Schweinefutures einstampfen
Wenn ich es richtig gesehen habe sind gerade mal 8 offene Schweinekontrakte an der Eurex.
Lange habe ich daran geglaubt, dass es nur einige Zeit dauert bis dieses Instrument zum Erfolg kommt. Leider ist das Gegenteil der Fall.
Laut Branchenkennern ist es für die wenigen Käufern im Schweinebereich nicht notwendig eine Absicherung zu betreiben. Die Marktkonzentration sorgt immer dafür, dass der Rohstoff Schwein in der überwiegenden Zeit eines Jahres billigst verfügbar ist.
Seit Mai diesen Jahres hatte ich versucht Kontrakte für Januar zu verschiedensten Preisen zu handeln - erfolglos.
Ich plädiere dafür dieses Siechtum des Schweinekontrakthandels an der Eurex zu beenden.
Es war eine Super Idee damals von Herrn Bonekamp. Doch leider sind die Marktverhältnisse so ungleich, dass ein Börsenhandel nicht einmal auf niedrigstem Stückzahlniveau zustandekommt.
Mfg
BB
Ja das stimmt. Die wenigen Käufer vom LEH haben es nicht mal notwendig, da er ja die Preise diktiert und die Statistiken die wir abgeben müssen, ihnen ja frei Haus geliefert werden und sie somit ein genaues Bild machen können.
Die Schweinebörse hat mit ihrem bescheidenem Dasein über 15 Jahre den Schweinemarkt begleitet und dabei fast niemals Impulse auf den Markt geben können. Der jetzige Untergang der Schweine Futures ist das klare Zeichen, dass Marktwirtschaft am Schweinemarkt in Deutschland (Europa)nicht funktioniert. Zu mächtig ist der LEH, zu mächtig die wenigen Schlachtriesen.
Ob der Preis steigt oder fällt entscheiden, bis auf wenige Ausnahmen, die Konzerne und nicht der Markt. Politisch ist immer mit Fördertechniken das Ziel von gleichbleibend niedrigen Verbraucherpreisen verfolgt worden. Da hat der "Markt" und damit ein echtes Börsengeschehen am Schweinepreis wenig Chancen. Was in den USA funktioniert, wird hier unterdrückt. Schade
Meinem Verständnis nach war das Hauptproblem in den letzten 2. Jahren das die Margin von ca. 1000 € pro Kontrakt viel zu Hoch waren um irgendein Intresse seitens Käufer und Verkäufer zu bejaen. Ein Kontrakt für ca. 90 Schweine und dafür diese Sicherheiten zu hinterlegen ist absolut überzogen.
Die sollen mal auf 250 € runter gehen , dann würde auch die Nachfrage steigen und es würde auch mehr gehandelt.
Hausgemachtes Problem !!
@Cross-Flow
Margin von 260 € dividiert durch 8.000 kg ergibt 3,25 ct/kg als maximale Schwankungsbreite, um sofort wieder Nachschußforderungen zu stellen. Man käme ja bei den üblichen Preisschwankungen aus den ständigen Nachschießen gar nicht mehr heraus oder Zwangsglattstellung droht zum Ärger des Betroffenen.
1.000 € dividiert durch 8.000 kg ergibt 12,5 ct /kg Schwankungsbreite; das ist schon eher realistisch.
Es wird börsentäglich abgerechnet!
meint der Läufer
@Cross Flow
keine 5 Kontrakte mehr würden deshalb gehandelt. Außerdem sind Avalkredite momentan ja auch saubillig.
Daran liegt es sicher nicht.
mfg
BB
Nur eine Fälligkeit pro Monat ist zu wenig für einen Rein-Raus -Mäster!
was hift es, wenn ich eine Fälligkeit pro Monat handle, die Schweine aber eine woche eher oder später fett sind: gerade die letzten beiden JAhre habe ich es zwei mal erlebt: 10 cent Differenz zum angedachten Termin- da ist jede Absicherung sogar noch contraproduktiv,.... leider. Funktioniert hingegen bei den Kartoffeln perfekt: da bin ich sehr froh, dieses Instrument nutzen zu können. Von mir aus können die Schweine getrost eingestampft werden!
Mangelnde Teilnahme beim Schweinefuture. Auch kein drängendes Interesse aus landwirtschaftlicher Sicht ersichtlich. Warum?
Auf der Suche nach einer Erklärung:
In Deutschland gibt es nach der jüngsten Viehzählung rd. 22.000 Mastschweine-haltende Betriebe. Betriebe mit Stalleinheiten oberhalb von 400 Plätzen belaufen sich auf rd. 10.000.
Oberhalb von 1.000 Plätzen sind es rd. 3.200 Betriebseinheiten bzw. 14 %, die rd. 50 % der Schweine in Deutschland halten. Die Größenordnung lässt vermuten, dass es sich hierbei überwiegend um spezialisierte Haupterwerbsbetriebe handelt. Wenn nur 50 % dieser Betriebe ein Absicherungsbedürfnis aus welchem Grund auch immer haben sollten, würde daraus ein denkbares Potenzial von 1.600 Börsenteilnehmern entstehen.
Die tatsächlich an der Börse aktiv gewordenen Teilnehmer gehen jedoch nicht mal über 50 hinaus und es werden immer weniger. Warum interessieren sich mehr als 95 % der potentiell in Betracht kommenden Hedger nicht für die Absicherung?
Wer hat bessere überzeugende Erklärungen, außerhalb von technischen Details?
Die Zeit in denen der Mäster durch Aufstockung der Kapazitäten usw. den Betrieb allein erfolgreich entwickeln konnte neigt sich dem Ende. Ein- und Verkauf werden eine grössere Bedeutung erlangen. Eine Absicherung am Terminmarkt würde einzig und alleine mehr Markt schaffen und der Konzentration der Abnehmer entgegenwirken. Klar, was bei den Schweinen fehlt sind die Käufer, da die Abnehmer sich nicht bewegen werden müssen Spekulanten her. Die Futures einzustampfen wäre, die Hoffnungen das es irgendwann mal einen Markt bei den Schweinen gibt, zu zerstören. Die Mäster sind gefragt die Spekulanten zu locken und gleichzeitig bei den Ferkeln mal mit den Berufskollegen das Absichern am Terminmarkt zu üben.
These 11: Es gibt in den Bereichen Schlachtkonzerne / LEH keine verlässliche zugängliche Zahlen über jahreszeitliche Verträge, über eingelagerte Ware über automatische Preisanpassungen der Partner. Wer an der Börse handelt fühlt sich bei diesen notwendigen Infos im Stich gelassen. Der Preis am Schweinemarkt in Deutschland/Europa wird einzig und allein im Bereich Schlachtkonzerne/LEH gemacht. Selbst bei sehr knappen Stückzahlen ist ein Preisanstieg als Börsenerwartung immer noch vom Daumen "rauf" oder "runter" dieser Multis abhängig. Nicht der Markt, sondern die Multis bestimmen willkürlich den Preis. Wer soll das unberechenbare Risiko eingehen.
@ Paul zur These 11
Wann ist eine Börse zur Absicherung oder auch Spekulation wichtiger? In wenig kalkulierbaren volatilen Märkten oder bei hinreichend zuverlässig berechenbaren Markt- und Preisverläufen?
Zum Thema Marktbeherrschung:
In den USA beherrschen 25 sog. Pork-Powerhouses ca. 50 % der Schweinefleischerzeugung. Ein Pork-Powerhouse beginnt ab rd. 25.000 Sauen zuzüglich Mast und endet bei Größenordnungen von rd. 1 Mio. Sauen plus Mast plus Schlachtung und Weiterverarbeitung in unterschiedlichen Kooperationsformen einer vertikalen Integration. (siehe Dateianhang)
In den USA werden vierteljährliche Lebend-Inventuren und regelmäßige Erfassung der Fleischbestände in den Schlacht-/Zerlegebetrieben und Warenhäusern veröffentlicht. Die Daten liefern begrenzte Aussagewerte, wie in den letzten beiden Jahren in den einschlägigen US-Kommentaren nachzulesen war.
An der Chicagoer Börse werden Schweinekontrakte zu knapp 18 t je Kontrakt definiert. Der Margin beträgt zurzeit rd 1.200 Dollar. Je nach Monat beträgt der Kontraktbestand zwischen 1.000 bis etwas über 100.000 (z.B. Dez 2014). Es werden nur 8 Liefermonate gehandelt.
Liefert die These 11 einen Erklärungsbeitrag oder ist sie nicht eher in sich widersprüchlich?
MfG Bre
Antwort auf @ Paul zur These 11 von Bre
allerdings haben die heimischen Schlachtkonzerne bisher kein Interesse an einer Terminbörse für Schweine gehabt.
Das Interesse bei den landwirten war anfangs ja sehr groß...
@S.M.
Zitat: Das Interesse bei den Landwirten war anfangs ja sehr groß...
Das echte Interesse war bei überschaubar wenigen Landwirten (keine 100) nicht nur sehr groß, sondern bei einigen sogar euphorisch. Bin selbst einer, der seinerzeit mit Vollgas auf diese Bahn gegangen ist und jetzt den großen Frust hat. Was mich antreibt, ist die Frage, was im Kern nicht stimmt, um die Karre ans Laufen zu bringen.
These 12: Der Teufelskreis des Anfangs: Angesichts der niedrigen Kontraktabschlüsse haben Großkunden der Börse - um die abgegriffene Formel von Schlachtkonzernen, LEH und Co zu neutralisieren - kaum ein nennenswertes Interesse, auf den Zug (besser Bimmelbahn) aufzuspringen. Die für Großkunden interessante Größenordnung von jederzeit liquidierbaren Kontrakten wurde auch nicht im Ansatz erreicht. Das gilt im Grundsatz auch für Spekulanten.
Denkbar wäre ja auch ein Handel unter Erzeugern selbst, denn die Sichtweisen und Erwartungen jedes Einzelnen über zukünftige Preise sind hinsichtlich des Ausmaßes und teilweise auch der Richtung durchaus unterschiedlich. Eine gleiche Generallinie begrenzt jedoch den möglichen Umfang des Handelsgeschäftes. Aber das setzt aufwandsintensive Marktbeobachtung voraus (siehe Thesen oben) Bleibt also die Gretchenfrage: Wie erreicht man den kritischen Punkt ausreichend großer Kontraktabschlüsse für eine erweiterte Kundschaft; dann wird's ein Selbstläufer.
Immer noch auf der Suche . . .
These 13: . . . .
MfG Bre .
PS.: Die USA hatten es einfacher, sie sind in mehr als einem Jahrhundert mit dieser Geschäftspraxis groß geworden und haben sich sukzessive entwickelt. Ist der riesige Nachholschritt zu leisten?
Antwort auf @S.M. von Bre
These 13:
Mal mit den Ferkel anfangen, da haben es die Landwirte selbst in der Hand für Liquidität zu sorgen(Ferkelerzeuger als Verkäufer und Mäster als Käufer). Wenn es dann verstanden ist wie die Terminmarktabsicherung funktioniert, kommt auch bei den Schweinen etwas in Gang.
These 14 auf die eingangs von Bre gestellte Frage
Die Interessenten wissen auch: jeder Gewinn auf der einen Seite verursacht einen Verlust auf der anderen Seite. Dazu Maklergebühren und Sicherheiten. Win-win gibts nicht.
Paul, Versicherungen kosten geld. Die Frage ist einfach, will oder muss ich mir das leisten?. WinWin ist schon Möglich, wenn man die Funktion der Versicherung einbezieht.
Antwort auf These 14 auf die eingangs von von paul
Ich frage mich warum die Terminmärkte weltweit funktionieren, doch nicht, weil es nichts zu verdienen gibt?
Ich glaube, bei den Schweinen liegt es einfach daran, weil die Mäster nichts davon verstehen.
Genau lieber Holz,
deshalb sind auch immer Hedger am Markt, Käufer aber keine. Ihre Logik sollten Sie näher erläutern.
Mfg
BB
Und noch ein Grund weshalb der "Markt" hier nur halbherzig funktioniert und in Deutschland (Europa ) für viele die Börse wenig reizvoll ist.
Herr Clemens Tönnies hat heute in einem WB- Gespräch folgenden Satz gesagt: "Auch wenn der Export bis 50 % ausmacht: Unseren Stammmarkt Deutschland und auch Europa werden wir niemals vernachlässigen- auch nicht für einen besseren Preis."
Im Umkehrschluss heißt das, unser inländischer Markt wird erstmal versorgt,egal ob woanders erheblich mehr zu erzielen wäre. Der Weltmarktpreis ist für die Versorgung unserer LEH Konzerne aussen vor. Solange die Spanne für die Schlachter stimmt und durch günstigen Einkauf gesichert ist interessiert der Weltmarktpreis nur für die überschüssige Exportware. Und solange wir Überschüsse produzieren gibt es Angebot und Nachfrage nicht wirklich.
Was ich sagen will ist, dass die Terminmärkte Ihre Funktion zur Nahrungsmittelversorgung erfüllen indem sie mittels Kursbewegungen für ein über die Jahre marktgerechtes Angebot sorgen. Je nach Situation auf den physischen Märkten gibt es mal für Käufer und ein anderes Mal für den Verkäufer am Terminmarkt etwas zu verdienen bzw. empfiehlt sich eine Absicherung. Natürlich wird am Terminmarkt auch Geld verloren, sei es durch die Produzenten/Verarbeiter (die dann aber bei einem sachgerechten Umgang entsprechend am physischen Markt verdienen) oder durch die Spekulanten. Deshalb nochmals: Die Futures einzustampfen wäre, den Versuch, dass es irgendwann einmal einen funktionierenden Markt bei den Schweinen gibt, zu zerstören. Die Mäster sind gefordert die Spekulanten zu locken, der Kurszyklus gibt allemal Anlass auf gute Spekulationsgeschäfte.
@ alle Ferkelerzeuger und Mäster
Warum ist der Ferkelfuture noch töter als der Schweinefuture?
Ich liefere mal eine Vorlage:
Die aktuellen Ferkelpreise Mitte Okt.-14 von 33 € je 25 kg NW wurden auf diesem Niveau nicht vorhergesehen. Die Terminnotierungen lagen noch Ende Aug/Anf. Sept.14 für den Monat Okt.14 noch auf dem Niveau von 50 € je 25 kg Tier. Bei einer Absicherung für den Ferkelerzeuger wäre ein Börsengewinn von 1.700 € (100 Ferkel je Kontrakt) herausgekommen und für den Mäster der entsprechende Börsenverlust.
Welcher Mäster hätte für die üblich schwache Herbstphase eines Jahres ein Interesse an einer Absicherung gehabt? Auch Ferkelerzeuger glaubten an hinreichend stabile Ferkelpreise aufgrund vorausgegangener Erfahrungen der letzten Jahre. Allerdings haben in diesem Falle weder Mäster noch Ferkelerzeuger die Kurse an der Eurex beeinflusst, sondern die Preise wurden einfach nach besten Wissen und Gewissen gesetzt.
Ja Ja, hinterher . . .
Machen Sie mal das gleiche Spiel für den kommenden Febr. 2015 und liefern eine fundierte Begründung für Ihre Einschätzung zum Abschluß eines Ferkelfutures
Bin mal gespannt, was da kommt.
MfG Bre
Leider bin ich kein "Schweinefachmann" und habe keine Meinung zur Entwicklung der Ferkel-/Schweinepreise. Ich denke nur eins, wenn sich Mäster und Ferkelerzeuger "einigen" und einen Terminkontrakt handeln, dann ist eine Absicherung von beiden Seiten erfolgt, die am Kassamarkt meines Wissens für Zukunfts-Termine nicht möglich ist. Korrigieren Sie mich bitte, wenn es anders ist. Wenn sich Mäster und Ferkelerzeuger nicht einigen, wollen beide Seiten weiter spekulieren, weil Sie hoffen, dass sich das Blatt zu Ihren Gunsten wendet. Nach dem Motto „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ brauchen wir in der Tat keinen Terminmarkt.
Bei einer längerfristigen Absicherung haben beide Seiten die Möglichkeit die Produktion zu steuern um bei entsprechenden Preisen mehr oder weniger zu produzieren. Selbstverständlich macht es dabei wenig Sinn die kurzfristigen Futures zu handeln, sondern eher die späteren Futures. Eine Steuerung der Produktion spart Kosten und optimiert die Gewinne und hier liegt ein Vorteil einer längerfristigen Absicherung.
Übrigens, weitere Vorteil des Terminmarktes: Die Transparenz der Preise und die uneingeschränkte Teilnahmemöglichkeit für Spekulanten.
Ein Aspekt, der bisher noch nicht besprochen wurde: (- oder habe ich das überlesen?)
Ein wesentlicher Unterschied zwischen den Schweinefutures an der CME und denen in Frankfurt ist, dass in den USA die Futures physisch erfüllt werden können. An der Eurex wird statt dessen ein Index aus einigen bedeutenden Kassanotierungen ermittelt und damit abgerechnet.
Als der Future in Hannover entwickelt wurde, war die Erfüllung eines Termingeschäfts mit physischer Lieferung auch in Deutschland möglich. Damals hatten wir Umsätze an der Terminbörse, weil auch die Käuferseite Handelskonten hatte und die Börse für die Beschaffung von Schweinen genutzt wurde. Das hat sich geändert, als auf das cash-Settlement umgestellt wurde. An der Frankfurter Terminbörse ist eine physische Lieferung gar nicht möglich, weil es Ländersache ist, ob eine Terminb örse physischer erfüllen kann oder nicht. Und Hessens Gesetze lassen es nicht zu. Niedersachsen und auch Sachsen aber schon.
Fast alle Agrar-Terminbörsen weltweit machen gute Umsätze mit Kontrakten, die eine physischen Erfüllung möglich machen, weil damit neben der Preissicherung auch die Bezugs- und absatzsicherung möglich ist.
Wenn die Eurex Anfang 2015 ihre Agrarfutures an die EEX nach Leipzig überträgt, wäre die Umstellung der Kontrakte auf physische erfüllung wieder möglich. Da ist meines Erachtens eine Chance für einen Neustart der Schweinefutures.
@Nadine
Zitat: Fast alle Agrar-Terminbörsen weltweit machen gute Umsätze mit Kontrakten, die eine physischen Erfüllung möglich machen, weil damit neben der Preissicherung auch die Bezugs- und absatzsicherung möglich ist.
Wenn es richtig ist, dass eine Börse um so besser funktioniert, je mehr Liquidität vorhanden ist, die mit einer möglichst großen Zahl von Spekulanten erreicht wird, dann stellt sich die Frage der Physischen Erfüllung als Garant für ein erfolgreiches Futuregeschäft nicht mehr.
Physische Abwicklung ist umständlich, ein Neuaufbau noch schwieriger. Was in den USA in mehr als einem Jahrhundert aufgebaut und ausgefeilt wurde, ist hierzulande kaum übertragbar. Ganz zu schweigen von der unterschiedlichen Vermarktungsmentatlität.
Wie geht das zusammen: eine Erhöhung der Bezugs- und Absatzsicherheit durch physische Erfüllung bei unkalkulierbaren vorzeitigen Glattstellungsmöglichkeiten?
Oder hab ich was übersehen?
MFG Bre
Antwort auf @Nadine von Bre
Futures sind Instrumente zur Preissicherung für Kassamarktbeteiligte. Um die Liquidität zu erhöhen sind Spekulanten willkommen, aber ohne Teilnehmer aus dem Kassamarkt geht es nicht. Seit die Schweinefutures in Hannover auf Bar-Ausgleich umgestellt wurden, fehlt die Käuferseite und inzwischen fehlen auch die Verkäufer....
Wenn die physische Abwicklung von der Börse auch schwer zu regeln ist, so ist es in Hannover doch gelungen. Auch die EEX in Leipzig versteht sich auf physische Liefeungen auf Terminkontrakte. Die Spezifikationen für Schweinefutures liegen noch in der Schublade der EWB.
Wer einen Kontrakt mit physischer Erfüllung an der Börse eingeht, erhält die beste Bezugs-und Absatzsicherheit, denn wie der Austausch der Ware stattfindet, ist durch das Regelwerk der Börse genau festgelegt. Es gab in Hannover auch Wochenkontrakte, in die man wenige Wochen vor der Fälligkeit rollen konnte. Wenn wieder genügend Händler an der Börse tätig sind, ist das Orderbuch wieder gut gefüllt und auch eine vorzeitige Glattstellung dann jederzeit möglich.
@Nadine
Meines Wissens nach ist die physische Erfüllung eher eine vertrauenserfüllende Randerscheinung von Futuregeschäften mit dem Zwang für Börsenkurse sich an den Kassaentwicklungen im Fälligkeitszeitpunkt zu orientieren. Die Praxis in den USA zeigt, dass physische Erfüllung gelegentlich mal häufiger auftritt, aber nicht die Regel darstellt. Wäre auch bei den Zahlen gar nicht umsetzbar!
Allerdings kann man sich gut vorstellen, dass eine gewisse Psychologie dahinter stehen mag. Manche brauchens konkret fassbar und misstrauen der abstrakten Papier-/Elektronikform.
Besteht ein Bedarf an bester Bezugs- und Absatzsicherheit, dass es hierzulande vorrangig zu lösen gilt? Wer Schweine haben will, bekommt sie, Wer Schweine verkaufen will, wird sie los. Das Problem ist doch in 1. Linie die Preissicherung!
Besteht wirklich eine überprüfte Ursache-Wirkungs-Beziehung zwischen der Abschaffung von Barausgleich und Börsenteilnahme? Oder handelt es sich um ein zufällige Zeitgleichheit?
Warum hat man in Hannover nicht sofort umgeschaltet, wenn es eine solche Beziehung geben sollte?
Immer noch auf der Suche nach stimmigen Thesen
MfG Bre
Hallo Bre,
Du hast natürlich Recht, dass eine physische Erfüllung die absolute Ausnahme ist. Da aber die Möglichkeit der Abnahme/Lieferung besteht, wird das Börsengeschäft konkret und alleine die Möglickeit mit Ware erfüllen zu können, hat in Hannover dazu geführt, dass auch Schlachthöfe Börsenkonten hatten.
Es kommt noch hinzu, dass ein Index immer streitbar ist. Man sieht fas an dem Euribor-Problem das die Deutsche Bank hat. Angeblich haben Deutsche-Bank-Mitarbeiter die Euribor-Index-Parameter beeinflusst....und nun soll die Bank eine Milliarden-Strafe zahlen. Ich will jetzt nicht behaupten, dass der Schweine-Index unfaire Preise widerspiegelt. Wer aber mit seinem Börsengeschäft unzufrieden ist, erhebt schnell mal solche Vorwürfe und das zerstört das Vertrauen in die Börse.
Hannover konnte damals gar nicht mehr gegen steuern, denn die Verhandlungen mit der Eurex wären sonst wohl gescheitert.....
Physische Erfüllung hin oder her, ich denke in jedem Fall stört sie nicht. Nur meine lieben Diskutanten, ich bin der Meinung, dass man mit einer mittelfristigen Produktionssteuerung Geld verdienen kann. Hallo "Schweinefachleute", meldet Euch zu Wort!