Schweine: Explosion der Futterkosten durch die Spekulanten ?
Explodieren die Futterkosten für Ferkelerzeuger und Schweinemäster dank der Spekulanten?
Kommentar von Kerstin Burbank, ISN-Marktreferentin
Schweine.net (24.08.10) - Im laufenden Jahr steigen die Futtergetreidepreise in derzeit noch nicht absehbare Höhen. Was steckt dahinter und gibt es auch im Herbst 2010 eine Trendwende wie im Jahr 2007?
Im Jahr 2007 lagen die Preise für Gerste zu Beginn der Ernte bei 14 bis 15 €/dt und stiegen dann bis Anfang August auf bis zu 20 €/dt an. Der Weizen war zu dem Zeitpunkt nur noch deutlich über 20 €/dt einzukaufen. Im September/Oktober kam dann die Trendwende und die Preise für Futtergetreide gingen eindeutig wieder zurück.
Derzeit stellen sich verschiedene Fragen:
Wie sehr sind Spekulanten die Preistreiber bei der derzeitigen Entwicklung?
In wie weit sind die Konsequenzen des Hochwassers in den östlichen Nachbarländern schon berücksichtigt?
Welche Auswirkungen haben die Brände in Russland?
Werden die europäischen Interventionsbestände von etwa 6 Mio. t Getreide geöffnet?
Je nachdem, in wie weit diese Faktoren bei den aktuellen Getreidepreisen schon berücksichtigt wurden, sind Markteinschätzungen zu Folge deutliche Potentiale beim Preis nach oben oder unten am Weizenmarkt möglich.
Gegen einen weiteren Anstieg der Futtergetreidepreise spricht, dass innerhalb der EU mit einer durchschnittlichen Ernte, bezogen auf den Durchschnitt der letzten fünf Jahre, gerechnet wird.
Noch eine Begründung spricht für rückläufige Getreidepreise. Die aufgrund der Niederschläge nur langsam verlaufende Ernte in Deutschland kann dazu führen, dass die Getreidequalitäten nicht mehr für Brotweizen ausreichend sind. Dies ist bereits in einigen Regionen zu beobachten. Damit würden größere Mengen an Futtergetreide zur Verfügung stehen. Durch die Regenschauer ist außerdem die inländische Ernte noch nicht abgeschlossen, so dass noch abzuwarten bleibt, wie die Ernteerträge am Ende ausfallen werden.
Zudem stiegen zwischenzeitlich aufgrund des Exportstopps von Russland die Notierungen für Weizen so deutlich an, dass die Börse in Chicago, die CBOT, am Limit up schloss. Das bedeutet, dass die Kurse vermutlich noch höher gestiegen wären, wenn der tägliche Anstieg nicht auf ein Höchstmaß begrenzt wäre. Derzeit gehen die Kurse für Weizen an der CBOT in Chicago wieder zurück. Bahnt sich dort die Trendwende an?
Und am nächsten Tag folgt eine Meldung, dass in Land XY die Getreideernte geringer ausfällt als berechnet und die Preise an den Börsen steigen wieder. Kommt jedoch eine gegenteilige Meldung geben die Preise auch gleich nach. Da liegt die Vermutung nahe, dass Spekulanten ihre Finger im Spiel haben. Unterdessen bleibt den Landwirten nur Nerven bewahren und warten bis die Börsenspekulanten ihre Spekulationen beendet haben. Danach werden sich der Börsenpreis und somit auch der Marktpreis für Getreide wieder beruhigen.
Denn dann wird die Getreidemenge am Weltmarkt, die aus den Lagerbeständen aus den Rekordernten der Vorjahre und der laufenden Ernte besteht, ihren Wa(h)renwert offenbaren und der wird mit großer Wahrscheinlichkeit unter dem aktuellen Preisniveau liegen.
Die gestiegenen Getreidepreise lassen auch die Futtermittelpreise steigen. So haben fast alle Futtermittelhersteller in den letzen Wochen die Mischfutterpreise spürbar angehoben.
Beispielsweise führt eine Erhöhung der Futterpreise um 5 €/dt, wenn alle anderen Faktoren gleich bleiben, dazu, dass die Kosten in der Schweinemast um 14 Cent pro kg/Schlachtgewicht steigen. Das ist pro Mastschwein eine Steigerung um 13,50 €.
Bei derselben Beispielrechnung für die Ferkelerzeuger ergibt sich bei einem Futterpreisanstieg von 5 €/dt ein Anstieg der Kosten von 4 bis 5 €/Ferkel in Abhängigkeit von der Anzahl abgesetzter Ferkel/Sau/Jahr. Bei 28 abgesetzten Ferkeln pro Sau und Jahr macht dies zum Beispiel einen Kostenanstieg von fast 116 €/Sau und Jahr aus.
Und anders als die Bäcker werden die Schweinehalter den Preisanstieg kaum über eine Anhebung bei ihren „Brötchen“ kompensieren können.
Sollten wir deshalb eine Begrenzung der Spekulationsmöglichkeiten fordern? An der Warenterminbörse für Schweine und Ferkel, der Eurex in Frankfurt, würden wir uns mehr Interesse von Finanzinvestoren wünschen, um auch hier (positive) Signale für den Kassamarkt zu erhalten.
Die Medaille mit den Spekulanten hat aber auch eine Kehrseite, wie die Schweinehalter derzeit schmerzvoll erfahren müssen.
(Quelle: http://www.schweine.net/explodieren_die_futterkosten_fuer_ferkelerzeuger_u.html)
Kassamarkt: Wochenschlachtungen steigen weiter
Am Schlachtschweine Markt trifft ein großes Angebot auf eine hohe Aufnahmebereitschaft der Schlachtbetriebe. Bisher können sich die Auszahlungspreise in unseren Nachbarländern behaupten.
Das hohe Aufkommen schlachtreifer Schweine wird verdeutlicht durch die Schlachtzahlen der vergangenen Woche. Insgesamt wurden im Nordwestraum 728.000 Schweine geschlachtet. Gegenüber der Vorwoche ist dies ein Anstieg von 12.000 und die Vergleichswoche des Vorjahres wurde um 57.000 überschritten.
Terminmarkt: Glattstellungen auslaufender August Kontrakte
Heute kam es an der Eurex ausschliesslich zu Umsätzen in den morgen letztmalig handelbaren August Kontrakten.
Ein Kontrakt August Schweine wurde mit einem Rückgang von 0,1 Cent bei 1,498 Euro gehandelt. Auf diesen Kursniveau düften am Donnerstag die noch etwa 122 offenen August Kontrakte abgerechnet werden. Der M 12 Index für Schweine gab um 0,09 Cent auf 1,3953 Euro nach.
Am Ferkelmarkt wurden 6 August Kontrakte zu 40,20 Euro gehandelt, 20 Cent mehr als am Vortag. Auch hier ist von einer Endabrechnung der noch etwa 8 offenen Kontrakte auf diesem Niveau auszugehen. Der M 12 Index für Ferkel schloss mit einem Anstieg von 2 Cent auf 40,20 Euro.
Morgen werden die Preise der Internet Schweinebörse bekannt gegeben. An den 1,54 Euro der letzten vier (!) Wochen dürfte sich wenig ändern. Wird die Notiz jedoch mit 1,52 Euro oder noch niedriger festgestellt, kann dies als deutliches Signal für einen fallenden V-Preis schon am Freitag dieser Woche angesehen werden, auch dann, wenn nur wenige hundert Schweine gehandelt werden.
Nachfolgend eine Analyse von Markus Gruber, gedacht als Ergänzung zum äußerst schlechten Artikel von Fr. Kerstin Burbank. Anstatt hier wissenlos auf die Spekulanten zu schimpfen wird hinterfragt, warum Verarbeiter (= Schweineproduzenten) eigentlich keine vernünftige Bedarfsdeckung haben.
Ist Sojaschrot billig ?
24. August 2010 von Markus Gruber | http://www.sojakomplex.de
... Es erscheint gerade so, als stehen die meisten Marktteilnehmer noch an der Seitenlinie und beobachten den Marktverlauf mit Skepsis und mit Kaufverweigerung.
Tatsächlich ist es aber so, dass die Verbraucher nicht bemerken, dass die Schrothersteller gerade eine herbstliche Grillfeier vorbereiten und als Grillgut soll es Mischfutterhersteller und Agrarhändler geben (selbstverständlicher auch Schweinemäster, Milchviehbauern und Eierproduzenten).
Wieder einmal zeichnet sich ab, dass die Käufer keine vernünftige Bedarfsdeckung vorgenommen haben sondern die wildesten Spekulantenpersönlichkeiten der Börsengeschichte mit der “alles-auf-eine-Karte-Strategie” noch toppen wollen.
Ähnlich wie Anthony Ward mit seinen Kakaobohnen hantieren jetzt die Ölmüller mit Sojaschrot. Die bewährte Verknappungsmethode hält die Kurse hoch und das aufgestaute Kaufpotenzial macht die Tür für steigende Kurse auf. Die Spekulanten flüchten sich in den Windschatten der bekannten Story “Angebot isoliert betrachtet hat keinen Einfluss” und der aufgewärmten Märchen von weiterhin stark steigender Nachfrage (modelliert auf die nächsten drei Jahre).
Die leeren Bücher der europäischen Verbraucher sind wieder einmal die beste Basis für eine Hausse. Leider muss man den Käufern eine gewisse Evolutionsresistenz attestieren (was ein weiterer Beweis ist, dass es Evolution nie gab) weil die Marktmechanik unbeeindruckt im Sinne der Verkäufer weiterhin funktioniert.
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MZI