Ölsaaten Cockpit, 11.02.2015 - Diskussion
ZMP-Meinung:
Das seit Monaten erwartete steigende Angebot an Sojabohnen aus mehreren Rekordernten wird zunehmend auch für den Verbraucher greifbar. Große südamerikanische Ernteen kommen in Riesenschritten. Das Produktionsrisiko verliert mit fortschreitender Entwicklung an Bedeutung. Damit fallen auch die eingepreisten Risikoprämien.
Die Preise haben allerdings vorerst nur mäßig nachgegeben. Die späteren Terminkurse an den Börsen geben jedoch eine deutlich fallende Richtung vor. Für Käufer mit der Euro-Währung besteht der Nachteil einer schwachen Kaufkraft. Damit wird der dollarnotierte Preisrückgang nicht voll weitergegeben. Hinweise auf mögliche Lieferprobleme durch LKW-/Hafenarbeiterstreiks dürfen an dieser Stelle nicht fehlen.
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http://www.zmp.de/cockpit/oelsaaten-cockpit-11022015/82080
Was meinen Sie?
Wenn man davon ausgeht, dass der Markt die gegenwärtigen Zahlen in Südamerika (BRA-94,5mmt-USDA) eingepreist hat, wie würden sich in den nächsten Wochen die Kurse verhalten, wenn, in Brasilien die Sojaernte um, sagen wir 3-4 mmt reduziert würde? Insbesondere einige brasilianische Agrar-Analysehäuser (Ag Rural-91,9, Celeres-94,2, Abiove-92,3, Cordonnier-93) liegen mit ihren aktuellsten Schätzungen teils deutlich niedriger. Sicher immer noch ein Rekord, aber passen dann die Kurse noch dazu? So sicher, dass bald weitere Kursrückgänge bei Soja zu sehen sind, ist das möglicherweise noch nicht. Conab berichtet, glaube ich heute!
@ peterg
Wenn man die jüngsten Prognosen aus Argentinien mit in den Blickwinkel einbezieht (u.a. Rosario Exchange) kann man eine (teilweise) Aufrechnung mit den brasilianischen Ernterisiken vornehmen. Nach meinen Wetterbeobachtungen ist die Einschätzung der höheren USDA-Schätzung mit 56 Mio. t (Arg) vielleicht sogar als Untergrenze (?) anzusehen. Durchschlagender Maßstab für die Kursfindung bleibt aber die gesamte Versorgungslage im Ölsaatensektor mit Schwerpunkt Sojakomplex. D.h.weniger bedeutsam für die mehrmonatige Kursbildung sind die einzelnen Ernteergebnisse als vielmehr die Endbestände, noch besser stock-to-use-ratio. Diese liegen mit knapp 90 Mio. t +30 % (bzw. 31 % stock to use ratio) erheblich höher als in den vorangegangenen Jahren. Der bisher zu beobachtende mühsame Kursrückgang ist eine Folge der Notwendigkeit einer flächendeckenden Wiederauffüllung der dramatisch abgebauten Vorräte im Herbst 2014.
Interessant ist in diesem Zusammenhang der Hinweis auf den Kursabsturz in Sachen Sojaschrot in den Monaten Aug.(?) 2014: Die hohen Sojaernten im Blick, aber die konkrete Versorgungslage vor Ort aus dem Blickwinkel verloren.
Die aktuelle Situation ist anders! Ausreichend hohe Versorgung ist jetzt und auf absehbare Zeit gewährleistet. Mehr oder weniger hohe Ernten bis in den Herbst des Jahres 2015 winken. Schwankungen von 1 bis 3 Mio. t (gegriffene Größen) dürften als Risikoprämien in den Kursen eingepreist sein, selbst wenn kurzfristige gemäßigte Börsenreaktionen auftreten. Selbst wenn die Kurse nicht weiter fallen sollten, das Potenzial zu einem nennenswerten Kursauftrieb ist zurzeit konkret nicht begründbar.
Nachtrag: Conab schätzt 94,6 Mio t Soja in Brasilien
MfG BRE
Der Stock to use Ratio bei den Ölsaaten liegt mit 24 % deutlich höher als der Durchschnitt der letzten fünf Jahre mit 20 %. Gleichzeitig liegen die Börsenkurse niedriger als der Fünf-Jahresschnitt. Im Prinzip passt das schon zusammen. Dennoch: Die Spekulanten reagieren mit einem massiven Anstieg bei den Netto-Short-Positionen. Ich denke, es ist nur noch eine Frage der Zeit bis die Sojabohnenkurse sinken, insbesondere, wenn sich bestätigt, dass in den USA deutlich mehr Sojabohnen im Frühjahr angebaut werden.