Schweine: Überzogene Getreidepreise gefährden Wirtschaftlichkeit
Überzogene Getreidepreise gefährden Wirtschaftlichkeit der Schweinehaltung
Schweine.net (13.08.10) - Die ISN-Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands e.V. sieht die Entwicklung an den Getreidemärkten der letzten Wochen insbesondere aber an den internationalen Warenterminbörsen mit zunehmender Skepsis.
Die Ankündigung Russlands, einen Exportstopp für Getreide zu verhängen, führte zu einem rasanten Anstieg der Weizennotierungen an den internationalen Warenterminbörsen. Vergangene Woche schloss die Börse in Chicago im Limit up, d.h. die Notierungen wären womöglich noch stärker gestiegen, die Börse hat jedoch den täglichen Anstieg auf ein Höchstmaß begrenzt. Mittlerweile sind die Kurse wieder gefallen. Die Entwicklungen an den internationalen Börsen beeinflussen auch das reale Getreidepreisniveau.
Die Entwicklungen an den Warenterminbörsen der letzten Wochen werden dabei offenbar nicht durch die tatsächliche weltweite Versorgungslage gestützt. So haben sich nach einer aktuellen Einschätzung der EU-Kommission die extremen Witterungsbedingungen in diesem Jahr bisher insgesamt nicht negativ auf die erwartete Getreideerzeugung in Europa ausgewirkt. Das Gesamtaufkommen dürfte 2010 nach Einschätzung der EU in etwa dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre entsprechen. Auch die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) erwartet nicht, dass sich eine Nahrungsmittelkrise wie in den Jahren 2007/08 wiederholen könnte. Die Probleme bei der Weizenernte in einigen wichtigen Exportländern und die daraufhin steigenden internationalen Weizenpreise hätten entsprechende Befürchtungen aufkeimen lassen, erklärte die FAO. Doch in diesem Jahr bleibe der weltweite Weizenmarkt deutlich besser im Gleichgewicht als in den Jahren 2007/08. Daher seien zum derzeitigen Zeitpunkt Befürchtungen einer neuen weltweiten Getreidekrise nicht gerechtfertigt. „Nach zwei aufeinander folgenden Jahren mit Rekordernten sind die weltweiten Bestände wieder soweit aufgefüllt, dass sie den derzeit erwarteten Produktionsausfall ausgleichen können“, betonte die Organisation. Noch wichtiger sei in diesem Zusammenhang, dass die in den traditionellen Weizenexportländern gelagerten Vorräte groß sind. Diese Bestände seien der wichtigste Puffer gegen unerwartete Ereignisse.
Der derzeit an den internationalen Getreidebörsen zu beobachtende Preisanstieg ist daher nach Auffassung der ISN im Hinblick auf die aktuell absehbare Versorgungslage nicht gerechtfertigt. Ähnlich wie 2007 treiben Spekulanten die Preise nach oben. Im Jahr 2007 sind die Getreidepreise in einer ähnlichen Situation im September/Oktober wieder eingebrochen. Aufgrund der aktuellen Niederschläge wird die diesjährige Ernte verzögert, so dass auch die tatsächlichen Erntemengen später bekannt werden.
Vor dem Hintergrund dieser Unsicherheiten warnt die ISN die Schweinehalter vor dem Abschluss langfristiger Futtermittelkontrakte. Vorsicht ist insbesondere bei überzogenen Preisforderungen angebracht.
Bei den bisherigen Futtermittelpreisen erwirtschaften die Schweinehalter noch eine schwarze Null. Wenn jedoch die aktuellen Getreidepreise und damit auch die höheren Futtermittelkosten bei der Kalkulation berücksichtigt werden, schreiben Schweinemäster wie auch Ferkelerzeuger rote Zahlen.
(Quelle und Ansprechpartner: http://www.schweine.net/ueberzogene_getreidepreise_gefaehrden_wirtschaftli.html)
Wenn der Weizenpreis steigt, werden die Schweine noch etwas billiger
Kassamarkt: Gut laufender Export nach Russland
Die angebotenen Mengen an schlachtreifen Schweinen lassen sich auch weiterhin reibungslos an die Schlachtunternehmen vermarkten. Das Lebendangebot nähert sich nach der hitzebedingten Verknappung wieder den normalen Mengen, denen eine belebte Nachfrage zum Ende der Sommerferien in einigen Bundesländern gegenüber steht. Daher bewegen sich die Preise seitwärts und der erhoffte Preisanstieg bleibt bislang aus.
Vermehrt schlagen wieder Ladungen mit Schlachtschweinen die Richtung nach Osteuropa und Russland ein. Der Export von Schweinefleisch insbesondere nach Russland läuft und die Margen sind dem Vernehmen nach gut.
(Quelle: ISW, Damme)
Terminmarkt: Schweine und Ferkel weiter nachgebend
Bei einem Umsatz von 4 Kontrakten gab der M 12 Index für Schweine heute um 0,12 Cent auf 1,4067 Euro nach. August Schweine gaben um 0,5 Cent auf 1,496 Euro nach und wurden erstmalig unterhalb des aktuellen V-Preises angeboten. Oktober Schweine schlossen minus 1 Cent bei 1,36 Euro.
Am Ferkel Terminmarkt wurden 2 Kontrakte August zu 40 Euro umgesetzt, 50 Cent unter den Kursen des Vortags. Der M 12 Index für Ferkel schloss minus 0,21 Cent bei 39,79 Euro. Juli 2011 wurden um 2 Euro niedriger bei 40 Euro getaxt.