Weizen: Spread Ernte 2011-2012 - falsche Preise am Markt ?
Folgende Momentaufnahme bei den Weizenpreisen hüben wie drüben:
CBot Dez11: 8264
CBot Dez12: 9092
Diff: 2011-2012: -828 cent/bu = -22 Euro/to
Paris Nov11: 231
Paris Nov12: 215
Diff: 2011-2012: +16 Euro/to
Diff total: 38 Euro/to
Habe vor, einen CBoT Spread zu verkaufen und einen Euronext Spread zu kaufen. Entweder liegen die Amerikaner falsch oder die Europäer...
Hallo !
Denke es dürfte richtig sein; überlege auch so zu handeln.
Die Preise für Weizen hier dürften eher steigen, auch in 2012.
Hier die vier Terminkurse im Vergleich:
Hallo Herr Ebert,
mit Veredlungskartoffeln den falschen chart erwischt ?
@ bbw [#4]
Ist vielleicht ein sanfter Hinweis, statt dem elitären Weizen und Mais auch mal was Bodenständiges zu handeln ;-).
@ MZI [#1]
Warum sollte die Differenz zwischen den beiden Spreads nicht bis zum Verfall im November weit bleiben bzw. wieder weiter werden?
Natürlich kann es mal Annäherungen dieser Spreads geben, wenn z. B. Weizen am Kassamarkt in den USA sehr nachgefragt wird (z. B. jetzt als Substitut für Mais). Im Augenblick spricht aber m. E. mehr dafür als dagegen, dass die weite Differenz der Spreads bleibt.
Bei Deiner Strategie spekulierst Du ja eigentlich nicht auf Weizenpreise sondern auf eine unterschiedlich starke Änderung des Carry zwischen Europa und den USA.
Nun wird dieser in den USA aber durch die Besonderheit der "Variablen Lagerhaltungskosten" beeinflusst.
Das hat man in Europa nicht.
Siehe hierzu #388 in:
http://www.terminmarktwelt.de/cgi-bin/nforum.pl?ST=158443&CP=0&F=47
@ ladowa [#5]
Kartoffel handel ich doch sowieso.
Große Mengen und physisch und als 1998 die WTB Hannover gegründet wurde hatte ich bis zu 30 % der offenen Positionen...... das waren noch Zeiten....lach.....
Thomas
@ bbw [#4]
Die Grafik Chicago Weizen in Beitrag [#4] ist jetzt korrekt zu sehen. Sorry für den Fehler.
Die Situation ist ziemlich krass und ich habe keine Erklärung für das unterschiedliche Verhalten der beiden Märkte.
Vielleicht können sich die Getreide Fachleute äußern ?
Schöne Grüsse, Richard Ebert
@ Richard Ebert [#8]
Unterschiedliche Qualitäten? Wie hoch sind die Transportkosten über den Atlantik? Gibts noch freie Frachtschiffe nach Ernteende? Der spread sieht verlockend aus, aber jeder ausserhalb TMW sieht das auch. Klingt zu gut um erfolgreich zu arbitrieren. Grüsse SPOMI
"Der spread sieht verlockend aus"
Ist das so ?
siehe aber #6 !
@ peterg [#10]
Ich nehme an, der Weizen in Paris wird in Euro gehandelt.
Welche Rolle spielt bei diesem Spread der Wechselkurs ? Wie schaut der Spread aus, wenn beide Kontrakte in derselben Währung dargestellt werden ? Oder ist das in obigem Chart bereits berücksichtigt ?
Mit besten Grüßen, Myrrdin
@ SPOMI [#9]
Transportkosten: In der FAZ vom 15.06.11 ist auf Seite 21 ein Beitrag mit der Überschrift 'Welle von Werftaufträgen belastet Frachtraten'.
Dabei eine Grafik, die zeigt wie der Baltic Dry Index, der Ende 2009 im Hoch bei 4.635 nach einer längeren Seitwärtsbewegung auf in diesem Jahr zeitweise rund 1.200 und zuletzt 1.424 Punkte gefallen ist.
Es scheint so, als wäre genügend Frachtraum für Trockenfrachten, also auch Getreide, am Markt, und das zu sehr niedrigen Preisen.
@ Myrrdin [#11]
Charts in der gleichen Währung lassen sich auf Chartbuch.de nicht darstellen. Ja, Paris handelt in Euro. Das erklärt aber überhaupt nicht, dass 2012-er Weizen in Chicago rund 10 % über 2011 gehandelt wird und in Paris rund 5 % unter dem 2011er.
Nach meiner (nicht umfassenden) Kenntnis geht es weniger darum, ob Weizen von Europa in die USA verschifft wird oder umgekehrt, als darum, dass Drittländer (Afrika und andere) mit Importbedarf bei ungefähr gleichen Frachtraten den Kassaweizen immer im billigsten Land kaufen, auch Australien oder Russland dürften zu den Exporteuren zählen.
Schöne Grüsse, Richard Ebert
@ Richard Ebert [#12]
Sehr aussagefähige Erklärung.
Weiter oben wurde noch die Qualität des W angesprochen. Hier bleibt zu erwähnen, dass die Qualitäten von Chicago und Paris in etwa als gleich einzuschätzen sind. KW und MW hätten allerdings bessere Qualitäten, aber darum geht es hier nicht.
Thomas
@ peterg [#6]
Ich habe versucht die Mechanik des VSR zu verstehen. Es ist mir leider nicht gelungen, daher nochmals meine Nachfrage. Sie schreiben:
"Als Antwort darauf entwickelte man die variable Storage rate. D. h. wenn der Spread zwischen Futurekontrakten über einem bestimmten Prozentsatz der Lagerhaltungskosten liegt, werden diese automatisch um einen bestimmten Betrag erhöht. Natürlich gilt auch das Gegenteil."
+ Wer definiert die Lagerhaltungskosten?
+ "Automatisch" heißt wohl in diesem Zusammenhang: Nach einer Formel. Wo kann diese eingesehen werden?
+ Wie kann ein Besitzer von Lagerraum seine Lagerhaltungskosten erhöhen oder erniedrigen. Dies sind Kosten die aus einer Kalkulation entstehen.
+ Entstehen hier zusätzliche Zahlungsflüsse zwischen Lagerraumbesitzer und Warenbesitzer?
Vielleicht könnten Sie auf eine entsprechende Literatur zu diesem Thema verweisen. Vielen Dank.
mfg
MZI
@ MZI [#14]
Das wären auch meine Fragen. Und wer zahlt gegebenenfals drauf?
@ MZI [#14]
+ Wer definiert die Lagerhaltungskosten?
Die CBT
+ "Automatisch" heißt wohl in diesem Zusammenhang: Nach einer Formel. Wo kann diese eingesehen werden?
siehe:
http://www.terminmarktwelt.de/cgi-bin/nforum.pl?ST=158443&page=32
hier Beitrag #322
http://www.cmegroup.com/trading/agricultural/files/VSR-White-Paper-FINAL.pdf
siehe auch entsprechende Seiten auf der CME-Site
+ Wie kann ein Besitzer von Lagerraum seine Lagerhaltungskosten erhöhen oder erniedrigen. Dies sind Kosten die aus einer Kalkulation entstehen.
siehe:
http://www.feedandgrain.com/article/10229080/wheat-the-road-to-convergence
Ich denke ein Besitzer von Lagerraum kann natürlich seine Lagerhaltungskosten frei bestimmen. Wenn aber die offiziellen Lagerhaltungskosten der großen Lagerhallen der CBOT ansteigen, wird sich jeder private Getreidespeicherbesitzer und Bauer der Weizen einlagert die Hände reiben.
+ Entstehen hier zusätzliche Zahlungsflüsse zwischen Lagerraumbesitzer und Warenbesitzer?
Ja sicher, das ist ja gerade beabsichtigt um eine Konvergenz zwischen Futures und Kassakursen wieder zu verbessern.
(Nebenbei: Schaut mal wie z. B. Goldman Sachs etc. in den letzten Jahren ihre Engagements in Öltanker, Lagerhallen für Metalle, Agrargüter ausgeweitet haben.)
weitere Literatur zum Thema:
http://www.farmfoundation.org/news/articlefiles/1708-Scott%20Irwin%20Contract%20Design%20June%202009.pdf
http://www.farmdoc.illinois.edu/irwin/research/CBOTFuturesPerformance.pdf
http://www.grainprofessional.com/blog/?p=49
http://www.doane.com/KCWHEAT072010.pdf
http://krex.k-state.edu/dspace/bitstream/2097/8771/1/AdamFlavin2011.pdf
etc. etc.
Danke sehr. Sehr viel gelernt!
MZI
@ peterg [#16]
Vielen Dank für die detaillierte Recherche. Dieses Thema war mir bisher nicht so bewusst.
Myrrdin