Richard Ebert
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

Schweine: Preiseinbruch verstärkt sich / Angebot nicht mehr so üppig

Schweineangebot 2009 nicht mehr so üppig

ZMP (03.02.09) - Nach den vorläufigen Ergebnissen der Viehzählung befanden sich im November 2008 rund 26,4 Millionen Schweine in den deutschen Ställen, 2,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Überdurchschnittlich stark fiel der Schwund des Sauenbestandes aus. Erstmals seit Jahren könnte die Schweineerzeugung in Deutschland deshalb kleiner als im Vorjahr ausfallen.

Auf Basis der Viehzählungsergebnisse hat das von Thünen Institut mit Unterstützung der ZMP eine Prognose für 2009 erarbeitet. Danach wird mit einem Rückgang der deutschen Eigenerzeugung auf 44,6 Millionen Schweine gerechnet. Das wäre ein Rückgang um 678.000 Schweine oder 1,5 Prozent. Vor allem in der zweiten Jahreshälfte 2009 dürften weniger Schweine als im Vorjahr erzeugt werden.

Das tatsächliche Angebot an Schlachtschweinen wird jedoch deutlich höher sein, da in der obigen Rechnung der komplette Außenhandel mit lebenden Schweinen fehlt. Für 2009 wird davon ausgegangen, dass sich die Ferkeleinfuhr nochmals erhöht, die Wachstumsrate aber deutlich kleiner ausfallen wird. Allenfalls die Einfuhr von Schlachtschweinen könnte etwas unter dem Vorjahresniveau bleiben.

Unter Berücksichtigung des Außenhandels ergibt sich ein voraussichtliches Schlachtaufkommen von 54,3 Millionen Tieren, das wäre rund eine halbe Million Schweine weniger als 2008. Die Schweinefleischerzeugung würde damit bei 5,06 Millionen Tonnen liegen.

Hoffen und Bangen im Export

Die flotte Nachfrage aus dem Ausland hat den Schweinefleischabsatz im Jahr 2008 beflügelt. Die Vorzeichen für das Jahr 2009 sind ungleich schwieriger. Die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise wird die Kaufkraft mindern und auch den Fleischkonsum dämpfen. Der Export wird durch die Aufwertung des Euro gegenüber den osteuropäischen Währungen und dem russischen Rubel erschwert. Die Wachstumsraten der vergangenen Jahre werden sich 2009 nicht wiederholen.

Letztlich wird man auf Seite der Vermarkter froh sein, das Ausfuhrvolumen halbwegs halten zu können. Dies ist nicht unmöglich, da das Fleischdefizit in Osteuropa und damit die Ausfuhrmöglichkeiten bestehen bleiben. Schwieriger könnte das Russlandgeschäft werden, weil der Energiepreisverfall weniger Geld ins Land spült um Fleisch zu kaufen. Asien, der große Hoffnungsträger, wird weiterhin Schweinefleisch benötigen, die Frage ist nur, ob Deutschland liefern darf.

Wundertüte Preis

Die voraussichtlich schwächere Exportnachfrage, Wechselkurseffekte und die allgemein eher schwächere Schweinefleischnachfrage sind Faktoren, die den Schlachtschweinepreis drücken können. Folgt der Schweinepreis den Futtermittelkosten, wäre auch dies ein Argument für sinkende Preise.

Diesen Faktoren steht jedoch die sinkende Schweineerzeugung in der EU entgegen. Gerade in Deutschland wollen die Schlachtbetriebe die neu geschaffenen Kapazitäten nutzen und stehen im strengen Wettbewerb um die Schweine. Sollte sich deren Zahl, wie erwartet, verringern, ist sogar ein leichter Preisanstieg im Vergleich zum Vorjahrespreis (1,58 Euro je Kilogramm Klasse E) möglich.

(Quelle: http://www.zmp.de/agrarmarkt/vieh_fleisch/2009_02_03_Viehzaehlung_Schwein.asp)

---

Im Terminhandel der RMX Hannover gingen die Preiseinbrüche weiter, bei hohen Umsätzen und einem steigenden Kontraktbestand (!) gaben die Kurse im Schnitt mehr als 3 Cent oder 2 Prozent nach. Besonders schwach lagen die Termine April mit zeitweise minus 5,8 Cent auf 1,41 Euro, Juli mit minus 4,1 Cent auf 1,558 Euro und September mit minus 4,5 Cent auf 1,55 Euro.

Der Kassamonat Februar gab um 3,6 Cent auf 1,34 Euro nach. Zum Börsenschluss war geringe Kaufbereitschaft erst bei 1,331 Euro zu melden, fast 3 Cent unterhalb des aktuellen V-Preises.

Bei ebenfalls höheren Umsätzen und einem steigenden Kontraktbestand gaben Ferkel Futures um 2 bis 3 Euro nach. April Ferkel gaben um 3,10 auf zeitweise 53,20 Euro nach, August Ferkel wurden um 3,50 Euro oder fast 7 % auf 48,50 Euro herabgetaxt.

Nach Angaben aus Handelskreisen hat sich die Stimmung merklich gedreht. Die Finanzkrise mit ihren negativen Begleiterscheinungen wie den Devisenkurs Einbrüchen osteuropäischer Länder belasten den Markt. Im In- und Ausland sei keine Wende zum Positiven abzusehen.

Einige Schlachtbetriebe treten aufgrund der schlechten Exportlage auf die Bremse, um die Lagerbestände nicht weiter ansteigen zu lassen.

Es ist fraglich, ob der V-Preis in dieser Woche noch gehalten werden kann. Der Terminmarkt deutet eher auf ein Minus von 2 Cent hin.

Bild entfernt.

Geschrieben von Richard Ebert am
Rückrufservice
Beschreiben Sie bitte Ihr Anliegen, damit wir uns auf den Rückruf vorbereiten können.
Ja, ich habe die Datenschutzerklärung zur Kenntnis genommen und willige ein, dass die von mir angegebenen Daten inklusive der Kontaktdaten zwecks Bearbeitung der Anfrage und für den Fall von Anschlussfragen elektronisch erhoben und gespeichert werden. Meine Daten werden dabei nur streng zweckgebunden zur Bearbeitung meiner Anfrage genutzt und nicht ohne Einwilligung weitergegeben. Diese Einwilligung kann jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen werden.

Register now

Jetzt registrieren und ZMP Live+ 14 Tage kostenlos testen!
  • Dauerhaft kostenfrei
  • Keine Zahlungsinformationen erforderlich
Hilfe?