Milch: Was kommt nach der Milchquote ab 2015 ?
Was kommt nach der Milchquote?
Von Otto Fritsch
Allgäuer Zeitung (20.08.10) - Wenn sich das für 2015 vorgesehene, EU-weite Ende der Milchquotenregelung so auswirkt wie bei den Nachbarn in der Schweiz, dann vergehe auch den nicht im Bund Deutscher Milcherzeuger (BDM) organisierten Landwirten das Lachen: Dieser Überzeugung ist zumindest der Referent der jüngsten BDM-Kreisversammlung, der Schweizer Landwirt Martin Haab. Vor mehr als 100 Milchbauern der Region, die der Einladung des BDM nach Marktoberdorf gefolgt waren, warnte Haab vor den Folgen einer Milchwirtschaft, die den Kräften des Freien Marktes überlassen wird.
Seit 15 Monaten leben die Schweizer Milchbauern ohne staatlich kontrollierte Milchmengenregelung. Doch was die Politik momentan auch in Brüssel als Erfolg verkaufe, so Haab, «ist in Wirklichkeit ein Desaster für die Milchbauern».
Erfunden haben die Eidgenossen den Ausstieg aus der Milchquote zwar nicht, doch sie sind schneller als die Europäische Union, die das Instrument erst in fünf Jahren abschaffen will - gegen den Willen des BDM und zahlreicher anderer, im European Milkboard organisierten Milchproduzenten. Das Ausstiegs-Szenario der Schweizer «ist alles andere als ein Erfolgsrezept», so Haab. 25000 Milchbauern stünden vier Großabnehmern gegenüber, die den Preis diktierten. «Mit den Bauern gehts bergab, dafür steigern Milchverarbeiter und Handel die Profite».
Harte Landung im Freien Markt
Dabei sollten die unter dem Begriff «Soft Landing» zusammengefassten Maßnahmen eine weiche Landung im Freien Markt garantieren, doch die Schweizer Landwirte holen sich reihenweise blaue Flecken. Zwar ist eine Mehrproduktion nur in Ausnahmefällen zulässig, doch diese Regelung werde «mit fatalen Auswirkungen auf den Milchpreis» schamlos ausgenützt. Die Erzeugerpreise für Milch fallen, während sie im EU-Raum leicht steigen. Seit dem «Käse-Freihandelsabkommen», das die Schutz-Zölle aufhebt, werde die Schweiz auch noch von Importware überschwemmt. In den Regalen lande jedoch kein hochwertiger Allgäuer Emmentaler, sondern überwiegend Billigst-Ware.
Mit dem Ende der staatlichen Regulierung, so Haab weiter, entwickele sich die Schweiz auch zum Land der Butterberge: 10000 Tonnen lagerten schon jetzt in den Kühlhäusern der Eidgenossen, in der um ein Vielfaches größeren EU seien es 80000 Tonnen, klagt Haab. Seine Lösungsvorschläge sind auch im Allgäu nicht neu: Das Mengen-Management gehört nach Haabs Meinung unbedingt in die Hände der Milchbauern, nicht in die des Handels. Seine Stichworte: «Nachhaltige Produktion, regionale Vermarktung - und Ausgleichzahlungen». Die hält auch der Landwirt und Landtagsabgeordnete der Freien Wähler, Dr. Leopold Herz (Wertach), für unbedingt notwendig, um den heimischen Milchbetrieben ein «menschenwürdiges Auskommen» zu ermöglichen.
(Quelle: http://www.all-in.de/nachrichten/lokales/Was-kommt-nach-der-Milchquote;art26090,839998)
"Auch nach 2015 keine Milch-Schwemme"
Topagrar.com (17.02.11) - Die Milchproduktion in Europa wird in den nächsten Jahren nur moderat ansteigen – trotz des Quotenendes im Jahr 2015. Das sagte Thomas Rieger von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen gestern auf dem 2. Düsser Milchviehforum auf Haus Düsse.
(Quelle und ausführlich weiter lesen: http://www.topagrar.com/index.php?option=com_content&task=view&id=23881&Itemid=521 )