Schweine: Mäster sägen am eigenen Ast

Geschrieben von Muehlenbach am
Landjus
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Mühlenbach

Danke für den Link.

Nach dem Studium dieses Interviews sollte auch dem letzten Deppen klar geworden sein, daß den Landwirten auch zukünftig von den anderen Beteiligten selbst der Dreck unter den Nägeln nicht kampflos überlassen werden wird.
Also, schön weiter Ställe bauen und weiter aufschulden, dann wird es - wir denken ja langfristig - bestimmt besser.

paul
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Muehlenbach [#1]

Auch von mir ein Dankeschön für den Link.

Da steht mehr drin als Bronto oder Topschwein uns vermitteln können. Eiskalt berechnend, exakt die Produktionskosten kennend, und sicherlich auch die Leidensfähigkeit der Produzenten im Kalkül, so wird der Schweinemäster, der Kaffebauer, der Milcherzeuger, der Chipshersteller bis zum Nudelproduzenten eiskalt gezockt. Und "jeder" Mäster der durch zusätzliche Produktion meint mehr zu verdienen hilft diesen Strategen.

Und wer damit prahlt wie billig er erzeugen kann liefert die Argumente für noch mehr Preisdruck. Zeigt den Artikel allen Jungbauern, damit sie die irrsinnigen Investitionen in Billigprodukte realistischer beurteilen als ihre Bauerneltern.

Zusatz: Investitionszuschüsse vom Staat dienten schon immer dem Verbraucher, hier schließt sich der Kreis.

Gruß Paul

papuawenzel
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ paul [#3]

So haben es auch die Autohersteller mit den Zulieferern gemacht, bis diese nach und nach Pleite/Insolvent waren. Dann kam die Wirtschaftskrise und auch sie selber waren dran, in den Abgrund zu schauen. Dann kam die Politik, den Rest kennen wir.

paul
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ papuawenzel [#4]

Der kleine Unterschied, mach Dir da keine falschen Hoffnungen:
Der Autohersteller brauch die Zulieferer für das komplette Auto,
der LEH tauscht Nahrungsmittel beliebig aus. Die Verbraucher müssen nur vielfältig billig satt werden, alles ist austauschbar, es gibt für alles Ersatz , zu teuer wird ausgelistet.
Und da der LEH besser als wir weis wieviel Ferkel geboren, wieviel Sauen neu belegt sind, können die exakt ihre Strategie durchziehen, egal ob das Futter teurer ist, die Angebote der Lieferanten sind durch die Ferkelzahlen vorberechnet.

Gruß Paul

Pigeldy
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

Mal ehrlich, habt Ihr was anderes erwartet?
Ich habe schon mehrfach gesagt, dass sowohl Schlachter und besonders der LEH ihren Informationsvorsprung vor uns in bare Münze umsetzen, während wir in erster Linie von der Hoffnung auf bessere Zeiten getrieben werden. Die Landwirtschaft und ihre Vertreter haben in nahezu allen Bereichen zu unprofessionelle Strukturen.

Wenn wir unsere Produktion auf 90% runterfahren würden und damit für bessere Preise sorgen könnten,wie das z.B. die Autobranche macht, würden wir hier nicht diskutieren. Da wir aber immer etwas über dem Bedarf produzieren, damit die Leute billig satt werden, wird sich daran auch nichts ändern. Das setzt -zuende gedacht- nämlich entweder Strukturen in der Landwirtschaft voraus, die dem LEH bzw. den Schlachtern auf Augenhöhe begegnen (also "Landwirtschaftskonzerne") oder die Bündelung von Interessen auf der Erzeugerseite. Um zehn Bauern unter einen Hut zu kriegen, musst du aber neun totschlagen. Wir sind doch selbst schuld, weil zu viele nur ihre eigenen Interessen verfolgen. (Man sehe sich die "Kinderkacke" bei der ISN nur mal an => lächerlicher Laden)

Solange immer nur einer investiert und durch geringere Produktionskosten sogeannte Pioniergewinne erzielt, fallen für ALLE die Erzeugerpreise. Dadurch müssen die mit den höchsten Kosten über kurz oder lang aus der Produktion ausscheiden.

Das heißt, wer nicht mitzieht, ist früher oder später erledigt. Den Leuten zu empfehlen, nicht mehr zu investieren, ist somit auch falsch, wenn der Betrieb auch in Zukunft weiter gehen soll.

Meiner Meinung nach ist eher die Geschwindigkeit und die Größe der Investitionen das Problem.

Riesige Mastställe -gewerblich- auf der grünen Wiese,voll fremdfinanziert (Kapital ist ja billig und in fast beliebiger Höhe zu haben) heizen den Strukturwandel doch an und sorgen für schlechte Erzeugerpreise.

Ein oder zwei Nummern kleiner tuts im Notfall auch, das Gelaber von Kostendegrssion und -führerschaft hin oder her, aber nein, es muss ja gleich der 3000er Stall oder 200 Kühe oder 4-8 Hähnchenställe sein.
Wir machen uns unseren Strukturwandel doch selber und ruinieren mit unserem Verhalten die Preise. Und die, die das machen, jammern erstaunlicherweise meistens am lautesten und schieben anderen die Verantwortung zu, weil sie selbst jegliches Augenmaß verloren haben, das schon unsere Vorfahren für dringend nötig erachtet haben. Ich kenne etliche solcher Leute.

Gruß
Pigeldy

Brontosaurus
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Pigeldy [#6]

Soviel Selbstkritik verdient Hochachtung! Ich würde sagen: Den Nagel auf den Kopf getroffen. Hier gibt es leider zuviele, die den Fehler nur bei den "bösen" Schlachtern suchen! Wir stehen ebenfalls unter Druck und
versuchen diesen nur weiter zu geben! Solange zuviel produziert wird, kann es keine höheren Rohstoffpreise geben, zumindest nicht langfristig!
Gruß Bronto

BIGPIG
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

Hallo,

man kann es auch anders beschreiben: Wir sägen am eigenen Ast!!! - und merken es nicht.

mfg

Bigpig

papuawenzel
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Brontosaurus [#7]

Hallo Bronto. Warum frage ich mich dann, will die Schlachtbranche unbedingt die Kapazitäten hier in D erweitern? Du selbst schreibst im o.a. Artikel, daß schon zuviel produziert wird. Sind denn die "Roten" noch dämlicher als wir es schon sein sollen? Das mag ich nicht glauben.
Ihr seid besser informiert als wir, was da in den nächsten Monaten, Jahren im Export laufen könnte/wird.

Schönen sonnigen Tag wünsche ich

Muehlenbach
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

Man man man....
Zu den Autos: Wir produzieren viel mehr Autos als wir Deutschen jedes Jahr brauchen; dennoch zahlt man für einen Mittelklassewagen bald an die 40000 Euro...
Also gibt es durchaus auch Bereiche; indenen viel Ware teuer gehandelt wird.
Was glaubt ihr denn; wieviel Mrd. jedes Jahr der Auto/Maschinenbauindustrie an Subventionen gezahlt wird?
Nicht direkt wie bei der Abwrakprämie ( dort wurde es nur für kurze Zeit offentsichtlich); sondern wie beim Kurzarbeitergeld; Investitionszuschüsse; Verlustabschreibungen; Arbeitnehmerzulagen; Zeitarbeit usw.usv.
DIE haben einfach das Vit.B.
Mehr nicht.
Läuft es nicht wie gewünscht; dann "droht" man mit dem Ausland.
Stellt euch mal vor; Landwirt Meyer; Müller und Schulze würden das machen.
Alle würden sagen " warum noch nicht weg; ist besser so..."

Warum investieren die grossen Betriebe in weitere Schlachthaken: Weil der LEH; besonders Metro; Aldi und die Kauflandgruppe weiter wachsen will; in Westeuropa; im Osten.
Und dazu brauchen die verlässliche Partner; die man auch hier und dort ausnehmen kann; auf denen aber Verlass ist auf Biegen und Brechen.
Und das sind nun mal die Deuschen Betriebe; zumal man hier Standortvorteile hat wie in der Autoindustrie.
Aber am langen Arm verhungern lässt man die nicht; ganz bestimmt nicht.

Solange wir Landwirte aber ( leider entschuldigung für den Ausdruck) "Waschlappen" an hohen Positionen haben; die vielfach in der Nachgelagerten Stufe "intigriert" sind; und sich dafür nicht einsezten; dass wir selber die Rechnung schreiben mit einem vorher definierten Preis; solange wird sich an dieser Situation nichts ändern.
Im Gegenteil; wer handelt hat einen Vorsprung.
In Zukunft wird ein guter Betrieb nur dann Geld verdienen; wenn der Produktionsprozess ständig im Auge behalten wird in Relation zum Markt; sprich wenn Schweine gewünscht werden muss man auch mal welche "leichter"; oder ausserhalb des Ertragsoptimums verkaufen; und jede Lücke nutzen.
Denn im Verkauf wird heute kein Geld verdient; entscheidend ist wie teuer sind die Einstandskosten ( Futter/ Ferkel) und wie teuer sind die letzten 5 kg Fleisch.

In dem Sinne
MFG
Mühlenbach

Glücksritter
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ BigPig
Wenn Du es doch nun gemerkt hast, wie reagierst du in deinem praktischen Leben, außerhalb dieser "Wünsch dir Was" und "Der andere ist schuld" Schiene? Läßt du einen Pachtstall leer oder gibst gar ein Bauvorhaben auf? Oder soll das lieber der schwächere Berufskollege übernehmen, um weiterhin von der Hoffnung zu leben?
Ich befolge zunehmsnds Mühlenbachs Weg. Weniger ist oftmals mehr und was schert mich das Gerede um Marktanteile.

MfG

Saubauer
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Pigeldy [#6]

Aber leider macht uns der Norden und die Holländer im Osten der BRD doch jeden Tag aufs neue das Größe das ein und alles ist!
Ansonsten bin ich voll deiner Meinung.

Ganz Unrecht hat der Bronto nicht mit großem Angebot ich habe selbst diese Woche Faxangebote von E Schweinen mit Kopf Klasse E für 1,85 -1,97 je nach Lieferant gesehen!!

Mfg
Saubauer

Richard Ebert
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Pigeldy [#6]

Ein oder zwei Nummern kleiner tuts im Notfall auch, das Gelaber von Kostendegrssion und -führerschaft hin oder her, aber nein, es muss ja gleich der 3000er Stall oder 200 Kühe oder 4-8 Hähnchenställe sein.

Wir machen uns unseren Strukturwandel doch selber und ruinieren mit unserem Verhalten die Preise. Und die, die das machen, jammern erstaunlicherweise meistens am lautesten und schieben anderen die Verantwortung zu, weil sie selbst jegliches Augenmaß verloren haben, das schon unsere Vorfahren für dringend nötig erachtet haben. Ich kenne etliche solcher Leute.

Toller Beitrag - nur sollten diese Erkenntnisse von allen (!) Mästern umgesetzt werden.

Schöne Grüsse, Richard Ebert

Landjus
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

Da gibt es noch jemanden, der sich über den werten Herrn Caparros zu ärgern scheint :

http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,748761,00.html

Muehlenbach
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

Sehen wir das ganze mal von der anderen Seite:
Die Kartellbehörden prüfen derzeit (wiedermal); ob es monopolistische Anzeichen auf dem Lebensmittelsektor gibt.
Und spinnen wir die Geschichte mal weiter; das es zu Strafen usw. kommt vor allen Dingen wegen Verkaufes unter dem Einstandspreis.
Dann steigen die Lebensmittel um sagen wir 10%.
Und nun denken wir mal alle daran; welch ein Theather es um 5 Euro Monatserhöhung für Hartz 4 -Bezieher gab.
Und genau deswegen wird es keine signifikanten Preiserhöhungen auf Dauer geben können; weil dem LEH dann irgendwann der Titel "Ernährer des Deutschen Volkes" verliehen wird.
Soweit sind wir doch schon.

Die Medien haben heute eine höllische Macht; aufgeteilt zwischen Bild und Spiegel.
Siehe Guttenberg.
Oder ganz aktuell die vorläufige Einstellung von E10 nach der "Hetzkampange" von Auto-Bild....
Einer Erhöhung auf breiter Ebene werden wir uns nicht erlauben können; wohl für einige Produkte und von kurzer Dauer.
Denn wir Landwirte sind immer die schlimmen; dann wird nach den Subventionen geschrien; nach Massentierhalter und gierige Bauern.
Der letzte "Skandal" hat doch auch dem dümmsten deutlich gemacht; dass immer wir schuld sind...

In dem Sinne
MFG
Mühlenbach

papuawenzel
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Muehlenbach [#15]

Der letzte "Skandal" hat doch auch dem dümmsten deutlich gemacht; dass immer wir schuld sind...
Und auch Du machst immer noch weiter...

Guten Morgen

Muehlenbach
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

Mein Zitat war nicht auf die Landwirte gemeint; dass wir weitermachen; sondern dahingehend dass sich der Vor und Nachgelagerte Bereich aus all den Dingen; die zur Zeit auf uns einprasseln schön raushält; denn egal was passiert; die "Industieelle Massentierhaltung" ist per se immer schuld.
Ob nun gepanschte Futtermittel vertrieben werden; oder aber Osteuropäische Arbeitnehmer ausgenommen werden ( hierzu auch mal für alle Süd-Oldenburger das Medienecho wegen der Festnahme von Mitgliedern von Motorradgangs; die in Mafia-ähnlicher Struktur Leiharbeiter an Schlachtfirmen vermietet; und dann nicht entlohnt...); die Massentierhalter sind schuld; denn wir brauchen die Mengen an Futter; und die Abnehmer müssen dann sehen; wo die mit den Mengen bleiben...

Es gibt kein Zusammenhalt in der Produktionskette.
Das
In dem Sinne
MFG
Mühlenbach

JBH
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

Ich sehe das ebenso. Das Wachsen um jeden Preis muss aufhören. Ich stalle momentan 1-2 Schweine weniger pro Bucht ein (8-10 %) und hoffe, dass ich das Geld über bessere Mastleitungen (Futterverw. usw) zumindest zum Teil wiederbekomme.

Wenn das alle machen, wäre das schon mal ein Ansatz. Natürlich werden dann die Ferkelpreise fallen, aber es werden zu viele Ferkel produziert, welches sich dann von alleine regelt.

Wenn das Getreide so teuer bleibt, und ich gehe davon aus das es noch teurer wird (meine Meinung), wird die Nachfrage nach Schweinefleisch eher stagnieren als steigen. Also wenn wir was verdienen wollen, stallt weniger Schweine ein ...

jbh

papuawenzel
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ JBH [#18]

Ist sicher ein guter und praktikabler Ansatz für jeden Mäster. Auch die Ferkelerzeuger könnten/würden sich darauf einstellen. So hätten von Produzentenseite alle ein wenig beigetragen. Im Hähnchenbereich wird doch oft auch so gehandelt - oft erfolgreich.
Die Futterpreise werden nicht großartig fallen, da stimme ich überein.
Wir werden über das Jahr gesehen hohe Preise bei Futtermittel behalten.
Der Verbrauch kann nur durch Exporte von Fleisch gesteigert werden, da besteht auch noch eine gewisse Hoffnung in den nächsten Wochen. Futter ist auch in vielen anderen Erzeugerländern teuer und die Mastergebnisse lang nicht überall so wie bei uns oder vergleibaren Ländern.

mfg

Ackerspezi
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

Dann müsste ab sofort das Bauen neuer Ställe verboten werden, passiert nicht und immer neue Prachtbauten entstehen- die Wachstumsbedingungen sind darin oft auch noch erheblich besser! Das Bessere ist der Feind des Guten. Dieser Satz gehört wohl zu einer Marktwirtschaft dazu.(?)

Spekulatius_Maximus
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Ackerspezi [#20]

im Emsland geht zur Zeit gar nichts! Da haben wir quasi ein Verbot bzw. unklare und überzogene Auflagen.

Paule
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

Rothkötter sucht für einen Sauenbetrieb einen Farmleiter !

Da geht die Reise hin liebes Emsland.

Gruß Paule

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