Schweine: So läuft der Verkauf der Roten Seite
[Aus einem anderen Thema übernommen]
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Hallo, um die Fragen mal zu beantworten :
Kernpunkt ist ein sehr vielseitiges und ausgeklügeltes EDV-System, was uns alle Daten liefert, die wir brauchen.
Hier kann ich sehen was wann wieviel an wen verkauft ist, und was noch nicht verkauft ist, sortiert nach allen mögl. Parametern. Ein ganz tolles Programm.
Da sind alle Bestellungen immer eingegeben, egal ob schon der Export für Russland (wo die Mengen und Termine für Januar schon feststehen), das Standartprogramm für SB-Fleisch, oder das Tagesgeschäft im LEH oder C+C. Mit allen Daten, wann zu welcher Zeit in welchem Zuschnitt ausgeliefert werden muss, und diese Daten werden dann in der Verladung abgerufen (die kriegen nur die Preise nicht zu sehen).
Die ganze zerlegte Ware wird immer erst im Hochregallager zwischengelagert, und dann je nach LKW wieder autom. rausgefahren.
Jede Ware hat eine Chargennummer, aus der man erkenne kann wann zerlegt, von welchen Landwirten usw. Um jederzeit zurückverfolgen zu können, wo die Schweine herstammen.
Die meisten Geschäfte werden im Tages-Wochen- oder Einzelpreise gemacht. (z. B. Morgen 2 to. Schulter schier). Und nicht in Kontrakten (wie das oft hier behauptet wird.) Ausser die Exporte wie Asien etc.
Die Schweine erhalten bei der Schlachtung eine Chiperkennung, wo alle Daten wie Landwirt, Magerfleisch, Q+S usw. gespeichert sind.
Die sog. Zielsteuerung sortiert dann die Schweine automatisch in verschiedene Kühlhäuser ein, je nach voreingestellten Verwendungszweck. Fette , schlechte Schweine z. B., die man in Hälften zum Osten verkaufen kann, fahren in ein Kühlhaus, wo sie anschl. nicht in die Zerlegung gefahren werden.
Die Kunden sind überwiegend immer die gleichen, kaufen aber meistens bei allen grossen Firmen ein. Man kennt durch die Erfahrung die Ansprechpartner, mal rufe ich an, mal rufen die an. Man kennt auch Ihre Schwächen und Stärken. Ich habe nur Deutsche Kunden, und 3 in Österreich. Ladenmetzger die jede Woche ihre 40 Hälften kriegen, zahlen z. B. ZMP + X, fertig. Was soll man da jede Woche neu verhandeln.
MEINE Verkäufe sind in der Regel auf Auslieferungen in 1-2 Tagen bis max. 3 Wochen (Vorlaufzeit für Werbung bezogene Order).
Die Preise verhandeln wir, kriegen Vorgabepreise vom Controlling, haben natürlich auch Spielräume, und brauchen bei grossen Mengen, und "Sonderpreisen" die ausserhalb der Kalkulation liegen, die Freigabe von der Geschäftsleitung. Dann gibt es eben nein oder ja. Meistens kann man sich die Antwort aber vorher denken, das macht die Erfahrung.
Das wir nicht alles los werden, das gibt es praktisch nicht, weil der Betrieb ja wie eine Uhr immer durchläuft. Dann muss eben die Ware zu einer anderen Verwertung billiger verkauft werden. Ist aber nicht so das Problem. Notfalls eben einfrieren.
Gruss
Schönen Dank ina für die ausführliche Antwort. Für unsereinen ist die Sache erledigt, wenn der Fahrer die Klappe zuschlägt. Ich glaube so manchem ist gar nicht ganz klar, was danach noch alles kommt bis das Schnitzel mal endgültig auf irgendeiner Pfanne brutzelt.
Gruß,
wollewatz.
@ wollewatz [#2]
Ja, nichts zu danken wollewatz. Das war aber im Prinzip nicht ausführlich, sondern eigentlich nur das gröbste erklärt.
Es ist in der Tat so, das der Weg vom lebenden Schwein bis zum Schnitzel zwar nicht sehr lange dauert.Aber sehr aufwendig und kostenintensiv ist.Und wenn man heute die Qualitätsanforderungen sieht, vor allem der Discounter, das ist wirklich mittlerweile der helle Wahnsinn. Wir haben heute schon eigene Mitarbeiter der Discounter fast ständig in unseren Betrieben laufen, die nichts anderes machen, als die Produktion überwachen.
Weil ein Gammelfleischskandal z. B. beim Aldi, wäre ein absoluter Supergau. Erst für Aldi, und dann für uns.
Schönen abend