Schweine: Niedriger Aufwand, ansehnlicher Ertrag
Schweinemast: Niedriger Aufwand, ansehnlicher Ertrag - Management muss stimmen
Von Tillmann Zeller
Fränkische Nachrichten (01.12.07) - Agraringenieur Hartmut Kümmerle (Domäne Falkenstein) beweist, wie mit einem anspruchsvollen Vermarktungs- und Produktionsmanagement auch bei stürmischer, wirtschaftlicher See ein erfolgreicher Kurs gesteuert werden kann. Dank der Strukturierung und Planung des Geschehens in der Ferkelerzeugung und Schweinemast gelingt ihm das Kunststück, mit niedrigem Arbeitszeitaufwand von weniger als zehn Arbeitsstunden pro Sau und Jahr über 23 Mastschweine zu erzeugen.
"Der Kopf muss frei sein von Routinearbeiten" ist sein Credo. Über drei Jahre organisiert er seine Sauenherde mit 120 Muttertieren schon im Fünfwochenrhythmus. Wie geht das mit unter zehn Stunden pro Muttersau und Jahr? Seine Antwort ist der Einsatz moderner Technik und das ausgefeilte Management nach dem hygienischen Rein-Raus-System: Für jeden Tag des 35 Tage umfassenden Rhythmusabschnittes gibt es einen Arbeitsplan. Hier sind alle Arbeiten vermerkt, die abgearbeitet werden müssen.
Auch Wartungsarbeiten an Hofgeräten haben ihren festen Kontrolltermin. Jeder Tag hat seine exakte Arbeitsbeschreibung und Vorplanung. Die Arbeit ist strukturiert und hochproduktiv. Auch Azubis oder Praktikanten des Ausbildungsbetriebes brauchen keine besonderen Absprachen, Missverständnisse sind kaum zu erwarten. Normalerweise zeigen Arbeitszeiterhebungen, dass mit zunehmender Bestandsgröße der Arbeitszeitbedarf pro Tier sinkt und die Arbeitsproduktivität zunimmt. Große Einheiten findet man in Holland, Dänemark und den neuen Bundesländern.
Hartmut Kümmerle beweist, dass auch mit mittleren Sauenherden die Arbeit optimal organisiert werden kann. Sie muss auf dem Ausbildungsbetrieb gut strukturiert sein, denn neben der Sauenherde mit 120 Tieren, 800 Mastschweinen wird auf 160 Hektar Fläche Saatgut vermehrt und Feldversuche betreut. Ein romantischer gewölbter Kellersaal wird 26 mal im Jahr für Feiern vermietet und vom Altenteilerpaar betreut.
In der Schweinehaltung ist moderne Fütterungstechnik vorhanden. Hartmut Kümmerle schätzt die Vorteile der Flüssigfütterung. Von der computergesteuerten Futterzentrale aus kann er gruppenindividuelle und den Leistungsstadien angepasste Rationen den Tieren anbieten. Bis zu neun Kilogramm Futter nehmen die säugenden Sauen auf. Für die Tiere werden fünf verschiedene Nassrationen angemischt (niedertragend, hochtragend, Geburtsfutter, Säugefutter eins und zwei).
Auch den Ferkeln fällt der Übergang von der Muttermilch auf die Flüssigfütterung leicht. Die Schweine bringen bei der termingesteuerten Flüssigfütterung den Betreuer nicht mit dem Futter in Verbindung. Deshalb sind sie vollkommen ruhig, wenn eine Person den Stall betritt.
Hauptgrund der hohen Arbeitsproduktivität ist der Produktionsrhythmus, in dem die Zucht- und Mastschweine geführt werden. Hartmut Kümmerle schwört auf den Fünfwochenrhythmus, weil dieser Freiräume schafft. Die Arbeitsspitzen sind die jährlichen zehn Abferkeltermine. Der zunächst praktizierte Vierwochenrhythmus hatte Nachteile bei der Ferkelaufzucht und erschwerte die Möglichkeit der Urlaubsplanung. Jetzt kann die Familie in einem Arbeitstal zweimal jährlich einige Tage ausspannen.
Der Fünfwochenrhythmus bietet wenige Arbeitsspitzen, klare und strukturierte Arbeitsabläufe und eine Minimierung des Arbeitszeitbedarfs. Das Raumprogramm ist auf vier Sauengruppen ausgelegt. Je eine Gruppe ist im Abferkelstall und Deckzentrum und zwei im Wartebereich. Immer nach fünf Wochen kommen 26 Sauen zum Abferkeln. Die Ferkel bleiben vier Wochen bei der Sau und vier Wochen im Ferkelaufzuchtstall. Mit etwa 18 Kilogramm Gewicht beginnen sie die Mastperiode. Sie sind jetzt Falkensteiner Freilaufschweine, die im schottischen Schrägbodenstall unter Außenklimabedingungen und mit planbefestigtem Auslauf gehalten werden.
Beim Stallsystem für die Mastschweine wurden die Wünsche und Vorstellungen von Verbrauchern umgesetzt. Die Schweine haben Stroh als Beschäftigungsmaterial und können wählen, ob sie sich im Freien oder im Stall aufhalten. Höchstmögliche Gesundheit und Hygiene gewährleistet das Rein-Raus-System der Ställe. Nach jedem Umstallen wird gereinigt und kommen die Tiere in ein sauberes Abteil. In den eineinhalb Wochen mit Arbeitsverdichtung werden die abferkelnden Sauen und die neugeborenen Ferkel intensiv betreut. Danach überwiegen Routineaufgaben.
Die vier Töchter des Ehepaars freuen sich auf die Abferkelperiode, in der sie die Qualitäten von Säuglingsschwestern zeigen. Alle Ferkel werden trocken gerieben und die Milchaufnahme kontrolliert. Mit einem Babyschoppen bekommen schwache Ferkel warme H-Milch oder mit der Magensonde. Ferkel, die unterzuckert sind, werden mit Glukose versorgt. Bei den Wöchnerinnen wird die Körpertemperatur gemessen, ab 39,5 Grad erfolgt eine Behandlung, das Gesäuge wird abgetastet, die Futteraufnahme kontrolliert. 36 Stunden nach dem Geburtstermin wird die Rückbildung der Gebärmutter gefördert. Jetzt wird auch noch um 22 und um 6 Uhr im Kreissaal der Sauen nachgeschaut, ob alles in Ordnung ist.
Die Ferkel werden im Übrigen mit einer Getreidemischung angefüttert. Diese soll in erster Linie die Enzyme der Kohlehydratverdauung fördern. Ferkel sind neugierig und lernwillig.
Von Buchtenkollegen, die am Ferkelsprinter waren, übernehmen sie rasch deren Fressverhalten. Über 800 Gramm nehmen sie täglich als Mastschweine zu.
(Quelle: http://www.fnweb.de/ratgeber/landwirtschaft/20071201_srv0000001814795.html)
Vielleicht sollte der gute Herr Kümmerle mal notieren wieviel Zeit seine vier Töchter im Stall verbringen, dann möchte ich fast vermuten, dass die 10 Stunden pro Sau und Jahr nicht zu halten sind.
Gibt es auch Zahlen von Herrn Kümmerle ?
Geborene Ferkel, abgesetzte Ferkel etc. ?
mfg