Richard Ebert
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* Schädlingsbekämpfung: Auflagen für Landwirte

Neue Auflagen für Landwirte

Chiemgau Online, Sondermoning/Surheim (22.02.10) - Mit insgesamt 300 Teilnehmern waren die Pflanzenbautage des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Traunstein in Sondermoning und Surheim gut besucht. Mathias Mitterreiter vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Rosenheim stellte die Sortenempfehlungen für Sommergetreide, Raps und Mais vor. Markus Grundner, Rosenheim, beantwortete die Frage, ob der Fungizideinsatz im Wintergetreide bei den derzeitigen Preisen noch wirtschaftlich sei. Alois Lohwieser vom Landwirtschaftsamt Traunstein berichtete über den Drahtwurm und andere Schädlinge und ihre Bekämpfung im Mais. Zum Schluss erläuterte Gerhard Polster von der Firma BASF, wie Problemunkräuter im Mais sicher bekämpft werden können.

Das vergange Vegetationsjahr habe einige extreme Wettersituationen gebarcht, so Rolf Oehler, Leiter der Beratungsabteilung am Traunsteiner Landwirtschaftsamt. Während man bei Temperaturen bis zu 13 Grad unter Null im Januar von einem frostigen normalen Winter sprechen konnte, habe das Wetter nach einem kühlen, regenreichen März im April fast schlagartig zu frühsommerlichen Temperaturen gewechselt. Der April sei deutlich zu warm gewesen, mit fast keinen Niederschlägen. Für die Maisaussaat sei dieseKonstellation ideal gewesen. Vor allem der Winterraps habe allerdings stark unter den Temperaturschwankungen gelitten. Er habe mit teils massivem Knospenabwurf reagiert, so dass einige Rapsfelder umgebrochen werden mussten.

Auch der Befall mit Rapsglanzkäfer sei so extrem gewesen, so Mathias Mitterreiter, dass auch mit mehrmaligen Spritzungen der Schädling nicht habe ausreichend bekämpft werden können. Im Mai, dem völlig verregnetem Juni und im Juli sei der Landkreis Traunstein von Hagel und Sturm getroffen worden. Vor allem das Hagelunwetter vom 23. Juli habe Mais und Getreide von Pittenhart bis Fridolfing erheblich beschädigt. Im sehr warmen August und einem schönen September, habe man dann eine durchschnittliche Ernte bei Getreide und Mais einfahren können.

Konsequenzen hatte der Fang eines gefürchteten Maisschädlings, des Maiswurzelbohrers in Freilassing Ende August, so Markus Grundner von der Pflanzenschutzabteilung im Rosenheimer Landwirtschaftsamt. Da die EU eine Ausrottungsstrategie verfolge, treffe dieser Fund die Bauern in einem Umkreis von sechs Kilometern hart. Im Befallsgebiet in und um Freilassing dürfe zwei Jahre kein Mais angebaut werden, in der Sicherheitszone um die Fundstelle und einer zweiten bei Salzburg, die weit in den Landkreis Berchtesgadener Land hineinreiche, müsse auf allen Flächen eine einjährige Maisanbaupause eingehalten werden. Mitzwölf Millioen Euro € Bekämpfungskosten rechnen die Experten, wenn ganz Deutschland vom Maiswurzelbohrer befallen ist. Seine Wanderung nach Norden sei kaum zu stoppen.

Von seiner langjährigen Beratungserfahrung zur Bekämpfung von Maisschädlingen berichtete Alois Lohwieser vom Landwirtschaftsamt Traunstein. Der in der Auswirkung derzeit gefährlichste Schädling sei der Drahtwurm. Die Larven der Schnellkäfer lebten mehrere Jahre im Boden. Es sei sehr schwer, vorauszusagen in welchem Jahr mit starker Fraßtätigkeit zu rechnen sei. Seit einem Jahr gebe es kein zugelassenes Insektizid mehr, um den Drahtwurm zu bekämpfen. Einzige Möglichkeit sei derzeit die Unterfußdüngung mit 1,5 Doppeltonne pro Hektar Kalkstickstoff. Die Wirkungsgrade wären mit 20 bis 60 Prozent „nicht berauschend“, aber neben der Schaffung von optimalen Auflaufbedingungen sei dies die derzeit einzige Bekämpfungsmöglichkeit so Lohwieser.

Mit der Wasserrahmenrichtlinie und dem Erosionskataster kommen wieder neue Auflagen auf die Landwirte zu, erläuterte Rolf Oehler. Während mit der Wasserrahmenrichtlinie die Verbesserung der Grundwasserqualität im Nordwesten des Landkreises Traunstein sowie die Verringerung des Phosphateintrages in den Waginger See bis 2015 vorerst mit der Einhaltung bereits bestehenden Gesetze und Verordnungen sowie freiwilligen Vereinbarungen im Rahmen des bayerischen Kulturlandschaftsprogramms erreichen werden solle, würden im neuen Erosionsschutzkataster den Bauern konkrete Vorschriften ab 1. Juli 2010 gemacht. So dürfe bei stärker geneigten Ackerflächen bei Mais auf Mais keine Pflugfurche gemacht werden, um über den Winter die Erosionsgefahr zu verringern. In den beiden Landkreisen gelte das immerhin auf zusammen 700 Hektar.

Oehler machte einmal mehr klar, dass eine Gülleausbringung in der Sperrfrist im Winter ein eindeutiger Verstoß sei und mit Bußgeldern und Prämienkürzungen geahndet werde. Schwieriger sei die Situation Mitte nach Ablauf der Sperrfrist am 16. Februar gewesen. Eine Gülle- oder Mistdüngung sei nur möglich, wenn der Boden für den Dünger aufnahmefähig, nicht stärker als fünf Zentimeter mit Schnee bedeckt, nicht ganztägig gefroren und nicht wassergesättigt sei. Bei Flächen mit Schnee müsse ein oberflächliches Abfließen vermieden werden, im Zweifelsfall müsse die Düngung hinausgeschoben werden, so Oehler. Andererseits verbessere eine leichte Schneedecke mit wenigen Zentimetern die Nährstoffausnutzung. Ein Kriterium für die Entscheidungsfindung, die der Landwirt in eigener Verantwortung zu treffen und zu verantworten habe sei, dass der Schnee maximal 24 Stunden nach der Düngung weggeschmolzen und die Gülle vom Boden aufgenommen worden sei.

Markus Grundner zeigte anhand von mehrjährigen Versuchsergebnissen auf, dass der Fungizideinsatz bei Wintergerste als Einmalbehandlung und beim Winterweizen als Zweimalbehandlung auch bei den derzeitigen Getreidepreisen wirtschaftlich sei. Gerhard Polster von der Firma BASF sagte, dass wegen der Klimaerwärmung die Vegetation derzeit umfünf bis sechs Tage länger sei, so dass die Maisaussaat jetzt früher erfolge. Der Mais reagiere vor allem im Jugendstadium bei Verunkrautung mit Ertragseinbußen. Polster plädierte daher für den frühen Herbizideinsatz und wies auf die Notwendigkeit der Kombination von Boden- und Blattwirkstoffen hin, da nur dann die in mehreren Wellen auflaufenden Unkräuter sicher bekämpft werden könnten. Bewährt hätten sich die Unkrautpacks mit zum Teil bis zu vier Wirkstoffen.

(Quelle: http://www.heimatzeitung.de/portal/lokales/trostberg-traunreut_Neue-Auflagen-fuer-Landwirte-_arid,184340.html)

Geschrieben von Richard Ebert am
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