU-Quotenregelung, allerdings mit deutlich abnehmender Effizienz, weil die Gesamtquote der EU von der Mehrheit der EU-Länder nicht mehr ausgeschöpft wird. Das Instrument der Quotenregelung zur Steuerung des Milchpreises ist nicht nur in dieser Hinsicht stumpf geworden.
Wenn man den Ursachen der Preisbewegung nachgeht, ist eindeutig festzustellen, daß die zunehmenden Exportangebote zu zwei Dritteln aus Neuseeland und zu weiteren jeweiligen Zehnteln aus Argentinien, Asien und Nordamerika stammen. Die EU-27 hat daran so gut wie keinen spürbaren Anteil, schließlich ist die EU-Mehrproduktion weit unterhalb der Quotengrenze überwiegend innereuropäisch zwischen den Unter- und Überlieferern verteilt worden. Ebenfalls findet ein Ausgleich zwischen den Exportprodukten statt.
Auf der Nachfrageseite ist der dominante Einfluß Chinas hervorzuheben, das allein mehr als 1 Mio. t Milchprodukte einführt. Die Steigerungsraten der Anfangsmonate 2012 von 20 bzw. 40 % je nach Produkt sind auf Dauer nicht durchzuhalten. Mehr als 95 % der chinesischen Einfuhren stammen aus Neuseeland. Die jüngsten nachlassenden chinesischen Importzuwächse führen automatisch zu einem steigenden Vorratsaufbau in den Exportländern, wenn die Erzeugungsmengen nicht gedrosselt werden.
Trotz des aufkommenden schmerzhaften Preisdrucks liegen die Preise zurzeit immer noch deutlich über den staatlich garantierten Mindestwerten (um die 0,22 €/kg). Die FAO geht davon aus, daß nach einer Korrekturphase eine Preisstabilisierung und –erholung einsetzen wird, weil die Nachfragekräfte mittelfristig höher eingeschätzt werden als die Antriebsfaktoren der Mehrerzeugung.
Solange die EU 27 auf den Export von Milchprodukten angewiesen ist, die Inlandsnachfrage mehr oder weniger stagniert und die Marktpreise oberhalb der staatlichen Mindestpreisgrenze liegt, wird das hiesige Milchpreisniveau grundsätzlich von den Exporterlösen der Milchprodukte auf den Drittlandsmärkten bestimmt. Langfristig sieht die FAO wieder steigende Preise, die aber unter den zurückliegenden Spitzenwerten liegen sollen.
MfG
Bre
@ Bre [#7]
Vielen Dank für eine wiedereinmal fundierte Information. Bei welchem Preis wird denn der Boden gefunden werden? Warum haben wir eine dreijährigen Preiszyklus, wohingegen bei den Schweinen ein 4-jähriger vorherrschen soll. Müsste es nicht andersherum sein? Oder gibt es den vielbeschworenen Schweinezyklus nicht mehr.
Wie sehen Sie denn das Problem der fehlenden Möglichkeiten der Preissicherung für 3 Jahre im Vorraus (wäre ja die Konsequenz aus dem Zyklus?
MfG
Geno-Bauer
@ Geno-Bauer [#8]
Da die entscheidenden Anstöße des aktuellen Preisrückganges von Neuseeland ausgegangen sind, wird auch der saisonale Rückgang der Milcherzeugung - es ist dort jetzt Winter, bzw. besser gesagt vegetationsarme Zeit. – zu einer Minderung des Angebotsdrucks führen. Die für die nächsten Internetauktionen (jeweils Anfang und Mitte eines Monats) angekündigten Versteigerungsmengen werden deutlich geringer. Die hinteren Terminkurse liegen deutlich höher und haben ein geringeres Abwärtspotenzial durchlaufen.
Die zurückliegende Ausdehnung der neuseeländischen Milcherzeugung bestand aus dem Preisantrieb (gestiegenes Trendniveau und zyklischer Überspitzung) in Verbindung mit hohem Grünlandaufwuchs infolge ausreichender Niederschläge im Vergleich zu den davor liegenden Jahren.
Nachlassende Preisimpulse und der Saisoneffekt werden zu einer Stabilisierung der Erzeugung auf erhöhtem Niveau beitragen.
Allerdings läuft die saisonale Milchanlieferung mit Mai und Juni als Höhepunkt auf der Nordhalbkugel genau entgegengesetzt, wobei die zusätzlichen Mengen meistens bereits eingepreist sind. Die Verschneidung von Sommer- und Winterfett spielt ebenso eine Rolle, wie der (hoffentlich) zunehmende Verbrauch von Frischprodukten in den hoffentlich witterungsbedingt begünstigten Sommermonaten.
Der jetzt einsetzende Preisschock unterhalb der wahrgenommenen Schmerzgrenze von deutlich unter 30 cent/kg wird die Bereitschaft in den übrigen Erzeugungsgebieten, in die Vollen zu gehen, deutlich dämpfen. Die hohen Kraftfutterpreise tun ein Übriges.
Die Dauer zyklischer Preisbewegungen richten sich grundsätzlich nach der produktionstechnischen Dauer von der Einleitung der Grundlagen der Mehrerzeugung zuzüglich eines Reaktionszeitverzuges, der damit begründet ist, daß erst eine gewisse Zeit hoher oder niedriger Preise vergangen sein muss, bis die Überzeugung zur Ausdehnung oder Einschränkung der Produktion bei den Handelnden gereift ist. Wobei bei der Einschränkung die Zeit erheblich länger ausfällt, manchmal erst im Zuge des Generationswechsels.
Die Zyklusdauer im Milchsektor kann gelegentlich je nach Schnelligkeit der Reaktionszeit 2 bis zu 4 Jahren dauern, der Regelfall sind allerdings drei Jahre. Darüberhinaus kann das Ausmaß der Schwankungen ganz unterschiedlich ausfallen, weil auf Angebots- und Nachfrageseite gleichzeitig Reaktionen stattfinden. Wenn man es spitz auf den Punkt bringen will, müssten alle übrigen Effekte rausgerechnet werden, damit nur noch der Zykluseffekt übrig bleibt. (mehr von akademischen Interesse, wenig praxisrelevant)
Eine „Generation braucht man nicht zu warten“, denn die eindeutig steigende weltweite Nachfrage nach Milchprodukten führt schon bei nicht mehr so stark ansteigender Produktion wieder zur relativen Knappheit mit der Folge anziehender Preise.
Nach den Untersuchungen der FAO soll der Wiederanstieg der Preise im Jahr 2014 zu erwarten sein, unter der üblichen Prämisse, daß keine ungewöhnlichen Natur-, Wirtschafts- und politischen Ereignisse dazwischen funken. (Na ja, die theoretischen Prognosen, aber nur so funktionieren sie)
Im vorliegenden Fall heißt 3 Jahre im Voraus, die Auswirkungen des EU-Quotenendes - weltgrößtes Milcherzeugungsgebiet - im Jahre 2015 als eine grundlegende Änderung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen präzisieren zu können. Die psychologische Hemmwirkung der Quotenregelung ist bislang völlig unbekannt. Es gibt sicherlich viele Milchbauern, die sich von der Zahlung eines Quotenpreises bewußt oder unbewußt haben abschrecken lassen und spätestens bei völliger Freigabe der Produktionsmöglichkeit ihren neu gewonnen Spielraum nutzen wollen. Dieser Effekt wird umso größer ausfallen, je höher das Milchpreisniveau vor und zum Quotenende ausfällt. Dazu kommt möglicherweise noch der Futterkosteneffekt, dessen Vorhersehbarkeit vergleichsweise gering ist. Anderseits wurden in vielen Ländern die Quoten schon nicht mehr ausgeschöpft, wobei man jedoch den unterschiedlichen Gründen in den einzelnen Ländern noch nachgehen sollte.
Die konkrete Absicherung als einzelner Landwirt mit durchschnittlicher Größenordnung ist aus verschiedenen Gründen eher von theoretischer Natur.
Erzeugerzusammenschlüsse sind da schon interessanter, allerdings mit dem Problem der Bündelung unterschiedlicher Risikobereitschaft. Darüberhinaus werden ja bereits Forward-Kontrakte mit unterschiedlichen Laufzeiten und (Preis)Bedingungen abgeschlossen. Nach meiner Einschätzung stehen wir erst ganz am Anfang sowohl hinsichtlich einer ausgereiften Mentalität zu Einschätzung des Marktrisikos, diesbezüglich gängiger Infrastrukturen einschl. der Börse selbst. Wie man an den Reaktionen ablesen kann, wird der Milchpreis immer noch mehr als ein "emotionales Politikum" denn als rational zu begreifende Markt- und Preisentwicklung angesehen.
Aber das ist ein neues Faß.
MFG
Bre
@ Geno-Bauer [#8]
Wie sehen Sie denn das Problem der fehlenden Möglichkeiten der Preissicherung für 3 Jahre im Voraus (wäre ja die Konsequenz aus dem Zyklus?
Normalerweise ist es so, dass Börsen die Zeit in der Terminkontrakte gehandelt werden können, dann erweitern, wenn die bisher zur Verfügung stehenden Terminmonate gehandelt werden.
Die Eurex stellt für jeweils 6 Laufzeiten = bis zu 18 Monate im Voraus als Handelsmöglichkeit dar. Davon werden etwa 3 Laufzeiten = 9 Monate im Voraus tatsächlich gehandelt.
Würden jetzt mehr oder weniger alle 18 Monate im Voraus gehandelt, könnte die Eurex auch Laufzeiten bis 36 Monate anbieten.
Bre hat zu Recht auf die entfallende Milchquotenregelung hingewiesen. Derzeit werden Kontrakte bis zum vierten Quartal 2013 gehandelt, in einem Jahr bis zum vierten Quartal 2014. Diese entfernten Kontrakte werden sehr wahrscheinlich davon beeinflusst, dass es keine Milchquoten mehr gibt und möglicherweise sehr viel stärker schwankende Preise für Milch und Milchprodukte.
Schöne Grüsse, Richard Ebert
Kassakurse Butter (rot), Terminkurse Juli Butter (schwarz), Differenz (blau)
@ picprofi [#5]
Genau, dass sieht man doch bei den Rabatten die bei vollem Lager von Durchschnittsanbietern geboten werden. Milch ist wohl noch etwas mehr Commodity als Mercedes. Aber auch beim Daimler steigen die Rabatte für Ladenhüter.