Schweine: Bei Verhandlungen Stärke zeigen oder der Arsch in der Hose
Molkereien müssen bei Kontraktverhandlungen Stärke beweisen - Auch Politik in der Verantwortung positive Marktsignale zu setzen
bdm-verband.org, Freising (13.03.12) - Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter BDM e.V. fordert die deutsche Molkereiwirtschaft auf, bei den laufenden und auch den kommenden Kontraktverhandlungen mit dem Handel im Sinne der Milcherzeuger zu verhandeln und Stärke zu beweisen.
Die Einkaufspreise für Futter-/Düngemittel, Energie etc. haben sich ebenso wie die Pachtpreise deutlich verteuert – damit sind die Kosten für die Milchproduktion weiter gestiegen. Vier bis sechs Cent mehr bräuchten die Milcherzeuger, um ihre Vollkosten zu decken. Eine mögliche Milchpreissenkung ist vor diesem Hintergrund für die Milchviehhalter nicht akzeptabel.
Nach Ansicht des BDM muss nun die Molkereiseite beweisen, dass man sich mit den jüngsten Molkereifusionen tatsächlich besser gegenüber dem Handel aufgestellt hat. Das muss sich – wie vollmundig angekündigt - auch für die Milcherzeuger positiv auswirken.
An die Bundesregierung richtet der BDM den Appell, der aktuellen Marktentwicklung Rechnung zu tragen und die politisch beschlossene, jährliche Quotenerhöhung von 1% zum 1. April in diesem Jahr zu überdenken. Aus Sicht der Milcherzeuger wäre es - auch für die anstehenden Preisverhandlungen - ein starkes Marktsignal, die zugeteilte Quotenerhöhung vorübergehend in der nationalen Reserve zu belassen und damit den Markt nicht zusätzlich durch weitere Milchmengen zu belasten.
„Das wäre eine mengenwirksame und für den Staat kostenneutrale Maßnahme, mit der die Politik zeigen könnte, dass man durch ein vorausschauendes und präventives Agieren Wertschöpfungsverluste vermeiden und Kosten sparen kann“, begründet BDM-Vorsitzender Romuald Schaber den Vorschlag der Milcherzeuger. „Sorgt man jetzt dafür, dass zusätzliche Mengen erst gar nicht produziert werden, solange der Markt sie nicht aufnehmen kann, vermeidet man später staatliche Ausgaben für marktbereinigende Maßnahmen sowie staatliche Hilfspakete. Gleichzeitig ist es ein wichtiges Signal für alle Marktpartner.“
(Quelle: http://bdm-verband.org/html/index.php?module=News&func=display&cat=35&sid=357 )
Kurse und Preise fallen: Rot = Kassapreis (wird jeden Mittwoch veröffentlicht), schwarz = Terminpreis April 2012 an der Eurex (täglich), blau = Differenz der beiden Notierungen
@ Richard Ebert [#1]
Warum immer nur die Molkereien ? Warum nicht auch unsere Preismelder und Verhandlungsführer für bessere Erlöse bei Schweinen ? Haben Milchbauern eine bessere Lobby bei der Politik ?
@ papuawenzel [#2]
Ich habe die Überschrift des Milch Themas aufgrund Ihrer Frage leicht geändert und gebe Ihnen gerne eine Antwort, die möglicherweise niemandem in Forum gefällt.
Die Situation am Schweinemarkt stellt sich, so lese ich es aus den Beiträgen im Forum so dar, vielleicht etwas überspitzt:
Von den Ferkelproduzenten bis hin zu den Lebensmittel Ketten macht angeblich niemand Gewinne, die meisten stecken angeblich in den roten Zahlen. Dennoch investieren alle diese Gruppen so, als würden sie gut verdienen.
Gleichzeitig gibt jeder den anderen die Schuld an seinen eigenen Verlusten, weil es nicht gelingt, die Kaufkonditionen zu verbilligen und die Verkaufspreise zu erhöhen. Jeder macht andere dafür verantwortlich, sie hätten alle keinen Arsch in der Hose (was immer das konkret bedeutet) statt sich selbst zu fragen, was unter kaufmännischen Gesichtspunkten verbessert werden kann.
Beispiel Schweinemäster:
- warum haben sie keinen Arsch in der Hose und nutzen den Terminmarkt zum Kauf von Ferkel Futures, um zu Zeiten mit schlechter Stimmung und niedrigeren Preisen zumindest einen Teil der künftigen Preisanstiege zu vermeiden ?
- waren haben sie keinen Arsch in der Hose und kaufen die Ferkel zu niedrigeren Preisen ein statt immer höhere Aufschlage auf die immer höheren Preise zu zahlen ?
- warum haben sie keinen Arsch in der Hose und nutzen den Terminmarkt zum Verkauf von Schweine Futures, um zu Zeiten mit guter Stimmung und hohen Preisen zumindest einen Teil der Schweine gegen Preisrückgänge zu sichern ?
- warum haben sie keinen Arsch in der Hose, im den Verkauf am Kassamarkt besser zu organisieren, statt sich auf Organisationen wie Erzeugergemeinschaften, Bauernverbände oder ISN zu verlassen, die nach Meinung vieler Mäster nur aus eigenem Interesse und gegen die Interessen der Mäster handelt ?
- warum haben sie keinen Arsch in der Hose und sind Jahr für Jahr am klagen über die Zustände statt ihre Interessen selbst in die Hand zu nehmen ? Niemand ist gezwungen, sich an den V-Preis zu halten und niemand ist gezwungen, die eigenen Interessen durch die Verhandlungsführer vertreten zu lassen.
Die Situationen für alle Beteiligten (Wiederholung: Alle machen angeblich Verlust, tatsächlich aber Gewinne) wird sich nicht von alleine ändern und nicht durch klagen statt tun.
Nur mal ein paar Worte, die ich nach den Diskussionen der letzten Tage und Wochen schreiben wollte. Nun bin ich bereit, die Prügel für meine bösen Worte über mich ergehen zu lassen.
Schöne Grüsse, Richard Ebert
Der Stimmungsindikator, börsentäglich von 09:55 bis 16:15 Uhr durch die Richard Ebert AG ermittelt, zeigt die erwarteten Kassapreise der kommenden 12 Monate.
@ Richard Ebert [#3]
Sie haben ja nicht ganz unrecht mit Ihrem Beitrag, aber klappern gehört eben zum Geschäft. Wenn alle sagen würden, sie seien zufrieden mit ihrer Situation und machen satte Gewinne, so werden sie von ihren Verhandlungspartnern nur noch mehr unter Druck gesetzt.
Wenn sie zu Ihrem Autohändler gehen, wird der Ihnen auch erzählen, er könne nichts mehr nachlassen und würde an Ihrem neuen Auto schon so keinen Cent mehr verdienen. Die Wahrheit sieht natürlich anders aus, je nachdem wie gut Sie verhandeln, aber ohne Marge wird er Ihnen kein Auto verkaufen, es sei denn er gehört zu den schlechten Händlern.
Der zweite Teil der Wahrheit ist, dass bei weitem nicht alle Mäster oder Ferkelerzeuger Geld verdienen. Deshalb haben wir ja den Strukturwandel, weil das obere Drittel der besten Betriebe Geld verdient und weiter investiert, während der Durchschnitt gerade so über die Runden kommt und die schlechteren Betriebe Eigenkapital vernichten. Da Landwirte aber häufig über hohe Vermögenswerte in Form von Grund und Boden verfügen, wirtschaften sie häufig so lange, bis es nicht mehr geht. Genau da liegt der Hase im Pfeffer, Landwirte denken und handeln zu selten kaufmännisch. Sie haben es aber auch meistens schon in ihrer Ausbildung nicht wirklich gelernt.
Drittens, wenn ich mich richtig entsinne, sind über die Terminbörse im Schnitt der Jahre keine Mehrgewinne zu erwirtschaften, und wenn doch, so sind diese so gering, dass sie für Gebühren o.ä. draufgehen. So jedenfalls schon des öfteren in Terminmarktseminaren z.B. im Arbeitskreis von etlichen Mästern (und auch Referenten) gehört, die nicht im Verdacht stehen, unkaufmännisch zu handeln. Es geht doch eigentlich nur um Liquiditätssicherung durch die Verminderung von Preisschwankungen, und nicht jeder Landwirt hat die Zeit oder auch die Lust, sich derart intensiv mit der Terminbörse zu beschäftigen, dass am Ende auch was dabei herauskommt. Oder warum sonst ist das Handelsvolumen bei den Schweinefutures, und das schon von Anfang an, derart gering?
Die meisten, mich eingeschlossen, orientieren sich an der Terminbörse nur als Indikator für die zukünftige Entwicklung. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass sich daran wesentliches ändern wird, und sei das für Sie auch wünschenswert.
Gruß Pigeldy
@ Richard Ebert [#3]
Herr Ebert hat im Wesentlichen Recht.
Die immer wiederkehrende Diskussion "Wie wird der V-Preis am nächsten Freitag" langweilt mich meist.
Ähnlich wie Paul finde ich die Entwicklung des Preises in 2 bis 6 Monaten wesentlich interessanter.
Der vergangene Januar war absicherungstechnisch sehr interessant und wurde ja auch hier sehr kontrovers diskutiert, das hat richtig Spass gemacht!
Ich möchte hinzufügen, daß Investitionen in der Landwirtschaft (z.B. Stallbau) mittlerweile nur noch in sehr langen Zeiträumen (15-25 Jahre) rechnen, das ist mit unseren gewerblichen Abnehmern überhaupt nicht zu vergleichen. Daher besteht auch ein strategischer Nachteil. Ein vorzeitiger Ausstieg ist fast immer mit sichtbaren Vermögensverlusten verbunden, daher wird eher der schleichende Verlust in Kauf genommen (ist glaube ich menschlich verständlich).
Das größte Problem ist aber, wie im Vorgängerartikel dargestellt, das mangelnde kaufmännische Denken vieler (Anteil ???) Landwirte, die ihre Investitionsentscheidungen häufig von Externen (LWK usw.) durchrechnen lassen und sich einreden lassen, sie seien für eine "optimale Produktion" verantwortlich ("Wenn Du zu den 25 % Besten gehörst, rechnet sich das"). Leider sind 25 % nur ein Viertel! Und kaum ein Berater hat auch den Mut, zu sagen, es ist nicht sinnvoll (damit gefährdet er mittelfristig seinen Arbeitsplatz).
Das kann man alles beklagen, es ist aber so und verändert sich nur sehr langsam, wenn überhaupt. Daher sitzen unsere kaufmännisch agierenden Lieferanten und Abnehmer langfristig immer am längeren Hebel.
@ Pigeldy [#4]
Diese Bemerkungen sind mir etwas zu allgemein, ich möchte sie aufgrund meiner Erfahrung etwas konkretisieren und korrigieren:
1.) Es können Mehrgewinne erwirtschaftet werden. Alleine mit einer sehr einfachen Regel, die die Differenz zwischen Kassamarkt und dem übernächsten Handelsmonat betrachtet, konnte in 10 Jahren ein etwa 1,8 % höherer Verkaufspreis erzielt werden (NACH Abzug der Transaktionskosten). Rechnen Sie das mal auf Ihren Sauenbestand hoch. Die Auswertung kann ich auf Anfrage gerne versenden.
2.) "...und nicht jeder Landwirt hat die Zeit oder auch die Lust, sich derart intensiv mit der Terminbörse zu beschäftigen, dass am Ende auch was dabei herauskommt." Das ist ja wohl ein Totschlagargument! Diejenigen, die so denken möchte ich auch eigentlich auch nicht klagen hören.
3.) Bei der Betrachtung 1998 - 2008 kann nicht festgestellt werden, dass in irgendeinem Handelsansatz die Preisschwankungen geglättet werden konnten. Ich denke, man sollte sich allmählich von diesem Argument verabschieden - es stimmt einfach nicht. Terminbörsen haben m.E. einzig den Zweck, überdurchnittliche DB´s festzumachen. Siehe Punkt 1.
mfg
MZI
@ MZI [#7]
Eins muss allerdings auch jedem klar sein da wo ein Gewinner ist auch immer ein Verlierer!
Wenn das so einfach ist uebernehmen Sie doch bitte die Absicherung meiner Schweine an der WTB und wir teilen uns die 1,8%!
Waere doch fuer beide ein lukratives Geschaeft!
@ Spekulatius_Maximus [#5]
Wie in einem anderem Thread schon mal geschrieben befindet man sich mit Absicherungen und Kontrakten nun mal nicht immer auf der Sonnenseite, das was du fuer dich als Vorteil erwirtschaftest muss der Gegenpart fuer sich als zusaetzlichen Verlust verbuchen! Da waeren wir dann wieder bei der Glaskugel!
Und zu glauben man Sei immer besser informiert ueber Rohstoffpreise wie die Futtermittelindustrie, ja der Schuss kann auch schon mal nach hinten los gehen!!
Jaja; Landwirte sind schon ein komisches Volk.
Und tragen das auch gerne ungesehen nach draussen.
Frage: Wie kann ein Betrieb mit 25 ha Eigenland; meinetwegen 50 ha Zupacht in Süd-Oldenburg und gutem Maschienpark; also auch einer FK Vorbelastung sich einen neuen Stall mit 3000 Mastplätzen; sprich 1,6 Mio. Euro leisten?
Antwort: Investoren.
Aber nach aussen hin baut der Bauer.
Seht euch doch all die Bilanzen der Genossenschaften; an;die werden immer höher.
Weil man "doppelt" verdient; zum einen am Futter; zum zweiten am Futter; welches man nicht im Wettbewerb anbieten braucht.
Etliche private Landhändler hier haben Mastschweinebestände; da schlackert hier jeder mit den Ohren.
20000 sind dort "Monatsproduktion".
Auch diverse ausser-Landwirtschaftliche Dienstleister haben riesige Farmen; und da die ja nicht priviligiert Bauen dürfen; brauchen die einen Landwirten.
Wiso zum Teufel sollen ausgerechnet diese "Landwirte" an der Börse Schweine absichern; ein totsicheres Verlustgeschäft.
Statt dessen wird Mais; Weizen und Raps in Paris gekauft; denn dort wird dann in der Schweinemast das eigentliche Geld verdient; wenn das Futter in der Endstufe dann mal 1-2 Euro/dt billiger wird; das sind dann schnell mal 2,5/5 Euro je Mastschwein; da lohnt es sich überhaupt nicht; sich über den Kassapreis aufzuregen; den kann man doch eh nicht beeinflussen...
Der ein oder andere hat dann noch einen Viehhandel dabei; der nächste eine Schlachthofbeteiligung; der dritte einen Zerlegebetrieb; und der vierte verkauft nur Fleisch am Telefon wie diverse Kollegen hier.
Aus dem Grund wird sich die Schweinebörse niemals mehr weiterentwickeln; zudem; bei den "Preisschwankungen" die wir mittlerweile haben; quasi keine; ein Halbjahreseinheitspreis; warum soll ich dann noch was absichern; wenn ich doch sowieso weiss; was die Schweine in vier Monaten kosten.
Deswegen ist es wirklich interessanter; wie der "Halbjahrespreis" in Zukunft ist.
Man sieht es doch momentan an der Börse; auch der letzte dumme wird kapiert haben; dass es keinen Markt gibt; sondern wir bekommen das was wir bekommen sollen; nicht mehr und nicht weniger.
Der wahre Markt findet doch woanders statt.
Und deswegen ist der ISN-Preis auch dort; wo er ist; weil er den "wahren" Markt abbildet; denn diese Preise werden mehr oder weniger auch in der Fläche bezahlt.
Wer sowas nicht bekommt; dem empfehle ich; dort mal welche zu verkaufen.
Kommen wir zum Ende und damit zur eigentlichen Frage des Herrn Ebert:
Warum sichern sich die Landwirte nicht ab mit Ferkeln und Schweinen:
Antwort: Ich muss(kann) einen Ferkelpreis absichern; der so auf dem realen Markt nicht erzielt/ bezahlt wird; um dann Schweine zu mästen und abzusichern; dessen Ertrag auf dem realen Markt ein anderer ist; und sich zunehmend davon entfernt.
Dann kann ich auch spekulieren; dazu brauch ich dann wenigstens morgens nicht in den Stall...
In dem Sinne
MFG
Mühlenbach
@ p. [#8]
1.) Ich habe bereits mehrere Bestände, die ich betreue - Danke für das Angebot, aber kein Bedarf.
2.) Sie gehen davon aus, dass die Kontraktpartner dieselben Interessen haben. Das ist ein Denkfehler. Bedenken sie dass ein verkaufter Kontrakt sowohl beim Verkäufer (Mäster) also auch beim Einkäufer (Wurstproduzent) einen positiven Deckungsbetrag sicherstellen können. Es gewinnen also beide (Sicherheit).
mfg
MZI
@ MZI [#10]
Ich bin nun wirklich alles andere als ein Terminmarktexperte,
nur eine Frage habe ich noch:
Wenn der Terminmarkt den Kassamarkt von morgen abbildet und sich nah an diesem orientiert, wo sind dann Mehrgewinne im Vergleich zum Kassamarkt zu erzielen? das geht nur, wenn ich besser bin als andere, denn wie p. schon sagte, wo es einen Gewinner gibt, da ist immer auch ein Verlierer.
Zu Ihrem Beitrag [#10], der Wurstproduzent hat das genau gegenläufige Interesse zum Landwirt, er will einen möglichst billigen Einkauf absichern, und Landwirt will möglichst teuer verkaufen. Um das zu wissen, muss man kein Experte sein.
Sicherheit ist in dem Sinne (jedenfalls kein direkter) geldwerter Gewinn, und nur um den ging es mir.
Wenn ich mir die Zeit, die ich mit Termingeschäften verbringen soll, woanders klauen muss, wo sie mir dann fehlt, dann beißt sich die Katze in den Schwanz. 1,8% Mehrgewinn kann ich auch durch die Intensivierung anderer Arbeiten erzielen, z.B. durch das Wiegen der einzelnen Schlachtschweine vorm abliefern. Für mich sind das keine ausreichenden Argumente, um ernsthaft mit Termingeschäften anzufangen. Dann muss schon etwas mehr dabei rauskommen als 1,8%, zumal ich dieses Geld ja auch als Risikopauschale für den Fall betrachten könnte, dass ich mich verspekuliere.
Gruß Pigeldy
@ p. [#8]
Ich würde mich als einigermaßen gut informiert bezeichnen, mehr nicht!
Ich brauche für die Schweinebörse im wesentlichen meine Produktionskennzahlen und natürlich auch die Stimmungslage (kann man hier im Forum recht gut einschätzen), um für die Börse Entscheidungen zu treffen.
Wenn ich absichere (über Futterkontrakte oder Schweinebörse) habe ich nicht mehr das Risiko, dass mir irgendwelche Preise weglaufen. Wer immer nur gewinnen möchte, ist an der Börse tatsächlich falsch! Und man muss es auch nervlich ertragen, dass ein Kontrakt in die falsche Richtung läuft...
@ Pigeldy [#11]
Bedenke auch die Sicherheit, die dir die Börse geben kann. Für Liquiditätsplanung z.B. ein großer Vorteil...
Anscheinend sind die meisten Forumsteilnehmer eher daran interessiert, wie der Schweinepreis nun nächste Woche notieren wird als am Börsengeschehen? Wundert mich ein bisschen...
@ Pigeldy [#11]
Der Wurstproduzent hat vielleicht einen Halbjahresvertrag mit seinem Abnehmer. Er stellt seine Kalkulation aufgrund der momentanen Terminpreise an. Danach kann er SICHER sein, dass (falls seine Absatzerwartungen erfüllt werden) er in den kommenden 6 Monaten GEWINNE macht.
Nur das ist für ihn interessant. Falls er seinen Einkauf ungedeckt lässt fällt er für mich in die Kategorie "Glücksritter".
--> Deshalb ist Sicherheit ein geldwerter Vorteil.
--> Deshalb können bei einem Termingeschäft beide Seiten profitieren.
Es ist wie es ist; ich bin hier nicht angetreten um Überzeugungsarbeit zu leisten. Die Frage war, ob es einen Mehrerlös gibt. Ich antworte: Im 10 jährigen Betrachtungszeitraum gab es einen, und der betrug mindestens 1,8%.
MZI
@ MZI [#13]
Ich hab ja auch schon einige Jahre an der Börse gehandelt; als es noch wirkliche Volatilität gab..
Aber eines ist sicher:
Man hat in den letzten 10 Jahren nicht 1,8% mehr erlöst; sondern 1,8% weniger Verlust gehabt.
Denn in den letzten drei Jahren waren die Termingeschäfte in höchstens 10 von 156 Wochen keine "Verlustabsicherung"..
In dem Sinne
MFG
Mühlenbach
@ Muehlenbach [#14]
Aber da kann die Terminbörse doch nichts für!
Unter Bauern ist die Ansicht, dass (wenn die Preise unten sind) die WTB für die schlechten Preise verantwortlich ist, weit verbreitet.
Viele, nicht nur ältere, haben bis heute Sinn und Zweck von Börsen nicht begriffen. Die Börse ist das große unbekannte und erzeugt auch Ängste bei diesen Personen. Alles was mann nicht (richtig) kennt erzeugt Ängste (sehen wir ja auch in der großen Welt bei Finanzmarktcasino, Turbokapitalismus etc.) und es ist dann auch recht leicht für die Leute, dem großen unbekannten die Schuld zuzuweisen.
@ Spekulatius_Maximus [#15]
Das habe ich ja auch so nicht gesagt.
Aber versuch doch mal einen Monat diesen Jahres auf den momentanen Notierungen; auch mit den Ferkelpreisen der Börse; KOSTENDECKEND; und damit meine ich nicht "Stammtischdeckend"; sondern Vollkosten abzusichern.
Du kannst absichern mit gutem Glauben eine Nullrunde.
Wenn es dann schlechter läuft; dann hast du gesehen mehr Gewinn; oder verglichen mit dem Nachbar weniger Verlust.
Ich für mich kaufe mehr Weizen oder Raps an den Terminmärkten; dann sind mir die realen Futterpreisschwankungen auch egal; denn Kontrakte bindet sich hier kein Mischfutterwerk mehr ans Bein; erst recht alles was über einen Zeitraum von 8 Wochen geht.
Und wenn; dann zu deutlichst höheren Preisen; und was du dann in einer Mischung hast; steht auch auf einem anderen Blatt.
Ein "besserer" Indíkator für die zukünftigen Schweinepreise sind für mich schon länger die Lean Hogs Kurse an der CBOT.
Denn dort sind im Gegensatz zu hier auch die Abnehmer mit im Boot.
In dem Sinne
MFG
Mühlenbach
In der Agrarzeitung habe ich gerade ein Interview mit Christoph Kempkes von der Hamburger VK Mühlen AG zum Weizen- und Mehlmarkt gelesen. Darin hat er sich zum Terminhandel wie folgt geäußert:
Frage: Welche Rolle spielen dabei [= belastbare Beziehungen zur Versorgungskette Landwirte - Erfassungshandel - Internationale Händler aufbauen] Warenterminbörsen ?
Kempkes: Ohne Absicherungsgeschäfte an der Matif [Terminbörse in Paris] könnten wir als Müllereiunternehmen kein effektives Risikomanagement betreiben. Und ohne diese Reduzierung der Getreidepreisrisiken für langfristige Mehlkontrakte sind wir ökonomisch nicht solide aufgestellt. Wir kritisieren daher die Börse nicht wegen der Spekulanten. Vielmehr brauchen wir die Matif, um eigene Spekulationen zu vermeiden.
Soweit der Ausschnitt aus dem Interview. Exakt für das Gleiche, die Vermeidung von Spekulationen, steht die Terminbörse in Frankfurt für Schweine und Ferkel sowie Kartoffeln und Milchprodukte zur Verfügung.
Schöne Grüsse, Richard Ebert
Beispiel Butter: 32 % Preisrückgang in 9 Monaten konnte durch eine Shortposition vermieden werden.
@ Richard Ebert [#17]
Dann müssen Sie aber auch den ganzen Text abdrucken; denn in der nächsten
Passage dieser Antwort wird wieder genau jene Unbehaglichkeit ausgedrückt; die ich vielfach anmahne; dass die Realität dem Terminmarkt häufig eine andere ist..
In dem Sinne
MFG
Mühlenbach
@ Muehlenbach [#18]
Den ganzen Text kann ich nicht abdrucken, da mir die Agrarzeitung kein Nachdruckrecht gegeben hat. Somit ist mir nach Presserecht nur ein Zitat als Beitrag zur Diskussion erlaubt.
Ich werde mich aber nach weiteren ähnlichen Beiträgen umsehen.
Der Beitrag aus der gedruckten Zeitung ist schon in der Altpapiertonne, an 'jene Unbehaglichkeit' kann ich mich nicht erinnern.
Schöne Grüsse, Richard Ebert