Schweine: Gruppenhaltung für Sauen - Einfluss auf die Schweinepreise ?
Gruppenhaltung von Sauen wird nur schleppend umgesetzt - Deutschland will die Einführung der Gruppenhaltung von Sauen fristgerecht erfüllen.
Wochenblatt.com / AgE (06.02.12) - Ende 2011 waren 20 EU-Mitgliedstaaten noch nicht sicher, ob sie die geforderte Pflichteinführung der Gruppenhaltung von Sauen fristgerecht zum Jahreswechsel 2012/13 umsetzen können. Das ergibt sich aus der Antwort von Gesundheitskommissar John Dalli auf eine Anfrage von Europaparlament.
Danach teilten bislang lediglich Großbritannien, Schweden und Luxemburg der Kommission mit, dass sie bereits komplett umgestellt hätten. Deutschland, Dänemark, Irland und Litauen gaben an, sie würden die Auflagen fristgerecht vollständig erfüllen. 16 andere Mitgliedstaaten hingegen konnten diese Frage noch nicht klar bejahen. Frankreich, Finnland, Malta und Portugal wiederum hatten zum 31. Dezember 2011 noch keine Daten geliefert.
Dalli unterstrich, dass die Kommission die Situation über das gesamte verbleibende Jahr hinweg genau beobachten und mit den Mitgliedstaaten zusammenarbeiten werde, um eine fristgerechte Umsetzung zu erreichen. Indirekt bestätigte Dalli jedoch Folgendes: Vor dem formellen Inkrafttreten der Gruppenhaltungspflicht für Sauen zum 1. Januar 2013 hat die Kommission keine rechtliche Handhabe. Inspektionsbesuche und Vertragsverletzungsverfahren können erst nach diesem Datum eingeleitet werden.
März 2013 Schweine werden aktuell mit 1,61 Euro taxiert.
Meine Fragen:
Was wird die Folge der Gruppenhaltungspflicht auf die Sauenhaltung ab 31.12. dieses Jahres und damit auf die Preise für Mastschweine und Ferkel sein ?
Werden Sauenhalter aufgeben oder investieren = erweitern und modernisieren ?
Schöne Grüsse, Richard Ebert
März 2013 Ferkel werden an der Börse mit 48 Euro taxiert.
In der Praxis sieht es am Ende so aus:
Die Euro-Nehmerländer werden die Richtlinie nicht umsetzen oder mindestens mit mehreren Jahren Verspätung. Das Geld für die Strafzahlungen an Brüssel wird aus Deutschland und den übrigen Staaten kommen, die die Verordnung fristgerecht umsetzen (in D 110 % Erfüllungsgrad, ist doch klar).
Daher wird es kaum zu einem Einfluss auf den Schweinepreis kommen ,da die Erzeugungsmenge europaweit nicht wesentlich sinkt, jedenfalls nicht aufgrund der Gruppenhaltungsverordnung. Lediglich die Kosten in den gesetzestreuen Ländern werden sich erhöhen.
@ Futtermeister [#2]
Hallo Futtermeister,
bin dort anderer Meinung. Der praktische Umgang mit der Gruppenhaltung wird nicht für jeden Betriebsleiter mit gleichbleibenden Leistungen zu bewerkstelligen sein. Hier sind je nach welchem System schnell 2- 3 Ferkel in der Übergangsphase an Leistungseinbußen hinzunehmen. Ebenso werden sehr viele Betriebsleiter letztendlich auch aus Kostengründen nicht mehr für die Gruppenhaltung eine Investition tätigen. Diese Betriebe werden kurzfristig aus der Produktion ausscheiden. Der Anteil ist nicht zu unterschätzen.
M.f.G.
Bernd D.
Ich sage dazu nur folgendes:
Siehe Käfighaltungsverbot.
Damit ist alles gesagt.
In dem Sinne
MFG
Mühlenbach
@ Muehlenbach [#4]
naja ganz so schlimm wie bei der Käfighaltung wird es wohl nicht gleich kommen, denn schließlich ist dort das gesamte Haltungssystem verboten worden, bei den Sauen muss ja nur ein Teil des Systems umgerüstet werden, namentlich der Wartestall.
Außerdem haben die Betriebe, die in den letzten 10 Jahren in die Sauenhaltung investiert haben, mehrheitlich keine einfachen Kastenstände mehr eingebaut, oder täusche ich mich da?
Letztendlich ändert sich doch gar nicht so viel, nur dass die Sauen "theoretisch" eine Möglichkeit haben müssen, sich selbstständig aus oder in die Freßliegebuchten zu bewegen.
Die meisten Sauenhalter werden wohl kaum zu Abrufstationen und Großgruppen wechseln, oder wie ist dazu die Meinung der Ferkelerzeuger hier?
Wie dass in der Praxis aussehen wird, weiß doch jeder (siehe Schmerzmitteleinsatz beim kastrieren oder auch Schwänze kupieren bzw. kupierte Ferkel einstallen bei den Mästern)
Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird.
Gruß Pigeldy
@ Pigeldy [#5]
Das schlimmste sind die Betonroste die raus müssen. Aber da kann ich nur sagen, wenn dort falsche Maße sind, dann war man damals auch sehr großzügig mit dem Schlitzanteil.
Ansonsten kann ich sagen, das es kein komplett neues System ist wie Du es schon schreibtst.
In der Regel sind es ganz alte Ställe die nicht passen. Wer in den letzten 15 Jahren ständig gebaut hat, und die Vorschriften ungefähr eingehalten hat, wird es ziemlich leicht einhalten können für wenig Geld.
Gruß
Lukas
@ Bernd D:
Ich wollte mit meinem Beitrag auch lediglich andeuten, daß meiner Meinung nach:
- wir pünktlich umrüsten und damit UNSERE Kosten erhöhen.
- meinetwegen 40 % der Sauenhalter mit 10 % der Ferkel in D aufhören.
- der Rest von (Süd. u. Ost) europa sich um Gruppenhaltung nicht schert
- und darum es zu keiner nennswerten Mindererzeugung kommen wird
- und daher kaum ein Effekt (vielleicht über das Jahresende schon) zu spüren sein wird.
Meine Meinung! Fragt mal die Hühnerhalter!
@ Pigeldy [#5]
Wie dass in der Praxis aussehen wird, weiß doch jeder. Siehe Schmerzmitteleinsatz beim kastrieren oder auch Schwänze kupieren bzw. kupierte Ferkel einstallen bei den Mästern.
Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird.
Solche Beiträge führen zu noch mehr Kontrollen, man sollte das Netz nicht unterschätzen.
@ topigs [#8]
ich lehne mich jetzt mal ganz weit aus dem Fenster und sage, hoffentlich gibt es mehr Kontrollen!
Denn dann MÜSSEN die politisch verantwortlichen Stellen und ihre Kontrollbehörden erkennen, dass politischer Wille und praktische Umsetzbarkeit häufig zwei verschiedene Paar Schuhe sind.
Beispiel Schwänze kupieren:
NRW hat unter Remmel ja bereits im letzten Jahr diesen völligen Blödsinn verzapft, dass Mäster nur noch in Ausnahmefällen kupierte Ferkel einstallen dürfen. In der Praxis hat sich aber nichts geändert, weil das so ohne weiteres in den bestehenden Haltungssystemen auch gar nicht möglich ist. Der Tierarzt unterschreibt einen Wisch, dass ein Beratungsgespräch stattgefunden hat und andere Maßnahmen nicht zum Erfolg geführt haben (Reduzierung der Belegdichte, Rohfasergehalte im Futter, veränderbares Beschäftigungsmaterial usw.).
Geändert hat sich also nichts, nur der Minister hat mit einem weiteren Papiertiger seine Klientel ruhiggestellt und die Landwirte haben zwei Zettel im Jahr mehr abzuheften.
Nur traut sich von unseren Leuten niemand mal öffentlich zu sagen, dass durch Vorschriften und Verbote allein noch nichts erreicht ist, sondern dass es Zeit und Geld braucht, um in dieser Richtung zu forschen und praxisnahe Lösungen zu entwickeln. So werden Landwirte zu profitgierigen Tierquälern, weil sie sich nicht an ideologisch motivierte, ad hoc erlassene Vorschriften und Regelungen halten (können).
Darüber wäre auch mal öffentlich zu diskutieren!
Gruß Pigeldy
Gleiche Probleme mit der Umsetzung in Spanien - gleiche Subventionszahlungen durch den Staat ?
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Spaniens Schweinehalter fordern Unterstützung
Schweine.net (17.02.12) - Der spanische Landwirtschaftsverband COAG hat Agrarminister Miguel Arias Cañete gebeten, mit Blick auf die neuen Tierschutzauflagen den Schweinehaltern mit staatlichen Mitteln finanziell unter die Arme zu greifen, berichtet Agra-Europe. Andernfalls sähen sich die Produzenten außerstande, die Vorgaben für das Wohlergehen der Tiere umzusetzen. Zugleich appellierte COAG an den Ressortchef, sich in Brüssel für ein Moratorium von zwei Jahren stark zu machen.
Der spanische Agrarverband, der vorwiegend mittlere und kleine Landwirtschaftsbetriebe vertritt, beklagte gegenüber Arias Cañete, dass die Schweinebetriebe für die Anpassung an die Tierschutzrichtlinie nur noch Zeit bis zum 1. Januar 2013 hätten. Laut COAG müssen mehr als 75.000 Schweinebetriebe gleichfalls enorme Investitionen tätigen, um künftig die Tierschutzauflagen zu erfüllen. Die dafür notwendigen Kosten pro Tier dürften in den Schweinebetrieben zwischen 250 und 300 € liegen, prognostizierte der Agrarverband. Insgesamt werde die Umstellung die Schweinebetriebe mehr als 700 Mio. € kosten.
Damit würden jahrelange Anstrengungen der Produzenten über Bord geworfen, um den Konsumenten ein gesundes und sicheres Produkt zu angemessenen Preisen anzubieten. Der Verband befürchtet, dass die aktuellen Auflagen mit einer Flächenaufstockung von 30 % pro Tier zu einem Produktionsrückgang führen und gleichzeitig Tür und Tor für Importe aus Drittländern öffnen werden, die ihrerseits nicht die EU-Normen erfüllen. Man wolle deshalb Druck in Brüssel ausüben, damit die Europäische Union beim Import aus Drittländern auf identische Umwelt- und Tierschutz-Standards dränge, so Agra-Europe.
(Quelle: http://www.schweine.net/spaniens_schweinehalter_fordern_unterstuetzung.html )
Sauenställe, die in den letzten 10 Jahren hier gebaut bzw. genehmigt wurden, erfüllen eigentlich die Haltungs-VO. Nur wenn die tragenden Sauen jetzt aus den Kasten frei gelassen werden, um in der Gruppe zu leben, wird eher die Bestandsgröße reduziert werden müssen, um a)dem Gesetzt genüge zu tragen und damit es b)auch weiter funktioniert. Zudem ist davon auszugehen, das in der Gruppe mehr Umrauscher zu beklagen sind, so dass insgesamt die Stückzahl an produzierten Ferkel eher zurückgeht. Meiner Einschätzung nach wird die Reduzierung bei 5% liegen.
Das jetzt vermehrt Sauenhalter eher aussteigen als zu modernisieren glaub ich bei der gegenwärtigen Preisentwicklung eher weniger.