BIGPIG
Mitglied seit
12 Jahre 10 Monate

Perspektiven in der Landwirtschaft in 2013

Hallo,

zunächst möchte ich allen einen guten Rutsch ins Jahr 2013 wünschen.

Gleichzeitig halte ich eine Diskussion über die Zukunftsaussichten für die Landwirtschaft, auch Biogasanlagen und Tiere auf Gewerbe, im Jahr 2013 und darüber hinaus für durchaus interessant.

Unsere "Bauernbild" sieht immer noch eine rosige Zukunft für die Landwirtschaft. Sie erwarten steigende Preise für Schweine, Milch usw.. Nach meiner Meinung wird jedoch der Wettbewerb auf dem Weltmarkt, und dem müssen wir uns stellen, immer härter. Somit lassen sich höhere Preise wohl kaum durchsetzen. Gegen "Billigländer" wie Brasilien, deren Produktionskosten niedriger sind als bei uns, haben wir kaum eine Chance zumal die Rohstoffpreise mindestens dieses Niveau halten werden und wahrscheinlich weiter steigen.

Das "Greening" der EU wird uns Weizenpreise jenseits der 300 Euro je Tonne bescheren und den BGA`s Maispreise jenseits der 2000 Euro Marke ab Feld. Da unsere Regierung aber, mit aller Macht, die Abkehr vom Atomstrom vorantreiben will, werden die BGA`s einen sog. Ausgleich bekommen und die Veredlungsbetriebe sterben!!!. Die Strompreise werden sich in den nächsten 8-10 Jahren verdoppeln. Alle anderen Kosten werden weiter steigen. Tönnies wird jede Woche einen Richtpreis herausgeben und die Banken fressen die landwirtschaftlichen Betriebe, die zuviel investiert und riskiert haben!!.

mfg

Bigpig

Geschrieben von BIGPIG am
Bulle8618
Mitglied seit
12 Jahre 10 Monate

Hallo,

ich glaube, dass uns gerade bei den hohen bzw. steigenden Rohstoffpreisen weniger die "Billigländer" Probleme machen, sondern mehr die europäische sowie deutsche Politik. Bei hohen Rohstoffpreisen können wir durch eine bessere Produktivität (z. B. durch Futterverwertung) doch einiges wett machen. Ebenso wird in den Billigländern die Primärproduktion intensiviert.

Ich (Landwirt) sehe es grundsätzlich durchaus positiv wenn wir Deustschen bei den Themen Tierschutz sowie erneuerbare Energien einen Schritt vorausgehen, jedoch geht diese Entwicklung eindeutig zu schnell. Derart stark steigende Erzeugerpreise sind nicht nur äußerst schwierig an die Verbraucher weiterzugeben, sondern es ist auch innerhalb der Landwirtschaft deutlich schwieriger geworden Partnerschaften (z. B. zwischen Verpächter und Pächter) aufrecht zu erhalten.

Vor diesen Hintergründen ist es für mich vollkommen unverständlich, warum die EU die Gelder des Agrarhaushaltes für Greeningmaßnahmen verwenden will. Meiner Meinung nach sollte der Agrarhaushalt deutlich verkleinert werden und das Geld für die Bekämpfung der Schuldenkrise verwendet werden. Wir Landwirte erhalten von den Geldern ohnehin in Zukunft nichts mehr, da der eine Teil Kosten fürs Greening verursacht und der Rest über die Pachtpreise an die Verpächter weitergeleitet wird. Trotzdem werden wir uns weiterhin rechtfertigen müssen, dass wir bei Weizenpreisen von 25€ noch Flächenprämien bekommen.

Ich erhoffe mir dass die Politik erkennt, dass der Weg zu den erneuerbaren Energien einfach min. 10 Jahre mehr Zeit braucht!

In diesem Sinne wünsche ich einen Guten Rutsch

Bulle

Muehlenbach
Mitglied seit
12 Jahre 10 Monate

@ Bulle8618 [#2]

100 Punkte!

In dem Sinne
MFG
Mühlenbach

Timo
Mitglied seit
12 Jahre 10 Monate

@ Bulle8618 [#2]

Hallo,

stimme deinem Beitrag voll und ganz zu. Ich hätte nichts dagegen wenn die Flächenprämie ganz abgeschafft wird. Der Anteil der Prämie am Gewinn ist doch grade bei Veredelungsbetrieben relativ gering. Sicherlich gibt es auch Betrieb die das hart treffen würde, aber in den Regionen mit viel Veredelung und Biogas wird die meiste Prämie nur zum Verpächter durchgereicht. Die Kosten für das Greening müssen aber die Landwirte tragen und von der Bevölkerung werden sie als reine Subventionsempfänger dargestellt.

@Bigpig
Ich glaube nicht, dass die Biogasanlagen einen weiteren Ausgleich für steigende Substratkosten bekommen werden. Biogas ist schon jetzt die teuerste und unproduktivste erneuerbare Energie in Deutschland. Im Hinblick auf die steigenden Kosten für das EEG kann ich mir nicht vorstellen, dass man diese Form der Energiegewinnung ein weiteres mal unterstützt. Ich sehe den einzigen Vorteil von Biogas in der einfachen Speicherbarkeit, doch grade dieser Vortiel wird bisher kaum genutzt.

Viele Grüße und einen guten Rutsch ins neue Jahr!
Timo

D
Mitglied seit
12 Jahre 10 Monate

@ timo

Bedarfsgerechte Stromproduktion heißt das Zauberwort.

Es ist noch nicht klar, ob die Stromkonzerne mit neuen Gaskraftwerken oder die NAchrüstung der bestehenden BGA's das "Rennen" beim Ausgleich der schwankenden Energieerzeugung aus Wind und Sonne macht.

Bei den (überzogenenen) Renditeansprüchen unserer industriellen Versorger kommt es da vermutlich billiger, den BGA's einen Ausgleich für die Nachrüstung der Anlagen zur bedarfsgerechten Stromproduktion zu machen.

Bisher ersetzen die BGA's mit ca. 3000 MW installierter Leistung ca. 3 Atomkraftwerke. Bei flexiblem Betrieb können das schnell 6-8 werden. Das ist schon eine Hausnummer!

So werden die Kosten ziemlich unten gehalten. Die CSU entwicklet übrigens gerade Vorschläge, wer das bezahlen soll (Spiegel online).

Saubauer
Mitglied seit
12 Jahre 10 Monate

Schönen guten Morgen und allen ein gutes Neues!
So kanns gerne weiter gehen mit sachliche guten Beiträgen !
@ BIGPIG [#1]

Wer im Schnitt über 2000.- + Ernte + Lager bez. hat sicher keinen positiven DB in der Anlage!
Banken bzw deren Anleger fressen sicher gerne Flächen aber die meisten wollen keine Arbeit!
In meiner Region wurde zuletzt auf 4 ha von 68 Bietern auf die Fläche gesprochen davon viele ohne LW ebenso bringen die Baufirmen Ivestoren für eine BGA mit die bei 6-8 % Rendite mit 50 % einsteigen!
Nur so ist es auch möglich BGA s mit 800 Kw + Rindermast mit 360 Tieren aus dem Boden zu stampfen.
@ Timo [#4]

Bei den Flächenstarken Betrieben ist doch meist die Flächenprämie der Gewinn denn bei wegfallen sinken die Pachten sicher nicht.
Zuschläge für Biogas wird es nur für zusätzliche Leistungen geben wie diese aber bezeichnet werden das werden wir nach den nächsten Wahlen sehen oder !?

MfG
Saubauer

Lukas
Mitglied seit
12 Jahre 10 Monate

@ Saubauer [#6]

Bei den Flächenstarken Betrieben ist doch meist die Flächenprämie der Gewinn denn bei wegfallen sinken die Pachten sicher nicht.

Das passiert nicht sofort, aber bei Neupachtverträgen werden diese Pachten fallen. Aber es ist so gewollt. Und der DBV regt mich immer wieder auf, wenn ich es höre das die Gewinne von den Flächenprämien abhängig sein sollen. Solch einen Quatsch kann ich nicht verstehen!

Solange die Pachten höher sind wie die Prämien, sind die Bauern nicht abhängig von den Prämien!!!!!!!!
Die Beamtenpfuzis haben aber eine Daseinsberechtigung bekommen wenn die Prämien da sind. Wieviele Leute (LWK und Kontrollbehörden) müssen die Bauern denn durchfüttern mit diesen Prämien. Diese gehören komplett gestrichen. Damit brauchen wir dann die Klugsch..... auch nicht mehr bezahlen. Und die EU spart eine Menge Geld. Aber Beamte schaffen sich ja gewiss nicht selbst ab. Darin liegt das Problem.

Gruß
Lukas

Bre
Mitglied seit
12 Jahre 5 Monate

@ Lukas [#7]

Damit man weiß, worüber man diskutiert, nachfolgend eine Übersicht zur Verteilung der Direktzahlungsanteile am Einkommen (= Gewinn plus Personalaufwand) gegliedert nach Bundesländern, Betriebsformen und Benachteiligten Regionen aus dem letzten Agrarbericht 2010/11

Ackerbaubetriebe 59 %
Milchbetriebe 60 %
Futterbaubetriebe 55 %
Veredlungsbetriebe 50 %
Gemischtbetriebe 70 %
Gesamtdurchschnitt 51%

Berggebiete 61 %; benachteiligte Gebiete 71 %; nicht benachteiligt 40 %

Schleswig-Holstein 51 %
Niedersachsen 48 %
NRW 39 %
Hessen 51 %
Rheinland-Pfalz 26 %
Baden-Württ. 44 %
Bayern 59 %
Saar 75 %
Brandenburg 95 %
Meckl. Pom 84 %
Sachsen 70 %
Sachsen-Anhalt 84 %
Thüringen 94 %

Würde man nur den Gewinn nehmen, fallen die Zahlen noch höher aus, aber die Vergleichbarkeit zu den neuen Bundesländern wäre nicht möglich.
MfG Bre

Lukas
Mitglied seit
12 Jahre 10 Monate

@ Bre [#8]

Was interessieren mich diese Zahlen. Diese sagen rein garnichts aus. Ich weis nicht wie hoch die Prämien und Pachten sind. Bei uns in Nord-West bezahle ich 1100 € Pacht für Neupachtverträge. Sonst gibt es garantiert nichts. In diesen Pachtsummen sind die Prämienzahlungen von gut 350 € als Durchlaufposten verrechnet. Das heißt fällt die Prämie, fällt die Pacht in Neupachtverträgen. Wenn die Prämie auf 500 € steigen würde, würde die Pacht auf 1250 € steigen bei neuen Verträgen. Daher hat der Landwirt (ich auch) in Weser-Ems garnichts von den Prämien. Reiner Verwaltungsaufwand halt.

Ich glaube dieser Zusammenhang ist vielen nicht bewußt. Da ich gegen Verwaltungsaufwand bin der keinen € bringt, bin ich für die komplette Streichung der Prämien. Ich zahle lieber ehrliche 750 € Pacht. Außerdem wären die Direktzahlungsanteile am Einkommen gleich null. Ich als Landwirt wäre froh, das ich dann nicht mehr als Subventionsempfänger betitelt werde.

Gruß
Lukas

Bre
Mitglied seit
12 Jahre 5 Monate

@ Lukas [#9]

Nachstehend die gewünschten Zahlen zu Prämien und Pachten

Ackerbaubetriebe: Direktzahlung 452 €/ha; Durchschnittspacht der LF: 154 €/ha
Futterbaubetriebe: Direktzahlung 380 €ha; Durchschnittspacht der LF: 175 €/ha
Milchbetriebe: Direktzahlung 537 €/ha; Durchschnittspacht der LF: 131 €/ha
Veredlungsbetriebe: Direktzahlung 363 €/ha; Durchschnittspacht der LF 224 €/ha
Durchschnitt: Direktzahlung 452 €/ha; Durchschnittspacht der LF: 154 €/ha

Bei der Gegenüberstellung von Flächenprämien und Pachtzahlungen sind die Eigentumsflächen sowie die Altpachten zu berücksichtigen. Eine reine Grenzwertkalkulation ist jedenfalls irreführend.
Auch wenn die Flächenprämien für Veredlungsbetriebe in wenigen Regionen der BRD keinen so großen Stellenwert besitzen, stellt eine undifferenzierte Abschaffung der Direktzahlungen für den erheblichen Teil der landwirtschaftlichen Betriebe einen existenzgefährdenden Einkommensverlust dar.

In der bisherigen Geschichte der Pachtpreiszahlungen hat es auf Dauer keine Pachtpreisrückgänge gegeben. Wenn man ohne Flächenprämie einen ausreichendes Einkommen erzielen will, müssen die Preis-Kosten-Relationen günstiger werden. Da aber Boden der knappste Faktor im System bleibt, wird jede Verbesserung der Produktivität überwiegend den Bodeneigentümern zugute kommen.
Pachtpreisanpassungsklauseln in den Verträgen haben sich erfahrungsgemäß schnell überholt und haben höchst selten vor den obersten Gerichten Bestand gehabt.

Übrigens: Flächenprämien sind keine Subventionen in früherem Sinne sondern Leistungen für entsprechende Gegenleistungen in Form der Cross Compliance (CC). Das wird in Zukunft eine noch größere Bedeutung haben, weil die Einhaltung der CC zunehmend Kosten verursachen werden. Zukünftig höhere Auflagen für die Landwirtschaft sind sicher. Prämien, wenn sie selbst von der Landwirtschaft nicht mehr gewollt werden, garantiert nicht. Ein waghalsiges Spiel mit der öffentlichen Meinung!

MfG Bre

Lukas
Mitglied seit
12 Jahre 10 Monate

@ Bre [#10]

Veredlungsbetrieb: Direktzahlung 325 €/ha; Durchschnittspacht der LF 783 €/ha

Das sind meine Zahlen von meinem Betrieb.

Was Du dort schreibst ist ansonsten vollkommen richtig. In einigen Regionen sind die darauf angewiesen. Die Frage ist nur, was würde passieren wenn man die Prämien trotzdem streichen würde?

Ich glaube es würde ein kurzfristig stärkeren Strukturwandel geben der sich in fünf Jahren aufgelöst hätte. Dann wären wir ohne Prämien und der Rest der Betriebe würde auch ohne den Prämien klar kommen.

Gruß
Lukas

Bre
Mitglied seit
12 Jahre 5 Monate

@ Lukas [#11]

Zahlen eines Einzelbetriebs sollte man nicht als Grundlage für eine EU-weite Agrarpolitik heranziehen.

Strukturwandel in der Landwirtschaft ist im Regelfall sehr langfristig angelegt, auch wenn die Strukturwandelraten von früheren 2 % auf jetzt über 4 % angestiegen sind. 5- Jahres-Zeiträume sind jedenfalls zu kurz gegriffen.

Eine EU-weite Agrarpolitik kann man seriöserweise nicht im Sinne von Rein-Raus betreiben, wenn die (Agrar)Politik nicht vollends an Glaubwürdigkeit verlieren will. Rechtlich wäre bei so kurzer Frist die Frage des Verläßlichkeitgrundsatzes des Staates zu prüfen. Landwirtschaft ist kein Hauruck-Unternehmen, sondern immer auf Dauer ausgerichtet. Daher wird es immer mittel- und längerfristige Übergangszeiträume geben. Die GAP nach 2013 läuft vorläufig erst mal bis 2020. Das ist die Realität.

Auch darüberhinaus wird es staatlichen Lenkungs- und Steuerungsbedarf geben, der weniger erfolgreich über Ordnungsstrafen und meistens effizienter über Zahlungsanreize(Prämien) erfolgt, die in dieser Form aber nicht von Dauer sind, sondern den veränderten Gegebenheiten der Zeit angepaßt werden. Wie die Verteilung später aussieht, ist eine Abstimmungs- und Kompromißfrage unter 27+ Mitgliedstaaten der EU.

MfG Bre

Lukas
Mitglied seit
12 Jahre 10 Monate

@ Bre [#10]

Übrigens: Flächenprämien sind keine Subventionen in früherem Sinne sondern Leistungen für entsprechende Gegenleistungen in Form der Cross Compliance (CC). Das wird in Zukunft eine noch größere Bedeutung haben, weil die Einhaltung der CC zunehmend Kosten verursachen werden.

Hierfür Prämien zu bekommen halte ich für wichtig. Denn wer bestellt muss auch die Zeche bezahlen. Nur bislang war kaum etwas davon zu spüren außer ein paar kleine Aktionen im NAU Programm. Diese Prämien werden auch nicht an den Verpächter durchgereicht. Deshalb bin ich für Greenings wenn sie voll von dem Besteller bezahlt werden.

Hab jetzt keine Zeit mehr. Später weiter.

Gruß
Lukas

Saubauer
Mitglied seit
12 Jahre 10 Monate

@ Lukas [#11]

Meine Zahlen für Flächenzahlungen liegen bei 342.- Eur je ha inkl Rinderprämien die ja jetzt wegfallen !
Abzüglich 10 % Modulation !
Bei Grünland und alte Stillegungs ZA sind ja nur 90 bzw 172.- Eur je ha als Wert vorhanden!
Für neugepachtete und erkaufte Flächen mussten wir in den letzten 3 Jahren 22 ha Zertifikate kaufen mit Werten von ca. 460 .- Eur je ha
Pachtpreise alt liegen bei 320 Eur neu bei 480.- Eur für gutes Ackerland ( leicht steinig 50 BP)
Den meisten Nutzen von den Direktzahlungen haben die " Großgrundbesitzer"
Da werden seit einigen Jahren zusätzlich Flächen z.B Waldränder und Waldwiesen wieder beantragt und bei Besitzern die 2500 ha Wald und noch einige hundert ha GL haben kommen da noch Gelder zusammen!
Städte und Gemeinden sind auch dabei!

Diese Leute sitzen dann in Gremien und haben die Grundbesitzervereinigung und keiner hat Interesse an einer Abschaffung der Zahlungen !!!

Guten Abend
Saubauer

Bre
Mitglied seit
12 Jahre 5 Monate

@ Saubauer [#14]

Die stärkste Lobby für die Erhaltung der Flächenprämien liegt in den flächenreichen EU-Mitgliedsländer wie Frankreich, Spanien und vor allem die Mittel- und osteuropäischen neuen Staaten. Die großflächigen Betriebe in den neuen deutschen Bundesländern haben zwar ebenfalls ein vehementes Interesse, aber deren Größenordnung übersteigen bereits die Toleranzschwelle einer undifferenzierten Flächenprämienzahlung. Deren Glaubwürdigkeit der Rechtfertigung unbegrenzter Flächenprämien sinkt mit jeder Getreidepreissteigerung oberhalb der Vollkostendeckungsgrenze.

Und nicht zuletzt sind die Direktzahlungen an CC gebunden, d.h. ein viehhaltender Betrieb hat mehr Auflagen zu erfüllen als ein reiner Marktfruchtbaubetrieb. Leider ist die Einhaltung der "Spaltenbreite" nicht so spektakulär und öffentlichkeitswirksam wie ein blühender Randstreifen. Ein Viehhaltungsindex (wie einer Vieh hält)zur Berechnung einer zielgerecht (CC) ausgestalteten Prämienzahlung wird aus Gerechtigkeitgründen in dem Maß immer notwendiger je mehr die Auflagen in der Viehhaltung für Verbraucher-, Tier- und Umweltschutz ohne Rücksicht auf Wettbewerbsfähigkeit immer höher geschraubt werden. Das dürfte die ideologische Lust auf weitere Auflagen ein wenig bremsen helfen. Wer einfordert, muss zahlen. Mehr Bodenhaftung tut not. Zurzeit jedenfalls ist das Einfallstor für Forderungen jedweder Art - ob sinnvoll oder nicht - Hauptsache populistisch - weit offen und der politische Tummelplatz breit angelegt.

Dabei wirken die steigenden Auflagen möglicherweise kontraproduktiv. Größere Einheiten sind eher in der Lage, die Mehrkosten durch Degressionseffekte wegzustecken als kleinere. Ob das ursprünglich so gewollt ist? Wen wundert's noch, daß die neuen Einheiten immer größer ausfallen? Und auch da wird wieder gegengesteuert! Was bleibt am Ende? siehe Eier-Importe!

MfG Bre

Muehlenbach
Mitglied seit
12 Jahre 10 Monate

@ Bre [#15]

Das schlimme daran ist; dass die kleinen Viehhalter allesamt über Gebühr hin belastet werden.
Wir haben den Ackerbau strikt von der Viehhaltung abgegliedert; sind alles unterschiedliche Unternehmen; somit kann man bei uns keine CC Forderungen an die Viehhaltung stellen.
Aus dem Grunde "scheut" sich der Deutsche Staat auch gegen die Abschaffung der MwSt.-Pauschalierung.
Denn dann würde jeder kleine Betrieb die Viehhaltung ausgliedern; und man hätte seitens CC keinen Zugriff mehr auf die Viehbestände.

In dem Sinne
MFG
Mühlenbach

Saubauer
Mitglied seit
12 Jahre 10 Monate

@ Bre [#15]

Genau so ist es !
Aber wer traut sich das zu ändern?
MfG

Pigeldy
Mitglied seit
12 Jahre 10 Monate

@ Muehlenbach [#16]

Du hast doch in einem anderen Thread vor ein paar Tagen selbst geschildert, was einige Berufskollegen z.B. hinsichtlich der Gülleausbringung und Düngeverordnung so alles verzapfen.

Der § 51 Bewertungsgesetz erfüllt mit der Vieheinheitenstaffel durchaus auch heute noch seinen Zweck, auch wenn das für dich, mich und viele andere gewachsene Veredelungsbetriebe durch höheren Aufwand durch Betriebsteilungen bzw. Gewerblichkeit ärgerlich ist.

Ein Mäster, der seine Schweinhaltung landwirtschaftlich betreibt, kommt jedenfalls nicht oder nur in sehr viel geringerem Maße in die Verlegenheit, 60 oder 70 m3 Gülle pro ha und Jahr auszubringen, da er soviel Gülle im Verhältnis zur Fläche gar nicht hat. Und jetzt komm mir nicht mit 20ha-Betriebteilungen, realistisch sind bei heutigen Einheiten eher 40-50 ha, also 850-1000 Plätze. In dem Fall kann die anfallende Gülle zumindest annähernd auf der Fläche genutzt (nicht "entsorgt") werden.

Das ist ja auch der Sinn des Bewertungsgesetzes, die Viehhaltung an die Fläche zu koppeln. Zwar ist das auch ohne Fläche möglich (gewesen), nur die Konsequenzen dessen, was einige schwarze Schafe jahrelang verzapft haben, müssen jetzt alle tragen (Güllekataster, Verscharfüng der Düngeverordnung etc.). Wem ist damit also geholfen? Ich bin jedenfalls dagegen, diejenigen auch noch zu belohnen, die uns die Sch... zu großen Teilen eingebrockt haben. Es kann doch nicht sein, dass der ehrliche am Ende der Dumme ist.

Gruß Pigeldy

Muehlenbach
Mitglied seit
12 Jahre 10 Monate

@ Pigeldy [#18]

Das ist doch; pardon für den Ausdruck; Schwachsinn.
Vieheinheiten und Gülleverwertung sind zwei unterschiedliche Paar Schuhe.
Ein 2000er Mastbetrieb braucht 100 ha Dungnachweissflächen und 170 ha für die Vieheinheiten als Einzelunternehmer.
Es ging mit der Gülleausbringung nur darum; dass bei vielen Kollegen Papier geduldig ist; es war und bleibt auch so.
Bei den Betriebsteilungen reichen gute 35 ha je 1000 Tiere; macht 70 ha; bei gleichzeitigem fehlen von 30 ha Dungnachweiss....

In dem Sinne
MFG
Mühlenbach

Pigeldy
Mitglied seit
12 Jahre 10 Monate

@ Muehlenbach [#19]

Du willst mich mit Gewalt mißverstehen. Nach Vieheinheitenstaffel sind 40ha 330 VE / 0,11VE/Tier= 3000 Schweine / 2,9 Durchgänge = 1034 Plätze. Habe ich was anderes gesagt? Habe nur gesagt, dass 40-50ha eine übliche Betriebsgröße für Teilungen sind.

Zudem, wer seine Mast landwirtschaftlich betreibt, musste auch bisher schon im Nährstoffvergleich nachweisen, wo seine überschüssige Gülle bleibt und konnte nicht einfach 60 m3 pro ha ausbringen, ganz anders als bei gewerblicher Mast, wo das keinen interessiert hat. An den gesunden Menschenverstand so einiger Berufskollegen braucht man ja nicht zu appellieren. Wer solche Schweinereien mit der Gülle macht, der hat in Fachschule oder Meisterkurs vielleicht in Betriebswirtschaft aufgepasst, auf keinen Fall aber in Pflanzenbau und Bodenkunde.

Mir ging es eigentlich darum, dass das BewG neben anderen Instrumenten gewisse Entwicklungen in der Veredelung im Rahmen gehalten hat, unter anderem die Gülleverwertung. Dessen sind sich die ausführenden Stellen mit Sicherheit bewusst. Gäbe es keine USt-Pauschalierung, dann wäre so mancher Maststall nochmal doppelt so groß ausgefallen und die Gülleproblematik hätte uns schon vor einigen Jahren doppelt und dreimal so heftig überrollt.

Das kann man gutheißen oder auch nicht, aber tu nicht so als wenn die Abschaffung der Pauschalierung der gesamten Landwirtschaft zugute käme. Das ist nur für einige gut, z.B. für Dich. Nichts dagegen, aber dann nenn die Dinge auch beim Namen.

Die Fachbehörden haben auch ohne CC durchaus die Handhabe, die Einhaltung geltender Gesetze und Verordnungen zu kontrollieren und ggfs. zu sanktionieren. Glaubst Du wirklich, du wirst in Zukunft nie kontrolliert, weil deine Viehhaltung gewerblich ist? So eine Lücke im Gesetz ist nie von Dauer, wenn sich das erstmal rumgesprochen hat. Siehe aktuell die Düngeverordnung.

Ich finde es einfach nicht in Ordnung, wenn sich einige wenige aufgrund von Gesetzeslücken oder nicht ganz klarer Regelungen Vorteile verschaffen, für die die Allgemeinheit nachher die Konsequenzen zu tragen hat. So kann kein Gemeinwesen funktionieren.

Siehe Landkreis Emsland, wo ein Biogasanlagenbetreiber sich wundert, dass er anscheinend unrechtmäßig erzielte Gewinne zurückzahlen soll, und das ist erst der Anfang. Dabei war dieser Landkreis noch vor ein paar Jahren ausgesprochen landwirtschaftsfreundlich. Einge haben den Bogen eben überspannt und wundern sich jetzt, dass er mit Wucht zurückschnellt.

Gruß Pigeldy

Muehlenbach
Mitglied seit
12 Jahre 10 Monate

@ Pigeldy [#20]

Wir reden beide aneinander vorbei; und meinen im Sinne beide dasselbe.

Und wie das dann im Ende alles gehandhabt wird weisst du genauso wie ich; sonst würde es diese Probleme als auch Verordnungen doch nicht geben zu brauchen.

In dem Sinne
MFG
Mühlenbach

Rückrufservice
Beschreiben Sie bitte Ihr Anliegen, damit wir uns auf den Rückruf vorbereiten können.
Ja, ich habe die Datenschutzerklärung zur Kenntnis genommen und willige ein, dass die von mir angegebenen Daten inklusive der Kontaktdaten zwecks Bearbeitung der Anfrage und für den Fall von Anschlussfragen elektronisch erhoben und gespeichert werden. Meine Daten werden dabei nur streng zweckgebunden zur Bearbeitung meiner Anfrage genutzt und nicht ohne Einwilligung weitergegeben. Diese Einwilligung kann jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen werden.

Register now

Jetzt registrieren und ZMP Live+ 14 Tage kostenlos testen!
  • Dauerhaft kostenfrei
  • Keine Zahlungsinformationen erforderlich
Hilfe?

Sie haben Fragen zu ZMP Live? Unser Team steht gerne hilfsbereit zu Ihrer Verfügung. Senden Sie uns gerne eine Nachricht:

Es gilt unsere Datenschutzerklärung