Schweine: Konzentration der Schlachtbetriebe nimmt immer weiter zu
ISN-Schlachthofranking: TOP 4 schlachten bereits mehr als 60 Prozent aller deutschen Schweine
Schweine.net (März 2011) - Der Trend zur Konzentration in der deutschen Schlachtindustrie setzt sich unaufhaltsam fort. Bereits im siebten Jahr in Folge führt die ISN-Interessensgemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands e.V. die Erhebung zu den TOP 10 der deutschen Schlachtunternehmen durch.
Diese schlachteten in 2010 insgesamt 43,82 Mio. der 58,3 Mio. Schweine. Das entspricht einem Marktanteil von 75,1 Prozent. Allein in den letzten sieben Jahren konnten die TOP 10 ihren Marktanteil um 16,6 Prozent steigern. Erheblich ist mittlerweile der Marktanteil der vier größten deutschen Schlachtunternehmen gewachsen. Sie schlachten bereits 60,1 Prozent der Schweine. Zum Start der Erhebung 2004 waren es 48,4 Prozent.
Der Mittelstand sucht die Flucht nach vorn
Zwar weisen mittelständische Betriebe prozentual ähnliche Wachstumsraten wie die „Global Player“ auf, doch findet ein starker Verdrängungswettbewerb statt. Zum Beispiel konnte Vogler durch die Übernahme des Bremer Schlachthofes Vosding überdurchschnittlich stark wachsen. Viele Schlachtbetriebe planen offenbar weiterhin eine deutliche Ausweitung der Schlachthaken.
Spitze bleibt in nordrhein-westfälischer Hand
Seine Position als Spitzenreiter und Anführer des Rankings baute Tönnies mit Sitz in Rheda-Wiedenbrück aus. Das Unternehmen schlachtete im Jahr 2010 in Deutschland insgesamt 14,2 Mio. Schweine und steigerte damit die Schlachtzahl um 7,6 Prozent. Seinen Marktanteil erhöhte das Schlachtunternehmen auf 24,4 Prozent. Der Exportanteil liegt nach Unternehmensangaben bei über 50 Prozent. Neben Osteuropa, waren 2010 besonders die Märkte in Asien sowie im südlichen Afrika interessant.
Einen besorgten Blick wirft die Branche auf die aktuelle Beteiligung am achtplatzierten Unternehmen Tummel. Insbesondere beim Kampf um Marktanteile auf dem Schlachtsauenmarkt könnte sich die neue Beteiligung gravierend auswirken. Tönnies schlachtet bereits 70 Prozent der Sauen.
Vion und Westfleisch unter den TOP 3
Mit einer Steigerung der Schlachtzahl von 7 Prozent hat auch VION, Düsseldorf deutliches Wachstum gezeigt und damit wieder die „Silbermedaille“ erreicht. Die 10,7 Mio. geschlachteten Schweine entsprechen einem Marktanteil von 18,4 Prozent. Ein Unternehmenssprecher verweist auf die positive Marktlage, die diese Steigerung bedingte.
Auf Platz 3 hält sich das genossenschaftliche Schlachtunternehmen Westfleisch mit einer Steigerung der Schlachtzahl um 5,8 Prozent auf 6,58 Mio. Schweinen. Der Marktanteil weitete sich auf 11,3 Prozent aus.
Danish Crown sieht strategisches Wachstumspotential in Deutschland
D&S Fleisch, Essen/Oldenburg legte mit einem Plus von 3,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr ein moderates Wachstum an den Tag. Insgesamt 3,58 Mio. Schweine gingen nach Unternehmensangaben in 2010 an den Haken und der 4. Rang im Gefüge der TOP 10 bleibt damit erhalten. Die Entwicklung für 2011 wird mit Spannung erwartet. Am 16. Januar 2011 übernahm Danish Crown offiziell das Unternehmen D&S und wird sich damit am deutschen Markt positionieren. Denn das strategische Wachstumspotential liegt nicht in Dänemark.
Obwohl nach Unternehmensangaben eine kurzfristige Ausweitung nicht geplant ist, dürfte langfristig eine spürbare Ausweitung der Schlachtzahlen zu erwarten sein. Zahlen von 63.000 bis 80.000 Wochenschlachtungen sind nach ISN-Informationen bereits genannt. Aktuell scheint DC Fleisch die vorhandenen Schlachthaken an den Standorten weitestgehend auszuschöpfen.
Beachtliche Steigerung der Schlachtzahlen bei Vogler
Auf den folgenden Plätzen 5 bis 10 stechen insbesondere das Unternehmen Vogler und die Müller Gruppe ins Auge. Vogler übernahm Ende 2009 vom Düringer Fleischkontor den ehemaligen Vosding Schlachthof in Bremen. Dadurch ist die beachtliche Steigerung der Schlachtzahlen um 14,7 Prozent auf 1,95 Mio. Schlachtschweine zu begründen. Im laufenden Kalenderjahr hat Vogler keine weiteren Übernahmen geplant. Die Konsolidierung steht im Vordergrund. Düringer verlor durch den Wegfall des Bremer Standortes deutlich und befindet sich aktuell auf Rang 11 und somit nicht mehr unter den so genannten TOP 10.
Müller Gruppe rückt in TOP 10 vor
Das stärkste prozentuale Wachstum des Jahres verbuchte die Müller Gruppe, Birkenfeld, mit 18,1 Prozent. Mit 1,28 Mio. geschlachteten Schweinen erreichte das Unternehmen wieder Platz 10 der TOP 10. Der Ausbau des Ulmer Standortes hat wesentlich zu der Steigerung beigetragen.
Mittelständische Unternehmen bleiben am Ball
Der BMR Schlachthof auf Rang 7 mit einem Plus von 6,8 Prozent sowie Böseler Goldschmaus (Rang 6) und Gausepohl (Rang 9) mit jeweils 6,8 Prozent legten in 2010 spürbar zu. Die Steigerung der Schlachtzahlen bei Tummel in Schöppingen hingegen fiel mit 2,7 Prozent eher unterdurchschnittlich aus.
Zweischneidiges Schwert für deutsche Erzeuger
Die Schweinehalter sind angesichts der weiteren Konzentration zwiegespalten: Einerseits wirkt sich eine geplante Steigerung der wöchentlichen Schlachtkapazitäten um etwa 170.000 Schweine positiv auf die Nachfrage aus. Andererseits führt die zunehmende Konzentration der Schlachtindustrie aber auch dazu, dass der Einfluss der Erzeuger auf den Preis sukzessive abnimmt.
Zudem ist klar, dass dieses Wachstum nur durch steigende Anteile im Exportgeschäft zu erreichen ist, bei gleichzeitig schwieriger werdenden Rahmenbedingungen für die landwirtschaftliche Produktion. Zukünftig wird der deutsche Markt durch eine gesellschaftliche Diskussion um Tierschutz und Fleischkonsum dominiert.
Ein Hoffnungsschimmer bleibt: Da die mittelständischen Schlachtunternehmen in den vergangenen Jahren kräftig zulegten, ist Deutschland von dänischen und niederländischen Verhältnissen noch weit entfernt.
(Quelle: "ISN - Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands e.V")