Schweine: Ebermast - warum machen die Bauern alles mit ?
Liebe Forumskollegen,
Die Ebermast wird vom Tierschutz massiv gefordert und obwohl technisch überhaupt keine Lösung in Sicht ist schwenkt die Landwirtschaft auf diesen Weg unaufhaltsam ein.
Wir Bauern samt unseren Interessenvertretern sind nicht in der Lage und auch nicht Willens dies zu verhindern. Dies obwohl Größen wie Prof. Branscheidt von der Fleischforschungsanstalt und auch die Universität Hohenheim eindringlich davor warnen und deutlich sagen: "Wir machen hiermit die deutsche Schweinefleischqualität zur Sau !!"
Können wir uns das als Exportnation leisten ?
Wer wird denn die Einbußen tragen müssen wenn der Absatz zurückgeht?
Wir gehen Leuten auf den Leim, deren Ziel das glückliche Schwein aufgewachsen unter 5 Artgenossen auf der Wiese im Biobetrieb ist. Alles über 100 Tiere im Stall ist hier Massentierhaltung. Ihnen sind alle Methoden recht um den Verbraucher zu irritieren, siehe die Plakate mit blutigen kastrierten Männern.
Gegen diese aufgezwungene Diskussion müssen wir uns als Produzenten wehren und aufklären.
Ich habe mir Duftproben mit Androstenon zukommen lassen und werde in Diskussionen jeden daran riechen lassen, der die Ebermast fordert.
Ein gutes Beispiel wie verlogen doch Diskussionen geführt werden ist England. Als geringer Schweinefleischverbraucher aber leidenschaftlicher Ochsenfleischverzehrer wird hier damit geworben männliche Schweine nicht zu kastrieren. Die männlichen Rinder werden aber wohlgemerkt zumeist mit dem Gummiring entmannt!
Ich wurde von Kollegen, die schon seit einiger Zeit unkastrierte Tiere mästen heftig ob meiner Einstellung kritisiert was ich denn wolle, denn unterm Strich würde sich Eber mästen wegen besserer FVW und MFA sowie besserer Kriterien beim Klassifizieren viel besser rechnen.
Es läuft doch hier wie immer: Wenn etwas eingeführt werden soll, wird mit mehr Geld gelockt.
Wenn es dann Standard ist ist der Bonus weg und die Kriterien verschärft.
Wie oft haben wir es denn bei Qualitätsprogrammen denn schon mitgemacht wie das geht ??
Verkriechen wir uns lieber in unserer Arbeit und lassen es auf uns zukommen oder wehren wir uns ?
Bei Dioxin haben wir gesehen was passiert wenn der Absatz zurückgeht. Bei der Ebermast wird es genauso sein, nur nicht schlagartig sondern langsam. Die Erholung wird aber so nicht eintreten.
Denken wir darüber nach
Mfg
BB
@BB
Da verstehe ich jetzt nicht ihr Problem...
man hat generell bessere MFA- Werte und und die Ausbeute ist auch besser also hat man im Schnitt mehr Geld im grünen Beutel, ist doch genau das was sich die grüne Seite wünscht!
Wenn sie sich mal Spanische und Belgische Schlachtbetriebe anschauen, da gehen genauso viele Schweine mit Murmeln als auch ohne durch und es interessiert dort keinen.
Der ökologisch denkende Verbraucher von heute wird sich wohl schnell an den herzhaft würzigen Duft gewöhnen müssen, kann man ja anders umschreiben, evtl. Duft von BIO oder anderes...
mich interessiert eher ob die Haltung das auch mitmacht?
Wenn die bei uns in den Buchten liegen werden die ganz schön lebhaft und man muss sie exakt getrennt lassen ansonsten gibts Striemen auf der Schwarte.
Hat einer schon Durchläufe mit Ebern gemacht?
MfG.
Kann man überhaupt junge Eber im gleichen Abteil wie Sauen einstallen?
@ wollewatz [#3]
das gibt zu viel Unruhe- auch die abteilweise-Trennung reicht mit unter nicht aus- besser ist die Stalltrennung, wenn ich meinem Nachbarn glauben darf...
gibt es eigentlich bereits Ebermasken? Wie wird in der Praxis abgerechnet?
@ Hü [#2]
man hat generell bessere MFA- Werte und und die Ausbeute ist auch besser also hat man im Schnitt mehr Geld im grünen Beutel, ist doch genau das was sich die grüne Seite wünscht!
hab ich doch geschrieben. Das mehr an Geld in den grünen Beutel gibt es nur Anfangs um die Produzenten dazu zu bewegen. Nach der flächendeckenden Einführung werden die Riemen dann angezogen und es wird gedrückt bis die Luft draußen ist.Da werden wir dann darüber diskutieren warum es nicht gelingt den Schweinefleischverbrauchs-Rückgang zu stoppen.
Mfg
@ wollewatz [#3]
Eber und Mutterschweine müssen nicht getrennt augestallt werden. In den von mir betreuten Betrieben gibt es da überhaupt keine Probleme. Unruhe gibt es dann, wenn geschlechtsreife Sauen und Eber (Reste aus mehreren Buchten) neu zusammengefügt werden. Sollte ein Zusamenwerfen von Resten nötig sein, so sollte man sie dann gleichgeschlechtlich zusammenfügen. Dann hat man möglicherweise Rangkämpfe, aber nicht anders als bei Börgen auch.
Zusammenfassend mussten wir feststellen, dass die Probleme der Ebermast viel kleiner waren als man das befürchtet hatte. Rassenunterschiede mag es da aber sicherlich geben, wozu ich aber noch recht keine Aussage geben kann.
Die ganze Sache mit der Ebermast stinkt doch zum Himmel!
Ist es denn normal, das alles was schon ewig gemacht wird und auch bis dato eigentlich gut läuft auf einmal nur noch dreck wert ist?
Wie kann so etwas passieren? Läuft meiner Meinung nach nur darauf hinaus das sich die großen mal wieder die Taschen voll machen wollen. Und das auf Kosten der ganzen Branche!
Bin schon gespannt auf den ersten Skandal bzgl. Hormoneinsatz in der Ebermast.
Ferkel beim Kastrieren zu betäuben ist doch ok, denke da kann eigentlich jeder(auch der Tierschutz) mit leben!
@ Bagira [#7]
Sehe ich auch so. Die Betäubung der Ferkel sollte reichen. Warum in aller Welt muss hier bei uns immer alles kaputt geredet werden. Warum lassen wir uns immer wieder von einigen angeblichen Tierschützern und Grünen alles aufzwingen. Die angeblichen Tierschützer, egal von welcher Organisation sollten sich um die lieben "Haustiere" kümmern, die oft ein elendes und nicht tiergerechten dasein fristen. Hier gäbe es mehr als genug zu tun. Auch unsere Politiker sollten sich vielleicht einmal mehr mit dem Schutz dieser Kreaturen befassen.
Schönen Sonntag
@ papuawenzel [#8]
Nach den Ergebnissen der letzten Wahlen wissen wir noch deutlicher wo der Zug hingeht.
Mfg
BB
Hallo.
Hat sich denn in der Ebermast was getan? Wie sind denn mittlerweile die Erfahrungen mit den Ebern bezgl. Aufstallung und Vermarktung?
@ Neuling [#10]
So lang die Verbraucher das Produkt aus der Ebermast nicht akzeptieren istund wird das kein Markt werden. Auch nicht wenn C.T. und co. das irgendwie unterstuetzen. Das Problem waere u.a. nur durch Aenderung der Masken/Gewichte schnell zu loesen. Schlachtgewichte von 85 kg wuerden viele Dinge/Probleme loesen und waeren zudem umweltfreundlicher!!! Das ist doch ein Ansatz fuer alle Gruenen und die sich dazu zaehlen.
Auf politischer Ebene ist die Kastration ein unbeliebtes ( unbequemes) Thema!
In meiner Region sind viele Spitzenfunktionäre ( meist Milchviehhalter ) überfordert!
Wenn ich in einigen Verbänden/ Vorstandschaften um Erklärungen dazu gefragt werde, versuche ich mit dem Beispiel des
" Zahnarztbesuches" mit einer Schmerzspritze vor dem Eingriff zu verdeutlichen.
Meistens können sich die Leute so besser in die Lage versetzen als mit dem Wort "Kastration".
Wer hat ähnliche oder bessere Erklärungsversuche?
@ Bauer Bernie
Die mittelständischen Metzger fürchten dieses Thema auch und haben Angst weitere Anteile des Umsatzes an die LEH Ketten zu verlieren!
Im schlimsten Fall werden dort nur noch weibliche Tiere verarbeitet!
Frage :
Wenn die Schweine nur noch 80 Kg SG haben werden fehlen viele Ferkel?
Sind dann weibl. über 100 Eur oder werden wir Sperma trennen um mehr wbl. Ferkel zu erhalten?
MfG
Saubauer
@ Saubauer [#12]
Spermasexing ist wohl möglich, aber bisher weit von der Wirtschaftlichkeit entfernt!
Interessant finde ich, wie einerseits das Kastrieren und Schwänze kupieren diskutiert wird und andererseits die Beschneidungsdebatte verlaufen ist.
@ Saubauer [#12]
1 Person braucht zum Sexing einer Portion ca einen halben Tag. Also momentan unwirtschaftlich. Ich glaube das Handling mit Ebern ist für die Bauern nicht das Problem.
Das kriegen wir schnell hin.
Eine große Herausforderung ist es die Geruchsabweichler zuverlässig auszufiltern.
Wenn es hier nicht hundertprozentig klappt, und Stinker gelangen in die Pfanne, haben die Leute die uns diese Diskussion aufgezwängt haben ihr Ziel erreicht. Der Verbrauch geht zurück.
Mfg
BB
@ Spekulatius_Maximus [#13]
Richtig an kleinen Jungs rumschnippeln ist wohl weniger verwerflich als Ferkel kastr.
@ Bauer Bernie [#14]
Dafür werden Damen ausgebildet die erkennen die Stinker am Schlachtband!
Die Leute werden immer unberechenbarer beim Thema Tierschutz!
Letzte Woche wurde ich beim Abladen im Schlachthof von einigen Damen gefilmt und wehe ein Schwein schreit ! Dann bist schnell in der Tageszeitung mit einem Leserbrief wie einige Kollegen zuletzt.
Der Hammer ist aber das diese Damen in sicherer Entfernung mit 2 Autos vom " Roten Kreuz " standen ! So werden bei uns die Spendengelder verblödelt!
MfG
Saubauer
Wie nachfolgendes Video zeigt, werden wohl mit der Ebermast neue Tierschutzprobleme kommen.
http://www.animal-health-online.de/gross/2012/12/18/gang-bang-mit-tierwohllabel-arttypisches-eberverhalten-wird-zum-tierschutzproblem/23418/
MfG
Benno