Richard Ebert
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TV Tipp: Biogas statt Milch ?

Abgemolken - Wenn die Milch nichts mehr wert ist - ZDF-Dokumentation zum Milchpreisverfall

ots, Mainz (19.04.10) - Kosten und Gewinn gehen bei den Milchbauern schon lange nicht mehr zusammen: Mit 25 bis 28 Cent haben die Milchpreise jetzt einen steten Tiefstand erreicht. Für die ZDF-Dokumentation "Abgemolken - Wenn die Milch nichts mehr wert ist" am Mittwoch, 21. April 2010, 0.45 Uhr, hat die Autorin Rita Stingl über mehrere Monate Milchbauern in Bayern begleitet.

(Quelle und ausführlich weiter lesen: http://www.presseportal.de/pm/7840/1597976/zdf )

Geschrieben von Richard Ebert am
Bauer Bernie
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@ Richard Ebert [#1]

von dem Mist einer Mastsau bleibt anscheinend mehr Geld übrig über eine Biogasanlage als von der Sau selbst. So ein Betreiber, der mir zum Bau einer solchen riet.

Mfg
BB

wollewatz
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Der Unterschied zwischen der Sau und dem Mist ist allerdings, dass die Sau ihre Wertschöpfung auf einem freien Markt erzielt hat und der Mist auf einem per Gesetz vorbestimmten Mindestpreis. Die Vergütung des Biogasstromes erlaubt es den deutschen Politikern an Brüssel vorbei Geld in die Landwirtschaft zu pumpen. Wie lange das gut geht werden die Wähler letztendlich entscheiden. Wenn ich daran denke, was den kleinen Rapsölmühlen mit der Besteuerung ihres Produktes passiert ist werde ich skeptisch. Auch die deutliche Absenkung der Photovoltaikförderung zeigt in eine deutliche Richtung.
Es kann auch auf Dauer nicht gesund sein einen dauersubventionierten Wirtschaftszweig zu etablieren.

Gruß,
wollewatz.

Geno-Bauer
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@ wollewatz [#3]

Von der Sache her gibt es dem nichts hinzuzufügen. Das Dumme nur, das zwischenzeitlich genug andere Leute mit Biogas das Geld verdienen. Es ist eben verdammt schwer ruhig zu bleiben und nicht dem Herdentrieb zu folgen. Man muss sich halt immer wieder sagen, das sehr viele privat betriebenen Biogasanlagen noch hoch verschuldet sind, weil zum Teil mit 100% Fremdkapital errichtet.

Gruß
Geno-Bauer

Ackerspezi
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@ Geno-Bauer [#4]

Im Grunde richtig, aber viele Banken sind auch bereit, eine Projektfinanzierung durchzuführen, mit 10% EK. Somit ist der Betreiber "nur" in der Pflicht, das Substrat über 20 Jahre zu liefern.
Da ist die Verlockung schon sehr groß.
Biogas hat eine sehr starke Lobby in der Politik.

wollewatz
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@ Ackerspezi [#5]

Das mit der effektiven Lobby stimmt. Das liegt aber auch daran, dass der Zeitgeist in Richtung Klimaschutz läuft und alles gefördert wird, was in diese Richtung geht, damit alle Beteiligten ein aktives Handeln vorweisen können. Die Lobbyisten haben also offene Türen eingerannt.
Mich würde mal eine energetische und klimarelevante Bilanz einer Biogasanlage interessieren. Letztens habe ich sowas mal für alternative Treibstoffe gesehen, bei der zu erkennen war, dass beispielsweise die Ethanolproduktion aus europäischem Weizen gar nicht besonders gut abgeschnitten hat was die Emmission von CO2 anbelangt.

Gruß,
wollewatz.

Saubauer
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Genau so ist es meist!

Bei mir waren auch Anbieter die wollen " Komplettsystem" verkaufen. Gib uns 1-1,5 Mio und wir bauen dir in 8 Wochen eine Anlage (240-400 KW).

Steigende Preise für Stahl und Beton sind noch aufzurechnen !

Auch hier wir gut an der LW verdient!

MfG Saubauer

Spekulatius_Maximus
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ wollewatz [#6]

Ich würde gerne auch mal eine solche Bilanz sehen.

Wie hoch ist das Einsparpotential an CO2 wirklich? Und: Wieviel Energie muss ich investieren um z.B. eine MWh el. und thermisch zu ernten (incl. Baustoffe, Maschinisierung und Bewirtschaftung)?

Prof. Isermeyer behauptet folgendes:

"Mit dem Argument „Beitrag zum Umwelt- und Ressourcenschutz“ lässt sich die Förderung der Bioenergie in der Form, wie sie gegenwärtig in Deutschland gehandhabt wird, nicht überzeugend begründen. Erstens kann Deutschland mit den gegenwärtig geförderten Verfahren nur einen verschwindend geringen Beitrag zur Lösung der globalen energie- und klimapolitischen Ziele leisten. Zweitens vergeudet Deutschland seine knappen Mittel mit relativ ineffizienten Maßnahmen. Durch eine Umlenkung der Mittel könnte je Euro Steuer- bzw. Stromgeld wesentlich mehr Klimaschutz erreicht werden. Drittens ist die Förderung der Bioenergie nicht hinreichend abgestimmt mit anderen umweltpolitischen Maßnahmen. So bleibt z. B. die Verstromung von Biogas auf Maisbasis klimapolitisch wirkungslos, solange damit nicht gleichzeitig eine zusätzliche Reduzierung der ausgegebenen CO2-Emissionslizenzen einhergeht. Schlussfolgerung: Wenn wir die globalen Ziele „Klimaschutz“ und „Schonung der Energiereserven“ effizient verfolgen wollen, müssen wir eine international abgestimmte Politik betreiben und die Mittel dort einsetzen, wo je Euro ein maximaler Nutzen für die Umwelt erreicht wird. Das ist gegenwärtig nicht der Fall."

auch Arbeitsplatzargumente greifen nicht:

"Unter dem Aspekt „Schaffung von Arbeitsplätzen“ erweist sich die Förderung der heimischen Bioenergieproduktion teilweise als Nullsummenspiel, weil dem Zugewinn an Arbeitsplätzen in der Bioenergiebranche ein Verlust an Arbeitsplätzen in der Nahrungsmittelbranche und in anderen Bereichen der ländlichen Entwicklung gegenübersteht. Positive Arbeitsplatzeffekte sind vor allem dort zu erwarten, wo (a) Bioenergie nicht anstelle, sondern in Ergänzung der Nahrungsmittelerzeugung gewonnen wird,
oder wo (b) technologieorientierte Arbeitsplätze entstehen, die von dem zu erwartenden weltweiten Bioenergieboom profitieren können. Eine strategische Ausrichtung der Bioenergieförderung auf diese Aspekte ist bisher kaum zu erkennen."

weiter entwirft Isermeyer folgendes Szenario für die heimische Landwirtschaft:

"In den Bereichen Strom und Wärme wird die Förderung zu einer zunehmenden Verdrängung der heimischen Nahrungsmittelerzeugung führen. Die Politik greift hier massiv in die Struktur der deutschen Landwirtschaft ein, denn sie hat die produktgebundene Förderung der Nahrungsmittelerzeugung inzwischen stark reduziert und setzt diesen weitgehend ungeschützten Teil der Landwirtschaft nun dem Wettbewerb mit der Bioenergie aus, welche durch sehr starke produktgebundene Subventionen gefördert wird. Das wird zwangsläufig dazu führen, dass die Nahrungsmittelproduktion im Zeitablauf immer stärker in das Ausland verdrängt wird. Politik und Berufstand sollten sorgfältig überlegen, ob sie die deutsche Landwirtschaft wirklich strategisch auf das Produkt „Energie“ ausrichten wollen, bei dem Produktdifferenzierung kaum möglich ist und deshalb langfristig der pure Kostenwettbewerb regiert."

Dieses hat Prof Isermeyer schon 2006 veröffentlicht, ist aber immer noch aktuell, wie ich finde! (Quelle: http://www.vti.bund.de/fallitdok_extern/bitv/zi039820.pdf)

Ich persönlich bleibe bei meiner ablehnenden Haltung zur Biogasproduktion. Wenn Berufskollegen in diesen Sektor einsteigen, kann ich das nachvollziehen, aber überhaupt nicht gut heißen!

Bei den aktuell geplanten Anlagen, geht man immer davon aus, dass der Mais auf Feldern in max. 10 bis 20 km Entfernung wächst. Die Realität sieht aber doch schon heute ganz anders aus! Was wird, wenn Zünsler und Stengelbohrer sich breit machen??? Für mich ist das alles immer noch purer Wahnsinn!

Spekulatius_Maximus
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

Uer letzte Satz in Isermeyers Studie darf nicht fehlen:

Nachdenken lohnt sich: Der Energiesektor boomt weltweit, und Deutschland hat hier viel Know-how anzubieten – aber nur wenig Fläche.

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