Schweine: Wie werden die Preise in den nächsten 12 Monaten ?
Einige Gedanken zum Schweinemarkt:
Wir handeln an der Börse die nächsten Monate z.Z. zw. 22 Cent (Mai) und 12 Cent (Nov) über dem 10-jährigen Durchschnitt. Das ist nicht ungewöhnlich,zeigt aber die Erwartung der Börsenteinehmer für die nächsten Monate. Im Zusammenhang mit den höheren Futterkosten (etwa 30 € /Schwein) ist diese Einschätzung der Börse noch sehr human.
Da mittlerweile ersichtlich ist, daß der Preis in nächster Zeit vom Weltmarkt aus bestimmt wird, die starken Nachfrageländer (Südkorea,China und auch Russland) ihre Einfuhrbeschränkungen immer mehr zurückführen wird es für unsere Exporteure immer einfacher größere Mengen aus den EU Bereichen abzuführen und das für gutes Geld.
Hinzu kommt, die gestiegenen Futterkosten und knapperen Futterressoursen treffen alle Mäster weltweit und führen zu höheren Produktionskosten und Einschränkungen der Schweinemast.
Verstärkt wird diese Entwicklung noch durch die Nachhaltigkeit der Futtermittelkosten. Während in 2008/09 die Weizenpreise schnell wieder auf ein gewohntes Maß absackten, scheint sich diesmal das hohe Niveau des Getreidepreise zu halten, ja wenn man die Wetter -und Vorratsberichte liest, es kann sogar weitere Steigerungen geben.
Der Preis fürs Schweinefleisch wird mitsteigen, wenn auch verzögert. Erst wenn beim Verbraucher die Schmerzgrenze erreicht ist wird durch Kaufzurückhaltung eine Obergrenze eingezogen.
Mein Fazit: Der 10-jährige Durchschnittspreis wird in den nächsten 12 Monaten um 25-40 Cent überschritten. Warum soll es im Januar nicht auch mal über 1,50 gehen? Wir haben die Mastkapazitäten, wir haben die Schlachtkapazitäten, wir haben hoffentlich immer genug ,wenn auch teure Futtermittel, wir haben hoffentlich eine exportwillige Schlachtindustrie, dann soll uns der LEH egal sein.
Wahrscheinlich sind jetzt einige wieder der Meinung daß ich übertreibe, die Tendenz geht jedenfalls zu erheblich höheren Preisen. Die Futtermittelpreise diktieren den Schweinezyklus.
Gruß Paul und allen Frohe Ostern
@ paul [#1]
Paul, das ist deine Einschätzung, ich denke nicht,dass sich hier irgendjemand für seine Meinung rechtfertigen sollte. Diese Art der Einschätzungen und Meinungen brauchen wir meiner Meinung nach viel mehr!
Sicher hast du im Getreidesektor heute auch den absolut genialen Bericht von Bre gelesen!?
Ich habe auf deine Berichte hin dein Tool erstellt, zwar bin ich nur auf Zahlen bis WJ 02/03 zurückgekommen aber es ist trotz dem aussagekräftig genug, nur muss ich ganz ehrlich sagen, habe ich das Gefühl, dass es ein ganz ganz schwieriges Jahr ist, um in den Rohstofhandel an den Börsen einzusteigen!! Wenn ich da nur an den Schweinepreis und die Diskussion über Preismelder, Ertragserwartungen Getreide, Ratio Mais vs. Weizen denke,steht doch im Moment alles auf dem Kopf...
Ich wünsche auch erstmal allen Frohe Ostern
Gruß IHH
@ paul [#1]
..Eins vielleicht noch, Aug11 liegt ca 14 Cent über dem 10-jährigen Schnitt, verhältnismäßig niedrig zur Zeit (Mai 22 Cent), September wird auch noch eher schwach eingeschätzt. Letztes Jahr hat der Juni untypischerweise besser abgeschnitten als der August (in 6 von 9 Jahren war der Preis im Aug höher als Juni), liegt da der Grund, dass dieses Jahr Augustschweine wieder schlechter als Juni erwartet werden??
Gruß IHH
@ IHH [#3]
Das Beispiel ist genau typisch für jedes Jahr. August ist immer in diesen Wochen (EndeApril/Anf.Mai)im Vergleich zum 10-jährigem Durchschnitt am schlechtesten bewertet. Das hat wohl was mit reinem Empfinden oder der Psychologie zu tun.
Jedenfalls konnte man mit gekauften Augustkontrakten in fast allen Jahren (außer im letzten Jahr) das meiste Geld verdienen.
Das Interessante daran noch zusätzlich, man konnte mit dem Kauf warten bis Mitte Juni, erst dann stieg das Vertrauen in den Sommermonat.
Gruß Paul
@ paul [#1]
Deine Einschätzung des Marktes teile ich mehr oder weniger. Die Futtermittelpreise werden national und international nicht sinken. Im Gegenteil, so wie es jetzt aussieht, könnten die Ernten bei Getreide im WJ 2011/12 geringer ausfallen als von vielen erwartet/erhofft. In vielen Ländern herrscht schon jetzt Trockenheit und Aussichten auf Besserung sind noch nicht abzusehen. Das wird auch auf diesem Sektor für Nachfrage auf dem Weltmarkt und somit steigenden Preisen führen. Die Vorräte sind international nur gering, was man ja überall auch lesen kann. Da reicht eine unterdurchschnittliche Ernte aus, die Preise steigen zu lassen.
Das wird dann natürlich auch zu steigender Nachfrage bei Fleisch, Milch usw. führen und auch hier das Niveau anziehen. Wie weit, dass wird tatsächlich der Weltmarkt bestimmen.
China, Korea, Japan, Russland usw. werden die Importmengen erhöhen müssen. Das wäre auch die Chance der Schlachtindustrie sich etwas unabhängiger vom LEH zu machen. Habe den Eindruck, dass hier nur einige wenige diesen Exportmarkt auch wirklich nutzen und pflegen. Wäre hier vielleicht auch mehr Unterstützung der Politik notwendig ? Denke, dass Politiker in Ländern wie USA, Brasilien usw. hier aktiver sind. Ob wir die Preise wie von Dir prognostiziert erreichen, bleibt abzuwarten. Die Richtung dürfte aber stimmen.
Mfg
Paul; die Frage ist aber: Werden wir auch Geld verdienen?
Und da bin ich mir nicht immer so sicher.
Das der Preis steigen wird; bleibt unumstritten; das habe ich schon Anfangs der Dioxinkriese gesagt; weil einfach die Menge nicht da ist und die Nachfrage hoch ist.
Aber uns nützen 2 Euro Schweinepreis auch recht wenig; wenn wir Futter für 80-90 Euro einkaufen und das Ferkel für 80 Euro frei Stall.
Das ist für mich immer der springende Punkt.
In dem Sinne
MFG
Mühlenbach
@ Muehlenbach [#6]
Man merkt, du bist durch und durch Schweinemäster.
Hab meine Einschätzung hier aber eingestellt um die zukünftigen Börsenentwicklungen zu hinterfragen. Gewinn oder Verlust der Produktion werden in anderen Forumsthemen diskutiert.
Gruß Paul