Schweine: Zwei Prozent niedrigere Schweinemast in Europa
EU-Bauern mästen weniger Schweine - Angebotsrückgang von über zwei Prozent
Agrarheute.com, lpd, Brüssel (13.09.08) - Der Zenit scheint in der Schweinehaltung überschritten zu sein, das wurde bereits im vergangenen Jahr deutlich. EU-weite Rückgänge der Mastschweinezahlen belegen die Entwicklung auch in diesem Jahr.
Nach einer Schätzung des Statistischen Amtes der Europäischen Gemeinschaft (Eurostat) werden den Schlachthöfen in der EU 2009 insgesamt voraussichtlich 250,9 Millionen Schweine angeliefert.
2006 wurden fast 253,9 Millionen und somit noch 1,2 Prozent mehr Schweine in der EU geschlachtet, 2008 waren es mit 256,7 Millionen Stück sogar 2,3 Prozent mehr, meldet der Landvolk-Pressedienst.
Deutschland größter europäischer Schweinefleischproduzent
Deutschland als größter europäischer Schweinefleischproduzent mästete im vergangenen Jahr 45,4 Millionen Tiere und somit 1,7 Prozent mehr als 2007. In diesem Jahr wird allerdings erwartet, dass die Mastschweinehaltung um 1,8 Prozent auf 44,6 Millionen Tiere reduziert wird. Spanien als zweitgrößter Mastschweineerzeuger in der EU reduzierte die Produktion zwischen 2007 und 2008 um 2,5 Prozent auf 40,8 Millionen Tiere. Für dieses Jahr wird dort wieder ein Rückgang um 0,7 Millionen Schweine erwartet.
Dänemark verdrängt Frankreich auf Platz vier
Hinter Deutschland und Spanien reiht sich Dänemark als drittgrößter Schweinemäster der EU ein. Die dänischen Betriebe weiteten ihre Bestände in den Jahren 2007 und 2008 um insgesamt eine Millionen Tiere aus und verdrängten Frankreich auf Platz vier. Für 2009 wird in Dänemark ein marginaler Rückgang von 0,3 Prozent auf 26,55 Millionen Schweine erwartet, Frankreich wird die Produktion vermutlich um 1,6 Prozent auf 25,6 Millionen Tiere drosseln. Entlastet wird der europäische Schweinemarkt voraussichtlich besonders durch die Abnahme des Schweineangebotes aus Tschechien um 29, aus Ungarn um elf und aus Österreich um sechs Prozent.
Niedersachsen produziert die meisten Schweine
Die Veredelungsregionen Niedersachsens produzieren mit für 2009 prognostizierten 3,88 Millionen Tieren vor Nordrhein-Westfalen und Bayern bundesweit die meisten Mastschweine. Der Bestand wird also im Vergleich zum Vorjahr sogar um fast eine Miliion ausgeweitet. Seit 1994 hat die Mastschweineproduktion in diesem Bundesland um fast 30 Prozent zugenommen. Doch ein Strukturwandel ist auch hier deutlich sichtbar, die Zahl der Mastschweinehalter geht im Gegensatz zum Gesamtbestand kontinuierlich zurück. 1994 gab es in Niedersachsen noch 27.609 Mäster, im Mai 2007 waren es weniger als 11.588.
Immer mehr große Betriebe
Zugenommen haben die größeren Betriebe mit mehr als 400 Tieren. Deren Anzahl ist zwischen 1994 und 2007 von 1.927 auf 3.319 Betriebe gestiegen. Im gleichen Zeitraum gaben 17.413 der ehemals 25.682 Höfe mit weniger als 400 Mastplätzen diesen Betriebszweig auf.
Kassamarkt: Schweine Lebendexport stützt Preise
Von Dr. Frank Greshake
Topagrar.com (13.08.09) - Die Mastschweinepreise sind der einzige schwache Lichtschimmer im derzeitigen Preisdesaster quer durch alle Agrarprodukte. Sie könnten zwar besser sein, aber sie hielten sich in den vergangenen Wochen doch relativ stabil. Das schreibt Dr. Frank Greshake von der Kammer NRW in seinem aktuellen Marktkommentar für das Wochenblatt Westfalen-Lippe. Seiner Meinung nach lag das aber keinesfalls am innerdeutschen Absatz.
Preissenkungen quer durch alle Edel- und Verarbeitungsteile hätten den Marktverlauf bestimmt. Der Absatz von Schweinefleisch in Deutschland wäre im ersten Halbjahr um 5 % rückläufig gewesen, bei Wurstwaren um 2 %. Trotz gutem Wetter hätten spezielle Schlachtunternehmen große Mengen Grillfleisch eingefroren. Andere hätten die Schlachtungen gedrosselt.
Zwei Faktoren sorgten laut dem Berater dennoch für stabile Erzeugererlöse: „Den knapperen und teureren Ferkeln im Frühjahr folgen im Sommer naturgemäß weniger Mastschweine. Dies war auch in diesem Jahr wieder so und ein saisonaler Angebotsrückgang von 5 bis 10 % war in den vergangenen Wochen wieder festzustellen“, erklärt Greshake. „Wenn dann die Schweine auch noch nicht wachsen wollen, verknappt sich das Angebot und die Schlachtgewichte fallen.“ Auch das wäre immer wieder zu beobachten gewesen und Gewichte unter 93 kg seien bei der Auto FOM-Vermarktung unmöglich. „Trotzdem wäre der Preis nicht zu halten gewesen, hätten nicht umfangreiche Lebendimporte den Markt gestützt“, ist sich der Experte sicher. Die Abfertigungen Richtung Osten hätten bisher nicht gekannte Ausmaße angenommen.
Viele Schweine sind laut Greshake nach Russland gegangen. Der Zollsatz für lebende Schweine liegt dort bei 5 %, für Fleisch bei 15 % und außerhalb der Einfuhrkontingente noch höher. Ende August seien wieder mehr Schweine zu erwarten. „Zwar sollte dann auch der innerdeutsche Verbrauch wieder anziehen, aber die Anzeichen sind eher gering. Der Verzehr tendiert rückläufig, während Geflügel Marktanteile gewinnt.“
Zu den Schlachtsauen erklärt der Kammerangestellte, dass das Angebot nach den Bestandsreduzierungen im vergangenen Jahr verhalten ist. Die Preise seien allerdings auf deutlich höherem Niveau, als es der Sauenfleischabsatz zulässt. Das werde voraussichtlich erst einmal so bleiben.
(Quelle: http://www.topagrar.com/?option=com_content&task=view&id=12865&Itemid=519)
Terminmarkt: Verkaufangebote drücken die Herbst- und Wintertermine
Am Terminmarkt der Eurex Frankfurt wurden 5 Schweine Futures der Monate August und September zu 0,4 bis 0,9 Cent niedrigeren Kursen gehandelt. In den Herbst- und Wintermonaten wurden die Kurse umsatzlos aufgrund niedrigerer Verkaufsangebote um meist 1 Cent niedriger getaxt.
Der M 12 Index für Schweine gab um 0,44 Cent auf 1,4259 Euro und damit ein neues Jahrestief nach.
Nach der Bewegungslosigkeit der Vortage gab es heute einen Umsatz von 7 Ferkel Futures mit Kursänderungen zwischen unverändert und plus 30 Cent. Index minus 2 Cent auf 46,38 Euro.
Der M 12 Index zeigt die erwarteten Schweinepreise August 2009 bis Juli 2010 und damit die Einnahmeseite der Mäster
Aussicht für morgen: Unverändert 1,56 Euro
Die vorhandenen Schlachtschweine werden weiterhin gut nachgefragt und sind zeitnah unterzubringen. Der Bedarf der Schlachtunternehmen kann ausreichend gedeckt werden.
Für morgen sind unveränderte Schweinepreise zu erwarten.
Guten Abend Herr Ebert,
Guten Abend Forum,
dass die EU-Schweineerzeugung dieses Jahr zurückgehen wird, ist ja nun keine echte Überraschung und eigentlich schon seit Anfang des Jahres klar. Der Rückgang wird 2009 vermutlich noch größer als 6 Millionen Tiere sein. Zur Halbzeit (1. Hj.) belief sich der Rückgang der Schlachtungen in wichtigen EU-Ländern schon auf gut 4 Millionen Tiere, am Jahresende werden es deutlich mehr sein.
Deutschland ist da mit seinem Anstieg der Erzeugung (etwa + 900.000 im 1. Hj.) die große Ausnahme. Und da bin ich auch schon bei meinem Kernhinweis:
Sie schreiben, mit Bezug auf die Eurostat Zahlen, "Deutschland als größter europäischer Schweinefleischproduzent mästete im vergangenen Jahr 45,4 Millionen Tiere und somit 1,7 Prozent mehr als 2007. In diesem Jahr wird allerdings erwartet, dass die Mastschweinehaltung um 1,8 Prozent auf 44,6 Millionen Tiere reduziert wird"
Die Eurostat Zahlen beziehen sich auf die sogenannte Bruttoeigenerzeung. Dabei sind alle importierten Ferkel und Mastschweine von der gesamten Produktion (Schlachtung) abgezogen, während die lebend ausgeführten Schweine noch zur Schlachtung hinzuaddiert werden. Die tatsächliche Produktion lag 2008 bei 54,8 mio. Schweinen. Ziehe ich davon nur die rund 5 Mio. importierten Schlachtschweine ab (weil die importierten Ferkel ja hier gemästet werden) dann haben die deutschen Mäster knapp 50 Mio. Schweine gemästet. o.k. die Ausfuhr von Ferkeln und Mastschweinen habe ich hierbei jetzt nicht berücksichtigt. Tut man dies, muss mann noch etwa 400.000 Tiere abziehen (die endgültigen Außenhandelszahlen für 2008 werden erst Ende 2009 erwaret!) und kommt dann auf etwa 49,5 Mio. Schweine, die in Deutschland gemästet werden.
Zweitens, auch die Zahlen für 2009 beziehen sich auf die Bruttoeigenerzeugung aber nicht auf die Mastschweinehaltung. Die Bruttoeigenerzeugung könnte tatsächlich etwas sinken, weil man die stark steigenden Lebendimporte bei diesem Produktionsindikator von den Schlachtungen abziehen muss. Die Zahl der gemästeten Schweine wird 2009 aber definitiv steigen, denn was passiert denn wohl mit den in diesem Jahr mehr eingeführten Ferkeln?
Ich gebe zu, dass sind statistische Spitzfindigkeiten, die Sie nicht kennen können. Ich schreibe das hier, damit keine Fehlinterpretationen der Eurostat Zahlen entstehen. Es gab ja mal eine Institution, die sich um so etwas gekümmert hat, aber die wurde unter dem Applaus so manches Marktbeteiligten vom Bundesverfassungsgerich kassiert. Aber man kann ja auf staatliche Zahlen warten und vertrauen... (siehe Außenhandel)
Gruß
MissPiggy
Korrektur:
Anstieg der Erzeugung (Schlachtungen) in Deutschland 1. Halbjahr + 740.000 Schweine, das entspricht einem Zuwachs von 2,7 %.
Gruß
MissPiggy
@ MissPiggy [#2]
Sie schreiben, mit Bezug auf die Eurostat Zahlen
Danke für Ihre wichtigen Hinweise. Nur 'geschrieben' habe ich es nicht, es war zitiert.