Weizen: Düngung von schwachen Beständen
Schwache Wintergetreidebestände zu Vegetationsbeginn fördern
LWK Hannover (11.03.10) - Der lang anhaltende Winter mit hoher Schneelage und die starken Nachtfröste haben dem Wintergetreide in den letzten Wochen erheblich zugesetzt. Vielfach sind vor allem die älteren Blätter abgestorben. In wie weit Auswinterungsverluste zu verzeichnen sind, wird sich erst in den nächsten Tagen abschließend beurteilen lassen. Auch die derzeitige Nässe und Wechselfröste können dem Wintergetreide in nächster Zeit noch zusetzen.
Getreidebestand Ende des Winters
Auch der Witterungsverlauf im Herbst war für die Entwicklung des Wintergetreides nicht sehr förderlich. Infolge der starken Niederschläge Anfang Oktober hatte sich die Aussaat des Winterweizens deutlich verzögert. Nur die Wintergerste und die Weizenfrühsaaten haben sich normal entwickeln können. Die niedrigen Temperaturen haben aber auch bei früher Aussaat ein Überwachsen verhindert.
Welche Nährstoffgehalte in diesem Frühjahr im Boden gefunden werden, lässt sich derzeit noch nicht abschließend klären. Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Werte im Durchschnitt der letzten Jahre liegen – teilweise auch darüber. Vor allem auf den leichten Böden zeichnen sich jedoch Verlagerungen des Stickstoffs in die untere Bodenschicht ab.
Schwache Gerste mit Volldünger fördern
Der Anbauumfang der Gerste ist im Herbst deutlich zurückgegangen. Dazu beigetragen haben trotz der guten Ernte vor allem die schlechten Preise, die hohen Ertragsschwankungen in den letzten Jahren, aber besonders die Konkurrenz durch die ökonomisch besser gestellten Früchte Mais und Weizen. Viele Gerstenbestände zeigen derzeit starke Blattverluste. Vor allem auf den schwächeren Standorten sollte daher die Gerste frühzeitig angedüngt werden, um die Entwicklung der Triebe zu unterstützen. Sofern sich die Grundnährstoffversorgung nur im unteren Bereich der Gehaltsklasse C oder in B befindet und keine Herbstdüngung durchgeführt wurde, ist eine Andüngung mit einem Volldünger vorteilhaft, da neben Stickstoff auch Phosphat die Jugendentwicklung und auch die Bestockung deutlich verbessert. Beim Einsatz eines Volldüngers kann die Stickstoffmenge auf ca. 50 kg N/ha begrenzt werden. Phosphat kann alternativ auch preiswerter als DAP ausgebracht werden. Dabei reichen bereits 0,8 – 1 dt/ha (37 – 46 kg P2O5; 15 – 18 kg N/ha) aus. Die fehlende Stickstoffmenge kann ergänzend mit SSA ausgebracht werden. Schwefel ist neben Stickstoff und Phosphat ein weiterer wichtiger Hauptnährstoff, der nach den stärkeren Niederschlägen in diesem Winter in diesem Frühjahr unbedingt eingesetzt werden sollte. Die eingekauften schwefelhaltigen Stickstoffdünger beeinflussen die Stickstoffdüngestrategie, da sie unterschiedliche Stickstoff-/ Schwefelverhältnisse aufweisen. Vor allem SSA weist bekanntlich ein recht ungünstiges Nährstoffverhältnis auf (21 % N; 24 % S). Auf schwächeren Standorten kann SSA zunächst früh vorgelegt werden. Der Schwefelbedarf der Gerste liegt bei ca. 20 kg S/ha. Dementsprechend können 1 – 2 dt/ha SSA vorgelegt werden (21 – 42 kg N/ha). Zur weiteren Unterstützung der Bestockung kann dann eine zweite Gabe (1b) ab Mitte bis Ende März nachgelegt werden. Dies kann wie oben dargestellt mit DAP oder mit KAS, Harnstoff oder AHL erfolgen. Schwache Gerste sollte insgesamt mit etwa 70 – 80 kg N/ha angedüngt werden. Normal entwickelte Gerste kommt auf den meisten Standorten mit einer Andüngung von 50 kg N/ha aus. Diese Menge kann gut mit den bewährten schwefelhaltigen Stickstoffdüngern wie Piamon, ASS oder Domamon (AHL + Schwefel) erfolgen. Die Düngung sollte zu Vegetationsbeginn ab etwa Mitte März durchgeführt werden. Gerste, die im Herbst u. a. mit organischen Düngern gedüngt wurde und die den Winter gut überstanden hat, sollte eher verhalten und nicht zu früh angedüngt werden. Schwefel kann im Frühjahr u. a. auch mit Kieserit (25 % MgO; 20 % S) oder Kalimagnesia (30 % K2O; 10 % MgO; 17 % S) ausgebracht werden. Bei erwartetem Mangel sollte bei der S-Düngung die Sulfatform in den genannten Düngern elementarem Schwefel vorgezogen werden, da dieser im Boden erst oxidiert werden muss.
Die Witterung Ende März und Anfang April, das Nachlieferungsvermögen des Standortes sowie die Höhe der Andüngung beeinflussen den Termin der Schossergabe. Der normale Düngetermin liegt etwa zwischen dem 5. – 15. April (BBCH 29/ 30). Zur Bestimmung des Termins der Schossergabe leistet die Pflanzenanalyse (Nitracheck) gute Dienste. Bei der Bemessung der Schossergabe sollte der Nmin-Gehalt berücksichtigt werden. Sofern kein Standortwert vorliegt, ist es nach DVO vorgeschrieben, Vergleichswerte - z. B. die Nmin-Richtwerte der Landwirtschaftskammer - heranzuziehen. Bei einem mittleren Nmin-Gehalt von 30 kg N/ha sollten ca. 60 kg N/ha zum Schossen gedüngt werden (90 kg N/ha – Nmin). Auf sehr schwachen Standorten und bei sich abzeichnender starker Trockenheit können Schossergabe und Abschlussgabe (ca. 50 kg N/ha) auch zusammengefasst werden. Bei geringer Ertragserwartung sollte jedoch ein Abschlag von 20 – 40 kg N/ha vorgenommen werden.
Auf den meisten Standorten hat sich die Düngung in drei Gaben bewährt. Die Abschlussgabe sollte jedoch nicht zu spät erfolgen - in der Regel bereits beim Beginn des Schieben des Fahnenblattes. Die letzte Gabe ist mit 50 – 60 kg N/ha ausreichend bemessen. Eine höhere Gabe hat keinen Einfluss auf das Hektolitergewicht. Das Stickstoffdüngeniveau der Wintergerste ist mit dem bekannten Sollwert von 190 kg N/ha und unter Berücksichtigung der Korrekturfaktoren (Abb. 1) gut bemessen.
Späten Stoppelweizen stärker andüngen
Die Statistik belegt, dass der Weizen im Anbauumfang etwa gleichgeblieben ist. Aufgrund der starken Niederschläge im letzten Oktober wurde der Stoppelweizen jedoch häufig nicht termingerecht Ende September bis Anfang Oktober bestellt. Da der Weizen nach Weizen eine deutlich schlechtere Wurzelentwicklung aufweist als Raps- oder Rübenweizen, muss der späte Stoppelweizen - zumal wenn er pfluglos bestellt wurde – in der Jugendphase besonders gefördert werden. Sofern keine Herbstdüngung erfolgte, sollte auch beim schlecht entwickelten Stoppelweizen zu Vegetationsbeginn ein Volldünger oder DAP in Kombination mit einem schwefelhaltigen Dünger, z. B. SSA, gedüngt werden. Eine höhere Andüngung ist zudem auf Marschböden und auf kalten Tonböden erforderlich. Nach unseren Erfahrungen ist es ratsam, auch auf den schwächeren Böden den Schwerpunkt der Düngung eher auf die Schossergabe zu legen. Für eine bessere Effizienz hat das Teilen der Schossergabe Vorteile. Eine frühe Schossergabe ab BBCH 29 (ca. 10. – 20. April) kann dabei - falls erforderlich - die Bestockung noch einmal unterstützen. Schwächere Bereiche wie Tonköpfe können zudem gezielt durch eine hohe frühe Schossergabe in ihrer Entwicklung gefördert werden. Den höchsten Nährstoffbedarf haben die Weizenbestände jedoch in der Streckungsphase ab Ende April/ Anfang Mai. Eine Zwischendüngung ist vor allem beim Stoppelweizen erforderlich, da das Nachlieferungsvermögen hier anders als beim Blattfruchtweizen nicht ausreicht, diesen hohen Nährstoffbedarf abzudecken. Eine Düngung in dieser Phase mit ca. 60 kg N/ha kann auch bereits einen Teil der Ährengabe einbeziehen. Der spätere Rübenweizen sowie hoch angedüngter Weizen kann meist in drei Teilgaben gedüngt werden. Voraussetzung ist, dass die Schossergabe erst nach dem ca. 20. April ausgebracht wird. Der Abstand zur Abschlussdüngung bleibt dann etwa im Bereich von ca. 4 Wochen (Mitte Mai).
Das Gesamtstickstoffniveau bestimmt den Eiweißgehalt
In den letzten beiden Jahren waren die Eiweißgehalte vieler Partien eher unterdurchschnittlich. Grund für die schlechte Eiweißausbildung im letzten Jahr war vorrangig die Hitze Anfang Juli, die eine schnelle Abreife der Bestände nach sich zog. Wie im Vorjahr zeigte sich dementsprechend ein hoher Eiweißgehalt in Frühsaaten und eine Abnahme der Gehalte mit zunehmender Saatzeitverzögerung. Die Versuche der letzten Jahre bestätigen jedoch die Erkenntnis, dass der Eiweißgehalt mit zunehmender Höhe der Stickstoffdüngung ebenfalls zunimmt. Beim Backweizen hat sich gezeigt, dass ausreichende Proteingehalte bei höherem Ertragsniveau erst ab einem N-Angebot (Düngung inkl. Nmin-Gehalt) von 250 - 260 kg N/ha erzielt werden können. Die Verteilung hat demgegenüber kaum einen Einfluss auf den Eiweißgehalt. Die diesjährigen Versuche belegen, dass das Vorziehen der Ährengabe keinen Nachteil hatte, im Ertrag aber vorteilhaft war. Auch ein Teilen der Ährengabe hat den Proteinwert nicht positiv beeinflusst.
Düngermenge reduzieren?
Hohe Stickstoffdüngerkosten und eine eher geringe Preiserwartung zur kommenden Ernte werfen die Frage auf, ob die Intensität der Düngung zurückgefahren werden sollte. Die Diskussion in der Hochpreisphase hat jedoch gezeigt, dass das Stickstoffoptimum nur wenig von den Produktpreisen oder vom Preis des Düngers abhängt. Auch die Anzahl der Überfahrten fällt in mittleren Betrieben kaum ins Gewicht. Dennoch muss die Frage gestellt werden, ob es wirtschaftlich ist, hohe Eiweißgehalte anzustreben, wenn beim Verkauf Qualitätszuschläge kaum zu bekommen sind. Vor allem wenn klar ist, dass viele derzeitige A-Sorten nur eine schwache Eiweißausprägung haben. Ohnehin hat sich der E-Weizen-Anbau in die Regionen mit geringerer Ertragserwartung zurückgezogen. Die oben beschriebene schossbetonte Düngung und das frühe Abschließen der Düngung sichern damit vorrangig einen hohen Ertrag bei guter N-Effizienz. Eine zu starke Andüngung Anfang März sowie eine zu starke Betonung der Ährengabe sollten daher vermieden werden. Die Ausrichtung der Düngung am Sollwert von 230 - 250 kg N/ha unter Berücksichtigung der Korrekturfaktoren (Abb. 2) stellt somit eine solide Basis für die Düngeplanung dar. Letztendlich bleibt jedoch festzuhalten, dass im Hinblick auf den Ertrag die schwächeren Standorte den gleichen, häufig sogar einen höheren Düngebedarf haben als die Hochertragsstandorte.
Einsatz organischer Dünger im Frühjahr
Durch die Zunahme der Biogasanlagen kommen auch in Ackerbauregionen immer mehr organische Dünger im Frühjahr zum Einsatz. Erfahrungen aus Versuchen belegen, dass Gärreste etwa wie Schweinegülle bewertet werden können. Die Effektivität steigt jedoch mit zunehmendem Ammoniumgehalt an. Zur Bewertung der organischen Dünger sollten in jedem Fall Nährstoffanalysen durchgeführt werden. Gülle und Gärreste sollten möglichst früh zu Vegetationsbeginn ausgebracht werden, um eine gute Wirkung sicherzustellen. Die Aufnahmefähigkeit der Böden (Dünge-VO) muss jedoch beachtet werden. Die Mineraldüngeräquivalente liegen bei etwa 50 – 70 %. Die auszubringende Menge sollte etwa bei 120 kg N/ha – Nmin liegen (anrechenbarer Stickstoff). Bei Gerste reicht in den meisten Fällen eine einmalige Nachdüngung von ca. 70 kg N/ha zum Schossen. Beim Weizen sollte zudem eine geringe Abschlussdüngung von ca. 40 kg N/ha eingeplant werden. Eine höhere Sicherheit beim Einsatz von Wirtschaftsdüngern lässt sich durch die Anwendung der Pflanzenanalyse erreichen.
(Quelle: http://www.lwk-niedersachsen.de/index.cfm/portal/2/nav/341/article/14016/rss/0.html)
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Datenquelle: Landwirtschaftskammer Hannover