Steigende Futtermittelpreise: Auswirkungen für Schweinehalter
LWK Niedersachen (09.08.07) - Die Getreideernte ist in vollem Gang und die Getreidepreise liegen Ende Juli gut 65 % über dem Vorjahresniveau. Für die Getreidebauern ist dies eine sehr erfreuliche Situation. Für Schweinehalter, insbesondere für diejenigen mit geringer Flächenausstattung, zeigt sich die Kehrseite der Medaille: Die in den letzten Monaten bereits deutlich angestiegenen Futtermittelpreise werden voraussichtlich aufgrund des hohen Getreideanteils in den Mischfuttermitteln nochmals zulegen. Leider tragen die weiteren Futterkomponenten in den Mischfuttermitteln nicht zu einer Entschärfung der Situation bei.
Schweine im Stall
Auch langfristig könnten die Futterkosten eher auf höherem Niveau verbleiben. Wesentliche Gründe dafür sind zum einen die steigende Konkurrenz zwischen der Nahrungsmittel- und Bioenergieproduktion. Der Getreideverbrauch übersteigt die weltweit produzierte Menge und die Lagerbestände sind so niedrig wie nie zuvor. Auf der anderen Seite erfordert der expandierende Bioenergiesektor zunehmend mehr Flächen, die wiederum der Futter- und Nahrungsmittelproduktion verloren gehen. Darüber hinaus führt möglicherweise der Klimawandel zu einer weiteren Futterverknappung. Wenn dies nicht durch weltweit höhere Erträge und durch den Anreiz aufgrund der gestiegenen Preise, vermehrt Grenzstandorte wieder in Bewirtschaftung zu nehmen, ausgeglichen wird, bleibt zu hoffen, dass sich die erhöhten Futterkosten auf den Schweinepreis niederschlagen.
Die steigenden Futterpreise machen sich in der Wirtschaftlichkeit der Schweinehaltung deutlich bemerkbar, da ihr Anteil an den Vollkosten ca. 40 % beträgt. Marktexperten prognostizieren sogar einen dauerhaften Anstieg der Futterkosten um 30 % gegenüber dem Basisjahr 2005/2006. In den Übersichten 1 und 2 sind die Vollkosten der Schweineproduktion und der sich daraus ergebende notwendige Notierungspreis für die Ferkelerzeugung und die Schweinemast dargestellt. Als Basis dienen das Wirtschaftsjahr 2005/2006 und die Betriebszweigauswertung Weser-Ems. Die Gesamtkosten umfassen die Direktkosten wie Futter, Bestandsergänzung, Tierarzt, Energie etc., die Gebäudekosten und den Zins- und Lohnansatz.
Für das obere Viertel der Ferkelerzeuger entstehen Kosten von 1.224 €/Sau und Jahr. Bei 22,5 verkauften Ferkeln sind dies 54 €/Ferkel. Dies entspricht nach Abzug der Umsatzsteuer in Höhe von derzeit 10,7 % und nach Abzug von angenommenen 10 € Zuschlag für Gewicht, Impfungen, Menge und Qualität einer 25-kg-Ferkelpreisnotierung von 39 €/Ferkel. Im Durchschnitt der letzten 10 Jahre lag die Notierung bei 43 €/Ferkel, so dass für das obere Viertel der Betriebe die Vollkosten gedeckt und echte Unternehmergewinne erwirtschaftet hat. Wie stellt sich die Situation nun bei gestiegenen Futterkosten dar. Unterstellt wurde eine Anhebung des Preises für Sauenfutter um 30 % und für Ferkelfutter um 15 %. Beim Ferkelfutter hat sich der Preisanstieg bisher in Grenzen gehalten. Der Anstieg der Futterkosten erfordert einen um 4 €/Ferkel höheren Notierungspreis in Höhe von 43 €/Ferkel. Die aktuelle Situation mit Ab-Hof-Preisen von 32 €/Ferkel lässt die momentane Preismisere der Ferkelerzeuger deutlich erkennen. Mit diesen Ferkelpreisen können die Direktkosten gedeckt werden, Gebäudekosten, Lohn- und Zinsansätze werden nicht mehr entlohnt. Es bleibt zu hoffen, dass mit der derzeitigen Bodenbildung am Ferkelmarkt eine Kehrtwende eingeleitet wird.
Noch schlechter ist der Stand der Ferkelerzeugung, wenn die Produktion gewerblich erfolgt und die Gülle überbetrieblich verwertet werden muss und/oder wenn das Leistungsniveau durchschnittlich bzw. unterdurchschnittlich ist.
Übersicht 2 zeigt die Situation der Schweinemäster. Auch hier bildet das Wirtschaftsjahr 2005/2006 die Basis. Allerdings wurden die Ferkelpreise aus den Vollkosten der besten Ferkelerzeugerbetriebe mit bisher 54 €/Ferkel und zukünftig unter Anrechnung der gestiegenen Futterkosten von 59 €/Ferkel zugrunde gelegt. Bisher reichte ein Vereinigungspreis von 1,25 €/kg für das obere Viertel der Betriebe, um die Vollkosten abzudecken. Bei einer Erhöhung der Futterkosten um 30 % bzw. 12 €/Schwein sowie einer Erhöhung der Ferkelkosten um 5 €, müsste der Schweinepreis um 18 Cent/kg höher liegen. Wird die Mast gewerblich betrieben und fallen Gülleverwertungskosten in Höhe von 6 €/m3 (netto) an, so müsste der Schweinepreis bei 1,48 €/kg ankommen, um eine Vollkostendeckung zu erreichen. Bei durchschnittlichen Leistungen sind 1,51 €/kg und bei unterdurchschnittlichen Leistungen sogar 1,60 €/kg erforderlich.
Die aktuelle Situation in der Schweinemast ist anhand der Direktkostenfreien Leistung (DkfL) in Übersicht 3 wiedergegeben. Zugrunde gelegt sind die biologischen Leistungen des Oberen Viertels der Betriebe. Schweine, die jetzt im Monat Juli ausgestallt werden, können zu einem Vereinigungspreis von 1,50 €/kg Schlachtgewicht vermarktet werden. Werden 2 Cent für Verluste innerhalb der Maske, den so genannten Maskenschlupf, angesetzt, ergibt sich ein Schlachterlös von 147 €/Schwein. Die Ab-Hof-Preisferkelnotierung betrug vor 4 Monaten 41 €/Ferkel. Inklusive Zuschlägen von 10 € und 7 % Umsatzsteuer konnte das Ferkel für 55 € eingestallt werden. Nach Abzug der Futterkosten in Höhe von 50 € sowie 8 € für sonstige Kosten verbleibt eine DkfL von guten 34 €. Im Vergleich dazu sind viele Ferkelerzeuger derzeit gerade in der Lage die Direktkosten zu decken.
Nehmen wir die Warenterminbörse als Anhaltspunkt, so könnten jetzt aufgestallte Ferkel im November für ca. 1,31 €/kg Schlachtgewicht vermarktet werden. Die Ferkel werden derzeit mit 32 € notiert, so dass sie bei den oben genannten Annahmen mit 45 € eingestallt werden könnten. Die Futterpreise dürften erwartungsgemäß weiter ansteigen. Hier sind 58 €/Schwein unterstellt. Damit ergibt sich eine DkfL von lediglich 16 €/Schwein. Derzeit schultern die Ferkelerzeuger einen großen Teil der gestiegenen Futterkosten und der negativen Preiserwartung für den Herbst 2007.
Für langfristig strategische Entwicklungsplanungen in schweinehaltenden Betrieben, ist es aber wichtig zu wissen, wie es weiter gehen könnte. Die Grafik zeigt die Entwicklung der Schlachtschweinepreise. Abgebildet ist der Durchschnitt der E-P-Notierung, d. h. der Maskenschlupf ist bereits berücksichtigt. Der statistische Trend, der sich aus dieser Zeitreihe ermitteln lässt, weist leicht nach unten auf ein Niveau von 1,35 €/kg Schlachtgewicht. Der Trend für die Futtermittelpreise zeigt ebenfalls auf ein niedrigeres Preisniveau. Mittlerweile erleben wir jedoch, wie bereits oben beschrieben, einen drastischen Umbruch an den Märkten, der Marktexperten vermuten lässt, dass die Futtermittelpreise, wenngleich unter stärkeren Schwankungen, auch langfristig um ca. 30 % gegenüber dem Basisjahr 2005/2006 erhöht bleiben. Es bleibt zu hoffen und Erfahrungen aus der Vergangenheit sprechen dafür, dass zumindest ein Teil der gestiegenen Futterkosten sich auf den Schweinepreis auswirkt und auch bei den Schweinepreisen eine Trendwende eingeleitet wird Ein gewisser Anteil der gestiegenen Kosten wird voraussichtlich von den Schweinehaltern zu tragen sein.
In Übersicht 3 haben wir eine Planungsgröße für Zukunftsplanungen hergeleitet. Der Ferkelpreis wurde mit 59 € je Ferkel bestimmt durch die Vollkosten der besten Ferkelerzeuger. Die Futterkosten wurden auf dem erhöhten Niveau von 52 €/Schwein und der Vereinigungspreis mit 1,47 €/kg veranschlagt. Damit ergäbe sich eine DkfL von 25 €/Schwein. In den vergangenen 10 Jahren lag diese für das obere Viertel der Betriebe bei 32 €/Schwein. Hier wird klar ersichtlich, dass Schweinehalter dem Kostendruck mit weiteren Leistungssteigerungen entgegen treten müssen. In der Ferkelerzeugung hat sich im Bereich der biologischen Leistungen in den vergangenen Jahren schon sehr viel mehr an Leistungssteigerung entwickelt als in der Schweinemast. Aufgrund der gestiegenen Futterkosten, muss in der Schweinemast zukünftig besonderes Augenmerk auf das Leistungsmerkmal Futterverwertung gerichtet werden.
Fazit:
1. Marktexperten erwarten eine langfristige Erhöhung der Futterkosten um 30 % gegenüber dem Basisjahr 2005/2006, allerdings mit stärkeren Schwankungen.
2. Sollen die gestiegenen Futterkosten in der gesamten Produktionskette vom Ferkel bis zum fertigen Mastschwein durch einen höheren Schweinepreis abgedeckt werden, so müsste der Preis um ca. 18 Cent/kg steigen.
3. Unter Annahme von 30 % höheren Futterkosten, ergeben sich derzeit in den besten Betrieben Vollkosten von 59 €/Ferkel und 1,50 €/kg Schlachtgewicht.
4. Ein Teil der gestiegenen Futterkosten wird sicherlich auf die Schweinehalter abgewälzt, die mit weiteren Leistungssteigerungen reagieren müssen. Hier gilt ein besonderes Augenmerk der Futterverwertung.
5. Auf den landwirtschaftlichen Märkten zeichnet sich eine Trendwende ab, Zukunftsplanungen können immer weniger aus der Vergangenheit abgeleitet werden und unterliegen damit größerer Unsicherheit.
Kontakt: Ruth Beverborg, Fachreferentin Unternehmensberatung, Betriebswirtschaft
Telefon: 0441 801-304, Telefax: 0441 801-392
(Quelle: http://www.lwk-niedersachsen.de/index.cfm/portal/6/nav/91/article/8816/page/print.html)
Bitte klicken Sie auf den Link, dort finden Sie die im Text genannten zusätzlichen Informationen !
Ich möchte jetzt nicht in der Haut von den Mästern stecken, die in den letzten Jahren noch einen 1000er oder 2000er Maststall gebaut haben.
Die meisten wurden ja fast 90-100 % auf Fremdkapital finanziert. Wenn diese auch noch gewerblich sind, d.h. Gülleabfuhr 6,50€/m³, dann fängt das Zittern aber spätestens in diesen Tagen an! 10-15€, je nach Abschreibung, müssen dann dem einzelnen Schwein zusätzlich angerechtet werden um Zins und Tilgung der Banken zu zahlen. Dann fängt der Gewinn erst an! Die können den Stall nicht einfach mal über Wochen leer stehen lassen.
So eine Situation habe ich noch nicht erlebt!
MfG