Schweine: Jungsauen mit hohem Gesundheitsstatus kaufen - ein Risiko ?
Jungsauen mit hohem Gesundheitsstatus kaufen - ein Risiko?!
LWK Niedersachsen, Hannover (24.09.10) - kleiner Auszug - Zuchtunternehmen bieten Sauen an, die einen sehr hohen Gesundheitsstatus haben. Es stellt sich allerdings die Frage, ob man diese Tiere problemlos in eine bestehende Herde eingliedern kann.
Landwirt Peter F. in S. hat die Qual der Wahl. Nach seiner Bestandsaufstockung möchte er zusätzlich die Genetik wechseln. Verschiedene Zuchtunternehmen bieten ihm Sauen an, die neben dem hohen genetischen Leistungspotential auch noch einen sehr hohen Gesundheitsstatus haben.
Für Peter F. stellt sich nun die Frage: Kann ich solch hochgesunde Tiere in meine bestehende Herde eingliedern?
Grundsätzlich bieten fast alle Zuchtunternehmen zurzeit Sauen aus so genannten Hochgesundheitsherden an. In Dänemark gibt es sogar ein System das den Gesundheitsstatus der Herde beschreibt, das SPF System. Hierzu sollte man allerdings wissen, dass SPF spezifisch pathogenfrei heißt und dies bedeutet dass diese Tiere nur frei von bestimmten Krankheitserregern sind. Somit heißt SPF nicht hochgesund wie zum Teil in Verkaufsgesprächen behauptet wird, sondern man muss erfragen von welchen Erkrankungen die Tiere frei sind. Das gleiche gilt im Prinzip auch für andere Zuchtunternehmen.
Wichtig ist aber, dass der Status der eigenen Herde im Voraus bekannt ist. Sollte dieses nicht der Fall sein, so ist dieser Status zu ermitteln. In den meisten Fällen wird der Hoftierarzt hierzu Blutproben untersuchen. Der Probenumfang hierbei sollte entsprechend groß gewählt werden, um auch niedrige Prävalenzen zu erfassen. Zum Beispiel werden, um eine Prävalenz von 10% (d.h. jedes 10. Tier ist Träger des Erregers) zu erfassen, 30 Blutproben benötigt. Für die Ermittlung einer 20%igen Prävalenz werden noch 14 Blutproben benötigt (das entspricht den AK-Schlüssel). Wenn der Herdenstatus ermittelt ist, dann kann man sich Gedanken über den Gesundheitstatus der Zukaufsauen machen.
Typische Erkrankungen auf die eine Freiheit zugesichert wird sind: KSP (gesetzlich), AK (Gesetzlich), Rhinitis atrophicans (Schnüffelkrankheit), Dysenterie, Mykoplasmen, APP und PRRS. Für viele bakterielle Erkrankungen wie z.B. Streptokokken-Hirnhautentzündung oder Glässrsche Krankheit (Hämophilus parasuis), aber auch Viren wie z.B. das Circovirus (PCV2) gibt es solche Zusagen in der Regel nicht. Lassen wir einmal die gesetzlichen Erkrankungen Dysenterie und Rhinitis atrophicans außen vor, so drehen sich die meisten Verkaufsgespräche um die Zusicherung einer Freiheit von Mykoplasmen, APP und PRRS. Die meisten konventionell geführten Herden sind in der Regel, zumindest in der Blutprobe, positiv auf diese Erkrankungen und Impfen meistens die Ferkel gegen Mykoplasmen und häufig die Sauenherde gegen PRRS. Kommen jetzt hochgesunde Sauen in den Betrieb, so kennen sie diese Erkrankungen nicht und müssen sich erst einmal damit auseinandersetzen. So kann es dann sein, dass diese Jungsauen an eben diesen Erkrankungen erkranken und z.B. nicht rauschen, Ausfluss oder Husten bekommen und letztendlich nicht tragend werden. Um dieses zu verhindern ist eine, wie in vielen anderen Artikeln beschriebene, Eingliederungsphase von min. 6 Wochen einzuhalten. In dieser Zeit werden die Jungsauen dann auf den Betriebsstatus „aufgeimpft“. In wenigen Einzelfällen kann auch eine zusätzliche Antibiotische Behandlung der Jungsauen von Nöten sein.
(Quelle, ausführlicher Text, Grafik und Ansprechpartner: http://www.lwk-niedersachsen.de/index.cfm/portal/1/nav/227/article/15188.html)