Schweine: Biogas als Retter der deutschen Schweinemäster ?

verschoben aus dem Thema Milchpreise

Rettung ist in Sicht:
Biogas.
Rendite 13% nach Vollkosten; also abbezahlt in 8 Jahren.
Danach, so wird einem vorgerechnet; jedes Jahr min bei 500kw 300000 Euro Gewinn...
Also haben wir ( solange die Politik dies unterstützt) einen gewaltigen Umbruch; den wir jetzt erleben.
Das einzige Problem wird sein; woher der ganze Input?

Heisst auf Deutsch:
Bislang hatten díe Landwirte garkeine Möglichkeit; in andere Aufgabenfelder zu wachsen; weil die Politik günstige Lebensmittel forciert.
Da hiess es nur wachsen und die Stückkosten senken.
Heute haben die Landwirte die Möglichkeit; sich ohne den Hof aufzugeben aktiv aus der Kette "Lebensmittelproduktion" zu verabschieden; z.Zt. haben alle diese Betriebe noch Viehwirtschaft; aber v.a. die Milchkühe sind nun die ersten; die rausfliegen.
Im Nordkreis CLP hat man nun die Notbremse gezogen und alle Bauvorhaben incl. Biogas auf Eis gelegt; da dort die Kombi Biogas plus Hähnchen der absolute Renner ist ( wegen Wärmeabnahme).

In dem Sinne
MFG
Mühlenbach

Geschrieben von Muehlenbach am
Saubauer
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

Ich kann Mühlenbach nur zustimmen.

In meiner näheren Umgebung sind schon 4 große Biogasanlagen und es entstehen
noch 4-5 ( 250 -400 KW).

Alles Betriebe mit 80-150 Milchkühe anstatt weiter aufzustocken hat jetzt jeder einen neuen Mitarbeiter und seine Biogasanlage.

@ OS

Ein Betriebswirtschaftlicher LW macht seine Kurzarbeit indem er die 10% der schlechtesten Tiere ( Kühe,Mutterschweine )verkauft oder schlechte kleine Ackerflächen für gutbezahlte Agrarökologische Zwecke verpachtet.

MfG Saukopf

OS
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ Mühlenbach
Dies hat zwar nichts mit dem obigen Thema zu tun, aber ob Biogasanlagen bzw. nachwachsende Rohstoffe zukünftig die Rettung der Landwirtschaft darstellen, bezweifele ich nicht nur aus ökonomischer Sicht.

Zur Ökonomie einer hypothetischen 500 kw-Anlage:

Annahmen:
Grüne Wiese: Baukosten incl. Genehmigungen, Siloplatten, Endlager etc.
in Fremdvergabe ca. 1,9 Mio €, Afa min 8% Zinsen 4,5 % Umlaufkapital 200.000 €.

Umsatz: 500 KWH x 90 % Auslastung x 20 Cent = 788.000 €

Kosten: Afa (=Tilgung) 152.000 €
Zinsen auf Invest 85.000 €
Zinsen auf Umlauf 9.000 €
8500 to Mais x 28 €/to frei Fermenter 238.000€
400 to Roggenschrot ( z.Z.) 120 €/to 48.000 €
600 Radladerstunden x 35 € 21.000 €
800 sonstige Arbeitsstunden x 20€ 16.000 €
Reparaturen/Wartung ( ab dem 2 Jahr) 45.000 €
Eigenstrom 5% mit 15 Cent/KWh 30.00 €
Analysen, Beratung,Vers. Telefon etc 15.000 €

Kosten soweit 707.000 €

Die Kosten kann man weiter aufblähen oder runterrechnen, je nach Geschmack. Nach diesem Überschlag müßten ca. 220.000 e aus dem Verkauf aus Wärme kommen, will man vor Steuern 300.000 € Gewinn machen. Wie groß muß der Hähnchenstall sein, um diese Wärme zu benötigen. Wer soll eigentlich die vielen Hähnchen essen die in den nächsten Jahren in Deutschland produziert werden sollen - die Brasilieaner?

Mfg
OS

Saubauer
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ OS [#3]

Deine Baukosten sind ein bischen hoch !
Ein Nachbarbetrieb hat 320 kw für 800.000.- Eur inkl. Mwst im März fertiggestellt und der Schritt zu 500kw ist nicht mehr so groß.

MfG

Muehlenbach
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ OS

Du hast mich falsch verstanden; nach Ablauf der Finanzierung; sprich wenn ich den Gewinn der ersten Jahre in die Re-Finanzierung stecke.

Heisst wenn ich keine Fremdkapitalkosten habe; dann kommst du auf den selbigen Wert.

Noch ein "Novum":

Die Banken wollen einem die Anlage gerne mit 90% finanzieren; einzige Vorraussetzung ist einen Flächenanteil fest von 60%.

Heisst konkret: Ein Bankmitarbeiter sagte mir; besser 1500 Euro Pacht bezahlen als beim Maiskauf abhängig sein; dann gibt es eher Geld.

Und nun rate mal; was auf dem Pachtmarkt hier los ist.

In dem Sinne
MFG
Mühlenbach

OS
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ Saubauer 2

Ich kenne die Kostenaufstellung Deiner Anlage nicht, die meisten Anlagen die ich kenne lagen über 3000 € pro kwh und waren 1 Jahr nach Fertigstellung 5-20 % teurer als geplant. Aber es sind sicherlich auch bäuerliche Selbstbaulösungen möglich, hier kann man Kosten sparen
Meine Kosten sind nicht aus der Luft gegriffen.

@ Muehlenbach

- ich denke wenn die erste 90 % Finanzierung nach 15 Jahren ausläuft, hat die Anlage einen Wirtschaftswert von Null (der technische Fortschritt bleibt rasant), zudem wird ein Weiterbetrieb von den dann geltenden ökomonischen Rahmenbedingen abhängen: Futterkosten/Stromeinspeisung etc. Vielleicht steht die geplante Biogasanlage schon in 6 Jahren, wie heute die Ölpressen!!
- nach 5 Jahren mußt Du nachfinanzieren: Feststoffeintrag, Güllepumpen, Rührwerke sind auf
- nach 5-6 Jahren BHKW aufarbeiten nach 10 Jahren ganz neu
- wie hoch ist der Maispreis pro to frei Fermenter wenn die Pachten schon 1500 € pro ha und mehr betragen sollen?? Dann sind die von mir unterstellten 28 € pro Tonne wohl zu gering oder?
- ich halte das Politikrisiko im Bereich Biogas für mindestens so hoch wie in den anderen landw. Produktionsrichtungen auch
- vielleicht ist es als Schweinemäster in Deiner Region heute interessanter die Gülle für 1 € pro m³ ab Hof an eine fremde Biogasanlage zu verkaufen und die eigenen Flächen unter Zurückbehalt der steuerlichen VE für 1800 € pro ha zu verpachten: besser und risikoloser kann man im Ackerbau in meinen Augen kein Geld verdienen

Weis jemand wo die vielen Masthändel bleiben sollen??

MfG
OS

Richard Ebert
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ Muehlenbach [#1]

Ich meine mich einige Jahre zurück erinnern zu können, als die Rettung der Landwirtschaft im Biodiesel lag und viele Rapsmühlen mit der Produktion begannen oder diese aufstockten.

Und wie sieht das heute aus ? Sie wissen es vermutlich besser als ich.

Die Preise / Konditionen / Umweltbedingungen / Subventionen / Steuern ändern sich täglich. Wenn Sie erst einmal eine Anlage gebaut haben und noch nicht einmal die Preise über Futures absichern können, sind Sie vielleicht schon in zwei oder drei Jahren gnadenlos dem Markt ausgeliefert.

mog
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ Herr Ebert

Ich stimme Ihrer Aussage zu. Aus meiner Sicht ist die Investition in eine Biogasanlage eine der risikoträchtigsten Möglichkeiten in der Landwirtschaft.
Es ist unter Ökonomen derzeit eine weitgehend unbestrittenen Tatsache das die zur Unterstützung der Wirtschafts- und Finanzmärkte erheblich ausgeweitete Geldmenge einer Rüchführung bedarf und dieses wahrscheinlich in Form einer deutlich höheren Inflation stattfinden wird.
Meine garantierte Einspeisevergütung sichert zwar meinen Markterlös für die kommenden 20 Jahre ab, was geschieht aber mit den benötigten Inputmengen?
Landwirtschaftliche Produkte werden, wenn auch Zeitversetzt oder -verzögert, einer Preissteigerung Folgen.
Einspeisevergütung sind vom politischen Willen abhängig und hier erlebt man derzeit in der Biospritbranche das man durchaus bereit ist einen ganzen Industriezweig sterben zu lassen.
Biogas wird voraussichtlich niemals unsubventioniert Marktfähig sein - das ist ein enormes Risiko.
Im Veredlungssektor werden zukünftig sicher keine Bäume in den Himmel wachsen, der Strukturwandel wird sich ebenfalls fortsetzen und von den
leistungsfähigeren Betrieben genutzt werden - und hierauf sollte vielleicht der eine oder andere Betriebsleiter sein Augenmerk richten.

M.f.G.
Mog

Glücksritter
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@OS
Ich nehme einmal Deine Zahlen:
8 Jahre * 152.000,-€ Abschreibung = 1.216.000,-€
8 Jahre * 81.000,-€ Gewinn = 648.000,-€
In Summe nach 8 Jahren = 1.864.000,-€

Das heißt die Anlage ist unter Vollkostenrechnung nach ca 8 Jahren bezahlt. So wie von Mühlenbach gesagt.

Ab dem neunten Jahr:233.000 Gewinn vor Steuern und Arbeit bezahlt. Oder?

Muehlenbach
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@Mog
Da hast du zudem ein besonders Thema angeschnitten:
Erstens: Was ist ein Wort der Politk wert?
Der Gewinn bei den Anlagen kommt heute aus dem Güllebonus.
was ist wenn dieser gekürzt wird?
Zweitens: Was passiert bei einer Inflation von Jährlich 5%?
Schweine/ Getreide usw. werden dann auch jährlich die hälfte der Inflation mitmachen; bei Biogas habe ich aber Verträge....
Drittens: Was für den Schweinemäster die Pest; ist für eine Biogasanlage der Maiswurzelbohrer...
Viertens: Schon jetzt haben wir im Nordkreis CLP Gemeinden mit fast 100% Maismonokultur...
Was ist wenn es Zuschläge nur für "Ordnungsgemässe Bewirtschaftung" gibt?

Fakt ist; das ich mir absolut im Zweifel bin.
Arbeit habe ich auch.
Für mich kommt deswegen eher die Solar-Geschichte in Betracht.
Allerdings werden ich das Thema Biogas nicht ausser Acht lassen; und vielleicht investieren und weiterverpachten; denn bei dem Thema Windkraft hab ich vor 15 Jahren nicht aufgepasst; haben für das Binnenland gesehen ausgewiesene gute Standorte; nur man darf leider keine bauen ( in einer rentablen Grösse; ich weiss um die 50% Regel...); da gibt es "Kontingente".
Vielleicht geht das mit den Biogasanlagen genauso.
Dieses ist auch ein Grund; weshalb in Süd-Oldenburg massenhaft Ställe aus der Erde gehauen werden; alle haben Angst; dass irgendwann Schluss ist; und man möchte dann nicht ohne dastehen; um die geforderten Grössen der Zukunft zu verpasssen....
So ist das z.Zt. im Nordkreis; dort sollen eigentlich keine neuen Biogasanlagen entstehen; sodass die jetzigen Betreiben einen gewaltigen Standortvorteil und Bestandsschutz geniessen...

Zudem; Glücksritter hat verstanden; was ich meine...

In dem Sinne
MFG
Mühlenbach

OS
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ Glücksritter

- Die Afa/Kredittilgung war in meinem hypothetischen Fall auf 15 Jahre angelegt. nicht auf 8 Jahre.
- Egal wie hoch die Erstinvestition ist, innerhalb der ersten 8 Jahre muß man nochmals ca. den halben Wert "nachinvestieren" um die Anlage am Laufen zu halten: Rührwerke, Pumpen, BHKW müssen erneuert werden. (Um mit dem technischen Fortschritt mitzuhalten, bzw. weil die meisten Bauteile (außer hoffentlich der Fermenter) eh nicht länger halten etc. müsste man in meinen Augen eine Biogasanlage sogar innerhalb von 10 Jahren abschreiben).

Gleichwohl gibt es bei vielen Vorhaben im Bereich Biogas auch ökonomisch gute Rahmenbedingungen : z.B. bei hohen Maiserträgen (und niedrigen Pachten), günstige Baukosten, viel Gülle, super Wärmekonzept etc.

Zudem werden die Geruchsemmisionen der Gülle durch die Vergärung gesenkt, wer über 20.000m³ Gülle zusammenbekommt kann schon eine 100 Kwh-Anlage laufen lassen, eine wahrlich interessante Investition.

Biogas ist wie auch die Schweineproduktion ein sehr kapitalintensiver landw. Bereich ( Wieviele Landwirte haben in ihrem Leben schon mal über 1 Mio € in einem Jahr investiert?). Laut landw. Buchführungsverbänden bzw. Steuerberatern haben Biogasanlagen schon einige landw. Unternehmen in die Knie gezwungen oder bis hin zu ansehnlichen Gewinnen erwirtschaftet- es geht eben hier immer nur gleich um sehr viel Geld.
Hat ein Landwirt einen Schlepper fehlinvestiert kann er ihn mit einem "kleinen" Verlust wieder veräußern, die Biogasanlage wird er nicht so schnell wieder los, er wird so gar von den Banken gezwungen (letztes Jahr bei hohen Futterkosten)sie bei Vollast weiterlaufen zu lassen, damit die Tilgung reinkommt, den operativen Verlust trug der Landwirt.

Richard Ebert
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

Biogas soll stärker reguliert werden - Einstimmige Resolution des Umweltausschusses des Plöner Kreistags

Von Hans-Jürgen Schekahn

Kieler Nachrichten, Plön (22.06.09) - Der Kreis Plön will den Bau von Biogasanlagen regulieren. Der Umweltausschuss verabschiedete einstimmig eine Resolution an die kommunalen Spitzenverbände mit der Forderung nach Schutzgebieten, in denen keine Biogasanlagen mehr errichtet werden dürfen. Die Grünen-Fraktion hatte die Initiative dazu im Ausschuss gestartet.

Anlass für den Antrag ist der stetig wachsende Maisanbau, der in vielen Bereichen zu regelrechten Monokulturen geführt hat, so Gerd Dreßler, der umweltpolitische Sprecher der Grünen. Die Landschaft habe sich an vielen Stellen durch den Maisanbau verändert. Eine weitere Folge ist unter anderem eine stark anwachsende Wildschweinpopulation.

Eine Biogasanlage mit einer Leistung von einem Megawatt benötigt nach seinen Angaben eine landwirtschaftliche Fläche von 600 Hektar. Davon würden auf 60 Prozent der Äcker Mais angebaut. Grüngetreide und Gras seien weitere Rohstoffe, die zum Mais hinzugegeben werden.

Im Kreis Plön liefern derzeit zehn Biogasanlagen Strom mit den Schwerpunkten im Raum Lütjenburg und Preetz. Drei weitere in Lehmkuhlen, Rendswühren und Blekendorf sind bereits genehmigt, aber noch nicht im Bau, zählt Dreßler auf.

Der Umweltausschuss begrüßt aber grundsätzlich die Nutzung alternativer Energien auch mit Hilfe von nachwachsenden Rohstoffen.

(Quelle: http://www.kn-online.de/lokales/ploen/98559_Biogas-soll-staerker-reguliert-werden.html)

Bild entfernt.

Rückrufservice
Beschreiben Sie bitte Ihr Anliegen, damit wir uns auf den Rückruf vorbereiten können.
Ja, ich habe die Datenschutzerklärung zur Kenntnis genommen und willige ein, dass die von mir angegebenen Daten inklusive der Kontaktdaten zwecks Bearbeitung der Anfrage und für den Fall von Anschlussfragen elektronisch erhoben und gespeichert werden. Meine Daten werden dabei nur streng zweckgebunden zur Bearbeitung meiner Anfrage genutzt und nicht ohne Einwilligung weitergegeben. Diese Einwilligung kann jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen werden.

Register now

Jetzt registrieren und ZMP Live+ 14 Tage kostenlos testen!
  • Dauerhaft kostenfrei
  • Keine Zahlungsinformationen erforderlich
Hilfe?