Landjus
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Schweine: Banken Insolvenzen durch Hofübernahmen in Dänemark ?

Verschoben aus dem Thema "Wie wird der V-Preis am 03.02.12 ?

Möglicherweise ist das hier einer der Gründe für die saisonal ungewöhnliche Entwicklung des Schweinepreises.

http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2012/02/37326/

Da brennt die wohl die Hütte.

Geschrieben von Landjus am
Richard Ebert
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@ Landjus [#1]

Den Grund würde ich gerne lesen, nur funktioniert der Linkt nicht,

Schöne Grüsse, Richard Ebert

Speedy
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@ Richard Ebert [#2]

Komisch, bei mir schon.

MfG
Speedy

Dänemark: Mehreren Banken droht Insolvenz
Deutsche Mittelstands Nachrichten | Veröffentlicht: 01.02.12, 11:30 | Aktualisiert: 01.02.12, 14:21

Das dänische Bankensystem ist akut gefährdet. Mehrere Banken stehen vor der Zahlungsunfähigkeit. Der Mittelstand bekommt kaum noch Kredite.

Einige dänische Banken stehen kurz vor der Insolvenz und das ganze dänische Finanzsystem ist in Gefahr. Die Auswirkungen der Immobilienkrise 2007, die stagnierende Wirtschaft und faule Kredite sind die Ursache. Aus diesem Grund kämpfen kleine und mittelständische Unternehmen zunehmend mit einer Kreditklemme.

Dänemarks Bankenkrise verschlimmert sich zusehends. Faule Kredite an Farmen, kleine Unternehmen und auf gewerbliche Immobilien verschärfen die Situation der Banken weiter, so das dänische Aufsichtsamt für das Kreditwesen (Financial Supervisory Authority FSA). „Wir haben eine Gruppe von Institutionen, von denen wir denken, dass sie innerhalb der nächsten 12 bis 18 Monate Insolvenz anmelden müssen“, sagte der Generaldirektor der FSA Ulrik Koedgaard in einem Interview mit Bloomberg. „Jede Hoffnung, dass sich diese Gruppe in Not geratener Banken verkleinern könnte, ist verflogen.“

Die Zahl der dänischen Banken, so die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, fiel von 147 Anfang 2008 auf 121 Mitte vergangenen Jahres. Entsprechend warnte die Organisation Ende Januar, dass mehr getan werden müssen, um die Anfälligkeit des Finanzsystems zu verringern, um eine erneute Immobilienblase zu vermeiden. Der dänische Wirtschaftsrat geht davon aus, dass die Hauspreise in diesem Jahr um weitere 25 Prozent sinken werden.

Die finanzielle Schieflage vieler Banken ist vor allem auf deren Kreditvergabe zurückzuführen. Die Vereinigung der dänischen Banken schätzt, dass Ende 2011 elf Prozent der Kredite an Farmen gingen und Hypotheken auf gewerbliche Immobilien 23 Prozent ausmachten. Auch in diesem Jahr müssen die Banken wachsende Verluste bei den Krediten an Farmen sowie kleine nun mitteständische Unternehmen hinnehmen. Wie die Farmen kämpfen die „am Binnenmarkt orientieren kleinen Unternehmen wie Einzelhändler und verschiedene baunahe Dienstleister“ mit der stagnierenden Wirtschaft. Die Schulden in der Landwirtschaft lagen, so der dänische Landwirtschafts- und Nahrungsrat, 2010 bei 63 Milliarden Euro, Tendenz steigend.

Im dritten Quartal des vergangenen Jahres schrumpfte die dänische Wirtschaft um 0,5 Prozent und stagnierte im letzten Quartal, so Klaus Rasmussen, Chefökonom des Verbands der dänischen Industrie. „Es wird kein Wachstum geben“, sagte Rasmussen in einem Interview mit Bloomberg. Es treffe Unternehmen aller Größe. „Die kleineren Firmen werden wahrscheinlich sogar härter getroffen werden, weil die vorherrschende Kreditklemme, die kleinen Unternehmen stärker betrifft als die großen.“ Genau diese stagnierende Wirtschaft macht es den Unternehmen und Farmen jedoch auch nicht möglich, die bereits geliehenen Kredite zu bezahlen. Mancherorts in Dänemark haben Farmen schon mehr als die Hälfte ihres Wertes verloren.

Landjus
Mitglied seit
12 Jahre 10 Monate

@ Richard Ebert

Mir kam es wesentlich auf den vorletzten Absatz an, wonach die Verschuldung in der dänischen Landwirtschaft in 2010 bei 63 Millarden Euro gelegen haben soll.
Nach einer Statistik aus 2008 gab es damals rd. 43.000 ldw. Betriebe in Dänemark, die mindestens 1 ha ldw. Nutzfläche bewirtschaftet haben.
Wenn man diese Zahlen zugrundelegt und unterstellt, daß mit "Verschuldung der dän. Landwirtschaft" nur ldw. Betriebe gemeint sind und nicht vor- oder nachgelagerte Zweige - wäre jeder ldw. Betrieb mit durchschnittl.
rd. 1,45 Millionen Euro verschuldet.
Legt man dann einen durchschnittlichen Zinssatz von nur 4% zugrunde, was vorsichtig geschätzt ist, sowie eine Tilgung von 2%, bedeutet dies eine - allerdings abnehmende - Zahllast von rd. 87.000 € jährlich.
Nach der gleichen Statistik wurden in 2008 von rd. 5800 schweinehaltenden Betrieben rd. 25 Mio Schweine erzeugt, pro Betrieb also rd. 4.300
Daraus ergibt sich, daß bei den durchschnittlich verschuldeten Betrieben der größte Teil des Ertrages für den Kapitaldienst verwendet werden muß und fast nichts für den eigenen Lebensunterhalt übrig bleibt.
Natürlich sind die angenommenen Zahlen nur grobe Durschnittswerte, aber sie zeigen dennoch, daß die dän. Ldw. insgesamt vom Kaitaldienst regelrecht aufgefressen zu werden scheint, mit der Folge, daß bei immer mehr Betrieben die Lichter ausgehen, die wegfallende Produktion wg. der Schuldenlast der anderen Betriebe und der daraus resultierenden schwieriger werdenden Kreditversorgung durch Wachstum nicht vollständig aufgefangen werden kann und daher die Zahl der erzeugten Schweine rückläufig sein müßte.

Und jetzt stellt sich die Frage, ob es bei den dt. Landwirten grundsätzlich viel besser aussieht.

Paule
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Was denken Sie? Das meiste Geld wird an und nicht in der Landwirtschaft verdient. Der neue Stall muß 3mal verkauft werden,um damit Gewinne für den Lebensunterhalt zu verdienen.

Pigeldy
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Habe ich ja schon vor längerer Zeit gesagt, dass meiner Meinung nach da eine riesige Blase entstanden ist, die mehr von Goldgräberstimmung und überzogenen Erwartungen gespeist worden ist als von fundamentalen Basisdaten.
Was nützt das beste Betriebskonzept, wenn es doch auf tönernen Füßen steht und nur solange funktioniert, wie die Märkte nach oben zeigen.

Mein Ringberater hat mir neulich mal die Denke so mancher Berufskollegen vor Augen geführt. Sobald die erwartete Rendite eines Objektes (z.B. Sauenstall) auch nur 0,1% höher ist als der Fremdfinanzierungszinssatz, wird investiert, und das mit dem Argument, dass bei geringerer Marge dann eben der Stall entsprechend größer ausfallen muss, um Gewinne zu realisieren. Vom Investitionsrisiko ist da gar nicht mehr die Rede. Das erinnert an den gewaltigen automatisierten Aktien- und Derivatehandel an den Börsen, wo vgl. geringe Gewinne durch gewaltige Geldbewegungen realisiert werden. Das bringt die Märkte bei Verkettung unglücklicher Umstände an den Rand des Abgrundes.

Welcher Landwirt, der bei Sinnen ist, würde bei 3% Umsatzrendite investieren, wenn er voll mit seinem eigenen Grund und Boden und Privatvermögen dafür geradestehen muss?

Wenn jedenfalls die Banken zuviele solcher ldw. Vorhaben finanzieren, muss der Schuss ja zwangsläufig nach hinten losgehen, zumal dann wenn die geldwerten Sicherheiten nicht vorhanden sind.

Gruß Pigeldy

Muehlenbach
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Landjus; kennst du die Dänische Landwirtschaft?
Dort wird der Betrieb nicht vererbt; sondern verkauft.
Der Landwirt zahlt im Laufe seines Lebens die Zinsen; und am Ende das fällige Darlehen ab; mit dem Verkauf.
Und nun rechne mal deinen realen Betriebswert aus; dann spielst du sicher auch in der Liga mit.
Und ebend genau das ist das Problem:
Die Landwirte; sofern die den Hof einigermassen im Griff haben; haben garkeine Probleme.
Sondern alleine die Banken.
Sagen wir es mal so; es werden im Jahr 5% der Dänischen Betriebe verkauft.
Bislang waren dann auch immer genug Käufer da; der Acker wurde immer wertvoller.
Also wurden Reale Preise bezahlt; dieser Preis wurde auch in den Bankbilanzen übernommen.
Nun hat auch in DK das Schweinegeschäft in den vergangenen drei Jahren nicht gut gelaufen; also gab es nur 2% Käufer anstatt 6% p.a.
Und schon geht der Preis in den Keller; Angebot und Nachfrage halt.
Die Banken allerdings müssen jedes Jahr in ihren Bilanzen die Betriebe so bewerten; als wenn diese jederzeit verkauft werden müssten.
Und da nun die Preise fallen...

Den rest kannst du dir selber denken.
Einzig Neukredite für Betriebe sind schwerer zu bekommen; da die Beleihungsgrenzen ja herabgestuft wurden; das spricht gegen weitere Investitionen.

In dem Sinne
MFG
Mühlenbach

D
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@ Mühlenbach
Genau die Regelung der Betriebsübernahme ist der Grund für die hohe "Grundverschuldung" der Betriebe. Das ist aber i.d.R. für die Betriebe nicht das Problem, weil die Übernahmekredite ohne laufende Tilgung gewährt werden (Tilgung bei Weitergabe) und der Zinssatz auch (zum großen Teil) ein Zinssatz unter Marktkonditionen ist (vielleicht ähnlich wie Rentenbankkredite).

Wenn aber die Betriebe auf dem Papier nicht mehr "werthaltig" sind, haben die Banken und evtl. Neukunden ein Problem, die Betriebe oder Investitionen finanzieren wollen.

Muehlenbach
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12 Jahre 10 Monate

Nicht ganz; Futtermeister.
Wenn sagen wir mal ein Sauenhalter die Schnauze voll hat; dann soll doch die Bank sehen; wie sie den Kotten wieder los wird.
Denn die Landwirte ziehen wie es hier in der Industrie ist die Gewinne sofort aus dem Unternehmen; und dann hat der Landwirt quasi nichts mehr; wenn er den Kotten abgibt; und die Bank aufgrund der gesunkenen Verkaufswerte mehr als nur ein Problem; das die den Hof loswerden und das die einigermassen ihre Kohle bekommen....

In dem Sinne
MFG
Mühlenbach

Landjus
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12 Jahre 10 Monate

@ Mühlenbach

Diese Fakten sind sicher den meisten und damit auch mir weitgehend bekannt und kein Widerspruch zu meinen Überlegungen.
Wesentlich ist, worin die Gründe dafür liegen und welche Konsequenzen daraus zu ziehen sind.
Warum "müssen" die dän. Landwirte den Betrieb kaufen ?
Weil der Vorgänger, der ja doch häufig der Vorfahre des Erwerbers ist, keine Altersversorgung hat - die konnte er nämlich wg. der eigenen betrieblichen Belastungen nie aufbauen - und deswegen auch nicht in der Lage ist, die sog. "weichenden Erben" abzufinden.
Wen freut das ?
-Die Bank, die für eine weitere Generation einen in der Zinsfalle steckenden Schuldner erhält, mit dem sie bequem Geld verdient, also etwas, was ein gewisser Jemand mal als Zinsknechtschaft bezeichnet hat.
- Der Staat, der durch die Zwänge, in denen der Schuldner steckt, die Versorgung des Wählerviehs mit obszön günstigen Nahrungsmitteln sicherstellen kann, was in vielerlei Hinsicht günstiger ist als echte Leibeigenschaft.
-Die Industrie, die den Konsumtrotteln mit im Verhältnis zur Ldw. grotesken Gewinnspannen Krempel andrehen kann, den die nicht brauchen.
-Die Konsumtrottel selbst, die ihr Geld für weitgehend nutzlosen Krempel ausgeben und dabei selbst mit großem Vergnügen Zinsknechte sein können.

Konsequenz :

Da wg. der übermächtigen Interessen der anderen keine Aussicht auf grundsätzliche Änderung besteht, kann die einzige Rettung nur darin liegen, sich aus der Zinsknechtschaft zu befreien, denn nur der, der keine Schulden hat, ist in seinem Denken und Handeln wirklich frei.
Man muß also nicht in dieser Liga mitspielen.

Das Spiel hat nun aber zu lange gedauert, die Schuldenlast ist zu groß, schon die Zinsen sind für immer mehr Betroffene nicht mehr aufzubringen. Bei vielen droht der Zusammenbruch. Nur deswegen steigt zZ der Preis, damit die Zinszahlungen aufrecht erhalten bleiben können.

Ackerspezi
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12 Jahre 10 Monate

@ Landjus [#10]

der größte Vorteil der dt. Landwirtschaft ist die Höfeordnung. Viele machen sich diesen herausragenden Vorteil scheinbar nicht klar. Das sollten wir uns ständig bewusst machen und dafür sorgen, dass dies System beibehalten wird.

Landjus
Mitglied seit
12 Jahre 10 Monate

@Ackerspezi

Das stimmt sicher.
Die Höfeordnung ist das in Gesetzesform gebrachte Anerbenrecht und somit jahrtausendealtes germanisches Recht, das über den Sachsenspiegel und auch das Reichserbhofgesetz auch in unsere Zeit Eingang gefunden hat.
Sie gilt aber nur in einigen norddeutschen Bundesländern ausdrücklich.
Der ldw. Erbgang richtet sich aber - außer in den süddeutsch-alemannischen Realteilungsgebieten - auch dort, wo sie nicht unmittelbar gilt, nach dem alten Anerbenrecht. Die Alten haben da wohl schon gewusst, was sie tun.
Umso wichtiger ist es, das im Erbrecht wurzelnde Eigentumsrecht nicht durch Verschuldung aus der Hand zu geben.
Da es sich um germanisch-sächsisches Recht handelt, vermute ich, daß es in ähnlicher Form auch bei den Dänen Geltung haben müßte. Wenn das zutrifft, ist das Erbrecht eher nicht an der dänischen Misere mitschuld, sondern hat das Schlimmste bislang eher verhindert. Ist aber nur eine These.

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