Milch: Verdoppelte Milcherzeugung innerhalb von 2 Jahren ?
Manche Meldungen der Fachmedien lassen an meiner eigenen Kenntnis zweifeln oder an der Sorgfaltspflicht der Redakteuere.
Nach meiner Kenntnis würde die Erhöhung der Milchproduktion bis Ende 2012 den Milchpreis völlig zusammenbrechen lassen. Dann müssten schon jetzt die Milchpulver- und Butter Futures der Monate Juli und Oktober 2012 an der Eurex kräftige Preisabschläge verzeichnen - zu sehen ist dort nichts.
Die sonst empfehlenswerte Agrarzeitung Ernährungsdienst schreibt unter Berufung auf AIZ Wien:
Weltweite Milcherzeugung steigt rasant
Die globale Milchproduktion legt kräftig zu. Triebkraft sind die lukrativen Marktpreise. Die weltweit erzeugte Menge an Milch könnte sich in diesem und im kommenden Jahr auf 20 Mio. t jährlich verdoppeln, schätzt das Internationale Netzwerk für landwirtschaftliche Betriebsvergleiche (IFCN). Grund seien die guten Erzeugererlöse. Nach Angaben des IFCN nahm das Milchaufkommen 2010 weltweit um knapp 12 Mio. t zu. Das entsprach etwa dem durchschnittlichen Wachstum der Jahre 2005 bis 2010. Im Krisenjahr 2009 hatte der Zuwachs allerdings nur gut 4 Mio. t ausgemacht, so das IFCN. Im Oktober will das Netzwerk seinen „Dairy Report 2011" vorlegen, der detailliert auf die Entwicklung von Angebot und Nachfrage eingehen wird, berichtet das Agrarische Informationszentrum (AIZ), Wien. (az)
(Quelle: http://www.agrarzeitung.de)
@ Richard Ebert [#1]
Würde mich auch brennend interessieren, woher dieser Milchfluß kommen sollte. Da ist sicher jemand mit den Zahlen durcheinander gekommen. Kein Wunder, wo doch immer nur noch über Milliardenbeträge gesprochen wird.
Mfg
Sagt einfach mal wo die Kühe herkommen sollen die die Milch geben sollen. Die Nachfrage ist nu schon kaum zu decken. Teure Rinder zukaufen, teures Futter zukaufen, erhöhte Betriebsmittelpreise und dann ein sinkender Milchpreis, was ergibt das dann in der Summe, noch mehr Arbeit und keinerlei Entlohnung.
Viel Spass und lasst Euch nicht von den sogenannten Beratern ins Feuer locken lassen.
mfg
@all
Auszüge aus dem FAO-OECD-Bericht Agricultural Outlook 2011 - 2020, veröffentlicht am 17. Juni 2011
Die weltweite Produktion wichtiger Milchprodukte wächst durchschnittlich zwischen 2 und 3 % je Jahr, schätzt die FAO-OECD für die Periode 2011 bis 2020, jedoch Magermilchpulver und Käse nur zwischen 1,5 und 2 %. Fast Dreiviertel der Mehrerzeugung fällt auf Entwicklungsländer, davon allein Indien und China 38 %. Der Produktionsanteil der Industrieländer fällt auf unter 50 %, der Anteil der Milchkühe (wegen der hohen Leistung) unter 10 % Anteil.
In den am wenigsten entwickelten Ländern (LDC) wird zwar nur ein Erzeugungsanteil von 4 % gewonnen, aber bei einem Tierbestandsanteil von fast 30 %. Dazu gehören u.a. auch Milchschafe, Ziegen und Kamele mit erheblich geringeren Milchleistungen.
Die Nachfrage nach Milchprodukten in den Entwicklungsländern von Nordafrika, Mittlerer Osten und Ostasien bleibt stark, allerdings ausgehend von einem niedrigen Niveau und mit unterschiedlichen Wachstumsraten. Der ProKopf-Verbrauch reicht von 50 kg (LDC) bis 200 kg (USA,EU) Milchäquivalent je Jahr. Das signalisiert ein hohes Wachstumspotenzial für die Zukunft.
Wesentliche Antriebskräfte sind Bevölkerungs - und Einkommenssteigerung der zunehmenden Mittel- und Oberschichten in den Schwellenländern. Unterstützend wirken eine zunehmende Verwestlichung der Ernährungsgewohnheiten, leistungsfähige Absatzwege der großen multinationalen Konzerne, weil die Inlandserzeugung in den Wachstumsregionen nur schleppend vorankommt. Typisches Beispiel liefert China nach Jahren zweistelligen Wachstums mit seinem Einbruch infolge des Melamin-Skandals. Importierte Produkte genießen höheres Vertrauen.
Die Milchpreise sollen in der Zeitspanne 2011 - 2020 nach einer Korrektur der Hochpreissituation 2007/08 und 2011 auf einem etwas abgesenktem Niveau stetig weitersteigen. Der Preiskorridor wird nach unten eingegrenzt durch die gestiegenen Erzeugungskosten, insbesondere bei Futtermitteln, Energie, Arbeit und Land und mit angezogener Handbremse nach oben gezogen durch die weltweit steigende Nachfrage, die aber durch abflauendes Wirtschaftswachstums und den Unruhen in Nordafrika und Nahen Osten gedämpft werden. Milchprodukte gehören dennoch weltweit zu denjenigen Agrarprodukten mit dem höchsten Wachstumsraten.
World production of whole milk powder, butter and fresh dairy products (FDP) is expected to grow 26% by 2020, while cheese and skim milk powder would gain 19% and 15% as compared to the base period, 2008-10. After years of stagnation, the recent return of skim milk powder and butter trade growth is expected to continue and is projected to increase by 30% and 10% respectively. Cheese and whole milk powder trade is anticipated to grow by more than 20%.
Between 2010 and 2020, world milk production is projected to increase by 153 Mt. The majority, 73%, of the additional milk production is anticipated to come from developing countries. India and China alone account for 38% of global gains. The global milk production share of developed countries is expected to fall below 50% while the milking animals share
drops below 10% by 2020. In contrast, the share of LDCs in global milk production will remain at only 4% while their share in global animal inventories is nearly 30%. The large disparity between the share of milk production and inventories between developing and developed countries is, to a large extent, a consequence of an enormous gap in milk yields, but also the
reliance on sheep, goats and camels as milk animals, which have inherently lower yields than milk cows.
The demand for milk and dairy products is expected to remain particularly strong in important developing dairy markets such as North Africa, the Middle East and East Asia, but also in more mature markets such as those in the European Union, the United States and Russia. The rate of growth and per capita consumption of milk and milk products remains significantly different among regions (Figure 9.4). LDC countries consume less than 50 kg per person per year on average, compared with 100 kg per person for developing countries, while the developed regions of North America and Europe consume well in excess of 200 kg per person (in milk equivalent). Such a per capita consumption disparity represents an investment potential and future opportunities for both the domestic and global dairy sectors.
Increasing population and income, together with the growing popularity of dairy products, particularly among developing country consumers is a key factor behind strong demand in the medium term. Demand continues to be encouraged by the growing
influence of retail chains and multinational companies in these countries
http://www.agri-outlook.org/dataoecd/2/34/48184340.pdf
MFG Bre
@ # 1
Die Pressemitteilung der IFCN vom 16.07.2011 sollte folgende Inhalte der Entwicklung der Weltmilchproduktion (Kuh- und Büffelmilch zusammen) vermitteln:
- Die durchschnittliche Steigerung der weltweiten Milcherzeugung betrug in den Jahren 2005 bis 2010 jährlich 11,7 Mio t.
- Im Krisenjahr 2009 betrug der Steigerungsbetrag nur 4,1 Mio. t.
- Für das Jahr 2010 wurden wieder Zuwächse von 11,7 Mio. t /Jahr ermittelt.
- Für die Jahre 2011 und 2012 schätzt man den Steigerungsbetrag auf rd. 20 Mio. t je Jahr und damit doppelt so hoch wie die Zunahmen im mehrjährigen Durchschnitt.
Anmerkungen:
In Prozent ausgedrückt bedeuten diese Zahlen, daß eine mehrjährig durchschnittliche Steigerung von rd 2,2 % stattgefunden hat. In den Jahren 2011 und 2012 wird die Steigerungsrate bei höherem Ausgangsniveau etwas über 3,5 % zu veranschlagen sein. Dabei ist aber der Nachholbedarf aus dem Krisenjahr 2009 noch zu berücksichtigen.
Leider werden die etwas schwieriger zu ermittelnden Steigerungsraten auf der Nachfrageseite nicht veröffentlicht. Nach den vorliegenden Unterlagen des USDA vom Dez. 2010 kann man folgende überschlägige jährliche Veränderungsraten für 2005 bis 2010 errechnen: Frischmilchprodukte + 0,5 %, Käse + 1,6 %, Butter + 4 %, Vollmilchpulver + 3,6 %., Magermilchpulver 0.
Für das Jahr 2011 werden jährliche Steigerungen für Frischmilcherzeugnisse von +1,6 %, Käse + 1,4 %, Butter + 1,8 %, Magermilchpulver + 6,4 % und für Vollmilchpulver + 7,5 % vorausberechnet.
Das nach 2007/08 derzeit anhaltende zweithöchste Milchpreisniveau im Jahre 2011 zeigt, daß die Nachfrage ausreichend hoch ist, um die gestiegene Produktion auf hohem Kursniveau aufzufangen. Für 2012 könnten die Milchpreise bei mittlerweile gestiegenem Vorratsaufbau etwas nachgeben.
Mit freundlichen Grüßen
Bre
@ Bre [#5]
Vielen Dank für diesen Beitrag und die anderen mit den ausführlichen Informationen.
Anhand Ihres Beitrags kann man erkennen, wie wichtig die Kenntnis der Original Quelle ist.
Schöne Grüsse, Richard Ebert