Richard Ebert
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

Trendwende an den Agrarmärkten / Psychologie ein wichtiger Faktor

Trendwende an den Agrarmärkten

ZMP (04.12.07) - Die weltweit steigende Nachfrage nach Agrargütern ist der Kern einer sich abzeichnenden Trendwende an den Märkten. Die deutsche Agrarwirtschaft ist Nutznießerin des Aufschwungs, wenngleich 2007 nicht alle Branchen davon profitierten. Für 2008 überwiegt am deutschen Agrarmarkt bei aller Unsicherheit der Optimismus. Zu dieser Bewertung kam Dr. Klaus Siegmund, Leiter der ZMP- Marktberichtstelle Berlin, auf der Jahrespressekonferenz der ZMP in Berlin.

Für die Unternehmen der deutschen Agrarwirtschaft war 2007 in vielerlei Hinsicht einschneidend. Im Vorjahr prognostizierte bessere Absatzmöglichkeiten und höhere Preise haben sich auf den meisten Teilmärkten erfüllt; teilweise in Größenordnungen und mit einer Geschwindigkeit, die Analysten und Kenner des Marktes nicht in ihren kühnsten Prognosen erwartet hatten. Das betraf die Preisexplosionen an den Getreide-, Futtermittel-, Pflanzenöl- und Milchmärkten aber auch die weltweit hohen Zuwachsraten bei Bio-Energie oder die Steigerung des Welthandels mit Agrarprodukten.

Bio-Energie versus Nahrungsgüter?

Hauptursache für zum Teil doppelt so hohe Agrarpreise war und ist, dass die wachsende Nachfrage nach Nahrungsgütern und Agrarrohstoffen im Jahr 2007 auf ein oft klima- oder witterungsbedingt eingeschränktes Angebot traf. Zudem fiel die Pufferwirkung der auf ein historisch niedriges Niveau gesunkenen Bestände aus. Viele Experten sehen in dem Boom der Bio-Energiebranche eine wesentliche Ursache für steigende Agrarpreise und einen Zielkonflikt zwischen Nahrungs- und Biomasseproduktion. Allerdings sah der insgesamt prosperierende deutsche Agrarmarkt 2007 nicht nur Gewinner wie beispielsweise die Produzenten von Getreide und Milch, wie viele Exportunternehmen oder die Landtechnikhersteller und -händler.

Konfrontiert mit stark anziehenden Kosten für Energie, Kraftstoff sowie für viele weitere Produktionsmittel waren alle Unternehmen. Besonders hart wurden aber die Tierproduzenten von den explosionsartig steigenden Futterkosten getroffen. Erhebliche wirtschaftliche Einbußen mussten jedoch auch Erzeuger von Biogas, Biodiesel und Ethanol hinnehmen. Der Preisanstieg für die eingesetzten Rohstoffe sowie veränderte politische Rahmenbedingungen warfen ursprüngliche Kalkulationen für eine effektive Bioenergieproduktion oft über den Haufen. Viele neu gebaute Anlagen waren in den letzten Monaten nicht ausgelastet.

„Markt-Psychologie“ wichtiger Faktor

Die Erzeugung von Nahrungsgütern und generell die Agrarmärkte standen 2007 wie schon lange nicht mehr im Fokus der breiten Öffentlichkeit und fanden den Weg in die Medien. Nahrungsgüter wurden plötzlich von Politik, Verbrauchern und Medien ganz anders wahrgenommen. Zur Versachlichung der Diskussionen über Ursachen und die tatsächliche Höhe von Preissteigerungen in der Öffentlichkeit trug die ZMP durch fundierte Argumente und Informationen maßgeblich bei.

Die „Psychologie des Marktes“, einschließlich eines „spekulativen Elementes“, spielte 2007 bei Preisverhandlungen eine wichtige Rolle. Das zeigte sich zum Beispiel bei der Preisfindung von Getreide zwischen den Landwirten und ihren Abnehmern oder im Rahmen der Preisgespräche über Milchprodukte zwischen der Verarbeitungsindustrie und dem Handel.

Weltmarkt gewinnt an Gewicht

Die Entwicklung am Weltmarkt wird 2008 im noch stärkeren Maße für die deutsche Agrarwirtschaft bestimmend. Das dürfte durch den in Kürze bevorstehenden „Gesundheitscheck“ der EU-Kommission noch verstärkt werden. Dieser zielt darauf ab, den EU-Binnenmarkt durch einen weiteren Abbau der Stützmechanismen noch weiter zu öffnen. Die Landwirte haben damit zunehmend mehr Freiheiten, was und für welche Märkte sie produzieren wollen. Die Agrarmärkte bieten damit mehr Möglichkeiten unternehmerisch zu handeln als bisher.

Der Preistrend für Agrarrohstoffe dürfte 2008 infolge der weiter wachsenden Nachfrage insgesamt nach oben zeigen. Sollte das Angebot aber durch schlechte oder auch deutlich bessere Ernten schwanken, werden oft schon geringe Schwankungen ausreichen, um die Preise stark fallen oder steigen zu lassen. Mit volatilen Preisen, so Siegmund müssen deshalb künftig alle am Agrarmarkt Beteiligten leben; auch deshalb, auch weil sich die Preise für Agrarrohstoffe und die Energiepreise immer mehr verzahnen. Die Trendwende an den Agrarmärkten nehmen die meisten Beteiligten – bei allen Unsicherheiten – jedoch als Chance war.

Agrarrohstoffe und Lebensmittel weltweit teurer

Die Entwicklungen an den Märkten für Nahrungsmittel und Agrarrohstoffe haben in Deutschland letztendlich ihre Ursache in globalen Entwicklungen und Trends. So nehmen die weltweite Nachfrage nach landwirtschaftlichen Produkten und Rohstoffen und damit der Agrarhandel in letzter Zeit schneller zu als die Weltagrarproduktion. Dieser Umstand führte in Verbindung mit einer Reihe weiterer Faktoren auf einigen Produktmärkten zu spürbaren Angebotsverknappungen und zu weltweit steigenden Preisen. Mittlerweile erreichen die Veränderungen die Verbraucher auch weltweit. So sind Nahrungsmittel beispielsweise in den USA, in Russland und in China im laufenden Jahr erheblich teurer geworden. Zu dieser Einschätzung kommt Dr. Olaf Zinke im aktuellen ZMP-Jahresbericht.

Vernetzung der Märkte nimmt zu

Verantwortlich für die außerordentliche Dynamik an den globalen Märkten sind, nach Meinung von Zinke, eine ganze Reihe von Faktoren. Eine Ursache ist der rasante wirtschaftliche Aufschwung in den sogenannten BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China sowie in anderen Schwellenländern und der davon ausgehende starke Einfluss auf die Weltwirtschaft. Ein weiterer Einflussfaktor ist das anhaltende Wachstum der Weltbevölkerung. Allein in Indien und China leben derzeit fast ein Drittel aller Menschen und die Wirtschaft in beiden Ländern wächst jährlich zwischen 8 und 10 Prozent. Darüber hinaus halten bei der besonders rasch zunehmenden städtischen Bevölkerung der Schwellenländer westliche Verzehrsgewohnheiten Einzug und die Nachfrage nach veredelten Produkten.

Ein zusätzlicher Sog auf die Märkte ging vom weltweit sehr stark wachsenden Bioenergiesektor aus. Dieser Markt bildete sich wegen der außerordentlich stark gestiegenen Weltmarktpreise für fossile Rohstoffe und der Suche vieler Länder nach alternativen Energiequellen heraus.

Neben der weiteren Verknappung der natürlichen Ressourcen sind auch die Auswirkungen des Klimawandels entscheidende Einflussgrößen auf die Agrarmärkte. So haben eine Reihe klimatisch extremer Jahre und weltweit kleinerer Ernten mit zur aktuellen Entwicklung an den Märkten beigetragen. Gleichzeitig hat mit dem Abbau von Handelsschranken und Markregulierungen nicht nur der internationalen Warenaustausch zugenommen, sondern auch die wechselseitige Abhängigkeit und Vernetzung der nationalen Märkte. Positive und negative Trends am Weltmarkt wirken damit unmittelbar auf die nationalen Märkte zurück. Diesen Entwicklungen müssen sich die deutschen Landwirte zunehmend stellen.

(Quelle: http://www.zmp.de)

Geschrieben von Richard Ebert am
Rückrufservice
Beschreiben Sie bitte Ihr Anliegen, damit wir uns auf den Rückruf vorbereiten können.
Ja, ich habe die Datenschutzerklärung zur Kenntnis genommen und willige ein, dass die von mir angegebenen Daten inklusive der Kontaktdaten zwecks Bearbeitung der Anfrage und für den Fall von Anschlussfragen elektronisch erhoben und gespeichert werden. Meine Daten werden dabei nur streng zweckgebunden zur Bearbeitung meiner Anfrage genutzt und nicht ohne Einwilligung weitergegeben. Diese Einwilligung kann jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen werden.

Register now

Jetzt registrieren und ZMP Live+ 14 Tage kostenlos testen!
  • Dauerhaft kostenfrei
  • Keine Zahlungsinformationen erforderlich
Hilfe?