Schweine: Ist die deutsche Fleischproduktion gefährdet ?
Ringgemeinschaft Bayern sieht heimische Fleischerzeugung gefährdet
Agrarheute.com / pd, Berlin (07.12.07) - Auf einer Tagung der Ringgemeinschaft Bayern bestätigten Fachleute, dass eine kostendeckende Fleischproduktion in Deutschland nicht mehr gegeben sei.
Die Preisschere zwischen den Produktionskosten und den Erzeugerpreisen für Schlachtvieh habe sich definitiv zu weit geöffnet. Zwar müssten sich sowohl Rinder- als auch Schweinhalter im freien Markt zweifelsohne den Höhen und Tiefen stellen. Allerdings erlebten sie zurzeit eine dramatische Steigerung der Produktionskosten, die noch vor Jahresfrist in diesem Maße nicht prognostizierbar gewesen sei, heißt es in einer Pressemitteilung der Ringgemeinschaft.
Die Futtermittelpreise hätten ein Rekordniveau erreicht: Sojaschrot koste beispielsweise fast 40 Prozent mehr als vor einem Jahr, Futtergerste sogar um zirka 64 Prozent mehr. Die Ursachen dafür seien unter anderem in der weltweit steigenden Nachfrage aufgrund der dynamischen Wirtschaftsentwicklung im Nahen Osten, Russland sowie in China zu sehen, aber auch in den Missernten Australiens und Neuseelands aufgrund von Klimakatastrophen. Selbst in der EU seien 2007 zirka acht Millionen Tonnen weniger Getreide geerntet worden als 2006. Die gestiegenen Futtermittelpreise wirkten sich folglich extrem negativ auf das Betriebsergebnis der viehhaltenden Betriebe aus.
Mitverantwortlich für diesen Preisanstieg sei auch die staatliche Förderung nachwachsender Rohstoffe zur Energiegewinnung und die dadurch verursachte Flächenkonkurrenz, die wiederum einen Anstieg der Pachtpreise mit sich bringe, so die Ringgemeinschaft. Für die Bullenmast laute die traurige Tatsache zudem, dass Kälber knapp blieben. Von Fachleuten werde geschätzt, dass sich durch die EU-Agrarpolitik (bei gleichzeitiger Steigerung der Milchleistung/Kuh) die Anzahl der produzierten Kälber in Deutschland im Zeitraum von 2005 bis 2013 um insgesamt 2,0 bis 2,4 Millionen reduziere. Zwangsläufig ergebe sich ein höherer Kälber- bzw. Fresserpreis. Diesen erheblichen Kostensteigerungen stünden leider nur zu geringe Erlössteigerungen gegenüber.
Bei der Schlachtschweineerzeigung wie auch im Ferkelbereich sei sogar im vergangenen Jahreszeitraum ein Preisrückgang zu verzeichnen. Erstaunlicher Weise seien die Verbraucherpreise im Vergleich zum Vorjahr jedoch annähernd konstant geblieben. Die derzeitige Preis-Kostenrelation führe bei vielen viehhaltenden Betrieben zunehmend zu erheblichen Verlusten und Liquiditätsengpässen. Wenn die Verbraucher aber weiterhin Fleisch aus heimischer Produktion beziehen wollten, müssten sie bereit sein, tiefer in die Tasche zu greifen.
Experten erachten laut Ringgemeinschaft eine mindestens 10-prozentige Preissteigerung im Rinderbereich für unerlässlich. Nur durch höhere Erzeugerpreise könne die nationale Fleischerzeugung erhalten bleiben, die Qualität und Sicherheit sowie Sozial-, Umwelt- und Tierschutzstandards in der Nahrungsmittelproduktion gewährleistet. Solidarität gegenüber der heimischen Landwirtschaft sei von den Schlachtbetrieben und dem Lebensmitteleinzelhandel einzufordern. Ihre Margen dürften sie nicht weiter zu Lasten der Erzeuger erhöhen. Letztlich müssten sie sich auch ihre Rohstoffbasis sichern, so die Ringgemeinschaft abschließend.