Richard Ebert
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Rinder: Angebot im 1. Quartal rund 5 % unter Vorjahr

LEL, Schwäbisch Gmünd (02.06.11) - Der Rindfleischmarkt ist aktuell zweigeteilt. Während die Preise für Jungbullen seit Wochen zur Schwäche neigen, bietet sich bei Schlachtkühen und Färsen ein besseres Bild.

Das Angebot an Schlachtrindern fällt wesentlich kleiner aus, im 1. Quartal 2011 wurden 5,5 % weniger Bullen und 4,8 % weniger Kühe geschlachtet als 2010. Parallel ging auch die Nachfrage der deutschen Haushalte nach Rindfleisch um 5,7 % zurück, bei gemischtem Fleisch (Schwein/Rind) fiel der Rückgang mit 10,7 % noch deutlicher aus. Bei einem 3,5 % höheren Wertumsatz bei Rindfleisch mussten die Verbraucher trotz reduzierter Menge wesentlich tiefer in die Tasche greifen.

Der deutschen LEH hat in den letzten Wochen zudem wesentlich weniger Aktionen mit Fleisch durchgeführt. Im Außenhandel gingen die deutschen Exporte im ersten Quartal um 18.000 t zurück (-11 %), die Ausfuhren in die EU reduzierten sich sogar um 36.000 t (-25 %). Besonders in die Niederlande (-19.500 t bzw. -37 %), aber auch nach Italien, Frankreich und Tschechien ging wesentlich weniger.

In Drittländer konnte dagegen 18.000 t mehr abgesetzt werden, besonders in die Türkei (+10.000 t), wo noch alte Kontrakte aus 2010, aber auch neue Verträge aus 2011 beliefert wurden. Nach Russland wurde mit zusätzlichen 3.600 t mehr als die doppelte Menge verkauft. Mehr ging auch in die Schweiz und einige Mittelmeeranrainerstaaten. Der Umsatz konnte 2011 mit diesen Ausfuhren um 6 % (+ 25 Mio. €) gesteigert werden.

Die deutschen Rindfleischeinfuhren verringerten sich gleichzeitig um 9.100 t (-11 %). 8.000 t weniger kamen aus EU-Staaten, um diese Menge reduzierte sich allein schon die Einfuhr aus Belgien, während es bei anderen Staaten Verschiebungen gab. 1.100 t weniger wurde aus Drittländern, vornehmlich aus Argentinien und Brasilien bezogen, wo die Viehbestände zuletzt stark abgestockt wurden. Durch die Trockenheit in Südamerika fallen die dortigen Staaten weltweit als Lieferanten aus. Entsprechend verdoppelten sich im 1. Quartal 2011 die Lebendausfuhren aus der EU, an Fleisch wurde fast 5 Mal mehr ausgeführt als 2010. Jungbullen Deutschland- und europaweit schwächelt die Nachfrage nach Rindfleisch.

Die Auszahlungspreise der deutschen Schlachtbetriebe liegen über denen der europäischen Wettbewerber und teilweise selbst über denen der Zielländer. Zwar ist insgesamt gesehen das Angebot an Jungbullen nicht übermäßig groß, gemessen am Bedarf jedoch teilwiese mehr als ausreichend. Wie weit sich die Erhöhung der Zollsätze für Rindfleisch durch die Türkei auf die Auszahlungspreise auswirken wird, ist derzeit nicht absehbar. Mit 3,27 €/kg SG (E-P) in KW 21 liegen die Auszahlungspreise für Jungbullen noch rund 30 Cent über denen der Vorjahre.

Angesichts des knappen Angebotes ist es durchaus möglich, dass sich gegen den saisonalen Trend die Preiskorrekturen in den kommenden Wochen abschwächen oder sich die Preise sogar behaupten können. Dies wird im Wesentlichen auch von den weiteren Absatzmöglichkeiten abhängen.

Schlachtfärsen

Das Angebot an Schlachtfärsen war bis zuletzt ebenfalls kaum bedarfsdeckend. Mit 3,09 €/kg SG (E-P) in KW 21 wurden die bisherigen Höchstpreise in 2008 übertroffen. Deshalb sind bei Schlachtfärsen kurzfristig weitere Preisbefestigungen eher unwahrscheinlich.

Schlachtkühe

Die auskömmlichen Milchpreise haben in den zurückliegenden Wochen das Angebot an Schlachtkühen knapp gehalten. Gemessen an der Nachfrage, sei es für Hackfleisch, aber auch nach besseren Qualitäten, war das Angebot damit zumeist nicht bedarfsdeckend. In der Folge konnten sich die Preise fast wöchentlich weiter befestigen. Schlachtkühe kosten in KW 21 mit 2,78 €/kg SG (E-P) rund 60 Cent mehr als in den Vorjahren, 2011 werden für Schlachtkühe absolute Spitzenpreise bezahlt. Dieser Preisanstieg dürfte vorerst ein Ende haben. So wurde aus Frankreich, dem Mitgliedsstaat mit dem größten Rinderbestand gemeldet, dass wegen der Trockenheit dort vermehrt Kühe zur Schlachtung kommen, da den Betrieben die Futtergrundlage fehlt.

Kälber

Auch Kälbermäster können sich derzeit über die aktuellen Auszahlungspreise kaum beklagen. Die Auszahlungspreise (E-P) schwanken um die 5 €/kg SG und liegen ebenfalls deutlich über denen der Vorjahre. Auch bei Schlachtkälbern bedingt das begrenzte Angebot das überdurch-schnittliche Preisniveau. Die Preise für Nutzkälber können sich durch das begrenz-te Angebot ebenfalls sehr positiv von denen der Vorjahre abheben. Trotz zuletzt rückläufiger Schlachtbullenpreise kosten Fleckviehbullenkälber guter Qualität über 5 €/kg LG, im Durchschnitt wurden in KW 20 etwa 4,90 €/kg LG erlöst.

Wegen der überdurchschnittlichen Erlöse in der Bullenmast im nun auslaufenden Wirtschaftsjahr dürfte die Nachfrage nach Kälbern trotz der sich abzeichnenden Futterknappheit bis Ende Juni stetig verlaufen. Dann sind aber Preisschwächen nicht mehr auszuschließen. Schwarzbunte Nutzkälber sind aktuell ebenfalls gesucht. Im Mai konnte die Marke von 100 €/Kalb seit langem wieder einmal überschritten werden.

(Quelle: http://www.landwirtschaft-bw.info/pb/,Lde/Startseite)

Geschrieben von Richard Ebert am
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