Richard Ebert
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Weizen: Preise werden künftig zwischen 100 und 300 Euro schwanken

Getreidevermarktung: Künftig sind gute Nerven gefragt

Topagrar.at (04.09.09) - Der jüngste Preissturz beim Getreide hat einen Vorgeschmack darauf gegeben, worauf sich Ackerbauern bei der Vermarktung ihrer Ernte künftig einstellen müssen. Darin waren sich die Teilnehmer einer Podiumsdiskussion zu aktuellen Markttrends im Rahmen der DLG-Unternehmertage in Würzburg einig.

Jörg Weinhausen von der Rabobank International in Frankfurt geht davon aus, dass die rasche Abfolge von Hoch- und Tiefpreisphasen bei Agrarrohstoffen zur Normalität wird. „Ein Preiskorridor zwischen 100 und 300 €/t wird zum täglich Brot bei der Weizenvermarktung“, erklärte der Marktexperte.

Den künftigen Gleichgewichtspreis für Weizen sieht Weinhausen zwischen 170 und 230 €/t, das Preisband werde sich gegenüber früheren Jahren also deutlich nach oben verschieben. Solange der Weizenmarkt eine Bugwelle an Überschüssen vor sich herschiebe, sei aber nicht an eine Rückkehr in solche Preisregionen zu denken, zerstörte Weinhausen die Hoffnung vieler Ackerbauern auf eine baldige Normalisierung am Weizenmarkt.

Den künftigen Gleichgewichtspreis für Weizen sehen Marktexperten zwischen 170 und 230 €/t

„Erst zur Ernte 2010 wird sich zeigen, ob die Weizenerzeuger rund um den Globus stark genug auf die Bremse gestiegen sind, um das Angebot zu verknappen“, so Weinhausen. Selbst viele Spekulanten hätten sich aus dem Bereich der landwirtschaftlichen Waren zurückgezogen, da Aktien momentan größere Renditen versprächen.

Nachfrageschub für Weizen?

Laut Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank, könnten die Weizenpreise demnächst von der Nachfrageseite einen Schub erfahren. Der Banker geht davon aus, dass die weltweit aufgelegten Konjunkturprogramme und Zinssenkungen schnell greifen. Vor allem in den Schwellenländern könnte dies die Nachfrage nach Agrarrohstoffen kurzfristig beflügeln.

Ein wichtiger Frühindikator sind für Hellmeyer die Energiepreise: „Das Rohöl läuft als erstes nach oben, anschließend folgen die Agrarrohstoffe.“ Ein aus Erzeugersicht positiver Nebeneffekt: Teures Rohöl macht Biotreibstoffe attraktiver, was große Mengen Getreide und Ölsaaten bindet.

Auch mit „zweitbestem“ Preis zufrieden geben

DLG-Vorstandsmitglied Carl-Christian von Plate-Stralenheim warnte davor, immer dem höchsten Preis hinterher zu jagen. „Niemand kennt den besten Vermarktungszeitpunkt im Voraus“, so von Plate-Stralenheim, der im niedersächsischen Imbshausen einen Ackerbaubetrieb leitet. Daher könne es auch eine Strategie sein, sich grundsätzlich mit dem „zweitbesten Preis“ zufrieden zu geben.

Geschäfte sollten in Zukunft immer dann gemacht werden, wenn man mit dem Ergebnis gut leben kann. „Aber nur wer seine Stückkosten kennt, kann den richtigen Zeitpunkt für eine Kosten deckende Vermarktung finden“, so das DLG-Vorstandsmitglied.

Gerstenpreis vor dem freien Fall?

Daniel Musmann, Getreide- und Ölsaatenhändler bei der Josef Marschall GmbH in Schwaig/Nürnberg, riet Getreideerzeugern, künftig nur noch anzubauen, was der Markt auch verlangt. Schon heute mache es keinen Sinn, Futtergerste für die Intervention zu produzieren. Nach der Ernte 2010 gebe es bei der Gerste keine staatlichen Aufkäufe zu Mindestpreisen mehr. Dann könnte die Gerste zumindest vorrübergehend auf 70 bis 80 €/t fallen, befürchtet Musmann.

Anders als die Gerste inde guter Brotweizen auf dem Weltmarkt immer einen Abnehmer, da Weizen nach Reis das zweitwichtigste Grundnahrungsmittel sei. Allerdings, schränkte Musmann ein, könne deutscher Weizen momentan preislich nicht mit vergleichbaren Qualitäten aus Frankreich oder dem Schwarzmeerraum mithalten. Derzeit könnten hohe Aufschläge für Qualitätsweizen erzielt werden, berichtete der Händler aus dem Tagesgeschäft. Guter Weizen sollte möglichst rasch vermarktet werden, da die Aufgelder im weiteren Saisonverlauf abschmelzen dürften.

(Quelle: http://www.topagrar.at/home/index.php?option=com_content&task=view&id=1401&Itemid=1)

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Geschrieben von Richard Ebert am
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