Richard Ebert
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Weizen: Stadtwerke versenken Millionen in der Ukraine

Millionengrab Ukraine ? - Agrar-Projekt der Stadtwerke Uelzen: Tiefrote Zahlen, brachliegende Äcker

Von Thomas Mitzlaff

Allgemeine Zeitung, Uelzen (22.02.10) - 3,5 Millionen Euro wurden in den Maschinenpark in der Ukraine gesteckt - durch ein neues Düngemittelprogramm wollen die Verantwortlichen die Flotte jetzt mehr Erträge einfahren lassen.

Rote Zahlen in siebenstelliger Höhe, brach liegende Flächen und ein Hoffen auf bessere Ernten: Die Bilanz der ersten drei Jahre des Stadtwerke-Engagements in der Ukraine fällt katastrophal aus. Mit neuen Gesichtern in der Führungsmannschaft hofft man das Projekt zu retten. Doch der Plan steht auf wackeligen Füßen: Denn dazu werden 30 Prozent höhere Ernte-Erträge gebraucht - und andere Unwägbarkeiten sind noch nicht einmal einkalkuliert.

Betrieben wird das Landwirtschaftsprojekt in Osteuropa von der "Sustainable Bio Energy Holding GmbH" (SBE), an der die Stadtwerke Uelzen und Schwäbisch Hall mit je 37,49 Prozent sowie die Alensys AG, ein Unternehmen, das sich auf die industrielle Biokraftstoffproduktion spezialisiert hat, mit 25,02 Prozent beteiligt sind. Die SBE hat in der Ukraine insgesamt 11700 Hektar Land angepachtet - und dabei nach Expertenmeinungen grobe Fehler begangen. So wird von den Flächen mit nur 5050 Hektar bislang nicht einmal die Hälfte bewirtschaftet, Pacht muss dennoch für das gesamte Land gezahlt werden.

Zehn Millionen Euro wurden laut Falk-Wilhelm Schulz, SBE-Geschäftsführer und Prokurist bei den Stadtwerken Uelzen, bislang in das Projekt gesteckt, vier Millionen allein von den hiesigen Stadtwerken - ein Kraftakt für das Unternehmen, das laut Geschäftsbericht im Jahr 2007 einen Bilanzgewinn von 631000 Euro und 2008 von 784000 aufweist.

"Unsere laufenden Kosten in der Ukraine belaufen sich auf etwa drei Millionen Euro jährlich", so Schulz gegenüber der AZ. Dem gegenüber stehen Erlöse mit Weizen und Raps von lediglich 2,1 Millionen Euro. Man hoffe jetzt durch 30 Prozent höhere Ernten durch ein neues Düngerprogramm auf den derzeit bewirtschafteten Flächen und einer "Optimierung der Abläufe" im Jahr 2011 eine schwarze Null schreiben zu können und 2012 erstmals Gewinne zu machen.

Doch diese Rechnung steht offenbar auf tönernen Füßen: So sind die Wetterschwankungen in der Ukraine viel größer als in Deutschland und können entsprechend die Ernten beeinflussen. Außerdem sind bei dieser Rechnung mögliche Schwankungen bei den Weltmarktpreisen für Getreide nicht einmal berücksichtigt, ebenso wenig Kursschwankungen der labilen ukrainischen Währung.

Der Aufsichtsrat der Stadtwerke hatte auf seiner jüngsten Sitzung die "Strategie" der SBE dennoch abgesegnet. Dazu gehört, dass mit Claus Dieter Lang ein zweiter Geschäftsführer neben Schulz die Geschicke von Uelzen aus leitet, in der Ukraine wurde ein neuer Betriebsleiter eingesetzt.

Vor Ort löst derweil das Gebaren der SBE bei anderen deutschen Landwirten in der Ukraine Fassungslosigkeit aus. "Da ist der totale Größenwahn ausgebrochen, die haben sich völlig übernommen", erklärte etwa ein Getreideanbauer gegenüber der AZ.

Der Bund der Steuerzahler (BdS) hatte das Projekt von Anfang an kritisch gesehen: Er befürchte, dass den Stadtwerken die Geschäfte in Osteuropa über den Kopf wachsen könnten, hatte BdS-Geschäftsführer Bernhard Zentgraf schon vor knapp drei Jahren gesagt und Fragen in "finanzieller, risikobezogener, gesellschaftspolitischer und kommunalpolitischer Hinsicht" an Uelzens Bürgermeister Otto Lukat geschickt.

Das Uelzener Stadtoberhaupt erwiderte damals dem Steuerzahlerbund, das sei "kluge Geschäftspolitik".

(Quelle: http://www.az-online.de/uelzenliste/00_20100223010058_Millionengrab_Ukraine.html)

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