Bauer Bernie
Mitglied seit
12 Jahre 10 Monate

Schweinefutures einstampfen

Wenn ich es richtig gesehen habe sind gerade mal 8 offene Schweinekontrakte  an der Eurex.

Lange habe ich daran geglaubt, dass es nur einige Zeit dauert bis dieses Instrument zum Erfolg kommt. Leider ist das Gegenteil der Fall.

Laut Branchenkennern ist es für die wenigen Käufern im Schweinebereich nicht notwendig eine Absicherung zu betreiben. Die Marktkonzentration sorgt immer dafür, dass der Rohstoff Schwein in der überwiegenden Zeit eines Jahres billigst verfügbar ist.

Seit Mai diesen Jahres hatte ich versucht Kontrakte für Januar zu verschiedensten Preisen zu handeln - erfolglos.

Ich plädiere dafür dieses Siechtum des Schweinekontrakthandels an der Eurex zu beenden.

Es war eine Super Idee damals von Herrn Bonekamp. Doch leider sind die Marktverhältnisse so ungleich, dass ein Börsenhandel nicht einmal auf niedrigstem Stückzahlniveau zustandekommt.

Mfg

BB

Geschrieben von Bauer Bernie am
Lukas
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

Ja das stimmt. Die wenigen Käufer vom LEH haben es nicht mal notwendig, da er ja die Preise diktiert und die Statistiken die wir abgeben müssen, ihnen ja frei Haus geliefert werden und sie somit ein genaues Bild machen können.

paul
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

Die Schweinebörse hat mit ihrem bescheidenem Dasein über 15 Jahre den Schweinemarkt begleitet und dabei fast niemals Impulse auf  den Markt geben können. Der jetzige Untergang der Schweine Futures ist das klare Zeichen, dass Marktwirtschaft am Schweinemarkt in Deutschland (Europa)nicht funktioniert. Zu mächtig ist der LEH, zu mächtig die wenigen Schlachtriesen.

Ob der Preis steigt oder fällt entscheiden,  bis auf wenige Ausnahmen, die Konzerne und nicht der Markt. Politisch ist immer mit Fördertechniken das Ziel von gleichbleibend niedrigen Verbraucherpreisen verfolgt worden. Da hat der "Markt" und damit ein echtes Börsengeschehen am Schweinepreis wenig Chancen. Was in den USA funktioniert, wird hier unterdrückt. Schade

Cross-Flow
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

Meinem Verständnis nach war das Hauptproblem in den letzten 2. Jahren das die Margin von ca. 1000 € pro Kontrakt viel zu Hoch waren um irgendein Intresse seitens Käufer und Verkäufer zu bejaen. Ein Kontrakt für ca. 90 Schweine und dafür diese Sicherheiten zu hinterlegen ist absolut überzogen.

Die sollen mal auf 250 € runter gehen , dann würde auch die Nachfrage steigen und es würde auch mehr gehandelt.

Hausgemachtes Problem !!

Läufer
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@Cross-Flow

Margin von 260 € dividiert durch 8.000 kg  ergibt  3,25 ct/kg als maximale Schwankungsbreite, um sofort wieder Nachschußforderungen zu stellen. Man käme ja bei den üblichen Preisschwankungen aus den ständigen Nachschießen gar nicht mehr heraus oder Zwangsglattstellung droht zum Ärger des Betroffenen.

1.000 €  dividiert durch 8.000 kg  ergibt 12,5 ct /kg Schwankungsbreite; das ist schon eher realistisch.

Es wird börsentäglich abgerechnet!

meint der Läufer

Bauer Bernie
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@Cross Flow

keine 5 Kontrakte mehr würden deshalb gehandelt. Außerdem sind Avalkredite momentan ja auch saubillig.

Daran liegt es sicher nicht.

mfg

BB

Ackerspezi
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

 Nur eine Fälligkeit pro Monat ist zu wenig für einen Rein-Raus -Mäster!

was hift es, wenn ich eine Fälligkeit pro Monat handle, die Schweine aber eine woche eher oder später fett sind: gerade die letzten beiden JAhre habe ich es zwei mal erlebt: 10 cent Differenz zum angedachten Termin- da ist jede Absicherung sogar noch contraproduktiv,.... leider. Funktioniert hingegen bei den Kartoffeln perfekt: da bin ich sehr froh, dieses Instrument nutzen zu können. Von mir aus können die Schweine getrost eingestampft werden!

Bre
Mitglied seit
12 Jahre 5 Monate

Mangelnde Teilnahme beim Schweinefuture. Auch kein drängendes Interesse aus landwirtschaftlicher Sicht ersichtlich. Warum?   

Auf der Suche nach einer Erklärung:

In Deutschland gibt es nach der jüngsten Viehzählung rd. 22.000 Mastschweine-haltende Betriebe. Betriebe mit Stalleinheiten oberhalb von 400 Plätzen belaufen sich auf rd. 10.000.

Oberhalb von 1.000 Plätzen sind es rd. 3.200 Betriebseinheiten bzw. 14 %, die rd. 50 % der Schweine in Deutschland halten. Die Größenordnung lässt vermuten, dass es sich hierbei überwiegend um spezialisierte Haupterwerbsbetriebe handelt. Wenn nur 50 % dieser Betriebe ein Absicherungsbedürfnis aus welchem Grund auch immer haben sollten, würde daraus ein denkbares Potenzial von 1.600 Börsenteilnehmern entstehen.

Die tatsächlich an der Börse aktiv gewordenen Teilnehmer gehen jedoch nicht mal über 50 hinaus und es werden immer weniger. Warum interessieren sich mehr als 95 % der potentiell in Betracht kommenden Hedger nicht für die Absicherung?

  1. These: Spezialisierte Schweinemäster betrachten in der überwiegenden Zahl das Preisunsicherheitsproblem der Schweinevermarktung nicht als vorrangiges individuelles aktives Handlungsfeld zur Einkommensverbesserung. Produktionstechnik und hohe Stallauslastung besitzen höhere Prioritäten. Tatsächlich kann die Absicherung Einkommen nicht verbessern,  sondern in 1. Linie „nur“ stabilisieren.
  2. These: Die Stabilisierung des Einkommens erreichen Mäster dieser Größenordnung auch über die gleichmäßige Belieferung aus 5 Mastabteilen bei einer Umtriebsrate von 2,7. Der Mäster ist jeden Monat eines Jahres im Markt dabei und erwischt gute und schlechte Preise. Im Durchschnitt steht er genau so da, wie mit einer undifferenzierten Vollabsicherung. Selbst ein stallweises Rein-Raus-Verfahren mit Verkaufs- und Reinigungszeiträumen von 2 bis 3 Wochen erreicht mit 4 Ställen und 2,7 Umtrieben eine weitgehende jahreszeitliche Abdeckung der gezahlten Preise.
  3. These: Vorhersehbare übliche Preisbewegungen auf dem Schweinefleischmarkt sind in den Terminkursen weitgehend eingepreist. Im Gegensatz zu den USA liefern die EU-Viehzählungen wieder zunehmend bessere Vorausberechnungen. Der Spielraum für ein erfolgreiches Absicherungsgeschäft ohne unkalkulierbare Störfaktoren ist nicht sehr groß. Teilabsicherungen mindern den Endeffekt nochmal.
  4. These: Schwerwiegende Preisverwerfungen im Schweinemarkt resultieren häufig aus unkalkulierbaren Entwicklungen wie Seuchenausbrüche, Wetteranomalien, konjunkturelle Wirtschaftseinflüsse sowie politischen Aktivitäten von außen. Unkalkulierbare Einflüsse zu kompensieren, setzt überwiegend Vollabsicherung voraus. (Vollabsicherung siehe oben)
  5. These: Eine erfolgversprechende Absicherung im Sinne einer Besserstellung gegenüber Nichtabsicherern setzt eine intensive vorausschauende Beschäftigung mit dem Markt und seinem Umfeld voraus. Dieser Arbeits- und Zeitaufwand wird in keinem angemessenen Verhältnis zum Erfolg gesehen. Der systematisch erreichte Erfolg  geht kaum über den Zufallserfolg hinaus.
  6. These: Psychologische Hemmschwelle: Börsen passen schwer in das Bild eines vertrauten Vermarktungspartners wie Genossenschaften und privater Landhandel vor Ort. Die flexible Handhabung des Absicherungsinstruments ist den meisten ungeläufig, weil häufig Zielsetzung und  Funktionsweise nicht voll verstanden sind.
  7. These: Eine Mehrzahl von Mästern fühlt sich mit Erzeugergemeinschaften und Abnahmeverträgen ohne große Eigenanstrengungen bei der Vermarktung ausreichend abgesichert.
  8. These: Mäster konzentrieren ihr Augenmerk überwiegend auf kurzfristige Aktionen wie verzögertem Abverkauf oder Neuaufstallung. Eine mittelfristige flexible Produktionsplanung mit vorausfixierten Ein- und Ausstallungsterminen wie z. B. im Geflügelbereich spielt keine große Rolle und ist auch angesichts der engen Vermarktungsmasken nur begrenzt möglich.
  9. These: 4 - 5-stellige Finanzbeträge für mehrere Kontrakte zur bloßen Hinterlegung bilden offensichtlich eine nicht leicht zu überwindende Hemmschwelle im Anfangsstadium, weil die Liquidität enger wird. (das Problem sollte aber eleganter gelöst werden können und die Lösung stärker in den Vordergrund gerückt werden.)
  10. These: die zunehmende Abkehr von praktizierenden Hedgern steigt mit unausweichlichen negativen Erfahrungen und der Erkenntnis, dass es auch ohne Absicherung weitergeht. Intensive Marktbeobachter werden es jedoch bedauern.
  11. These: . . . . . . . .

 Wer hat bessere überzeugende Erklärungen, außerhalb von  technischen Details?

holz
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

Die Zeit in denen der Mäster durch Aufstockung der Kapazitäten usw. den Betrieb allein erfolgreich entwickeln konnte neigt sich dem Ende. Ein- und Verkauf werden eine grössere Bedeutung erlangen. Eine Absicherung am Terminmarkt würde einzig und alleine mehr Markt schaffen und der Konzentration der Abnehmer entgegenwirken. Klar, was bei den Schweinen fehlt sind die Käufer, da die Abnehmer sich nicht bewegen werden müssen Spekulanten her. Die Futures einzustampfen wäre, die Hoffnungen das es irgendwann mal einen Markt bei den Schweinen gibt, zu zerstören. Die Mäster sind gefragt die Spekulanten zu locken und gleichzeitig bei den Ferkeln mal mit den Berufskollegen das Absichern am Terminmarkt zu üben.

paul
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

These 11:  Es gibt in den Bereichen Schlachtkonzerne / LEH keine verlässliche zugängliche  Zahlen über jahreszeitliche Verträge, über eingelagerte Ware über automatische Preisanpassungen der Partner.  Wer an der Börse handelt fühlt sich bei diesen notwendigen Infos im Stich gelassen. Der Preis am Schweinemarkt in Deutschland/Europa wird einzig und allein im Bereich Schlachtkonzerne/LEH gemacht.  Selbst bei sehr knappen Stückzahlen ist ein Preisanstieg  als Börsenerwartung immer noch vom Daumen "rauf" oder "runter" dieser Multis abhängig. Nicht der Markt, sondern die Multis bestimmen willkürlich den Preis. Wer soll das unberechenbare Risiko eingehen.  

Bre
Mitglied seit
12 Jahre 5 Monate

@ Paul zur These 11

Wann ist eine  Börse zur Absicherung oder auch Spekulation wichtiger?  In wenig kalkulierbaren volatilen Märkten oder bei hinreichend zuverlässig berechenbaren Markt- und Preisverläufen? 

Zum Thema Marktbeherrschung:

In den USA beherrschen 25 sog. Pork-Powerhouses ca. 50 % der Schweinefleischerzeugung. Ein Pork-Powerhouse beginnt ab rd. 25.000 Sauen zuzüglich Mast und endet bei Größenordnungen von rd. 1 Mio. Sauen plus Mast plus Schlachtung und Weiterverarbeitung in unterschiedlichen Kooperationsformen einer vertikalen Integration. (siehe Dateianhang)

In den USA werden vierteljährliche Lebend-Inventuren und regelmäßige Erfassung der Fleischbestände in den Schlacht-/Zerlegebetrieben und Warenhäusern  veröffentlicht. Die Daten liefern begrenzte Aussagewerte, wie in den letzten beiden Jahren in den einschlägigen US-Kommentaren nachzulesen war.

An der Chicagoer Börse werden  Schweinekontrakte zu knapp 18 t je Kontrakt definiert. Der Margin beträgt zurzeit  rd 1.200 Dollar. Je nach Monat beträgt der Kontraktbestand zwischen 1.000 bis etwas über 100.000 (z.B. Dez 2014). Es werden nur 8 Liefermonate gehandelt.

Liefert die These 11 einen Erklärungsbeitrag oder ist sie nicht eher in  sich widersprüchlich?

MfG  Bre

Spekulatius_Maximus
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

Antwort auf von Bre

allerdings haben die heimischen Schlachtkonzerne bisher kein Interesse an einer Terminbörse für Schweine gehabt. 
Das Interesse bei den landwirten war anfangs ja sehr groß...

Bre
Mitglied seit
12 Jahre 5 Monate

@S.M.

Zitat: Das Interesse bei den Landwirten war anfangs ja sehr groß...

Das echte  Interesse war bei überschaubar wenigen Landwirten (keine 100) nicht nur sehr groß, sondern bei einigen sogar euphorisch. Bin selbst einer, der seinerzeit mit Vollgas auf diese Bahn gegangen ist und jetzt den großen Frust hat. Was mich antreibt, ist die Frage, was im Kern nicht stimmt, um die Karre ans Laufen zu bringen.

These 12: Der Teufelskreis des Anfangs: Angesichts der niedrigen Kontraktabschlüsse haben Großkunden der Börse - um die abgegriffene Formel von Schlachtkonzernen, LEH und Co  zu neutralisieren - kaum ein nennenswertes Interesse, auf den Zug (besser Bimmelbahn) aufzuspringen. Die für Großkunden interessante Größenordnung von jederzeit liquidierbaren Kontrakten wurde auch nicht im Ansatz erreicht. Das gilt im Grundsatz auch für Spekulanten.

Denkbar wäre ja auch ein Handel unter Erzeugern selbst, denn die Sichtweisen und Erwartungen jedes Einzelnen über zukünftige Preise sind hinsichtlich des Ausmaßes und teilweise auch der Richtung durchaus unterschiedlich. Eine gleiche Generallinie begrenzt jedoch den möglichen Umfang des Handelsgeschäftes. Aber das setzt aufwandsintensive Marktbeobachtung voraus (siehe Thesen oben)  Bleibt also die Gretchenfrage: Wie erreicht man den kritischen Punkt ausreichend großer Kontraktabschlüsse für eine erweiterte Kundschaft; dann wird's ein Selbstläufer.

Immer noch auf der Suche  . . .

These 13:  . . . .

MfG  Bre   .

 PS.: Die USA hatten es einfacher, sie sind in mehr als einem Jahrhundert mit dieser Geschäftspraxis groß geworden und haben sich sukzessive entwickelt. Ist der riesige Nachholschritt zu leisten?

holz
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

Antwort auf von Bre

These 13:

Mal mit den Ferkel anfangen, da haben es die Landwirte selbst in der Hand für Liquidität zu sorgen(Ferkelerzeuger als Verkäufer und Mäster als Käufer). Wenn es dann verstanden ist wie die Terminmarktabsicherung funktioniert, kommt auch bei den Schweinen etwas in Gang.

paul
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

These 14 auf die eingangs von Bre gestellte Frage

Die Interessenten wissen auch: jeder Gewinn auf der einen Seite verursacht einen Verlust auf der anderen Seite. Dazu Maklergebühren und Sicherheiten.  Win-win gibts nicht.

Spekulatius_Maximus
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

Paul, Versicherungen kosten geld. Die Frage ist einfach, will oder muss ich mir das leisten?. WinWin ist schon Möglich, wenn man die Funktion der Versicherung einbezieht.

holz
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

Antwort auf von paul

Ich frage mich warum die Terminmärkte weltweit funktionieren, doch nicht, weil es nichts zu verdienen gibt?

Ich glaube, bei den Schweinen liegt es einfach daran, weil die Mäster nichts davon verstehen.

Bauer Bernie
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

Genau lieber Holz,

deshalb sind auch immer Hedger am Markt, Käufer aber keine.  Ihre Logik sollten Sie näher erläutern.

Mfg

BB

paul
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

Und noch ein Grund weshalb der "Markt" hier nur halbherzig funktioniert und in Deutschland (Europa ) für viele die Börse wenig reizvoll ist.

Herr Clemens Tönnies hat heute in einem WB- Gespräch folgenden Satz gesagt: "Auch wenn der Export bis   50 % ausmacht: Unseren Stammmarkt Deutschland und auch Europa werden wir niemals vernachlässigen- auch nicht für einen besseren Preis."     

Im Umkehrschluss heißt das, unser inländischer Markt wird erstmal versorgt,egal ob  woanders erheblich mehr zu erzielen wäre. Der Weltmarktpreis ist für die Versorgung unserer LEH Konzerne aussen vor. Solange die Spanne für die Schlachter stimmt und durch günstigen Einkauf gesichert ist interessiert der Weltmarktpreis nur für die überschüssige Exportware.  Und solange wir Überschüsse produzieren gibt es Angebot und Nachfrage nicht wirklich.

holz
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

Was ich sagen will ist, dass die Terminmärkte Ihre Funktion zur Nahrungsmittelversorgung erfüllen indem sie mittels Kursbewegungen für ein über die Jahre marktgerechtes Angebot sorgen. Je nach Situation auf den physischen Märkten gibt es mal für Käufer und ein anderes Mal für den Verkäufer am Terminmarkt etwas zu verdienen bzw. empfiehlt sich eine Absicherung. Natürlich wird am Terminmarkt auch Geld verloren, sei es durch die Produzenten/Verarbeiter (die dann aber bei einem sachgerechten Umgang entsprechend am physischen Markt verdienen) oder durch die Spekulanten. Deshalb nochmals: Die Futures einzustampfen wäre, den Versuch, dass es irgendwann einmal einen funktionierenden Markt bei den Schweinen gibt, zu zerstören. Die Mäster sind gefordert die Spekulanten zu locken, der Kurszyklus gibt allemal Anlass auf gute Spekulationsgeschäfte.

Bre
Mitglied seit
12 Jahre 5 Monate

@ alle Ferkelerzeuger und Mäster

Warum ist der Ferkelfuture noch töter als der Schweinefuture?

Ich liefere mal eine Vorlage:

Die aktuellen Ferkelpreise Mitte Okt.-14 von 33 € je 25 kg NW wurden auf diesem Niveau nicht vorhergesehen. Die Terminnotierungen lagen noch Ende Aug/Anf. Sept.14  für den Monat Okt.14  noch auf dem Niveau von 50 € je  25 kg Tier. Bei einer Absicherung für den Ferkelerzeuger wäre ein Börsengewinn von 1.700 € (100 Ferkel je Kontrakt) herausgekommen und für den Mäster der entsprechende Börsenverlust.

Welcher Mäster hätte für die üblich schwache Herbstphase eines Jahres ein Interesse an einer Absicherung gehabt? Auch Ferkelerzeuger glaubten an hinreichend stabile Ferkelpreise aufgrund vorausgegangener Erfahrungen der letzten Jahre. Allerdings haben in diesem Falle weder Mäster noch Ferkelerzeuger die Kurse an der Eurex beeinflusst, sondern die Preise wurden einfach nach besten Wissen und Gewissen gesetzt.

Ja Ja, hinterher . . .

Machen Sie mal das gleiche Spiel für den kommenden Febr. 2015 und liefern eine fundierte Begründung für Ihre Einschätzung zum Abschluß eines Ferkelfutures

Bin mal gespannt, was da kommt.

MfG  Bre

holz
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

Leider bin ich kein "Schweinefachmann" und habe keine Meinung zur Entwicklung der Ferkel-/Schweinepreise. Ich denke nur eins, wenn sich Mäster und Ferkelerzeuger "einigen" und einen Terminkontrakt handeln, dann ist eine Absicherung von beiden Seiten erfolgt, die am Kassamarkt meines Wissens für Zukunfts-Termine nicht möglich ist. Korrigieren Sie mich bitte, wenn es anders ist. Wenn sich Mäster und Ferkelerzeuger nicht einigen, wollen beide Seiten weiter spekulieren, weil Sie hoffen, dass sich das Blatt zu Ihren Gunsten wendet. Nach dem Motto „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ brauchen wir in der Tat keinen Terminmarkt.

Bei einer längerfristigen Absicherung haben beide Seiten die Möglichkeit die Produktion zu steuern um bei entsprechenden Preisen mehr oder weniger zu produzieren. Selbstverständlich macht es dabei wenig Sinn die kurzfristigen Futures zu handeln, sondern eher die späteren Futures. Eine Steuerung der Produktion spart Kosten und optimiert die Gewinne und hier liegt ein Vorteil einer längerfristigen Absicherung.

Übrigens, weitere Vorteil des Terminmarktes: Die Transparenz der Preise und die uneingeschränkte Teilnahmemöglichkeit für Spekulanten.

Nadine
Mitglied seit
12 Jahre 10 Monate

Ein Aspekt, der bisher noch nicht besprochen wurde: (- oder habe ich das überlesen?)

Ein wesentlicher Unterschied zwischen den Schweinefutures an der CME und denen in Frankfurt ist, dass in den USA die Futures physisch erfüllt werden können. An der Eurex wird statt dessen ein Index aus einigen bedeutenden Kassanotierungen ermittelt und damit abgerechnet.

Als der Future in Hannover entwickelt wurde, war die Erfüllung eines Termingeschäfts mit physischer Lieferung auch in Deutschland möglich. Damals hatten wir Umsätze an der Terminbörse, weil auch die Käuferseite Handelskonten hatte und die Börse für die Beschaffung von Schweinen genutzt wurde. Das hat sich geändert, als auf das cash-Settlement umgestellt wurde. An der Frankfurter Terminbörse ist eine physische Lieferung gar nicht möglich, weil es Ländersache ist, ob eine Terminb örse physischer erfüllen kann oder nicht. Und Hessens Gesetze lassen es nicht zu. Niedersachsen und auch Sachsen aber schon.

Fast alle Agrar-Terminbörsen weltweit machen gute Umsätze mit Kontrakten, die eine physischen Erfüllung möglich machen, weil damit neben der Preissicherung auch die Bezugs- und absatzsicherung möglich ist.

Wenn die Eurex Anfang 2015 ihre Agrarfutures an die EEX nach Leipzig überträgt, wäre die Umstellung der Kontrakte auf physische erfüllung wieder möglich. Da ist meines Erachtens eine Chance für einen Neustart der Schweinefutures.

Bre
Mitglied seit
12 Jahre 5 Monate

@Nadine

Zitat: Fast alle Agrar-Terminbörsen weltweit machen gute Umsätze mit Kontrakten, die eine physischen Erfüllung möglich machen, weil damit neben der Preissicherung auch die Bezugs- und absatzsicherung möglich ist.

Wenn es richtig ist, dass eine Börse um so besser funktioniert, je mehr Liquidität vorhanden ist, die mit einer möglichst großen Zahl von Spekulanten erreicht wird, dann stellt sich die Frage der Physischen Erfüllung als Garant für ein erfolgreiches Futuregeschäft nicht mehr.

Physische Abwicklung ist umständlich, ein Neuaufbau noch schwieriger. Was in den USA in mehr als einem Jahrhundert aufgebaut und ausgefeilt wurde, ist hierzulande kaum übertragbar. Ganz zu schweigen von der unterschiedlichen Vermarktungsmentatlität.

Wie geht das zusammen: eine Erhöhung der Bezugs- und Absatzsicherheit durch physische Erfüllung bei unkalkulierbaren vorzeitigen Glattstellungsmöglichkeiten?

Oder hab ich was übersehen?

MFG  Bre

Nadine
Mitglied seit
12 Jahre 10 Monate

Antwort auf von Bre

Futures sind Instrumente zur Preissicherung für Kassamarktbeteiligte. Um die Liquidität zu erhöhen sind Spekulanten willkommen, aber ohne Teilnehmer aus dem Kassamarkt geht es nicht. Seit die Schweinefutures in Hannover auf Bar-Ausgleich umgestellt wurden, fehlt die Käuferseite und inzwischen fehlen auch die Verkäufer....

Wenn die physische Abwicklung von der Börse auch schwer zu regeln ist, so ist es in Hannover doch gelungen. Auch die EEX in Leipzig versteht sich auf physische Liefeungen auf Terminkontrakte. Die Spezifikationen für Schweinefutures liegen noch in der Schublade der EWB.

Wer einen Kontrakt mit physischer Erfüllung an der Börse eingeht, erhält die beste Bezugs-und Absatzsicherheit, denn wie der Austausch der Ware stattfindet, ist durch das Regelwerk der Börse genau festgelegt. Es gab in Hannover auch Wochenkontrakte, in die man wenige Wochen vor der Fälligkeit rollen konnte. Wenn wieder genügend Händler an der Börse tätig sind, ist das Orderbuch wieder gut gefüllt und auch eine vorzeitige Glattstellung dann jederzeit möglich.

Bre
Mitglied seit
12 Jahre 5 Monate

@Nadine

Meines Wissens nach ist die physische Erfüllung eher eine vertrauenserfüllende Randerscheinung von Futuregeschäften mit dem Zwang für Börsenkurse sich an den Kassaentwicklungen im Fälligkeitszeitpunkt zu orientieren. Die Praxis in den USA zeigt, dass physische Erfüllung gelegentlich mal häufiger auftritt, aber nicht die Regel darstellt. Wäre auch bei den Zahlen gar nicht umsetzbar!

Allerdings kann  man sich gut vorstellen, dass eine gewisse Psychologie dahinter stehen mag. Manche brauchens konkret fassbar und misstrauen der abstrakten Papier-/Elektronikform.

Besteht ein Bedarf an bester Bezugs- und Absatzsicherheit, dass es hierzulande vorrangig zu lösen gilt? Wer Schweine haben will, bekommt sie, Wer Schweine verkaufen will,  wird sie  los. Das Problem ist doch in 1. Linie die Preissicherung!

Besteht wirklich eine  überprüfte Ursache-Wirkungs-Beziehung zwischen der Abschaffung von Barausgleich und Börsenteilnahme? Oder handelt es sich um ein zufällige Zeitgleichheit? 

Warum hat man in Hannover nicht sofort umgeschaltet, wenn es eine solche Beziehung geben sollte?

Immer noch auf der Suche nach stimmigen Thesen

MfG  Bre

Nadine
Mitglied seit
12 Jahre 10 Monate

Hallo Bre,

Du hast natürlich Recht, dass eine physische Erfüllung die absolute Ausnahme ist. Da aber die Möglichkeit der Abnahme/Lieferung besteht, wird das Börsengeschäft konkret und alleine die Möglickeit mit Ware erfüllen zu können, hat in Hannover dazu geführt, dass auch Schlachthöfe Börsenkonten hatten.

Es kommt noch hinzu, dass ein Index immer streitbar ist. Man sieht fas an dem Euribor-Problem das die Deutsche Bank hat. Angeblich haben Deutsche-Bank-Mitarbeiter die Euribor-Index-Parameter beeinflusst....und nun soll die Bank eine Milliarden-Strafe zahlen. Ich will jetzt nicht behaupten, dass der Schweine-Index unfaire Preise widerspiegelt. Wer aber mit seinem Börsengeschäft unzufrieden ist, erhebt schnell mal solche Vorwürfe und das zerstört das Vertrauen in die Börse.

Hannover konnte damals gar nicht mehr gegen steuern, denn die Verhandlungen mit der Eurex wären sonst wohl gescheitert.....

holz
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

Physische Erfüllung hin oder her, ich denke in jedem Fall stört sie nicht. Nur meine lieben Diskutanten, ich bin der Meinung, dass man mit einer mittelfristigen Produktionssteuerung Geld verdienen kann. Hallo "Schweinefachleute", meldet Euch zu Wort!

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