Wechsel in Berlin: Aigner wirft Lindemann raus
Wechsel im Bundesagrarministerium
Die Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Ilse Aigner, wird Bundeskanzlerin Angela Merkel vorschlagen, Dr. Robert Kloos als neuen beamteten Staatssekretär in ihr Ministerium zu berufen. Kloos ist derzeit Präsident der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) in Bonn. Sein Vorgänger Gert Lindemann wird das Haus Ende Januar verlassen. Der Wechsel des Amtschefs ist Teil eines grundlegenden Umstrukturierungsprozesses, mit dem sich das Ministerium für die Herausforderungen der Zukunft neu aufstellt.
Bundesministerin Aigner dankte Lindemann für seine langjährige engagierte Arbeit und würdigte seine Verdienste bei der Gestaltung der nationalen und internationalen Agrarpolitik. Lindemann, der 1947 in Wuppertal geboren wurde, war im November 2005 vom damaligen Bundesminister Horst Seehofer zum Staatssekretär berufen worden. Lindemanns Nachfolger Robert Kloos (51) leitet seit Juli 2004 die BLE, die mit rund 1.000 Mitarbeitern vielfältige Aufgaben im Geschäftsbereich des Ministeriums wahrnimmt.
(Quelle: http://www.bmelv.de/cln_172/SharedDocs/Pressemitteilungen/2010/012-AI-LindemannKloos.html)
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Damit wird der Sachverstand im Ministerium weiter erfolgreich abgebaut!
ProstMahlzeit
@ Spekulatius_Maximus [#1]
Wen wundert es denn ? Mit Ablauf dieser Kampagne läuft die Intervention aus - der Hauptbestandteil der BLE ! Nun muß doch dafür gesorgt werden, dass die verbliebenen Figuren angemessen untergebracht werden, denn dass eine personelle Reduzierung der BLE erfolgen wird, ist klar.
Wir wissen doch schon lange, dass in der Politik nicht Sachverstand das Mass der Dinge ist sondern Pöstchenschacherei.
@ Graintrader [#2]
mag durchaus richtig sein. Selber bitte besser machen; da muss man nur Winston Churchill zitieren; ist leider so.
Ist der Grund nicht vielleicht viel banaler. Herr Lindemann wird 63, 2013 gibt es eine neuen Zuschnitt bei den Flächenbeihilfen. Die Verhandlungen und Abstimmungen innerhalb der Eu werden jetzt so langsam ins Rollen kommen. Da macht es Sinn, wenn man jemanden hinzuzieht, der allein Altersmäßig in der Lage ist den komplette Prozeß zu begleiten. Nicht wäre schlimmer, wenn man auf halber Strecke das Personal austauschen müßte. Wer hier im Forum kann sich eine fundierte Meinung Herrn Kloos erlauben, wer hat hier schon negative Erfahrungen gemacht. Ich bin mal gespannt auf die Antworten.
Gruß
Geno-Bauer
@ Geno-Bauer [#4]
ich kann kein urteil über Herrn Kloos fällen- nur weicht mit Lindemann für mich auch die Gewissheit, dass im BMELV zu Hause ist.
Da wird doch ohne Ende rumgeeiert, aber ach... hat doch keinen Sinn... fördert nur die Politikverdrossenheit bei mir....
Die BLE war im letzten Jahr maßgeblich an der berüchtigten Datenveröffentlichung im Internet beteiligt.
Diese Datenveröffentlichung stellt einen gravierenden Eingriff in das immerhin im Grundgesetz verbriefte Recht auf informationelle Selbstbestimmung dar.
Sie ist mit einiger Rücksichtslosigkeit - auch auf Seiten beteiligter Gerichte - durchgedrückt worden, wobei es nach Ansicht eines hochrangigen Juristen eines der Ziele war, die deutschen Bauern vorzuführen.
Herr Kloos war Leiter der BLE und hat offenbar keine Bedenken gegen diesen Grundrechtseingriff gehabt....
@ Geno-Bauer [#4]
Ich glaube, dass bei genau solcher Situation es besser wäre, den alten erfahrenen mit den Projekten zu betrauen und ihm gleichzeitig seinen Nachfolger an die Seite zu stellen, so dass alles Hand in Hand geht. So wäre es normal in der Privatwirtschaft.
Ich weiß auch gar nicht, ob für BLE Mitarbeiter nicht auch die Altersgrenze 67 ist; dann hätte er auch noch genug zu tun.
Bitterer Abschied
Von Klaus Jongebloed
Neue Osnabrücker Zeitung, Berlin/Hannover (26.01.10) - Es hätte alles so schön werden können. CSU-Agrarministerin Ilse Aigner ist schließlich ein gern gesehener Gast auf der Grünen Woche. Ihr Lächeln verzaubert. Und zudem findet die weltgrößte Verbraucherschau für Landwirtschaft, Ernährung und Gartenbau, die morgen zu Ende geht, in diesem Jahr zum 75. Mal statt. Aber es kam alles anders.
Aigner bläst ein eisiger Wind ins Gesicht – selbst in CDU und FDP. Vor allem aber aus Niedersachsen. Landwirte, Bauernfunktionäre und Politiker aus Deutschlands Agrarland Nummer eins sind stinksauer auf Aigner. Grund ist Gert Lindemann (62), der aus Niedersachsen stammt und schon unter Aigners Vorgänger Horst Seehofer (CSU) als Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium die Strippen gezogen hat. Doch damit ist Schluss. Aigner hat ihn gefeuert – ausgerechnet zu Beginn der Grünen Woche. Offiziell war von einer grundlegenden Umstrukturierung im Ministerium die Rede. Das Ministerium solle für die Herausforderungen der Zukunft neu aufgestellt werden, hieß es zur Begründung. Das ist Salz in den Wunden der Niedersachsen.
„Wir missbilligen das Ausscheiden“, sagt etwa Niedersachsens Landwirtschaftsminister Hans-Heinrich Ehlen (CDU) unserer Zeitung. Sein Sprecher Gert Hahne, der Lindemann noch aus dessen Zeit als Staatssekretär im niedersächsischen Landwirtschaftsministerium kennen und schätzen gelernt hat, drückt den Unmut, der sich derzeit gegen Aigner unter Funktionären und Politikern zusammenbraut, so aus: „Lindemanns Abgang auf der Grünen Woche ist für uns nicht ganz nachzuvollziehen.“
Der Mann sei ein Top-Verwaltungsbeamter. „Er war zwar nicht immer für alle bequem, aber er ist ein geradliniger, honoriger Mensch, der in zwei Jahren in Pension gegangen wäre.“ Was Hahne meint: Einen solchen Abgang hat Lindemann, der fast 30 Jahre im Agrarbereich politisch geackert hat, nicht verdient.
Und dann sagt der Sprecher einen Satz, der die Sprengkraft des Falls verdeutlicht und die Causa Lindemann zum Politikum werden lässt: „Lindemann wurde vermutlich abgelöst, weil er zu gut war.“ Möglich ist das tatsächlich, zumal Aigner lange Zeit vorgeworfen worden ist, zu wenige Akzente zu setzen. Die Entlassung Lindemanns könnte für die Bayerin ein Befreiungsschlag gewesen sein. Was sie möglicherweise nicht bedacht hat: Niedersachsen fürchtet um seinen Einfluss, nicht nur in Deutschland, sondern auch auf EU-Ebene. Und in diesem Jahr steht viel auf dem Spiel. Hahne: „Schon jetzt wird über die Neuverteilung der EU-Mittel für die Haushaltsperiode ab 2013 entschieden. Wenn wir bei den Verhandlungen nationalstaatlich nicht genug herausbekommen, bezahlen unsere Steuerzahler letztlich andere Agrarstandorte.“In einer solchen Phase sei es um so ärgerlicher, dass Deutschland durch die Entlassung Lindemanns an Gewicht verliere.
Dass Lindemanns Nachfolger Robert Kloos (51) in riesige Fußstapfen tritt, bestätigt Ulrike Hinrichs. Sie war unter Seehofer Leiterin der Pressearbeit im Leitungsstab des Ministeriums, hat fast fünf Jahre mit Lindemann zusammengearbeitet. Auch sie hält ihn für einen fachkundigen Experten mit strategischem Denken. In Krisensituationen wie Gammelfleisch und Vogelgrippe habe er bewiesen, „dass er es im Kreuz hat, ein solches Haus zu leiten“. Der Ex-Staatssekretär habe sich auf EU-Ebene durchsetzungsfähig gezeigt, im Agrarrat oft die Minister vertreten. Hinrichs hält das Ausbooten Lindemanns ausgerechnet während der Grünen Woche ebenfalls für äußerst ungünstig. Manche in Aigners Ministerium benutzen gar ein anderes Etikett: inakzeptabel.
Was Aigner mit ihrem Schritt angerichtet hat, wird klar, wenn selbst ein hoher Verbandsfunktionär unserer Zeitung hinter vorgehaltener Hand sagt: „Wir gucken da jetzt genau hin. Und wenn die Ministerin sich weiter so verhält, lassen wir sie auflaufen.“ In CDU-Reihen ist von einem „Riesenfehler“ die Rede. Agrarexpertin Christel Happach-Kasan vom Koalitionspartner FDP nennt Lindemanns Weggang einen „herben Verlust für die deutsche Agrarpolitik“ und warnt Aigner schon mal vor: „Es darf jetzt keine bayerische Landespolitik auf Bundesebene geben, gerade im Bereich Grüne Gentechnik.“
Wehtun dürfte Aigner auch die Einschätzung ihres bayerischen Landsmanns Sepp Huber (64), Amtschef im bayerischen Landwirtschaftsministerium, vergleichbar mit einem Staatssekretär in Niedersachsen, und langjähriger Weggefährte Lindemanns. „Er ist ein exzellenter Kenner der Agrarpolitik“, sagt Huber. Das wird auch die Frau Bundesministerin nicht bestreiten können.“ Er kann das gut einschätzen, denn er ist ein Freund Lindemanns. Zu gegenseitigen Besuchen auf einer Hütte in Bayern oder in einem Ferienhaus in der Lüneburger Heide habe aber oft die Zeit gefehlt. Das dürfte sich bald ändern. Huber hört in vier Wochen auf. Dann geht er mit 65 in Ruhestand – und hofft auf einen schönen Abschied aus dem Amt.
(Quelle: http://www.neue-oz.de/information/noz_print/nordwest/24506525.html)
Der Autor trifft die Lage wirklich sehr gut... selten wird ein Personalentscheidung in der Politik so offen kritisiert!
Wenn das Landvolk und/oder der Bauernverband am das deutsche Ministerium (ver)zweifeln, gibt es immer noch die Option, dass wieder hinter den Kulissen mit dem französischen Landwirtschaftsminister über gemeinsame europäische Projekte verhandelt wird. Klingt kurios, ist aber u.U. besser, als sich auf Frau Aigner zu verlassen bzw. zielführender, als ihr die besten Ziele für unternehmerische Bauern beizubringen! Als Frau Künast das Sagen hatte, gab es schon einmal solche Allianzen...
Ich halte den Rauswurf für einen riesengroßen Fehler, der wohl die deutschen Positionen in Europa schwächen wird, zumindest kurzfristig!