Richard Ebert
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Milch: Was Butter aus Kempten mit der Eurex zu tun hat

Immer eine Milchmädchenrechnung - Süddeutsche Butter- und Käse-Börse zieht Bilanz für 2009

Ein Interview von Julia Barnerßoi

Allgäu-Rundschau (15.07.10) - Die Süddeutsche Butter- und Käse-Börse in Kempten ermittelt die Preise für Butter, Käse sowie Milch- und Molkepulver für Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen. Die wöchentlichen Notierungen dienen als Orientierungshilfe und schaffen Transparenz für Erzeuger, Verarbeiter und Handel. Gestern wurde bei der jährlichen Versammlung die Bilanz für 2009 vorgestellt. Wir sprachen mit Geschäftsführer Emmerich Heilinger.

«Immer eine Milchmädchenrechnung»

Herr Heilinger, bevor wir auf Ihre Jahresbilanz zu sprechen kommen. Erklären Sie kurz, wie die Preise für Butter und Käse entstehen.

Heilinger: Grob gesagt durch Angebot und Nachfrage. Sowohl Käse als auch Butter sind veredelte Produkte aus dem Rohstoff Milch. Es gibt mehrere Faktoren für die Preisentstehung: Etwa wie viel Rohstoff es gibt, wie viel vom Endprodukt gefragt ist und wie viel der Markt für das Produkt bezahlen kann.

Vergangenes Jahr war Ihre Bilanz für 2008 eher negativ. Schuld war der rasante Sturz des Milchpreises. Wie turbulent war das Jahr 2009?

Heilinger: Anfang 2009 sind wir in eine Talsohle gerutscht, die wir so noch nie gekannt haben. Der Preis für Butter lag niedriger als 1950. Die Preise konnten aber dank EU-Maßnahmen, wie der Einlagerung, stabilisiert werden.

Und wie sieht die derzeitige Situation nach dem ersten Halbjahr 2010 aus?

Heilinger: Seit dem zweiten Halbjahr 2009 haben sich die Preise gefestigt und sind sehr stabil. Heute liegt der Milchauszahlungspreis etwa sieben Cent höher als zu den Tiefstzeiten letztes Jahr. Jetzt im Sommer läuft auch der Exportmarkt sehr gut. Frische Produkte sind stark gefragt und wärmere Länder wie Italien können selbst nicht genügend Milch produzieren.

Wie wirken sich die aktuellen Entwicklungen auf die Geldbeutel der Verbraucher aus?

Heilinger: Die Bauern bekommen mehr Milchgeld und das bezahlt der Kunde natürlich als Mehr zum Beispiel an der Frischetheke. Momentan liegen der Preis für ein Päckchen Butter bei über einem Euro. Vor einem Jahr kostete das Päckchen noch weniger als 70 Cent. Doch jede Preisschwankung bringt auch eine Veränderung im Absatz. Dieser ist im Inland erheblich zurückgegangen. Es ist eben immer eine Milchmädchenrechnung: Wenn die Preise steigen, wird den Bauern umso mehr für die Milch ausbezahlt. Die Molkerei verdient jedoch an dem Produkt nicht unbedingt mehr, wenn der Absatz sinkt.

Wie ist Ihre Aussicht für die kommenden Monate?

Heilinger: Momentan haben wir relativ sichere und stabile Verhältnisse. Weltweit werden aber wieder höhere Milchpreise bezahlt, was die Rohstoff-Produktion interessant macht. Das heißt, andere Länder werden sich wieder mehr engagieren und unsere Position am Weltmarkt könnte sich verschlechtern. Das wird wiederum den Preis verändern.

Hat sich das Konsumverhalten der Leute verändert?

Heilinger: Ja. Käsesorten wie der Mozzarella sind ein richtiger Trend geworden. Früher kannte man diese höchstens aus dem Italienurlaub. Heute sind die Menschen in der Küche etwas experimentierfreudiger. Diese Entwicklung kommt den Molkereien zugute. Ab August werden aufgrund einer EU-Preismelde-Verordnung auch unsere Aufgaben wachsen. Dann werden wir auch die Preise von Mozzarella und Speisequark erfassen.

(Quelle: http://www.all-in.de/nachrichten/rundschau/Rundschau-im-gespraech-kaeseboerse-wirtschaft-Immer-eine-Milchmaedchenrechnung-;art2757,817180)

Bild entfernt.Der Magermilchpulver Preis aus Kempten ist so wichtig, dass zu zu einem sechstel im Eurex Magermilchpulver Index veröffentlicht wird. Dieser Index bildet die Grundlage der Eurex Magermilchpulver Futures.

Terminmarkt: Butter plus 10 Euro

An der Eurex in Frankfurt lag Juli Butter zum Börsenschluss 10 Euro höher bei 3.675 Euro (3.650 Geld zu 3.700 Brief), Milchpulver unverändert bei 2.245 Euro (2.220 Geld zu 2.270 Brief).

Die hier genannten Kurse beziehen sich immer auf den nahen Terminmonat, auch (aus dem englischen abgeleitet) Frontmonat. Die weiteren Terminmonate können gleich hoch, höher oder niedriger notieren, so wie die Interessenten und Händler am Terminmarkt dies sehen und ihre Aufträge erteilen.

Die unten stehende Grafik zeigt ab 31.05.10 die Milchpulver Kurse für Juli (schwarz) und Oktober (rot) sowie die Differenz als blaue Linie).

Bild entfernt.

Geschrieben von Richard Ebert am
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