Richard Ebert
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

Milch: Wer am Verfall der Preise die Schuld trägt

Auszug aus:

Bio-Pionier Lampert: „Konsumenten entscheiden“

Lampert: Na ja, in Tirol zahlt man nur noch 22 Cent für die Milch. Um diesen Preis kann man keine Qualität herstellen, ja man kann nicht einmal Milch liefern. Jeder Bauer gibt von seinem eigenen Geld, das er ohnehin nicht mehr hat, verschuldet sich dafür, dass er überhaupt Milch liefern darf. Das sind unfassbare Verhältnisse. Dabei ist Tirol das Land mit der höchsten Qualität, es gibt Weidehaltung und Almhaltung, kurz ein Milchparadies.

(Quelle und ausführlich weiter lesen: http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/500462/index.do?_vl_backlink=/home/politik/innenpolitik/index.do)

Bild entfernt.

Geschrieben von Richard Ebert am
rodeonrwdeo
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

schöne Persiflage.

Passt gut zu den neuen Meldungen, die Bauern würden Milch auf dem Acker auskippen. Wenn Sie schlau sind nehmen Sie nur weis eingefärbtes Wasser. Aber ob sie so schlau sind?

paul
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ rodeonrwdeo [#2]
Wenn Sie schlau sind nehmen Sie nur weis eingefärbtes Wasser. Aber ob sie so schlau sind?

Mir reichts langsam mit den böswilligen schlauen Kommentaren einiger Besserwisser.

Die Milchbauern wird hier ständig unterstellt, daß sie dumm sind (siehe Zitat), daß sie von irgendwelchen Funktionären verführt sind, daß sie den Markt nicht beachten, usw. .

Die Milcherzeuger, die heute ihren Job machen sind fast alle Unternehmer, die in einem staatlich gesteuertem Produktionsumfeld ihren harten Job machen. Wenn ein Kartellamt Lieferstreiks verbietet, gleichzeitig alle Dumpingmethoden des LEH schützt, dann sehe ich das nicht als Markt, sondern als Eingriff in den Markt im Interesse des Verbrauchers und Wählers.
Ich hab ein ordentliches Maß an Verständnis für das derzeitige Handeln dieser Bauern. Einige hier scheinen sich an der Not dieser angeblich "dummen" Bauern zu ergötzen.

Gruß Paul

Kobban
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

Selbstmord auf dem Hof

Mit jedem Liter Milch, den sie verkaufen, machen sie Minus. Viele Milchbauern im Land haben Angst um ihre Existenz. Zwei von ihnen haben den Kampf aufgegeben, sich das Leben genommen.

Volker T. (47) erschoss sich
Jürgen J. (40) erhängte sich

http://www.wedel-schulauer-tageblatt.de/home/top-thema/article//selbstmord-auf-dem-hof.html

http://www.shz.de/schleswig-holstein/artikeldetail/article/111/die-eltern-des-toten-milchbauern-wir-hatten-einen-so-schoenen-be.html

-----------------

Opfer der Milchkrise: Bauer bringt sich um - „Den hat die Politik auf dem Gewissen“

Dieter K. (58, wegen des Preisverfalls der Milch in ein tiefes Schuldenloch gefallen) sprang aus Verzweiflung in die Jauchegrube

http://www.abendzeitung.de/bayern/110756

-------------

Die ersten Selbstmorde

Ihre desolate wirtschaftliche Lage hat in Schleswig-Holstein und Bayern schon mehrere Milchbauern in den Selbstmord getrieben. „Suizid ist ein großes Thema bei unseren Beratungen”, sagt Hans Goldbrunner von der landwirtschaftlichen Familienberatung. Der Psychologe von der Uni Duisburg-Essen nennt die aktuelle wirtschaftliche Lage der Milchbauern ein „gravierendes Problem”.

Bauern seien konservativ und sehr traditionsbewusst, hätten eine Standesmentalität und einen sehr engen Bezug zu ihrem „Produkt”. Die drohende Aufgabe von Betrieben, die teilweise seit Jahrhunderten im Familienbesitz seien, versetze die Betroffenen in psychologische Ausnahmesituationen, denen viele nicht gewachsen seien. Besonders bitter: „Viele Bauern haben in den vergangenen Jahren enorm investiert, um auf den von der EU geforderten Standard zu wachsen. Jetzt schwimmen denen die Felle davon.”

http://mobil.derwesten.de/nrz/2009/9/15/news-133287113/detail.xml

Gast

@ Kobban [#4]
Das ist sicherlich traurig genug. Nur was wollen Sie damit mitteilen ?
Das man wegen diesen sicherlich schlimmen " Kurzschlusshandlungen " den Milchpreis erhöhen muss ?, Damit sich nicht noch mehr Landwirte umbringen ? Dann wäre es doch schon weit gekommen.
In Deutschland nehmen sich im Jahr ca. 9300 !!! ( ca. 25 pro Tag !!) Menschen das Leben, sicherlich aus den unterschiedlichsten Gründen, Arbeitslosigkeit, Scheidung, Depressionen etc.
Es gibt aber für keinen Menschen einen wahren Grund , sich das Leben zu nehmen, weil es immer Hilfen und Lösungen gibt, und die gibt es auch sicherlich für die Milchbauern. Für mich liesst sich das sehr erpresserisch, nach dem Motto, das habt ihr nun davon, daran seit ihr alleine Schuld. Aber ich denke das diese Menschen selber Schuld an diesen Handlungen haben, und was sie ihren Angehörigen damit antun.
Suizid ist letztendlich immer, die exzentrischte und feigeste Handlung die ein Mensch begehen kann, weil er seinen Angehörigen damit unendliches Leid zufügt, und sie mit allen Problemen alleine zurück lässt, und darauf keine Rücksicht nimmt. Und das kann kein Milchpreis oder keine wirtschaftliche Situation, oder Arbeitslosigkeit etc, jemals rechtfertigen.

Mfg

gautama2
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Fleischprofi [#5]
* Alle 4 Minuten gibt es in Deutschland einen Selbstmordversuch.

* Alle 45 Minuten nimmt sich in Deutschland ein Mensch das Leben.
http://www.efg-hohenstaufenstr.de/downloads/tabellen/selbstmorde_deutschland.htm

Hab aber noch keine Statistik aufgeschlüsselt nach Berufsgruppen entdeckt, um zu sehen, ob es bei Milchbauern oder France Telecom grad besonders ansteigt. Finde die Zahlen trotzdem erschreckend.

rodeonrwdeo
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ paul [#3]

es wird niemand gezwungen in den Löwenkäfig zu gehen. das der "Milchmarkt" kein Markt ist könnte man wissen. wer von andren , Subventionen lebt, lebt eben gefährlich.

mir reicht es langsam von Leuten , die auf das falsche Pferd gesetzt haben, gesagt zu bekommen , dass ich sie noch mehr subventionieren soll.
Harz VI steht doch jedem offen.

gautama2
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

Frauen sind wohl die stabileren Wesen.
Dass ausgerechnet die älteren Semester schneller den Tod suchen...
Wieviel Milchbauern gibt es in Deutschland?
Könnte mir denken, dass es bei den Berufsaussichten keinen Nachwuchs gibt und die vorhandenen werden von Natur aus immer weniger. Nicht nur wegen der Selbstmorde, darauf will ich nicht hinaus. Ist eh makaber genug.

Abbildung 1.4.5: Sterbeziffer an Selbsttötungen im Jahr 2004 (ICD 10: X60 bis X84).
Quelle: Todesursachenstatistik 2004, Statistisches Bundesamt

Altersgruppen Männer Frauen <1 - - 1 bis 4 - - 5 bis 9 - - 10 bis 14 0,7 0,3 15 bis 19 7,0 2,0 20 bis 24 14,0 3,4 25 bis 29 15,8 4,1 30 bis 34 15,7 3,2 35 bis 39 18,6 5,3 40 bis 44 23,0 6,0 45 bis 49 24,2 7,1 50 bis 54 27,0 8,0 55 bis 59 25,4 8,4 60 bis 64 27,1 9,3 65 bis 69 26,1 9,7 70 bis 74 31,7 10,7 75 bis 79 44,8 14,4 80 bis 84 59,2 16,4 85 bis 89 81,9 23,5 ab 90 92,8 22,3

P.S. schnell noch die Quelle
http://www.gbe-bund.de/gbe10/ergebnisse.prc_fid_anzeige?p_fid=10535&p_fund_typ=TAB&p_sprachkz=D&p_uid=gast&p_aid=96993368&p_prot=2

gautama2
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Richard Ebert [#1]

Als er das Milchpulver nicht wegbekommen hat und die Lager voll waren, ist der Preis zusammengebrochen.

Ich wär rüber geflogen und hätt die Lagerhalle abgefackelt, wenn das der Grund wäre, dass die Preise sinken. Da das keiner gemacht hat, kann das Argument nicht korrekt sein.
Wenn keiner etwas scheinbar Naheliegendes tut, ist es wohl nicht naheliegend. Coole Logik Kobban? Bevor mir meine Futures zum falschen Kurs mit fettem Verlust verschimmeln würde ich sowas tun. Geb ich offen zu. Seid froh, dass ich nicht mit echten Waren spekuliere :)

Schweinchendick
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ gautama2

In Deutschland gibt es ca. 95.000 Milcherzeuger.
Davon beteiligen sich bis jetzt ca. 15 % (aus Solidarität mit den Französischen Milchbauern) am Milchstreik. Tendenz steigend.

Bauer Bernie
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Fleischprofi [#5]

Diese Antwort von Ihnen wundert mich nicht. Wer einen solchen Job wie Sie macht und täglich mit den eiskalten und brutalsten Einkäufern des LEH zu tun hat und dies auch aushält muss so denken.

Mfg
BB

picprofi
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Bauer Berni

Auch Fleischprofi wird in einer stillen Stunde innerlich merken das es nicht ganz richtig war, was und wie er es formuliert hat. Es wird die Zeit kommen in dem im engsten Kreis auch mal sowas vorkommt, und dann denkt er vielleicht zurück.
Nimms ihm nicht übel, er und seine roten denken zur zeit nur daran wie Sie den Preis runterbekommen,
alles andere ist egal.

schönes we

Kobban
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

"Wieviel Milchbauern gibt es in Deutschland?"

"In Deutschland gibt es ca. 95.000 Milcherzeuger."

In Deutschland gab es 1996 noch 186.000 Milchbauern .... Die Zahl sinkt jährlich um etwa fünf Prozent. Die gegenwärtig niedrigen Preise werden diesen Strukturwandel nicht beschleunigen, aber er lässt sich auch kaum aufhalten. Das hat bisher kein Land der Welt geschafft, egal, mit welchen politischen Mitteln.

Das ist der normale Strukturwandel.

Milchbauern müssen sich entscheiden. Entweder sie geben den Hof auf, oder sie sagen sich: Augen zu und durch. Das ist im Agrargeschäft aber nicht neu. Schweinemäster agieren in den vergangenen Jahrzehnten auch so.

Ich halte es für fraglich, in guten Zeiten die Gewinne mitzunehmen und in schlechten den Staat um Hilfe zu bitten.

Im Moment steigen die globalen Vorräte stark an. Das spricht eher dafür, dass der Preis niedrig bleiben wird. Wie hoch der Überschuss wirklich ist, weiß aber niemand, deshalb ist es kaum möglich, die Trendwende vorherzusagen. Wir glauben, dass der Milchpreis künftig stärker schwanken wird als die Preise anderer Agrargüter. Für die Milchbauern wird das Geschäft also eher noch schwieriger, aber keinesfalls aussichtslos. Die nächste Preishausse kommt bestimmt - es ist nur eine Frage der Zeit.

das alles sagte Thorsten Hemme (Torsten Hemme leitet das internationale Milchforschungszentrums IFCN Dairy der Universität Kiel (http://www.ifcnnetwork.org/en/start/). Die Forscher des Zentrums untersuchen verschiedene Aspekte des weltweiten Milchmarkts, unter anderem Kosten und Preise, Nachhaltigkeit der Produktion oder regionale Entwicklung.

------------

Tscha - das Leben setzt uns ganz schön zu mit seinen schrillen Handlungszumutungen! Situationen verändern sich von Moment zu Moment zu Moment, und damit verschiebt sich dann auch, welche Möglichkeiten einem nahegelegt werden bzw. man sich selber nahelegen kann. Schienen früher alarmierende Informationen doch eher Ausnahmen zu sein, so ist heut ne Art Daueralarm normal und vieles liegt außerhalb der eigenen Informationsverarbeitungskapazitätsreichweite. Theoretisches Beschreiben kann sich oft mit statistisch-kalkulierter Wahrscheinlichkeit begnügen; praktisch-konkrete Einzelentscheidung kann das nunmal sehr oft nicht.

Kobban
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

Den Milchmarkt regeln? - Ja, sagt Gunhild Lütge, damit die Milch nicht zur Ramschware wird

DIE ZEIT (18.09.09) - Die Milchbauern in Deutschland sind sauer darüber, dass ihnen niemand hilft. Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) kann es nicht, weil sie in der EU mit ihren Vorschlägen abblitzt, und die Europäische Kommission will es nicht, weil sie beschlossen hat, den lange Zeit regulierten Markt zu liberalisieren.

Bereits in den vergangenen Jahren wurden Regeln abgebaut. Eine davon ist die Quote.

(Quelle und ausführlich weiter lesen: http://www.zeit.de/2009/39/Argument-Pro-Milchmarkt)

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Keine Entlastung für Milchbauern - Die Agrarminister von Bund und Ländern haben sich am Freitag gegen nationale Alleingänge bei der Bewältigung der Milchkrise ausgesprochen.

DER TAGESSPIEGEL (19.09.09) - Auf ihrer Herbstkonferenz im sachsen-anhaltinischen Eisleben gingen die Politiker nicht auf die von der EU-Kommission eröffnete Möglichkeit ein, künftig die Milchquoten von Bauern aufzukaufen, die keine Milch mehr produzieren wollen.

Mit ihrem Vorschlag vom Donnerstag will die Europäische Kommission die Menge der in Europa produzierten Milch verringern, um die Preise für die Bauern zu stabilisieren. Die deutschen Milchbauern haben Bund und Länder aufgerufen, die Vorschläge schnellstmöglich in nationale Regeln umzusetzen. Doch darauf wollten sich die Agrarminister am Freitag nicht einigen. Es sei ein Irrtum, zu denken, dass die Probleme dauerhaft gelöst werden könnten, wenn die Milchmenge auf dem Markt verringert werde, erklärten sie. Sie regten stattdessen die Neuauflage eines Bundesprogramms zur Förderung langfristiger Kredite für Landwirte an, um wachstumsfähige Betriebe zu entlasten. Von der EU forderten die Minister weitere Schritte zur Unterstützung der Milchbauern. Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) kündigte an, in der kommenden Woche nach Brüssel zu fahren, um sich über neue Vorschläge von EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel zu informieren.

Die Tagung wurde begleitet von Protesten von Milchbauern, die Milch vor den Konferenzort kippten und mit Fahrzeugen den Eingang blockierten. „Die Milcherzeuger müssen ihre Milch vernichten, weil die Politik in Deutschland und Europa den Schwarzen Peter hin- und herschiebt“, sagte ein Sprecher. AFP/dpa

(Quelle: http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/Milchbauern-Agrarminister%3Bart271%2C2903234)

pigtrader
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@rodeonrwdeo
Hartz 4 ist ebenfalls eine Subvention von Leuten, die sich den verkehrten Job oder die verkehrte Ausbildung ausgesucht haben. Die muß ich dann auch nicht unbedingt unterstützen. Es ist für alle Arbeit da, jedoch nicht immer im gewüschten Lohnniveau. Von daher: freier Milchmarkt, dann aber auch freier Arbeitsmarkt ohne Mindestlohn und Hartz 4.

pigtrader

Asamat
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

Ich übertrage einfach mal die in der Milch-Diskussion benutzte Sprache auf andere Produkte.

@ Richard Ebert [#1] Milch: Wer am Verfall der Preise die Schuld trägt
@ Kobban [#4] Mit jedem Liter Milch, den sie verkaufen, machen sie Minus. Viele Milchbauern im Land haben Angst um ihre Existenz.
@ Kobban [#14] Den Milchmarkt regeln? - Ja, ... damit die Milch nicht zur Ramschware wird
@ Kobban [#14] „Die Milcherzeuger müssen ihre Milch vernichten, weil die Politik in Deutschland und Europa den Schwarzen Peter hin- und herschiebt“, sagte ein Sprecher.

Nun dasselbe für LCD-Fernseher:
- LCD-Fernseher: Wer am Verfall der Preise die Schuld trägt
- Mit jedem LCD-Fernseher, den sie verkaufen, machen sie Minus. Viele Fernseher-Produzenten im Land haben Angst um ihre Existenz.
- Den LCD-Fernseher-Markt regeln? - Ja, ... damit die LCD-Fernseher nicht zur Ramschware werden.
- „Die Fernseher-Hersteller müssen ihre LCD-Fernseher vernichten, weil die Politik in Deutschland und Europa den Schwarzen Peter hin- und herschiebt“, sagte ein Sprecher.

Nun dasselbe für Handys:
- Handys: Wer am Verfall der Preise die Schuld trägt
- Mit jedem Handy, das sie verkaufen, machen sie Minus. Viele Handy-Produzenten im Land haben Angst um ihre Existenz.
- Den Handy-Markt regeln? - Ja, ... damit die Handys nicht zur Ramschware werden.
- „Die Handy-Hersteller müssen ihre Handys vernichten, weil die Politik in Deutschland und Europa den Schwarzen Peter hin- und herschiebt“, sagte ein Sprecher.

Nun dasselbe für Ferngespräche (den verstehen nur die Älteren unter uns ...):
- Ferngespräche: Wer am Verfall der Preise die Schuld trägt
- Mit jedem Ferngespräch, den sie verkaufen, machen sie Minus. Ein großer Monopolist im Land hat Angst um seine Existenz.
- Den Ferngespräch-Markt regeln? - Ja, ... damit die Ferngespräche nicht zur Ramschware werden.
- „Die Ferngespräch-Anbieter müssen ihre Kapazität vernichten, weil die Politik in Deutschland und Europa den Schwarzen Peter hin- und herschiebt“, sagte ein Sprecher.

Nun dasselbe für Opel:
- Opel: Wer am Verfall der Preise die Schuld trägt
- Mit jedem Opel, den GM verkauft, machen sie Minus. GM hat Angst um seine Existenz.
- Den Kleinwagen-Markt regeln? - Ja, ... damit die Opel nicht zur Ramschware werden.
- „Die Opel-Händler müssen ihre Opel vernichten, weil die Politik in Deutschland und Europa den Schwarzen Peter hin- und herschiebt“, sagte ein Sprecher.

----------------------------------------------
Klingt alles ganz schön absurd, bei den anderen Produkten.

Archie
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ [#14]

"Dem rabiaten Preiskampf werden langfristig nur industriell organisierte Agrarfabriken gewachsen sein mit der Folge, dass Milchprodukte noch viel häufiger als heute quer über den Erdball gekarrt werden – zulasten des Klimas. Und wenn in dem globalisierten Geschäft erst Spekulanten die Milch als Rohstoff für ihre Zwecke entdecken, werden es nicht mehr Aldi und Co sein, die den Preis bestimmen."

Diese Gesichtspunkte werden von vielen Kritikern überhaupt nicht gesehen. Damit liefert man die bisher noch halbwegs dezentrale Grundversorgung wenigen Weltkonzernen vom Schlage Monsantos aus, deren gesamtes Wirken auf Marktbeherrschung abzielt. Ein volkswirtschaftliches Fiasko mit unabsehbaren Folgen! Das gilt im übrigen für alle Agrarmärkte, nicht nur für den Milchmarkt.

Die Qualität bleibt dabei ohnehin auf der Strecke: Bestes Beispiel sind die Produkte der Geflügelmäster - zu mehr als 95% nur noch Gummifleisch.

pigtrader
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Asamat
bei Opel jedoch mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass der Staat einen Haufen Geld zuschießt. Und somit wären wir wieder bei Subventionen. Sie sollen Arbeitsplätze erhalten, die eh abgebaut werden.

pigtrader

Asamat
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Archie [#17]

Dieselbe Kritik kann man bei jeder anderen Industrie anbringen: beispielweise werden Autos nur noch von großen Konzernen hergestellt, die Garagenfabriken aus der Gründerzeit, in denen Autos in Handarbeit hergestellt wurden, sind verschwunden. Zielt nun bei diesen Konzernen "das gesamte Wirken auf Marktbeherrschung"? Sicher. Habe ich Angst davor? Nicht im entferntesten. Opel soll ruhig versuchen, den Markt zu beherrschen.

Ist es schlimm, wenn Nahrungsmittel industriell hergestellt werden? Wir leben schon lange im Industrie-Zeitalter, nur einige Branchen sind noch rückständig. Ist ein handgefertigtes Auto besser als ein industriell gefertigtes? Nein, es ist eindeutig nachweisbar schlechter. Der industrielle Prozess schafft eine Produkt-Qualität, die von Heim- und Handfertigung niemals erreicht werden kann; und das zu Preisen, die ebenfalls von Heim- und Handfertigung nicht erreicht werden können.

Ich halte die Angst vor industrieller Nahrung für eine nostalgische Illusion. Es ist die gleiche Illusion und gesellschaftliche Angst, die dazu führte, daß vor Eisenbahnen vor 150 Jahren ein Typ mit einer Flagge vorangehen und die Bevölkerung warnen mußte. Die Illusion gaukelt uns vor, daß "früher auf dem Dorf die Welt noch in Ordnung war". Sie war es aber in Wirklichkeit nicht. Es fällt uns jedoch schwer, vom bäuerlichen Leben in der herkömmlichen Form Abschied zu nehmen. Der Abschied ist aber unvermeidlich, genauso unvermeidlich wie die Ablösung der Handwerker- und Zunft-Gesellschaft durch die Industriegesellschaft war.

Die Weber haben gewettert gegen die Webmaschinen. Das waren richtige Volks-Aufstände. Schneider wetterten gegen die Textilindustrie. Müller haben sicher gegen moderne, industrielle Mühlen gewettert. Schrankenwärter sind gegen automatische Bahnübergänge, und das "Mädchen vom Amt" gegen automatische Telefonvermittlungen.

Bauern sind gegen die Agrarindustrie. Das wird kein anderes Ende haben, es sei denn, sie produzieren Produkte, die der Verbraucher trotz der Industrie-Konkurrenz haben will. Per Gesetz Preise zu erzwingen und Märkte zu verbiegen, hat noch kein veraltetes Geschäftsmodell vor dem Aussterben gerettet. Es gewährt nur kurz Aufschub. Der einzige Weg wäre, wenn Bauern in der Lage wären, etwas herzustellen, was die Konsumenten beim Supermarkt um die Ecke kaufen wollen, und was die Industrie nicht besser herstellen kann. Ich bin mir nicht im klaren, ob es soetwas gibt, halte es aber auch nicht für ausgeschlossen. Wenn ja, würde es mich für die Bauern freuen.

-------------------------
PS: Milch ist es jedoch nicht ...

Kobban
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Asamat [#19]

"Ich halte die Angst vor industrieller Nahrung für eine nostalgische Illusion"

Es gibt in recht hohem Ausmaße gerade die industriell erzeugten Illusionen, die in ganz schön deutlicher Diskrepanz zur Lebenserfahrung geraten. Und diese Diskrepanz beeinträchtigt offenbar kaum bis gar nicht den Massenkonsum dieser Illusionen.

Z.B. vor der Illusion über die Leistungen der pharmazeutischen Industrie sollte man nicht nur minimale Angst haben. Die tausende von Lebensmittelzusätzen sollten einem auch nicht geheuer sein.

Und: Ist industriebedingte Armut als fortschrittsbedingtes Naturgesetz zu akzeptieren? Man kann sie als Konsequenz von Fehlpolitik bekämpfen aber nicht: sie als Tatsache bestreiten. (ja,ja - früher u. in Entwicklungsländern waren/sind die Armen noch richtig arm - wird jetzt gekontert)

Und was ist mit den Illusionen über die Lösbarkeit ökologischer Probleme? Und spektakuläre Großunfälle?

Warten wir also geduldig auf die richtig postindustrielle Gesellschaft! Was immer das auch sei.

autokor
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

Es ist doch eine einfache Sache . Wenn der Traktor doppelt so viel arbeitet dann wird jeder zweite Traktorfahrer unnötig. Das ist natürlich auch der Grund dafür dass immer weniger Menschen im Agrarbereich arbeiten. Das wird auch sicher so weitergehen aber daran ist wirklich nichts Verwerfliches zu finden.
Ich habe mal gelesen dass ein Hühnerei in den 50er Jahren heute 2 € kosten würde. Ehrlich gesagt bin ich froh dass wir industriellere Landwirtschaft haben als damals. Und ich wage zu vermuten dass die Leute im Mittelalter die sich von Mehlsuppe ernährt haben das ähnlich sehen würden.

Aber wir könnten das Rad auch wieder zurückdrehen und Weizensorten anbauen die 10 kleine Körner dran hängen haben und von Millionen Bauern ausgedrescht werden damit die bösen Monsantos nicht die Weltherrschaft an sich reissen mit ihrem ekelhaften Genzeug....

Grüsse

Asamat
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Kobban [#20]
"vor der Illusion über die Leistungen der pharmazeutischen Industrie"

Welche Illusion? Lies mal nach in Romanen über die Zeit vor 200 Jahren. Wie das war, als Arznei (und nicht medizinische Behandlung wie heute) so teuer war, daß sich Arme das wirklich und buchstäblich nicht leisten konnten.

"(ja,ja - früher u. in Entwicklungsländern waren/sind die Armen noch richtig arm - wird jetzt gekontert)"

Daß Du dieses Argumentes überdrüssig bist, macht es nicht falsch.

Archie
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Asamat [#19]
"Ich halte die Angst vor industrieller Nahrung für eine nostalgische Illusion."
Wenn Deine Geschmacksnerven von dem Dreckszeug bereits so abgestumpft sind: Hau rein!

benedikt54
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Archie [#23]

Ist es schlimm, wenn Nahrungsmittel industriell hergestellt werden?

Es ist doch schon bereits so das viele Menschen ja gar nicht mehr Wissen wie wirkliche Nahrungsmittel schmecken.

Die Wissen gar nicht wieviele Sorten Äpfel es gibt usw.

Die kaufen den abgepackten, immer gleich schmeckenden Dreck in den Supermärkten.

Nur mal ein Beispiel. Wenn Ihnen ein Apfel aus dem Supermarkt in der Verpackung anfault dann dauert es nicht lange und alle sind faulig.

Bei unseren gelagerten Äpfeln vom Baum fault nur der faulige welche die anderen unberührt bleiben. Klar nicht jeder hat eine Obstgarten, nur wollte ich verdeutlichen wie abgestumpft viele in Bezug auf Ihre Nahrungsaufnahme schon sind.

Asamat
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Archie [#23]
@ benedikt54 [#24]

Ich ernähre mich praktisch zu 100% aus dem Supermarkt, das ist richtig. Fast alle Lebensmittel, die ich esse und trinke, sind raffiniert (be- und verarbeitet), außer Obst. Bitte macht mir als (Nahrungsmittel-) Laien klar: in wie weit ist der Käse, den ich esse, Dreck? (Die Schokolade? Der Kaffee? Die Butter? Das Brot?)

Wenn Ihr nur Käse direkt vom Bauern als Nicht-Dreck bezeichnet, kann ich Euch zwar verstehen, aber das hat keine praktische Bedeutung. Der Anteil der Leute, die mehr als 3% Ihrer Nahrung direkt vom Hof holen, ist von Null ununterscheidbar. Fleisch ist auch immer ein Knackpunkt, aber weder ich noch meine Frau kochen, und das Fleisch, das ich esse, kommt immer aus Kantinen oder Restaurants. Darauf habe ich sowieso keinen Einfluß.

Bleiben wir also beim Käse: was genau ist an Eurem Käse besser als am Käse von Nestle?
- Sauberer?
- Weniger Bakterien?
- Mehr Nährstoffe?
- Bessere Inhaltsangaben?
- Mehr Geschmack?
- Mehr Aroma?
In jedem dieser Punkte sehe ich einer ernsthaften Diskussion gelassen entgegen. Das ist genau mein Punkt von #19. Industriell raffinierte Nahrung ist besser und gesünder, nicht schlechter als unverarbeitete. Euer einziges "Argument" ist, daß Großindustrie schlecht und Kleinbauern gut sind. Nostalgie, wie ich bereits sagte.

"Die Wissen gar nicht wieviele Sorten Äpfel es gibt usw."

Ich esse gerne Käse aus Frankreich, und die Auswahl an der Käse- wie an der Obsttheke braucht den Vergleich mit dem Bauernhof vermutlich nicht zu scheuen. Liege ich falsch mit einem Faktor 20? (D.h. 20 mal mehr Sorten im Supermarkt als am Bauernhof)?

benedikt54
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Asamat [#25]

Der Anteil der Leute, die mehr als 3% Ihrer Nahrung direkt vom Hof holen, ist von Null ununterscheidbar

Da sind wir ja dann beim Thema. Die Leute haben doch gar keine Vergleichsmöglichkeiten mehr.

Die Wissen nicht wie frische Milch schmeckt
Die Wissen nicht wie frische Butter schmeckt

Ist schon klar das viele gar nicht die Möglichkeiten haben, das wird ja gar nicht in Abrede gestellt.

Industrielle Produktion ist letztendlich auch mit Monokultur gleichzusetzen. Anfälligkeit gegen Krankheiten und Einsatz vom Chemikalien usw.

All das landet letzendlich in den Produkten die wir verzehren.

Wenn ich die Wahl habe zwischen Produkten vom Bauern und vom Supermarkt stellt sich mir gar nicht die Frage.

Asamat
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ benedikt54 [#26]

"Einsatz vom Chemikalien usw. All das landet letzendlich in den Produkten die wir verzehren."

Industriell gefertigte Lebensmittel gehören zu den am besten überwachten Dingen überhaupt.

"Wenn ich die Wahl habe zwischen Produkten vom Bauern und vom Supermarkt stellt sich mir gar nicht die Frage."

Viele Leute könnten mehr vom Bauern holen. Sie tun es nicht, weil der Unterschied im Geschmack und in der Qualität, den Ihr so betont, nicht so besonders deutlich ist. Mein Opa hat auch immer gesagt, das Fleisch in seiner Jugend hat noch ganz anders geschmeckt, so etwas gibt es heute gar nicht mehr. Mag sein, aber warum stellt denn kein Bauer heute solches Fleisch her? Wenn der Unterschied wirklich so groß wäre, würden es ihm die Restaurants und Verbraucher aus der Hand reißen.

Archie
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Asamat [#27]
Kleine Lebensmittelkunde:

1. Vieles was heute vom normalen Bauernhof kommt, ist nicht mehr das, was es mal war. Vergleich mal z. B. Weißkohl, Rotkohl oder Rosenkohl aus konventioneller Herstellung mit Ware aus dem Bio-Laden. Meistens kann man den Unterschied beim Kochen schon auf große Entfernungen riechen.

2. Bei einer Reihe von qualitativ hochwertigen Käse-Sorten, insbesondere aus Italien (z. B. Parmesan) oder Frankreich, ist sehr streng reglementiert, mit was die Viecher gefüttert werden dürfen. Silage oder industrielles Fertigfutter sind absolut unzulässig. Warum: Man schmeckt es durch, und zwar gewaltig (es sei denn, man merkt ohnehin nichts mehr)! Entsprechendes gilt in bestimmten Bereichen für besondere Fleischqualitäten und daraus erzeugte Produkte.

3. Wie „kreativ“ teilweise in der LM-Industrie gearbeitet wird, haben jüngste Skandale gezeigt, bei denen es oft um Pizza-Beläge ging. Kunstkäse, der mit Käse nicht die Bohne zu tun hat, zusammengeklebte Fleisch- und Reststücke gehen als Schinken durch, Thunfisch, von dem dringend abgeraten werden muss….Und das Schlimmste: Es wird nicht oder nicht so deklariert, dass der Verbraucher im Bilde ist.

Asamat
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Archie [#28]

Das ist doch genau, was ich auch sage. Ich sage doch nicht, Bauern sollen nix produzieren, im Gegenteil. Fast alle Käsesorten an meiner Käsetheke kommen doch daher. Bei dem von Dir in Punkt 2 genannten produzieren die Bauern offensichtlich etwas, was die Abnehmer bereit sind, zu bezahlen. Super, mehr davon. Niemand ruft nach staatlichen Preisgarantien für Parmesan (um den Kreis zu Thema zu schließen).

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pullPUSH
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ alle,

Wer sich mal die "kleine" Bilanz der Landwirte anschaut sieht das bei den meisten Betrieben seit Jahren nichts mehr hängen bleibt. Die Überproduktionen sind "hausgemacht". Die meisten Betriebe leben schlicht von der Substanz jedoch gibt es immer noch genug die um "jeden" Preis verkaufen. Das schadet allen.

Ca. 65% aller Betriebe egal ob Milch-, Getreide- oder Fleischproduktion stehen vor der Aufgabe einen "echten" Strukturwandel zu vollziehen. Weg von der Massenproduktion hin zu kontrollierter Aufzucht mit Mehrwerten. Das heist zunächst aber die "Dürre" von Verzicht zu üben. Viele werden das als Vollerwerbslandwirte nicht überstehen können - diejenigen die es können üben in Zukunft eine "gezielte" und marktgerechte Beteiligung aus.

Anbei ein Beipiel aus der Schweiz - wenngleich nicht ganz Mustergültig. Was glaubt ihr was hierfür für einen Liter Milch bezahlt werden wird? Geschweige denn was hier für Fleischpreise zu erzielen sind - wenngleich man sich schon fast schämt so ein Gottesgeschöpf zu "essen". Aber das ist Natur - wie wir wissen übt die Natur die härtesten Gesetze!

dhp05
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ pullPUSH [#30]

als ich einmal das strukturelle Problem einem Bauern näher bringem wollte, da hakte der auf Grammatik und Rechtschreibung herum (was für ein Idiot!).

Wer soll den Schuld sein am Preis, außer der Preis, der erzielbar ist?

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