Rapspreise sind seit Herbst des Jahres 2009 mit einigen Unterbrechungen von 28 € je dt auf knapp unter 48 € je dt an der Pariser Börse gestiegen. Die Erzeugerpreise notieren heute je nach Standort auf etwa ähnlich hohem Niveau.
Der EU-Rapsmarkt hat sich von einem Überschußgebiet in ein mehrjähriges Nettoimportland gewandelt. Der Importbedarf steigt mittlerweile auf Größenordnungen von jährlich 3 Mio. t. Das europäische Defizit entsteht aus dem wachsenden Bedarf für die Biodieselherstellung bei gleichzeitig begrenzten Möglich-keiten der inländischen Rapsflächenerweiterung aus Fruchtfolge- und Wettbewerbsgründen. Der Import von Raps gestaltet sich schwierig, denn die EU-Zulassungsbedingungen für GVO-Raps eröffnen nur geringe Spielräume für Einfuhren aus dem vergleichsweise kleinen Angebot aus Ukraine, Weißrußland und Australien. Reichlich zur Verfügung stehende kanadische Rapsexporte kommen aus Zulassungsgründen kaum in Betracht. Die knappe Verfügbarkeit an Rapssaat hat die Preise steigen lassen, aber immer nur bis zur Höhe der Konkurrenzsituation in Form von Palmölpreisen und den Sojaschrotkursen.
Daher haben sich die Rapspreise monatelang in einer Bandbreite zwischen 32 und 38 €/dt bewegt. Erst mit der Befestigung der Rohölpreise deutlich oberhalb der 80 $ je barrel Marke, steigenden Sojabohnenkursen und zuletzt starken Anstiegen der Notierungen für Palmöl wurde ein weiterer Preisschub in Richtung 48 €/dt ausgelöst. Nicht zuletzt die Erwartung, daß aufgrund geringerer Rapsaussaatflächen und schwacher, auswinterungsgefährdeter Bestände die kommende EU-Rapsernte noch schlechter ausfallen könnte, hat den Preisen den letzten Schub gegeben. Das hohe preisliche Umfeld der übrigen Marktfrüchte bildet den passenden Rahmen für das hohe Rapspreisniveau.
Die Rapspreise bewegen sich in einem eng abgesteckten oberen Feld der Rohöl-, Palmöl- und Sojakurse, bis wohin sie sich bis zur Rentabilitätsschwelle ihrer Verarbeitung entwickeln können.
Angesichts der anhaltenden Winterperiode auf der nördlichen Erdhalbkugel und konjunkturbedingt nur wenig nachgebenden Nachfrage nach Energie dürften die Rohölpreise weiterhin auf hohem Niveau verharren und damit dem Biodieselabsatz günstige Chancen einräumen.
Das Wetterphänomen La Nina sorgt in Indonesien und Malaysia für hohe Niederschläge bis ins Frühjahr hinein mit der Folge, daß die Ernte der Palmölfrüchte schlechter ausfällt und die Palmölnotierungen weiteren Auftrieb erfahren.
Die bislang mit 52 Mio. t veranschlagte Sojaernte in Argentinien dürfte aufgrund der unzureichenden Niederschläge wohl überschätzt sein. Neue Prognosen deuten auf 49 Mio. t hin, aber die Ernte beginnt erst im März. Bis dahin kann sich vieles verändern, weil die Hauptsaison für den La Nina-Effekt (für Argentinien mit Trockenheit) der Januar und Februar ist.
Auf der Verbrauchsseite kommt dem Nachfrageverhalten Chinas nach Sojabohnen entscheidende Bedeutung zu. Der chinesische Marktanteil beim weltweiten Import liegt bei rd. 60% und sorgt für jährliche Steigerungsraten von 10 %.
Für das Jahr 2011 geben die beiden Marktführer Soja und Palmöl den Rahmen für die Rapspreise vor. Im Falle der Sojabohne kommt es entscheidend auf das Anbauverhalten der US-Farmer im kommenden Frühjahr 2011 an. Bei einem Preisverhältnis von 2,5 zu 1 zwischen Sojabohnen und Mais herrscht noch Wettbewerbsgleichheit um die Flächen. Sollten aber die Sojabohnen - wie bisher schon - nicht über das 2,3 fache der Maispreise hinauskommen, werden die US-Sojaflächen geringer ausfallen. Bei mittleren Erträgen führt diese Entwicklung zu einer geringeren US-Sojaernte im Herbst. Die befristete Wiedereinführung der US-Biodiesel-Subvention von einem Dollar je gallon (=3,8 ltr) dürfte bei anhaltend hohem Rohöl- und Palmpreisen der Nachfrage nach Sojaöl als Rohstoff eine gewisse Belebung verschaffen.
Eine Konstellation von verringerter argentinischer und US-amerikanischer Sojaernte in Verbindung mit einer starken Nachfrage aus China im Jahre 2011 ist nicht auszuschließen. Das dürfte die Sojapreise nach oben treiben und die Rapspreise mitziehen.
Fazit:
Das zunehmende Defizit an Rapssaaten macht die EU-27 abhängig von den Einfuhren aus Drittländern, deren Lieferkapazitäten aufgrund der GVO-Zulassungen begrenzt sind. Die Konkurrenzbeziehungen zu den austauschbaren pflanzlichen Ölen und Schroten engen den Preisspielraum für Raps ein. Die auf Weltmarktebene geltenden Marktführer Soja und Palmöl bestimmen weitgehend den hiesigen Rapspreis. Darüberhinaus spielen der Rohölkurs auf vergleichsweise hohem Niveau und die Währungsverhältnisse eine mitentscheidende Rolle. Preisspielräume nach oben sind aus heutiger Sicht wahrscheinlicher als nach unten. Das Marktrisiko bleibt hoch.
Das ist eine sehr ausführliche Beschreibung der Lage auf dem Ölsaaten bzw. Eiweißmarkt (Schrote). Super! Die Kausalitäten sind nachvollziehbar beschrieben. Daran könnte man sehr gut ein volkswirtschaftliches Sektormodell als These aufstellen, um es mit Zahlen gefüttert auf den Wahrheitsgehalt hin zu untersuchen bzw. um gewisse Gesetzmäßigkeiten abzuleiten.
Da ich (unser Betrieb) auch Rinderhalter bin, kann ich nur sagen, dass die Milchpreiserhöung ganzschnell von diesen Effekten hinsichtlich der Gewinnsitutation aufgefressen wird. Es empfiehlt sich aus meiner Sicht jetzt sofern vertretbar mit Augenmaß Rapskontrakte sehr weit im voraus zuu verkaufen und Soja- bzw. Rapsschrot (sofern noch Kontrakte vorhanden) auf Tageskurs einzukaufen (beim Händler !??).
Ein Trugschluß ????
MfG
Geno-Bauer
Geschrieben von Geno-Bauer am Fr. 17 Dez 2010 - 20:42
Hab bestimmte Teilmengen gestaffelt verkauft; im Dez. für 41,70 € (15 % der erwarteten Ernte), Mitte Januar für 43,00 € (15 %)und Ende letzter Woche für 44,00 € (30%). Heute wird 42,80 € geboten. (OWL)
Habe Mitte Dez. für 41,25 €, Mitte Febr. für 44,75 €, jeweils 30% der erwarteten Ernte verkauft, also durchschnittl. für 43,00 €, gestern wurde 44,50 € geboten, heute morgen 42,75 €, ich denke morgen mindestens noch 1 € runter.
Standort nördl. Niedersachsen.
laut meinen Informationen soll es deutlich nach unten gehen wg. besserer Ernte in Down Under und guten Sojaprognosen aus Südamerika.
Bei 45.- ist angeblich so ne Grenze bei der es für Dieselhersteller lukrativer ist Strafe zu zahlen anstatt Rapsöl beizumischen.
Die 43,50 waren heute noch möglich. Süddt.
Mfg
BB
Geschrieben von Bauer Bernie am Mi. 16 Feb 2011 - 16:54
Hier in Ostsachsen hat ein Handelshaus vor ca. 10 Tagen 456 €/t ex Ernte 11 geboten. Ich habe noch nichts verkauft. Die Feldbestände sehen zum überwiegenden Teil erbärmlich aus.
bauersachse
Geschrieben von bauersachse am Do. 17 Feb 2011 - 12:40
Unsere Bestände (Franken) sind im Vergleich der letzten Jahre etwas schwach, wir werden deshalb in den nächsten Tagen die Bestände andüngen (+ 30 kg N).
MfG
Saubauer
Geschrieben von Saubauer am Do. 17 Feb 2011 - 13:26
Gute Frage !
Guter Preis um die ersten 25 % abzusichern da die Tagespreise füt sofort bei 46 netto + Quallität liegen!
Gebote aktuell 416.- frei Lager + Quallität netto
MfG
Saubauer
Schneesturm mit 25 cm Neuschnee!
Kurs vor gestern frei Fuhre 417 €/t (ex Ernte 2011)
Angebot gestern :neue Ernte 2011 41,70 €. Hab etwa 15 % der erwarteten Ernte preislich festgemacht.
Gruß Paul
Der Ölsaatenmarkt zum Jahreswechsel 2010/11
Rapspreise sind seit Herbst des Jahres 2009 mit einigen Unterbrechungen von 28 € je dt auf knapp unter 48 € je dt an der Pariser Börse gestiegen. Die Erzeugerpreise notieren heute je nach Standort auf etwa ähnlich hohem Niveau.
Der EU-Rapsmarkt hat sich von einem Überschußgebiet in ein mehrjähriges Nettoimportland gewandelt. Der Importbedarf steigt mittlerweile auf Größenordnungen von jährlich 3 Mio. t. Das europäische Defizit entsteht aus dem wachsenden Bedarf für die Biodieselherstellung bei gleichzeitig begrenzten Möglich-keiten der inländischen Rapsflächenerweiterung aus Fruchtfolge- und Wettbewerbsgründen. Der Import von Raps gestaltet sich schwierig, denn die EU-Zulassungsbedingungen für GVO-Raps eröffnen nur geringe Spielräume für Einfuhren aus dem vergleichsweise kleinen Angebot aus Ukraine, Weißrußland und Australien. Reichlich zur Verfügung stehende kanadische Rapsexporte kommen aus Zulassungsgründen kaum in Betracht. Die knappe Verfügbarkeit an Rapssaat hat die Preise steigen lassen, aber immer nur bis zur Höhe der Konkurrenzsituation in Form von Palmölpreisen und den Sojaschrotkursen.
Daher haben sich die Rapspreise monatelang in einer Bandbreite zwischen 32 und 38 €/dt bewegt. Erst mit der Befestigung der Rohölpreise deutlich oberhalb der 80 $ je barrel Marke, steigenden Sojabohnenkursen und zuletzt starken Anstiegen der Notierungen für Palmöl wurde ein weiterer Preisschub in Richtung 48 €/dt ausgelöst. Nicht zuletzt die Erwartung, daß aufgrund geringerer Rapsaussaatflächen und schwacher, auswinterungsgefährdeter Bestände die kommende EU-Rapsernte noch schlechter ausfallen könnte, hat den Preisen den letzten Schub gegeben. Das hohe preisliche Umfeld der übrigen Marktfrüchte bildet den passenden Rahmen für das hohe Rapspreisniveau.
Die Rapspreise bewegen sich in einem eng abgesteckten oberen Feld der Rohöl-, Palmöl- und Sojakurse, bis wohin sie sich bis zur Rentabilitätsschwelle ihrer Verarbeitung entwickeln können.
Angesichts der anhaltenden Winterperiode auf der nördlichen Erdhalbkugel und konjunkturbedingt nur wenig nachgebenden Nachfrage nach Energie dürften die Rohölpreise weiterhin auf hohem Niveau verharren und damit dem Biodieselabsatz günstige Chancen einräumen.
Das Wetterphänomen La Nina sorgt in Indonesien und Malaysia für hohe Niederschläge bis ins Frühjahr hinein mit der Folge, daß die Ernte der Palmölfrüchte schlechter ausfällt und die Palmölnotierungen weiteren Auftrieb erfahren.
Die bislang mit 52 Mio. t veranschlagte Sojaernte in Argentinien dürfte aufgrund der unzureichenden Niederschläge wohl überschätzt sein. Neue Prognosen deuten auf 49 Mio. t hin, aber die Ernte beginnt erst im März. Bis dahin kann sich vieles verändern, weil die Hauptsaison für den La Nina-Effekt (für Argentinien mit Trockenheit) der Januar und Februar ist.
Auf der Verbrauchsseite kommt dem Nachfrageverhalten Chinas nach Sojabohnen entscheidende Bedeutung zu. Der chinesische Marktanteil beim weltweiten Import liegt bei rd. 60% und sorgt für jährliche Steigerungsraten von 10 %.
Für das Jahr 2011 geben die beiden Marktführer Soja und Palmöl den Rahmen für die Rapspreise vor. Im Falle der Sojabohne kommt es entscheidend auf das Anbauverhalten der US-Farmer im kommenden Frühjahr 2011 an. Bei einem Preisverhältnis von 2,5 zu 1 zwischen Sojabohnen und Mais herrscht noch Wettbewerbsgleichheit um die Flächen. Sollten aber die Sojabohnen - wie bisher schon - nicht über das 2,3 fache der Maispreise hinauskommen, werden die US-Sojaflächen geringer ausfallen. Bei mittleren Erträgen führt diese Entwicklung zu einer geringeren US-Sojaernte im Herbst. Die befristete Wiedereinführung der US-Biodiesel-Subvention von einem Dollar je gallon (=3,8 ltr) dürfte bei anhaltend hohem Rohöl- und Palmpreisen der Nachfrage nach Sojaöl als Rohstoff eine gewisse Belebung verschaffen.
Eine Konstellation von verringerter argentinischer und US-amerikanischer Sojaernte in Verbindung mit einer starken Nachfrage aus China im Jahre 2011 ist nicht auszuschließen. Das dürfte die Sojapreise nach oben treiben und die Rapspreise mitziehen.
Fazit:
Das zunehmende Defizit an Rapssaaten macht die EU-27 abhängig von den Einfuhren aus Drittländern, deren Lieferkapazitäten aufgrund der GVO-Zulassungen begrenzt sind. Die Konkurrenzbeziehungen zu den austauschbaren pflanzlichen Ölen und Schroten engen den Preisspielraum für Raps ein. Die auf Weltmarktebene geltenden Marktführer Soja und Palmöl bestimmen weitgehend den hiesigen Rapspreis. Darüberhinaus spielen der Rohölkurs auf vergleichsweise hohem Niveau und die Währungsverhältnisse eine mitentscheidende Rolle. Preisspielräume nach oben sind aus heutiger Sicht wahrscheinlicher als nach unten. Das Marktrisiko bleibt hoch.
MFG
Bre
@ Bre [#5]
Das ist eine sehr ausführliche Beschreibung der Lage auf dem Ölsaaten bzw. Eiweißmarkt (Schrote). Super! Die Kausalitäten sind nachvollziehbar beschrieben. Daran könnte man sehr gut ein volkswirtschaftliches Sektormodell als These aufstellen, um es mit Zahlen gefüttert auf den Wahrheitsgehalt hin zu untersuchen bzw. um gewisse Gesetzmäßigkeiten abzuleiten.
Da ich (unser Betrieb) auch Rinderhalter bin, kann ich nur sagen, dass die Milchpreiserhöung ganzschnell von diesen Effekten hinsichtlich der Gewinnsitutation aufgefressen wird. Es empfiehlt sich aus meiner Sicht jetzt sofern vertretbar mit Augenmaß Rapskontrakte sehr weit im voraus zuu verkaufen und Soja- bzw. Rapsschrot (sofern noch Kontrakte vorhanden) auf Tageskurs einzukaufen (beim Händler !??).
Ein Trugschluß ????
MfG
Geno-Bauer
Die aktuelle Grafik:
@ Geno-Bauer [#6]
Zu welchen Kursen könntest Du denn jetzt Rapsschrot und Sojaschrot für die Termine bis Ernte 2011 oder auch Jahresende frei Hof kaufen ?
Aus heutiger Sicht dürften die Preise eher steigen denn fallen.
Mfg
Habe jetzt mal 25 to Ölraps mit 43,50 netto + Quallität frei Lager mit Vorvertrag abgeschlossen.
Was gibt es in anderen Regionen?
MfG
Saubauer aus Nebelfranken !!!
@ Saubauer [#9]
Dürfte nicht falsch gewesen sein. Hier in SO wird auch frei Erfassungslager um € 43,00 geboten. Tendenz in den letzten Tagen eher etwas schwächer.
Hab bestimmte Teilmengen gestaffelt verkauft; im Dez. für 41,70 € (15 % der erwarteten Ernte), Mitte Januar für 43,00 € (15 %)und Ende letzter Woche für 44,00 € (30%). Heute wird 42,80 € geboten. (OWL)
Gruß Paul
Verkauf letzten Freitag zu 44,70 frei Gosse/Bruttoannahme/Oelmühlenbedingungen in Nordhessen.
Gruß Mog
Habe Mitte Dez. für 41,25 €, Mitte Febr. für 44,75 €, jeweils 30% der erwarteten Ernte verkauft, also durchschnittl. für 43,00 €, gestern wurde 44,50 € geboten, heute morgen 42,75 €, ich denke morgen mindestens noch 1 € runter.
Standort nördl. Niedersachsen.
MfG Poldi
laut meinen Informationen soll es deutlich nach unten gehen wg. besserer Ernte in Down Under und guten Sojaprognosen aus Südamerika.
Bei 45.- ist angeblich so ne Grenze bei der es für Dieselhersteller lukrativer ist Strafe zu zahlen anstatt Rapsöl beizumischen.
Die 43,50 waren heute noch möglich. Süddt.
Mfg
BB
Hier in Ostsachsen hat ein Handelshaus vor ca. 10 Tagen 456 €/t ex Ernte 11 geboten. Ich habe noch nichts verkauft. Die Feldbestände sehen zum überwiegenden Teil erbärmlich aus.
bauersachse
@ bauersachse [#15]
Unsere Bestände (Franken) sind im Vergleich der letzten Jahre etwas schwach, wir werden deshalb in den nächsten Tagen die Bestände andüngen (+ 30 kg N).
MfG
Saubauer