Schweine: Preisspirale für Futtermittel erst am Anfang ?
Hallo,
in einem Film unter http://www.agrarheute.com wird berichtet, dass in Zukunft auch die Industrie verstärkt auf nachwachsende Rohstoffe setzen wird. In der Vergangenheit war das Öl konkurrenzlos billig, doch die Zeiten sind vorbei: Durch die gestiegenenen und weiter steigenden Ölpreise wird der Einsatz von Nawaros immer interessanter. Auch im Bereich der Biogasanlagen soll, durch verbesserte Techniken, Subventionen und die Möglichkeit das Gas in das Erdgasnetz einzuspeisen, die Wettbewerbsfähigkeit steigen.
Dadurch wird, nach meiner Meinung, der Wettbewerb um die auf unseren Äckern erzeugten Güter weiter zunehmen. Zusätzlich nimmt die Anbaufläche von Jahr zu Jahr ab. Die Weltbevölkerung wächst und benötigt mehr Getreide für die Produktion von Lebensmitteln.
Erst im vergangenen Jahr sind uns Landwirten die Auswirkungen durch Biogasanlangen und die zunehmende Knappheit der Getreidebestände am Weltmarkt bewusst geworden. Auch für dieses Jahr wird schon jetzt mit ähnlich hohen Preisen wie in 2007 für Getreide und Mais gerechnet. Zusätzlich werden alle anderen Bestandteile der Futtermittel (Raps, Soja usw.) teurer.
Mein Fazit: Wir stehen erst am Anfang einer Entwicklung, deren Ausmass wir noch nicht einschätzen können. Auf der anderen Seite sind steigende Preise für unsere produzierten Tiere nur im begrenzten Umfang möglich. Da ist eine Preissteigerung für Schlachtschweine um 5 Cent, wie sie für heute geplant ist, nur ein Tropfen auf den heissen Stein, zumal die Futterkosten innerhalb diesen Jahres schon um 4-5 Euro/Tier gestiegen sind.
mfg
Bigpig
@ BIGPIG [#1]
Du hast recht,es wird schwer werden in der Veredlung die galloppierenden Futterkosten wieder hereinzuholen.
Der Weizenpreis wird in der nächsten Woche bei 28 €/dt liegen, Fertigfutter wird bei den enormen Eiweißpreisen schnell auf über 30 €/dt ansteigen.Futterkosten von 90 €/Mastschwein werden Realität.
Spätestens wenn die Eigenmischer ihre letzten Reserven eigenes (ach so billiges) Getreide verbraucht haben, beginnt auch dort das Nachdenken.
Ich glaub daß ab jetzt doch eine erhebliche Zahl von Ställen vorläufig nicht mehr belegt werden.
Sollte es tatsächlich gelingen den NW-Preis im Mai/Juni auf 1,60 bis 1,70 anzuheben, steigen die Ferkelpreise verständlicherweise mit, und ein Vollkostenüberschuss wird auch dann nicht möglich sein.
Erst wenn der Verbraucher bei Preisen über 2,00 € ohne Einschränkunken weiter die dann gültigen Ladenpreise akzeptiert, sind die gestiegenen Futterkosten ausgeglichen. Wer weiterhin voll produziert lebt von der Hoffnung auf ein geringeres Angebot und die Akzeptanz der Verbraucher für erhebliche Preissteigerungen für Fleischwaren.
Gruß Paul
Da gebe ich dir teilweise Recht; Paul.
Zwar sind die Mischfuttermühlen idR. gut versorgt und die gehandelten Preise gelten in erster Linie für den Brotweizen; so ist es aber dennoch immer so; dass der Mischfutterpreis für ein Endmastfutter zumeist bei Weizenpreis plus 4 Euro notiert wird, Qualitäten vorrausgesetzt.
Das heisst; wenn die Läger im Mai geräumt sein werden; denn wird es unter der Voraussetzung von weiterhin festen Soja-Preisen; Aminosäuren und Pflanzenfetten über 30 Euro gehen.
Futterkostensenkungen werden in diesem Umfang in keinster Weise mehr möglich sein; aus zwei Gründen:
Zum einen kann man mit Nebenprodukten; wenn man nicht grade eine eigene Brennerei o.ä. besitz nicht mehr wie zw.7 und 22 Euro / Mastplatz einsparen ( hab mich in der vergangenen Woche sehr intensiv mit dem Thema befasst; ohne Investitionen; Arbeit; HACCP-Verfahren usw.) und zweitens kommen immer mehr Biogasanlagen auf dem Markt; die ebend diese "Abfälle" vergären wollen ( siehe EON; oder für die Süd-Oldenburgen unter uns die Anlage in Molbergen).
Aufgrund der Einkommenssituation auch bei den NaWaRo-Anlagen wird der Anteil der aus nicht NaWaRo- hinzugefügt werden darf ebend nicht mehr mit der Gülle erfolgen ( bei Anlagen unter 150 kw).
Zu der weiteren Entwicklung:
Zwei Ferkelhändler sagten mir; dass sobald der Schweinepreis steigt ( hatten wir gestern) die meisten Landwirte mit leeren Ställen ( ja es gibt diese Momentan; die zwei drei Wochen leergestanden haben) sofort nervös; weil die Ansicht besteht; etwas zu verpassen ( auf nachfragen, ob man diese Pachten könnte bekam man immer die Antwort nein; sobald das besser läuft will man selber den (möglichen?) Gewinn haben..).
Zu den Preisen: Wenn der Getreidepreis weiter steigt; und wir in der Ernte nicht unter 220 Euro/to fallen; dann wird der Schweinepreis langfristig über zwei Euro/kg liegen; die Gewinnspanne wird nicht höher sein wie z.Zt.; und der Verbraucher wird seine Einkaufsgewohnheiten nicht ändern können; weil alles wesentlich teurer werden wird.
Die Gesetze der Einkaufsgewohnheiten; wenn bestimmte Parameter überschritten werden müssen eh dann neu geschrieben werden.
In dem Sinne
MFG
Mühlenbach
Hier der von der ZMP ermittelte Stand für Schweinefutter, Durchschnitt für Januar:
Hallo erstmal!
Da kann man echt nur staunen, was da an den Märkten abgeht! Da kommt so mancher Bauer Senior gar nicht mit klar! Berufskollegen mit 50 jähriger Erfahrung am Schweinemarkt berichten mir, so etwas noch nie erlebt zu haben, demnächst auf 90 € Futterkosten bei einem Nettoumsatz von unter 125 €, das letzte Mal hörte ich solche Sätze, als MS unter 1€ fielen, 1 Jahr später waren wir bei 2,2 €. Was kommt diesmal?
Es gibt nicht wenige, bei denen Liquidität im Monat von 5 - 10.000 € aufgefressen wird (im wahrsten Sinne). Mir als Optimist aus Prinzip stellen sich 2 Fragen:
1. Wer übernimmt die z.Zt. in Nöte geratenen relativ neuen Anlagen der letzten Investitionswelle? (Der Anteil nicht-landwirtschaftlicher Eigentümer in der Veredelung soll ja stetig steigen?!) Sind die Gläubiger der Vorgelagerten Industrie oder eher Investments der roten Seite am Start? Bei dem starken Ausbau der Schlachthaken in Deutschland.
2. Wie lange halten die Banken noch die Füße still? Die haben ja im Moment noch andere Sorgen, aber irgendwann dreht sich das Konzept nicht mehr. Verlustabschreibung ? Zum Glück steigt ja der Verkehrswert der Ackerflächen rapide, aber Immobilien, desaströs !
Na ja, zum Thema: Ist davon auszugehen, dass zur Zeit auch Wetten auf die Verluste der Winterbilanz laufen, von wegen Auswinterung im Osten ? Oder ist das alles nebensächlich bei den Massen an spekulativem Kapital nach dem Motto: Knapp bleibt auch bei Rekordernte 2008 knapp.
Gruß ML