Richard Ebert
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12 Jahre 9 Monate

Schweine: Warum so hohe Schlachtgewichte ?

Die von uns ermittelten durchschnittlichen Schlachtgewichte sind in der vergangenen Woche von 93,8 auf 94 kg gestiegen. Damit liegen sie, mit Ausnahme von nur einer Woche, seit einem halben Jahr ständig über den Werten des Vorjahres (Grafik, Indikator ganz oben).

Nun habe ich gelernt, dass es sich aufgrund der hohen Futtermittel- und Energiepreise nicht mehr lohnt, die Schweine so schwer zu mästen wie früher, als die Futtermittel günstiger zu kaufen waren.

Meine Frage an die Mäster und alle anderen Leser: Warum werden die Schweine dennoch so fett gemästet ?

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Geschrieben von Richard Ebert am
Gast

Hallo Herr Ebert,

es ist seitens Erzeugern gepokert worden. Ware wird nicht verfettet sein, sondern nur mit Bedacht gemästet Feldarbeiten sind erledigt. Und nun wird verkauft. In Ihrer Statistik werden Sie knapp 95.- kg erreichen.

MfG

Berrendorf05

Muehlenbach
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@Herr Ebert
Weil es sehr viele gibt; die meinen sie wären schlauer.
Die achten vielmehr auf den ausgezahlten Gesamtpreis/Mastschwein; nicht auf die Vollkostenrechnung je m2 Stallgrundfläche je Jahr.
Das ist so als wenn ich 8 to. Weizem mit Erzeugungskosten von 600 Euro/ha gegenüberstelle mit 7,5 to mit 400 Euro/ha.
An der Waage und beim Frühschoppen zählt die Menge....

Ist halt typisch Landwirte....
Aber freu dich Berrendorf05; so brauchst du wenigstens dir über die Vermarktung von mageren "untergewichtigen"Schweinen nach Russland keine Sorgen zu machen...

In dem Sinne
MFG
Mühlenbach

Franz
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

Herr Ebert,

Sie vergleichen die Schlachtgewichte mit dem Vorjahr. Hierzu ist anzumerken, das wir im letzten Sommer die extreme Hitze hatten und dadurch die Schweine in Schnitt etwas leichter abgeliefert wurden (Luft in den Buchten schaffen, schwerere Tiere sind bei großer Hitze Herzinfarkt gefährdet).

Ein zweiter Aspekt ist das im Laufe des letzten Jahres diverse Abrechnungsmasken von Schlachthöfen geändert wurden so das sich der optimale Gewichtsbereich zu Gunsten schwererer Schweine geändert hat.

Aus der Praxis kann ich sagen es gibt nichts schlimmeres (vorausgesetzt der Basispreis fällt nicht extrem) als zu leichte Schweine abzuliefern, da ist eine erhöhte Futterverwertung selbst bei diesen Futterkosten das geringere Übel.

Gruß

p.
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

Wir streben auch zur Zeit noch Schlachtgewichte von 96-97 kg an, was für
unseren Betrieb der optimale Vermarktungskorridor ist.

@ Mühlenbach
In deinem Betrieb macht es vielleicht Sinn die Schweine mit 92 kg abzuliefern, in unsererm Betrieb wäre das reine Geldvernichtung.
Bei uns im Münsterland und Ruhrgebietsnähe gibt es eine Reihe großer
Mastbetriebe die es betriebswirtschaftlich als sinnvoll ansehen die Schweine
mit ca. 96 kg Schlachtgewicht zu vermarkten.

Die Gründe für die Vermarktung der Schweine mit 96 kg SG sind folgende:

- günstigere Futterkosten durch den Einsatz von Nebenprodukten
- bessere Futterverwertung durch den Einsatz von Nebenprodukten
- schwere Schweine können von den Schlachthöfen besser ins Geld gebracht
werden und werden somit auch besser bezahlt
- bei einer 500er Gruppe habe ich wenn ich die 300 mittelschweren Tiere mit
97 kg SG vermarkte 15 kg LG mehr Zuwachs auf einen m² Stallfläche pro Jahr,
als wenn ich meine Tiere mit 92 kg SG vermarkte

PorkyPig
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ p.

Das mit den Nebenprodukten ist nichts besonderes mehr. Hier in Südoldenburg gibt es auch zahlreiche Mastbetriebe, die auf dieser Schiene fahren, ich übrigens auch seit über 15 Jahren.

Es ist ja nicht so, dass die Nebenprodukte nicht von den Preisanstiegen verschont bleiben. Die gesamten Weizenstärken, ob Kröner, Hamino, Premium, Barby usw. richten sich ja auch nach dem aktuellen Weizenpreis. Die Werke erhöhen Ihre Preise fast wöchentlich. Kartoffelschlempe ist seit der Betriebsferien knapper als knapp. Die neue Produktion läuft erst auf einer Linie. Die Werke sagen, die Kartoffeln aus der neuen Ernte sind so gut, dass kaum Schlempe anfällt. Von anderen Seiten hört man die Klagen, auch hier im Forum, über Kraut und Knollenfäule.
Eiweißprodukte wie Sastapro, Beukogist, Erbseneiweiß usw. gibt es eigentlich gar nicht mehr seit Ende Juli.
Energieprodukte ziehen ebenfalls an, wegen Preiserhöhung der einzelnen Zuliefererfirmen.

Für Neukunden sieht es in der Nebenproduktsparte eh fast aussichtslos aus, die Altkunden werden zuerst beliefert und dann bleibt keine Ware mehr über.

Also die Preisexplosionen sind auch bei den Nebenprodukten im vollen Gange!! Klar gibt es immer noch den Vorteil der besseren Futterverwertung, aber das Fertigfutter hat sich in den letzten Jahren in der Schiene ganz gut weit unter 1:3 verbessert.

MfG

Junker
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

Hallo Herr Ebert,

viele Futtermittelkontrakte sind bereits vor mindestens sechs und vielfach sogar schon vor zwölf Monaten geschlossen worden und laufen erst jetzt aus.
So wirkt sich der neueste starke Preissprung bei vielen Mästern erst für die ab September / Oktober zu vermarktenen Schweine voll aus.

Eine Neubewertung des optimalen Schlachtgewichtes ist dann sicher angebracht.
Bedenke aber - Sofern ein Mastabteil noch nicht geräumt wird steht jedoch der kg Zuwachs nahezu nur den Futterkosten gegenüber. Viel entsheidender bei der Fragestellung ist dann dabei wieviel "Qualität" verlier ich, wenn ich die Mast zu weit hinauszögere und die Gefahr des zu hohen Fettansatzes steigt.

Aus diesen Überlegungen heraus kann ich die Argumentation von p. vollkommen nachvollziehen.

Gruß
Junker

Richard Ebert
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

Vielen Dank an Alle für die Informationen.

Besonders das 'optimale Schlachtgewicht' ist für mich ein interessantes Thema !

Spekulatius_Maximus
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

Ich setze Nebenprodukte ein und habe heute mit 90 - 91 kg SG vermarktet! Im letzten Jahr lagen die Schlachtgewichte bei 98 bis 100 kg. Im letzten WJ lag die Futterverwertung bei 1 : 2,8.

Zum Thema Stallplatzverwertung kann ich nur sagen, dass ich nun ab dem 75. Tag die ersten Mastschweine zum Verkauf aussortiere und die letzten Abteile nach 105 bis 110 Tagen wieder mit Ferkel belegen konnte.

Es ist zwar für mich etwas ungewohnt so leichte Schweine abzuliefern, auch der Scheinefahrer wundert sich über die leichten Schweine, aber für mich rechnet sich diese Maßnahme!

Es wird in dieser Diskussion etwas der verhältnismäßig niedrige Ferkelpreis außer Acht gelassen, der zumindest für mich ein starkes Argument für leiches Verkaufen ist.

BIGPIG
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@Spekulatius Maximus

hast du auch daran gedacht, dass sich bei dieser Umschlagsrate dein Bedarf an Güllenachweisflächen erhöht und damit zusätzliche Kosten verursacht. Dieses ist nach meiner Meinung auch ein Faktor, der nicht ausser Acht zu lassen ist.

Schlachtgewichte von 98-100 kg. sind bei den aktuellen Futterpreisen sicherlich indiskutabel, aber Gewichte von 90-91 kg bedeuten auch, dass die Rate der Untergewichtler zunimmt. Ich denke, dass ein Gewichtsbereich von 94-95 kg. z. Zt. der Optimale ist und auch von den Schlachtereien honoriert wird.

Ich mäste z.Zt. Dänen in meinen Ställen. Die ersten Tiere gehen mit 90 Tagen und die letzten mit 110-115 Tagen aus meinen Betrieb. Dabei pendeln sich die Schlachtgewichte auf ca. 94-95 kg ein. Der Magerfleischanteil liegt in den Automatenställen bei ca. 56% und bei der Flüssigfütterung bei ca. 57%. Somit sind meine Tiere, trotz der höheren Ausstallgewichte, nicht verfettet.

mfg

Bigpig

p.
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ Spekulatius Maximus

90-91 kg SG für mich nicht nachvollziehbar!!

Dürfte ich um eine Begründung bitten warum sich diese leichten Gewichte für dich rentieren.

@ PorkyPig und Spekulatius Maximus

Das mit den Nebenprodukten sehe ich anders entscheidend sind die richtigen
Nebenprodukte in Kombination zueinander und die richtige Bezugsquelle um einen
deutlichen Preisvorteil gegenüber dem Getreide zu erzielen.
Und da sehe ich für Betriebe mit Ruhrgebietsnähe durchaus Vorteile beim Bezug
diesser Produkte.

In unserer Endmastmischung setzen wir zurzeit 60 % Nebenprodukte ein.
Diese 60 % basieren auf einer Rezeptur mit 88 % Trockensubstanz.

PorkyPig
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ p.

Als wenn es nur im Ruhrgebiet Nebenprodukte gäbe. Die Industrie hat sich inzwischen auch nördlich des Ruhrpotts besonders an der A1 entwickelt! ;-)

Von welchen wichtigen Np´s reden wir denn, die aus dem Pott kommen? Zu welchen Anteilen werden diese denn privat von den Mästern direkt vom Werk abgeholt? Oder läuft das komplett über Speditionen oder Händler? Ich denke mal für mich, dass ich die richtige Kombi an Np´s habe, aber ich lasse mich gerne belehren.

MfG

Spekulatius_Maximus
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ p. [#11]

und @ BIGPIG:

zu den Schlachtgewichten können wir sicher festhalten, dass 98 kg sicht nicht mehr rechnen, vielleicht bin ich schon zu extrem gewesen- ich werde mir bei Gelegenheit ein paar Gedanken machen, ob ich noch wieder ein paar Kilo zulegen sollte.

Beim Thema Nebenprodukte sollte man auch Lagerung, zusätzliche Technik etc. beachten. Wundermittel sind diese Produkte sicherlich nicht generell...

P.S: bei mir kommen zur Zeit Back- und Keksabfälle in die Ration also keine Feuchtproduckte

Muehlenbach
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

Was sind das denn für Zahlen?
Die einen reden von rel. hohen Schlachtgewichten; im Dow-Jones-Pressedienst spricht man dagegen von rel. neidrigen Schlachtgwichten in der vergangenen Woche; was ein knapp ausreichendes Angebot von Schlachtschweine bedeutet.....
Habt ihr alle Zahlen von Süddeutschland; der Pressedienst von Ostdeutschland und S-H ( weil die dänischen Schweine niemals 98 kg haben werden....).

Auch híer gillt das alte Sprichwort "Glaube keiner Statistik die du nicht selber gefälscht hast...".

In dem Sinne
MFG
Mühlenbach

paul
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

Die letzten von Herrn Ebert veröffentlichen Schlachtgewichte sind Werte von vor 2 Wochen.

Aktuell geht es mit den Gewichten steil nach unten.

Gruß Paul

Richard Ebert
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ paul [#15]

Korrekt. Schlachtgewichte letzte Woche von 94 auf 93,60. Siehe Grafik in Beitrag [#1], die sich gestern aktualisiert hat.

Weizen wird heute wohl erneut 10 Euro fester eröffnen. Der Einfluss der Futtermittelpreise auf die Schweinemast und damit auf die Schlachtgewichter wird also immer größer !

Hier ein Vergleich Weizenpreis (oben) zu Ferkelpreis (mitte) und Verhältnis der beiden zueinander (unten):

Bild entfernt.

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