Schweine: Warum werden Juli Schweine zu 1,43 Euro verkauft ?
Niedersachsen: Schweineproduktion geht in Richtung Mast
Agrarheute.com / isn (28.08.09) - In der niedersächsischen Schweinehaltung vollzieht sich nach Darstellung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen ein gravierender Umbruch. Während die Schweine kaum weniger würden, gehe die Zahl der Schweinehalter zurück.
Besonders Sauenhalter sattelten um; die Produktion verlagere sich immer stärker in Richtung Mast, berichtete die Kammer vergangene Woche in einer Presseverlautbarung.
Nach ihren Angaben, die sich auf die vorläufigen Ergebnisse der amtlichen Viehzählung von Anfang Mai stützen, hat sich der Schweinebestand in Niedersachsen mit 8,15 Millionen Tieren gegenüber dem Vorjahr kaum verändert. Er reichte damit nahe an den Höchststand von Mai 2007 mit 8,2 Millionen Schweinen.
Die Zahl der Schweinehalter verringerte sich hingegen um 7,4 Prozent auf gut 12.000; im Jahr 2003 waren noch 18.000 Betriebe gezählt worden. Der Rückgang entspricht laut Kammer rechnerisch einem Minus von 1.000 Schweinehaltern pro Jahr. Dabei handelt es sich in erster Linie um die Ferkelerzeuger; ihre Zahl fiel gegenüber dem Vorjahr um mehr als zwölf Prozent auf jetzt 4.500. Verglichen mit 2007 beträgt das Minus sogar 24 Prozent.
Diese Entwicklung spiegelt sich der Kammer zufolge auch in der differenzierten Betrachtung der Tierbestände wider: Während die Mastschweine landesweit um 100.000 gegenüber Mai 2008 zulegten, wurde der landesweite Sauenbestand um 24.000 Tiere abgestockt. Als Folge dieser Entwicklung erhöhte sich der durchschnittliche Schweinebestand im Vergleich Mai 2009 zu Mai 2008 um 48 auf jetzt 672 Tiere. Der mittlere Sauenbestand nahm um zehn auf 126 Stück zu.
(Quelle: http://www.agrarheute.com/schwein/schwein/schweineproduktion_geht_in_richtung_mast.html?redid=310470)
Kassamarkt: Kein Grund für fallende Preise
Am Schlachtschweine Markt setzt sich die sechswöchige Seitwärtsbewegung fort. Der Auszahlungspreis für Schlachtschweine bleibt auch in dieser Woche unverändert bei 1,56 Euro.
Zwar werden die Forderungen der Fleischverkäufer nach einem Preisabschlag aufgrund des schleppenden Absatzes größer, doch das vorhandene Lebendangebot fließt vollständig ab und gibt aus Sicht der Erzeuger keinen Grund für fallende Preise.
Saisonal dürfte sich der Anstieg des Angebots auch in den nächsten Wochen fortsetzen. Aufgrund des Monatsbeginns und dem nahenden Ende der Ferienzeit bestehen aus Sicht der Erzeuger berechtigte Hoffnungen auf einen weiterhin behaupteten Schlachtschweine Preis.
Terminmarkt: Sommertermine 2010 brechen erneut ein
Heute kam es zu 7 gehandelten Schweine Futures der Monate September und Oktober mit Kursänderungen zwischen Null und plus 0,1 Cent. Am entfernten Ende jedoch gaben die Monate Juii und September um 1,5 und 2 Cent auf jeweils 1,43 Euro nach mit 2 gehandelten Kontrakten.
Die Frage ist, warum (gestern) Juni Schweine zu 1,42 und heute Juli und September Schweine zu 1,43 Euro am Markt verkauft wurden (siehe Grafik), wenn die Mäster angeblich auf viel höhere Gewinne in den Sommermonaten angewiesen sind.
Der M 12 Index für Schweine gab nach einem Jahrestief bei 1,4066 zum Schluss um 0,07 Cent auf 1,4071 Euro nach.
Die gehandelten 3 Kontrakte Ferkel der Laufzeiten November und Januar wurden um 50 Cent bis 1 Euro niedriger am Terminmarkt verkauft.
M 12 Ferkel Index: Minus 21 Cent auf 44,50 Euro - ein neues Jahrestief.
@Herr Ebert
Gesamt Kontratbestand Juli null; September 1.
Wenn ich Montag ein Kaufangebot für September 2010 mit 2,5 Euro reinsetze; ob es dann wohl jemanden gibt; der den kaufen wird?
Und was steht dann für eine Überschrift:" Wahnsinn; Schweinefleisch ausverkauft im Herbst 2010?"
Wenn der September 2009 ausläuft; dann haben wir noch gute 100 offene Positionen.
Die Frontmonate resultieren doch noch aus der alten WTB.
Viel neues ist seitdem nicht mehr gekommen.
Aber es könnte sich doch auch rechnen mit diesem Preis; die Ferkel kosten im Frühjahr nur noch 45 Euro frei Stall; Futter ebendso.
Ist doch ein top Geschäft.
Und der LEH braucht nichtmal die Preise anheben.
Ein toller Sommer 2010.
In dem Sinne
MFG
Mühlenbach
@ Richard Ebert [#1]
Sie wundern sich über den Abschluß zweier Kontrakte im Juli und September nächsten Jahres zu 1,42/1,43.
Fragen wir uns um wieviel tausend Schweine handelt es sich hier ?
Es gibt halt einen Hedger, der nicht glaubt, daß im nächsten Sommer Schweine teurer verkauft werden können.
Bei den momentanen eher pessimistischen Prognosen durchaus nachvollziehbar.
Mfg
BB
@ Muehlenbach [#2]
Ihre Argumente, ob es denn jemanden gibt der fast zum doppelten Preis kaufen könnte, gehen völlig ins Leere. Warum sollte das jemand tun ? Auch die Zahl der von Ihnen genannten offenen Kontrakte stimmt nicht, wenn ein Juli Termin gehandelt wurde, kann der Kontraktbestand nicht bei Null liegen. Die Eurex veröffentlicht diesen immer erst ca. 13.30 Uhr am Folgetag.
Fakt ist, dass die Sommermonate 2010 nochmals erheblich unter den Sommermonaten dieses Jahres gehandelt werden.
Das scheint kaum jemanden zu interessieren. Reicht denn wirklich der starre Blick auf den Preis der nächsten Woche aus, ohne Planung auf die Erlöse des kommenden Jahres ?
@ Bauer Bernie [#3]
Es gibt halt einen Hedger, der nicht glaubt, daß im nächsten Sommer Schweine teurer verkauft werden können.
Macht dieser Hedger denn zu diesem Kurs noch Gewinne ? Die Ferkelpreise, Futterpreise, Energiekosten und vieles mehr sind ihm noch nicht bekannt.
Wenn zu 1,43 im Sommer noch mit Gewinn abgesichert werden kann, dann wird ein Jahres-Durchschnittspreis von 1,40 Euro wohl auch noch als erfolgreiche Schweinemast bezeichnet werden können. Mehr wird es jedenfalls nach Meinung des Terminhandels im kommenden Jahr nicht geben.
Gestern wurden Juni Schweine zu 1,41 Euro verkauft, wieder einen Cent niedriger.
Meine Fragen vom 30.08.09 wurden noch nicht beantwortet:
Macht dieser Hedger denn zu diesem Kurs noch Gewinne ? Die Ferkelpreise, Futterpreise, Energiekosten und vieles mehr sind ihm noch nicht bekannt.
Wenn zu 1,43 im Sommer noch mit Gewinn abgesichert werden kann, dann wird ein Jahres-Durchschnittspreis von 1,40 Euro wohl auch noch als erfolgreiche Schweinemast bezeichnet werden können. Mehr wird es jedenfalls nach Meinung des Terminhandels im kommenden Jahr nicht geben.
@ Richard Ebert [#5]
na dann will ich´s mal versuchen mit Zahlen, die im Bereich des Möglichen sein werden, auch auf die Gefahr hin, dass jede Zahl in Frage gestellt werden wird:
Ferkel im Feb. 10 70 € Futter 2,6 dt zu 19.- 50 € Tierarzt, Med. Wasser Strom etc. 12 € Gebäudekosten Afa+Zins 15 € Summa summarum 147 €Wenn´s so kommt darf er pro Schwein 10 € Eintrittsgeld bezahlen dafür dass er jeden Tag Schweinchen besuchen kommen darf.
Wenn man die letzten Jahre betrachtet war es in der Regel so, dass in den letzten 6 Monaten des Jahres das Geld verdient werden musste, was in den ersten 6 Monaten verbraten wurde. Dies scheint, glaubt man der Börse, schwierig zu werden.
BB
Bauer Bernie, man kann sicher über die zahlen streiten.
Ich erlaube mir mal Zahlen aus den virtuellem Maststall der Agrarberatung der Volksbanken zu übernehmen (Stand 31.8.2009):
Ferkel Februar 2010 45€ + 10€ für Zuschläge etc.
Schlachtung Juni 2010 zu 1,42€/kgSG
bei 94kg SG 133,48€ pro Schwein
Kosten für Futter und sonstiges 56€
---> DKfL 22,48€ pro Schwein
Demnach wäre eine Absicherung nicht völlig abwegig.
"Kosten für Futter und sonstiges 56€"
Für Sonstiges (Tierarzt, Strom, Versicherungen, Tierseuchenkasse und andere Beiträge, AFA Gebäude, Stundenlohn, Gülleentsorgung etc.) bleibt ja nicht mehr viel übrig! Man kann sich auch vieles schön rechnen!
MfG
@ PorkyPig [#8]
Man kann sich auch vieles schön rechnen!
Natürlich. Ich habe vielleicht nicht deutlich genug darauf hingewiesen, dass ich die Agrarberatung zitiert habe und dass es sich um die Berechnung der DKfL handelt und nicht um eine Vollkostenrechnung.
Übrigens schneiden im September aufgestallte Ferkel im virtuellem Maststall noch ca. 10 € schlechter ab...
@ Richard Ebert [#5]
Wer sagt denn dass dieser Hedger überhaupt Schweine besitzt ?
@ Hanna [#10]
Wer sagt denn dass dieser Hedger überhaupt Schweine besitzt ?
Wenn er keine Schweine besitzt bzw. um genauer zu sein im Sommer 2010 keine Schweine besitzt, ist er per Definition kein Hedger sondern wird den Risiko-orientierten Investoren zugerechnet. Nur: Diese handeln nicht in solchen entfernten Monaten.
Am Freitag kam es zum nächsten Abwärtsruck der Kurse, die Erwartungen 'der Börse' liegen für die kommenden 12 Monate inzwischen unter 1,38 Euro, die hochpreisigen Sommermonate mit eingerechnet !
Wer wirklich fest daran glaubt (ich nicht !), dass die Schweinepreise bis Sommer nächsten Jahres höhere V-Preise bringen werden als jetzt in den Terminkursen abzulesen ist, der sollte Schweinefutures limitiert zu derzeitigen Kursen oder etwas darunter kaufen.