Schweine: Fehlendes Potential für Preisanstiege
Probleme durch Grippehysterie und Überangebot - US-Schweinefleisch-Erzeuger fordern Hilfe von der Regierung
Agrarheute.com / aiz, Washington (19.08.09) - Die US-Schweinefleisch-Produzenten wollen mehr Druck auf die Regierung ausüben, damit diese die angeschlagene Branche unterstützt. Die Mittel könnten aus dem Topf zur Bekämpfung der Folgen der A/H1N1-Grippe kommen.
Wie das National Pork Producers Council (NPPC) mitteilte, will es noch zu Beginn der Woche einen öffentlichen Aufruf für sofortige finanzielle Hilfe an den Staat richten.
Branchenvertreter haben dem US-Landwirtschaftsministerium USDA laut Dow Jones News zuvor bereits mitgeteilt, dass die Regierung angesichts sinkender Preise und schwindender Profite Schweinefleisch im Wert von 50 Millionen US-Dollar am Binnenmarkt aufkaufen müsse, um das Angebot zu verknappen und die Preise zu festigen. Das USDA hatte diese Forderung zurückgewiesen – dafür sei kein Geld da.
Ein Branchenvertreter sagte jetzt jedoch, dass stark davon auszugehen sei, dass Mittel zur Unterstützung der Schweinefleischproduzenten vorhanden seien. Es handle sich um Geld, das der Kongress im Frühjahr zur Bekämpfung der Folgen der A/H1N1-Grippe für das Finanzjahr 2009 zur Verfügung gestellt hatte. Schweinefleisch-Produzenten seien daher der Ansicht, dass die Branche, die am stärksten von der A/H1N1-Grippe betroffen sei, auch etwas von diesen finanziellen Mitteln bekommen sollte. Auch wenn es sich um eine Humaninfluenza handle, habe allein die medial verwendete Bezeichnung "Schweinegrippe" dazu beigetragen, dass der entsprechende Fleischverzehr in den USA und die Exportnachfrage zurückgegangen seien.
2008 insgesamt 115 Millionen Tiere geschlachtet
"Seit September 2007 hat die US-Schweinefleisch-Industrie Verluste von rund 4,5 Milliarden US-Dollar hinnehmen müssen, und im Durchschnitt haben Erzeuger in den vergangenen 21 Monaten Einbußen von 21 US-Dollar pro Tier verbucht", sagt das NPPC.
Aufgrund der derzeit niedrigen Preise könnten die Produzenten keinen Gewinn machen, da die Erzeugungskosten kontinuierlich anstiegen, sagte NPPC-Sprecher Dave Warner vor Kurzem in einem Interview. Das wahre Problem sei aber, dass es "einfach zu viel Schweinefleisch gibt". In den USA wurden 2008 insgesamt 115 Millionen Tiere geschlachtet, was einem kontinuierlichen Anstieg in den vergangenen zwei Jahren entspreche.
Kassamarkt: Fehlendes Potential für Preisanstiege
Der Schlachtschweine Markt zeigt sich auch zur Wochenmitte ausgeglichen. Das etwas größere Angebot an schlachtreifen Schweinen trifft auf eine rege Nachfrage.
Das weiterhin gut laufende Exportgeschäft in das osteuropäische Ausland trägt nach wie vor zur Entlastung des inländischen Marktes bei. Dennoch scheint das Potential für einen Preisanstieg zu fehlen.
Die Zahl der Schweineschlachtungen ist in der vergangenen Kalenderwoche nochmals gestiegen. Nach den vorläufigen Zahlen wurden mit ca. 916.000 Schweinen etwa 23.000 Tiere mehr als in der Vorwoche geschlachtet. Gleichzeitig sind die Schlachtgewichte um durchschnittlich 100 Gramm auf 95,7 Kilo.
(Quelle: ISW, Damme)
Terminmarkt: Stabilisierung auf niedrigem Niveau
Am Terminmarkt der Eurex Frankfurt kam es zu einer Stabilisierung der Schweinefutures auf niedrigem Niveau. Die 9 gehandelten Kontrakte wurden zu Kursänderungen zwischen minus 0,4 und plus 1 Cent umgesetzt.
Der M 12 Index für Schweine gab zunächst auf ein neues Jahrestief bei 1,4157 Euro nach um sich bis Handelsschluss um 0,13 Cent auf 1,4173 Euro zu erholen.
Ferkel blieben erneut ungehandelt und wurden weiter auf Vortagsbasis taxiert. Index 46,57 Euro.
Aussicht: Preiserhöhung fällt aus
Es waren von Marktbeteiligten keine wesentlich neuen Erkenntnisse zu erfahren. Aus heutiger Sicht ist mit einem unveränderten V-Peis von 1,56 Euro zu rechnen.