Pachtpoker 2010: Lohnt sich die Pacht oder zahlen Sie drauf ?
Pachtpoker: Mehr Augenmaß gefragt!
LWK Hannover (09.06.10) - Für das Wirtschaftsjahr 2009/10 werden Betriebe aufgrund der im vergangenen Sommer weiter gesunkenen Getreidepreise Verluste einfahren. Wer viel Geld für Pachtflächen zahlt, muss insbesondere bei hohen Pachtanteilen eine erhebliche Quersubvention durch andere Betriebszweige vornehmen.
Der Autor dieses Beitrags führt seit mehreren Jahren im Rahmen seiner Beratungstätigkeit und der Fortbildung zum Landwirtschaftsmeister Vollkostenrechnungen nach DLG-Systematik durch. Die Ergebnisse beziehen sich auf den Raum Emsland, Osnabrück und vereinzelt auch Süd-Oldenburg.
Die Auswertungen werden streng auf der Grundlage der Buchabschlüsse durchgeführt. Alle Werte sind Bruttowerte, beinhalten also die gesetzliche Mehrwertsteuer. Steuerliche Sondereinflüsse werden bereinigt. Betriebe, in denen sich z. B. besondere Investitionsaktivitäten verzerrend auf die Kostenentwicklung eines Jahres auswirken, bleiben für die Gesamt-Auswertungen unberücksichtigt.
Bei dieser Art der Vollkostenrechnung werden sämtliche Kosten auf die Betriebszweige verteilt oder aber getrennt und transparent ausgewiesen. Die Ergebnisse sind vielfach ernüchternd und bestätigen die Aussagen der Agrarberichte der letzten Jahrzehnte, dass nämlich die große Masse der Betriebe (rund 80 bis 85 %) nachhaltig nicht in der Lage ist, Agrarproduktion vollkostendeckend durchzuführen, mit anderen Worten: Viele betreiben Selbstausbeutung oder leben von der Substanz!
Die Ergebnisse einer Vollkostenrechnung sind immer auch relativ stark von den Annahmen über die kalkulatorischen Faktorkosten abhängig. Für die Eigentumsfläche wurden je Hektar 350 € kalkuliert, für das Eigenkapital ohne Boden 3,5 % Zinsen, und je Arbeitsstunde nicht entlohnter Familienarbeitskräfte wurden 15 € pro Stunde berechnet. Dabei wurde eine Voll-AK mit 2400 Stunden pro Jahr angesetzt. Dies entspricht einem Lohnanspruch von 36000 €.
Diese kalkulatorischen Kostenansätze sind sicherlich in ihrer Höhe immer diskussionswürdig, ignoriert werden dürfen sie aber nicht. Faktorkosten, also die Kosten für Boden, Kapital und Arbeit sind, wenn sie denn über die Erträge erwirtschaftet werden, immer auch Einkommen, zunächst das der Verpächter, der Gläubiger und der Fremd- Arbeitskräfte. Im Gegensatz zu den tatsächlichen Faktorkosten wie Pachten, Zinsen und Löhne werden die kalkulatorischen Faktorkosten für die Eigentumsfläche, das sonstige Eigenkapital und die eigene Arbeitsleistung aber bei weitem nicht immer erwirtschaftet.
Die nachstehende Tabelle gibt die Ergebnisse der Vollkostenrechnungen für den Getreidebau aus den letzten vier Wirtschaftsjahren wieder. Im Betriebszweig Getreidebau sind sowohl die klassischen Getreidearten als auch der Körnermais, vereinzelt der Raps und auch geringe Stilllegungsflächen zusammengefasst. Der Ackerfutterbau (Silomais, Ackergras) und auch Intensivkulturen wie Kartoffeln wurden dagegen jeweils getrennt als Betriebszweig ausgewertet. Dies ist für die Bewertung der Ergebnisse zu berücksichtigen.
Die Daten stammen aus etwa 10-20 Haupterwerbsbetrieben, die aber in den einzelnen Jahren nicht völlig identisch waren. Auch der Anteil Körnermais hat sich zu Lasten von Raps und Getreide erhöht. Dies kommt auch in den stark gestiegenen Durchschnittserträgen zum Ausdruck. Selbstverständlich gibt es von Betrieb zu Betrieb Unterschiede sowohl auf der Ertrags- wie auch auf der Aufwandseite. Gleichwohl können aus den Durchschnittswerten der Betriebe und der einzelnen Wirtschaftsjahre einige grundlegende Aussagen abgeleitet werden. Sie sollten auch dazu beitragen etwas mehr Nachdenklichkeit und Zurückhaltung auf den Pachtmärkten zu erzeugen.
Tabelle: Wirtschaftlichkeit des Getreidebaus
(Werte in Euro/ha)
*) EU- Prämien ohne BIB’s und Sonstige
Quelle: eigene Berechnungen
Die Kosten je Hektar Getreide/Körnermais beliefen in den vergangenen Jahren auf rund 1400 bis 1500 € pro Hektar. Darin sind die so genannten Direktkosten wie Saatgut, Düngung und Pflanzenschutz mit 400 bis 500 €/ha ebenso enthalten wie die Kosten der Arbeitserledigung in einer Größenordnung von rund 550 €/ha. In den Kosten der Arbeitserledigung stecken u. a. die Aufwendungen für den Lohn-Unternehmer, für die eigenen Maschinen, aber auch der Lohnanspruch für die eigene Arbeit. Der Ackerbau hat selbstverständlich die Kosten für die Unterbringung der eigenen Maschinen (Gebäudekosten) aber auch allgemeine Kosten der Betriebsführung (z. B. Buchführung) anteilig mit zu erwirtschaften. Letztere liegen bei rund 30 bis 40 € pro Hektar.
In den Gesamtkosten sind bei den ausgewerteten Betrieben lediglich Flächenkosten von knapp 400 €/ha enthalten. Diese Flächenkosten setzen sich zusammen aus den Aufwendungen zum Beispiel für Bodenverbesserungen, Grundsteuer, vor allen Dingen aber den gezahlten Pachten sowie dem Pachtansatz für die Eigentumsfläche. Da als Pachtansatz nur 350 €/ha Eigentumsfläche kalkuliert wurden, lässt sich relativ leicht ableiten, dass die tatsächlich gezahlten Pachtpreise bisher kaum über 450 €/ha hinausgehen und noch weit entfernt sind von dem, was aktuell diskutiert und sicherlich vereinzelt auch schon gezahlt wird. Entscheidend für die Flächenkosten ist immer auch der Anteil der Pachtflächen an der insgesamt bewirtschafteten Fläche. Dort, wo nur wenig Eigentumsflächen vorhanden sind und der Pachtmarkt bereits stark angespannt ist, lassen sich auch jetzt schon durchschnittliche Flächenkosten von 500 bis 600 €/ha ermitteln. Die wirtschaftlichen Konsequenzen daraus sind in der Regel aber äußerst negativ.
Außer im Wirtschaftsjahr 07/08, in dem die Getreidepreise und damit auch die Futterkosten für die Veredelung explodierten, konnte in allen anderen Jahren im Durchschnitt der Betriebe keine Kostendeckung erreicht werden. In den Jahren 05/06 und 06/07 wurden nicht einmal bescheidene Einkommensbeiträge erwirtschaftet, es waren vielmehr Verluste zu verzeichnen. Im Wirtschaftsjahr 08/09 wurden die kalkulatorischen Faktorkosten immerhin rund zur Hälfte erwirtschaftet. Einem Buchführungsgewinn von 137 €/ha standen kalkulatorische Faktorkosten auf der Unternehmerseite von rund 266 €/ha für die Fläche, die Arbeit und das Eigenkapital gegenüber.
Für das jetzt zu Ende gehende Wirtschaftsjahr 09/10 werden die Betriebe aufgrund der im letzten Sommer weiter gesunkenen Getreidepreise erneut Verluste wie vor dem Getreidepreisboom zu verzeichnen haben. Wer also bereit ist, für Pachtflächen in der südlichen Weser- Ems-Region 800, 1000 oder noch mehr Euro pro Hektar zu zahlen, muss insbesondere bei hohen Pachtanteilen eine erhebliche Quersubventionen durch andere Betriebszweige vornehmen. Dass die Milchviehhaltung und die Bullenmast dies nicht können, dürfte hinlänglich bekannt sein. Aber auch die Veredelungszweige der Schweine- oder Geflügelproduktion werden in Zukunft bei einem härteren Wettbewerb und geringeren Stückgewinnen kaum noch in der Lage sein, noch höhere Einkommensbeiträge als bisher für die Verpächter zu erwirtschaften.
Da die Kosten für einen ha Silomais/Maissilage ohnehin noch einmal rund 100 €/ha höher liegen als beim Getreide, werden die Gesamtkosten bei den genannten Pachtpreisen von über 800 €/ha schnell Richtung 2000 €/ha und mehr ansteigen. Damit kann auch Biogasanlagenbetreibern schnell mal die „ökonomische Puste“ ausgehen.
Insofern ist allen Beteiligten, den Pächtern wie auch den Verpächtern, mehr Augenmaß, mehr Zurückhaltung und Besonnenheit beim Pachtpoker zu wünschen.
(Quelle und weitere persönliche Kontakte: http://www.lwk-niedersachsen.de/index.cfm/portal/6/nav/91/article/14444.html)
Die Story ist so alt wie die Landwirtschaft selbst.
Aber: ich kann Gülleentsorgung mit 120 Euro je ha ansetzen (nach Ausbringkosten); sowie wenn ich neue eigene Betriebszweige gründe und die Vieheinheitengrenze der ersten 20 ha voll ausnutzen kann alleine schon darüber 330 Euro mehr bezahlen (0,12 VE/ha mal rund 4 Euro MwSt.-Differenz).
Diese ewige Diskussion über die hohen Pachtpreise sowie die Senkung des NawRo Bonus zur Beruhigung ist Politikum auf allertiefsten Niveau.
Wieso nicht entweder eine vollkommene Abschaffung der Pauschalierung oder aber auflösung der Degression bei den Vieheinheiten?
Weils zu einfach ist.
Stattdessen wird auf die Biogasanlagen geschimpft; aber ich kann auf geteilten 2 mal 20 ha mehr Schweine halten als auf nichtgeteilten 50 ha ...
Wo ist da die Logik?
Würde die Pauschalierung fallen, dann garantiere ich, dass die Pachtpreise locker um 30% fallen würden hier in Süd-Oldenburg. Denn die Gülle ist nicht das Problem. Das zeigt sich nun hier in unserer Gegend, wo die Veredelungsbetriebe aus dem Pachtpocker ausscheiden und sich die Anlagenbetreiber nur noch gegenseitig Flächen auspokern, die Viehhalter werden dann lieber Gewerblich anstatt den Preiswahn anzuheizen.
In dem Sinne
MFG
Mühlenbach
Hallo
Ich höre immer, dass Biogasanlagen für viel Geld Flächen pachten. Wir haben nicht einen einzigen ha gepachtet. Wir haben Substratlieferverträge mit Landwirten geschlossen, welche sowieso Körnermais verkaufen. Der Preis richtet sich in jedem Jahr nach dem Körnermaispreis. Mit dem Faktor 1,35 auf 32% TS berechnet wird pro Tonne abgerechnet. So treiben wir nicht den Pachtpreis nach oben und überlassen die Flächen denen, die sie unbedingt für ihre VE gebrauchen. So hat jeder was davon. Es war kein Problem 120 ha im Umkreis von 3 km zu bekommen.
Soviel zu "Biogas treibt die Pachtpreise nach oben"
@ Schweinchendick [#3]
Bei uns im Dorf gingen die Pachtpreise durch die Biogasanlagen extrem hoch. Bis 1400 Euro.
Hallo zusammen, es war schön mit euch, aber meine Tage als Landwirt sind gezählt.
Wir sind hier im Bermuda Dreieck abgesoffen ! Die Kombination aus Erdbeer- und Gemüseanbau plus Biogasanlagen ist für uns als Schweinemäster und Ackerbauer mit hohem Pachtflächenanteil absolut tödlich !
Die hier im Forum genannten 1400 Euro werden noch überschritten.
Wir werden die diesjährige Ernte noch einfahren, danach die Seiten wechseln und Verpächter werden. Nebenbei werde ich einem geregelten Beruf nachgehen.
Mein Chef schon immer gesagt:
Auch Verpachtung ist eine Art der Betriebsentwicklung!
Mehr kann man mit Biogasanlage bei Vollkosten nicht rauswirtschaften.
@ fisch12 [#4]
Dann haben wir noch ganz schön was vor uns!!
Sind die 1400 schriftlich oder aus dem Wirtshaus nach dem 3. Bier !?
MfG S.
Wie schon oben erwähnt, gibt es Gegenden wie um Goldenstedt oder Bakum im Kreis Vechta, wo alle drei Varianten wie Gemüse, Erdbeeren und Biogas für tatsächliche Pachtpreise von weit über 1400 Euro für Unmut sorgen, weil all die "Früchte" relativ begrenzt sind, als auch der Deckungsbeitrag das hergeben(anscheinend).
Verloren haben hier vor allen Dingen die Kartoffeln, die nun weiter gefahren müssen nach Stöver oder Wernsing.
Bei uns sind wir bei 1200-1400 Euro, und zwar hauptsächlich wegen Biogas und Gemüse, aber auch einige Landwirte spielen das Spiel noch mit, weil man ja unbedingt die Flächen braucht, grade wenn es nur ein paar ha sind, man aber durch deren fehlen zehntausende von Euros verlieren kann, weil dann viele Schweine wegen der fehlenden Vieheinheiten Gewerblich werden.
Gut, man kann (und wird es auch) hier für 900 Euro ab Feld Mais kaufen, was immerhin günstiger ist wie die Pacht für 1400 Euro.
Allerdings wenn man nicht min 70% der Substratmengen selber hat, sei es durch Eigenland oder Zupacht, dann gibt es kein Moos von der Bank, die Problematik der Substratentsorgung (die im Übrigen längst nicht so streng geregelt ist wie die Gülle, ein Irrsinn hoch drei), diese wird auf Dauer auch geändert werden.
Zudem gönnt hier in Süd-Oldenburg der eine dem nächsten nichts und Anbauverträge werden hier schon garnicht gemacht, denn der Getreidepreis könnte ja auf 50 Euro/dt steigen ...
Gut, manche Pachtpreise sind auch manchmal herbeigeredet. Fakt ist aber, dass so sagte mir ein Makler, dieses Jahr im ersten Halbjahr soviel Land verpachtet wurde (öffentlich), wie in den vergangenen drei Jahren insgesamt zuvor.
Genauso ist es mit den Bodenpreisen, hier werden für 18er Boden ab 5 ha grösse ab 45000 Euro/ha bezahlt (zumeist, und das ist kein Witz von Schlachtern und Zerlegern v.a. aus der Geflügelbranche, die als zweites Standbein den Pferdesport haben).
Irrsin ist der Welten Lohn.
In dem Sinne
MFG
Mühlenbach
@ Muehlenbach [#8]
Steigende Pachten und auch Kaufpreise wurde mir von meinem Bankberater berichtet. Die Raiba hat eigens eine Abteilung jetzt für Biogas und Landkäufe aufgemacht und die Preise für Kauf steigen seit 1-2 Jahren von 18.000,- Euro auf 25.000,- bis 30.000,- und mehr je ha.
Wir sind noch am Ende der Spirale und sicher werden wir Mfr. auch noch ganz andere Dimensionen erreichen!
Es gibt aber immer wieder welche die sich verschlucken! Was mann auch bei Turn und Taxis sehen kann!
MfG Saubauer
@ G. Meyer-Pundsack [#5]
Wenn der Pachtpreis in zwei Jahren (dann laufen die meisten Pachtverträge aus) noch immer bei ~1000€ liegt, werde ich auch verpachten. Dann bin ich nur noch Viehhalter. Oder die Ställe werden auch noch verpachtet, aber noch schwimme ich mit und ich muss keine Pachtverträge verlängern.
Noch pachte ich zu 500 bis 600 Euro zu, wenige Teilflächen auch für 800€, aber schon jetzt kann ich im Ackerbau nichts verdienen.
Ergänzung: Einige Bauern, die den Pachtwahnsinn mitmachen und auch über 1000€ bieten streben besonders lange Laufzeiten an, damit die Rechnung die letzten Jahre aufgeht- so ist es wohl immer gewesen...
Zum Flächenkauf: die letzten Flächen, die öffentlich verkauft wurden, lagen bei knapp 5€/m². Das waren aber eher bessere Böden. Für unter 4€ gibt es aber auch nichts mehr zu kaufen. Käufer sind in letzter Zeit aktive Landwirte und städtische Unternehmer gewesen. Die Landwirte, die auf dem Kaufmarkt agieren, sind aber wenigstens teilweise in den Genuss von teuren Landverkäufen an Kommunen gekommen.
@ Schweinchendick
Zur Abrechnung vom Biogasmais abgeleitet vom Körnermaispreis:
Körnermaispreis: € 15,00/dt x 1,35 = € 20,25/to bei 32% TS für den Biogasmais (auf dem Halm) + MwSt. Hab' ich das so richtig verstanden?
@ Futtermeister
Das ist richtig.
Ich hab noch vergessen, dass wir zusätzlich 100 € oben drauf zahlen.
Preise für Agrarflächen steigen um 23 Prozent - Landwirtschaftsflächen in Mecklenburg-Vorpommern werden immer teurer.
(Quelle: http://www.proplanta.de/Agrar-Nachrichten/Agrarwirtschaft/Preise-fuer-Agrarflaechen-steigen-um-23-Prozent_article1277988325.html)
@ Richard Ebert [#13]
Auch in Mittelfranken steigen die Preise ! Vor allem seit Leute außerhalb der Landwirtschaft Flächen kaufen.
Zahnärzte, Rechtsanwälte, Bäcker sogar ein ehemaliger Bankdirektor hat dieses Jahr einmal 10 ha und jetzt einen Betrieb mit 26 ha gekauft. Firma Festo aus BW besitzt jetzt nen Hof mit knapp 200 ha in der Nachbargemeinde und kauft regelmässig Flächen in der Umgebung. Berentsen Appel (Schnapsbrennerei) hat ca.750 ha gekauft usw.usw.
Preise waren letztes Jahr bei 15.000,- Eur je ha und sind jetzt bei 22.000 und mehr!
In der Nähe von größeren Städten sind natürlich die Preise nochmal so teuer da ja die Stadtverdrängten ihr Bauplatzgeld anlegen müssen.
MfG
Pachtpreise wettbewerbsverzerrend
LWK Rheinland-Pfalz (16.07.10) - Eine Schattenseite des anhaltenden Biogasbooms erleben vielerorts Landwirte, die sich nicht der Energieproduktion verschrieben haben. Wer weiterhin auf Ackerbau, Milcherzeugung oder Fleischproduktion setzt, sieht sich zunehmend der Konkurrenz mit der landwirtschaftlichen Energiewirtschaft ausgesetzt. Bei zwei Ortsterminen in Hunsrück und Eifel diskutierte Ökonomierat Norbert Schindler MdB, Präsident der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz, mit Landwirten, Verbandsvertretern und Kommunalpolitikern die aktuelle Entwicklung. Ökonomierat Leo Blum, Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau bezeichnete den Betrieb von Biogasanlagen als eine für die Landwirtschaft notwendige Produktionsalternative. Schindler und Blum stimmten allerdings darin überein, dass Anlagenbetrieb und Energiepflanzenanbau wirtschaftlich, aber auch ökologisch und sozial verträglich sein müssen.
Zusammen mit den beiden Vizepräsidenten der Kammer Heribert Metternich und Rudolf Schneichel sowie dem Mitglied des Kammervorstands und Europaabgeordneten Christa Klaß hatte sich Präsident Schindler im Rahmen seiner regelmäßigen Kreisbereisungen in den Landkreis Trier-Saarburg begeben. Die anhaltend schlechten Preise für Milch und Getreide, der hohe Bürokratieaufwand wurden den Berufsvertretern dort als neben den aktuellen Widrigkeiten der Natur als größte Belastungen vorgetragen. Aber auch die Folgen der Flächenkonkurrenz zwischen Nahrungs- und Energieproduktion. 500 Euro pro Hektar und Jahr werden auch in den Höhenregionen des Hunsrück stellenweise bereits als Landpacht gezahlt, weiß Hans-Peter Reichert, der um Reinsfelld 140 ha Acker- und Grünland bewirtschaftet und 140 Milchkühe im Stall stehen hat. Der Bau zahlreicher Biogasanlagen habe einen regelrechten Landhunger ausgelöst, der die Pachtpreise in die Höhe treibt. Bei jeder Neuverhandlung mit Kommunen, Kirchen oder privaten Verpächtern gehe es auch um mehr Geld. Diese Entwicklung betrachtete die Gesprächsrunde übereinstimmend als Wettbewerbsverzerrung, da in der gesamten Nahrungsmittelproduktion und insbesondere bei Milcherzeugern und Getreideanbauern eine Kompensation durch höhere Erzeugerpreise nicht in Sicht sei, während die Produktion von Biogas, der Verkauf von Abwärme sowie der Anbau von Energiepflanzen zur "Fütterung" der Anlagen durch die Einspeisevergütung gewinnbringend zu betreiben sei. Wenngleich im Hunsrück die Biogas-Dichte nicht so hoch ist wie beispielsweise in der Eifel und hier vor allem im Kreis Bitburg-Prüm, macht sich auch hier bereits die Flächenkonkurrenz bemerkbar. Reichert stellt sich der verschärften Wettbewerbslage mit einer intensiven Ausrichtung seines Betriebes auf Direktvermarktung.
Die Milcherzeuger zahlen nach Worten von Robert Bellersheim, der in Trierweiler 165 ha bewirtschaftet und 50 Milchkühe in einem modernen Boxenlaufstall hält, bei den gegenwärtigen Literpreisen von ca. 29 Cent schlichtweg drauf. Die ständig steigenden Betriebskosten belasteten jede Kalkulation und machten Investitionen zu schwierigen Unterfangen. Bellersheim nutzt jede Möglichkeit von Kosteneinsparung und von Einkommensalternativen, wie etwa die Einrichtung einer Grünschnittannahmestelle. Als Partner des Landkreises Trier-Saarburg nimmt er Grünabfälle vom Rasen bis zu Hecken und Ästen von Bürgern aus den Umlandgemeinden an. Etwa 2.000 Kubikmeter Grünschnitt kommen so pro Jahr auf der Sammelstelle an, werden hier gehächselt und zur Humusbildung und Förderung des Bodenlebens auf den Feldern ausgebracht. Auf diese Weise werde ein ökologischer Nutzen und ein ökonomischer Nutzen in Übereinstimmung gebracht. Die Verbandsvertreter um Kammerpräsident Schindler bezeichneten die Kooperation von landwirtschaftlichem Betrieb und Kreisverwaltung als Einrichtung mit Modellcharakter, an der seitens der Verwaltung in der Hoffnung auf höhere Gebühreneinnahmen nicht gerüttelt werden dürfe.
(Quelle: http://www.lwk-rlp.de/content.jsp?jsessionid=3A31B36BEECF3A6B2BF68C52356EDD2A&kontext=lwk_presse&auswahl=7192&publicationlanguage=de)
@ Saubauer2 [#7]
Die Antwort kommt ein bißchen spät: 1.400 Euro wurden bei öffentlicher Verpachtung gezahlt.
@ Schweinchendick
das ist die einzige vernünftige Variante!
es nimmt die Spannung zwischen Veredlung und Biogas. Wenn dann zum Mais auch noch Gülle (natürlich gegen Bezahlung) für den Güllebonus geliefert wird, kann die Landwirtschaft des ganzen Dorfes von Biogas profitieren.
Was kann ein "normaler Ackerbauer "(1 Ernte im Jahr - Getreide, Mais, Raps) an Pacht in Südoldenburg sprich Kreis CLP, VEC zahlen damit er alle Kosten gedeckt hat. Gewinn lassen wir erst mal außen vor. Mit einzubeziehen sind Vieheinheiten und der Steuervorteil auf nichtgewerbliche Schweinemast, günstigere Gülleentsorgung, Flächenprämie, Ertrag
Jemand sagte mir 900€ sind Schmerzgrenze, wenn man alles mit einbezieht, auch die Vorteile in der Schweinemast.
Habe eine 7 ha Pachtfläche, die zum 01.11.2010 ausläuft. Der Verpächter bekommt das doppelte an Pacht von einem Biogasbetreiber. Die Gerste wurde gedroschen und das Stroh abgefahren. Will die Fläche ungern ungenutzt bis November liegen lassen.
Kann man da noch gewinnbringend was anbauen?
Ein Biogasbetreiber sagte mir Sommergetreide als 2. Frucht wäre zu knapp mit dem Termin 01.11.2010.
Was meint ihr??
MfG
@ PorkyPig [#18]
Pauschal lässt sich nicht für alle Schweinemastbetriebe eine Pachtobergrenze festlegen.
Für den einen sind 700 € tragbar für den anderen nicht einmal 300 €.
Meine Devise ist: keine Quersubvention aus den Ställen für die Fläche. Soll heissen, es muss durch die Bewirtschaftung des Pachtackers unterm Strich was übrig bleiben.
GV- Grenzen und Gewerblichkeit dürfen keinen Einfluss auf das Pachtniveau haben.
Ich weiß, dass wer so denkt schwierig an Flächen kommt. Aber er wird durch die Landbewirtschaftung wenigstens nicht arm.
Fragen Sie doch den Flächennachfolger was es ihm wert ist wenn er vor 01.11 auf die Fläche darf.
Mfg BB
@ PorkyPig [#18]
Wenn nur 3ha fehlen, um die Gewerblichkeit zu verhindern, dann lassen sich sehr hohe Pachten begründen.
Im letzten Jahr haben Biogasanlagenbetreiber 150 bis 200€ für die Pacht zur Zweitfrucht nach Wintergerste gezahlt und entweder Sommergerste oder gar Mais angebaut. In diesem Jahr sind sehr viele Flächen mit Getreide als GPS geerntet worden und so richtig Nachfrage scheint nicht da zu sein.
Allerdings gibt es Kollegen, die in dieser Woche noch Mais in Pudersand gelegt haben, auf eigene Rechnung!