Weizen und Raps mit System vermarken
Getreide und Raps mit System vermarkten
Agrar.heute, Bonn (28.06.07) - Laut Angaben des Marktanalysten Dr. Reimer Mohr ist eine Analyse des eigenen Unternehmens die Grundlage bei der Entwicklung einer geeigneten Vermarktungsanalyse.
Angesichts zunehmender Preisschwankungen auf den Märkten für Getreide und Ölsaaten sollten Landwirte bei der Vermarktung ihres Getreides und ihres Rapses weniger auf die Maximierung der Verkaufserlöse achten, als vielmehr darauf, dass sie ihre Liquidität zu jedem Zeitpunkt aufrechterhalten und eine kostendeckende Bewirtschaftung sicherstellen. Dies rät Dr. Reimer Mohr, betriebswirtschaftlicher Berater und Marktanalyst aus Schleswig-Holstein. "Erfolgreiche Betriebe wählen ihren Vermarktungszeitpunkt so, dass sie beim Verkauf im Durchschnitt der Jahre das höchste Drittel der Preisverläufe erreichen".
Zu der Analyse des eigenen Unternehmens zähle neben der Berücksichtigung der ungefähren Produktionsmengen sowie der Lagerkapazitäten auch eine detaillierte Liquiditätsanalyse. Hierzu schlägt der Agrarwissenschaftler die Ermittlung der individuellen Risikoschwellen vor. Mit diesem Instrument könnten Landwirte ermitteln, wie stark der Erlös eines Verkaufs maximal schwanken dürfe, ohne das eigene Unternehmen in Gefahr zu bringen. "Erst wenn die individuelle Situation des Betriebes klar auf dem Tisch liegt, soll man sich im Detail mit den Märkten beschäftigen".
Im Hinblick auf die Prognose zukünftiger Marktentwicklungen gebe es eine Vielzahl teilweise divergierender Meinungen. Insofern bleibe dem Landwirt nichts anderes übrig, als sich auf Basis der Analysen selbst eine Meinung über die Zukunft der Märkte zu bilden. Sicher sei für Mohr lediglich, dass sich die Verhältnisse auf globalisierten Märkten schnell und deutlich ändern könnten. Gerade deshalb sehe er die Wahl einer Vermarktungsstrategie vor allem im Hinblick auf das Verteilen und Ausgleichen von Risiken als vordringlich an. Jede der in Frage kommenden Vermarktungsstrategien beinhalte Vor- und Nachteile.
So enthalte ein sofortiger Verkauf der Ernte mengenmäßig keine Risiken, da sich der Landwirt nicht vorab auf das Andienen einer konkreten Menge verpflichtet habe. Dagegen ginge man mit dieser in der Landwirtschaft am häufigsten verbreiteten Handelsstrategie hinsichtlich des Preises voll ins Risiko. "Da ist man tagesaktuellen Preisen ausgeliefert", warnt Mohr. Selbiges gelte für Risiken, die sich aus Veränderungen der Preisdifferenz zwischen Warenterminbörse und dem regionalen Erzeugerpreis ergeben. Hier seien unter anderem Lagerkosten, Transportkosten, Handelsspanne oder auch die regionale Wettbewerbssituation zu berücksichtigen.
Vor diesem Hintergrund weise jede Vermarktungsstrategie spezifische Risiken auf. Schaltet ein Liefervertrag das Preis- und das Basisrisiko aus, so bleibe der Landwirt aber zur Ablieferung einer konkreten Menge verpflichtet. Insofern entschließen sich nach Aussagen Mohrs viele Landwirte dazu, nur Teile der Ernte per Liefervertrag zu vermarkten. Bei einer Preisabsicherung über die Börse könne ein Landwirt sein Preisrisiko ausschalten. Bestehen bleibe aber das Basisrisiko. (aid)
(Quelle: http://www.agrarheute.com/index.php?redid=170260)
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Nie gekannte Preisschwankungen beim Weizen: